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Ich will einen Heatball

Mit Wehmut verabschiedete ich mich von der Glühbirne. Jetzt könnte es eine Wiedersehen geben. Wenn aus der Glühbirne der Heatball wird.

Mittlerweile sind in meiner Wohnung immer mehr Energiesparlampen. Das macht in Räumen Sinn, in denen die Lampen lange brennen. Dort sparen sie Energie und haben eine lange Lebensdauer. Im Flur, auf der Toilette oder im Bad, wo man sich in der Regel nicht mehrere Stunden aufhält, sind Energiesparlampen Unsinn. Das ständige an- und abschalten geht auf Kosten der Lebensdauer der Leuchtstofflampchen. Und wenn man sie wegwerfen muss, werden sie wegen des Quecksilbers in ihrem Inneren zu einer großen Umweltbelastung.

Die Energiesparlampe ist aber auch ein Symbol für politischen Scheinaktionismus und Gängelung der Bürger. Es bringt für die Umwelt nichts, aber erweckt den Anschein von Aktivität auf Seiten der Politiker. Rudolf Hannot aus Niederzier wollte das Verbot der Glühbirnen umgehen. Er will sie als “Heatballs” nach Deutschland importieren. Aus der Schwäche der Glühbirne macht er eine Stärke: Er hat sie als Mini-Heizungen deklariert, die in Lampenfassungen passen. Immerhin: Einen großen Teil der Energie geben die Glühbirnen als Wärme und nicht als Licht ab.

Im Moment kann man die Heatballs nicht kaufen – die ganze Sache hängt vor Gericht. Aber sollten sie wieder auf den Markt kommen werde ich mir welche holen – als kleine Heizung für die Nasszellen.

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12 Kommentare zu “Ich will einen Heatball

  • #1
    PPP

    Das mit der Umweltbelastung durch Quecksilber ist eine weit verbreitete Legende. Glühbirnen stoen durch ihren hohen Stromverbrauch indirekt deutlich größere Mengen Quecksilber aus. Nur fallen die nicht im Müllheizkraftwerk, sondern im Kohlekraftwerk an. Vergleiche hierzu:

    http://www.innovations-report.de/html/berichte/energie_elektrotechnik/energiesparlampe_Oeko_siegerin_empa_berechnet_163821.html

    “Ein Kohlekraftwerk emittiert pro Stunde so viel Quecksilber, wie in 8400 bis 9000 Energiesparlampen enthalten ist.”

    “Mit europäischem Strommix, der zu einem Grossteil «fossil» produziert wird, erreichen Glühbirne und Energiesparlampe aufgrund des wesentlich höheren Stromverbrauchs der Glühbirne den «environmental break-even point» sehr schnell, etwa nach 50 Stunden.”

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @PPP: Aber zentral anfallende Belastungen kann man eher handeln als dezentral, in jedem Haushalt anfallende. ich denke LEDs werden der Durchbruch sein. Die heutigen Energiesparlampen und der Zwang sie zu nutzen sind einfach nur eine teure Gängelung.

  • #3
    Helmut Junge

    @Laurin (2),
    Völlig einverstanden. Die LED wird zügig kommen. Nur die Gängelung wird bleiben. Ich erwarte das Verbot von Energiesparlampen und damit den Zwang zur Nutzung von LEDs in etwa 5 Jahren.
    Wenn wir bei den Energiesparlampen nämlich die wahre Lebensdauer rechnen, dann Herstellungskosten und Entsorgungskosten von den Einsparkosten abziehen,
    ist die Energiesparlampe gar nicht mehr günstig, LEDs aber schon.
    Sobald brauchbare, günstige LEDs auf dem Markt sind, steige ich freiwillig um.

  • #4
    zersenser

    Ich kann diesen Unsinn mit der Gängelung nicht mehr hören. Ich kann diesen Unsinn für die Kurzzeitnutzung nicht mehr hören.
    Ja eine moderne Energiesparlampe IST teuerer. Aber dafür hält sie ja auch länger. Und wenn man nicht den Schrott von IKEA oder irgendeine Eigenmarkenverwurstung der Läden kauft, dann merkt man inzwischen keinen störenden Unterschied mehr. Im Gegenteil: Ich muss die nicht mehr regelmässig wechseln wie die alten “Heatballs”.
    Und ansonsten gibts mit LEDs und Halogen noch genügend Alternativen.

    Einfach mal umschauen.

  • #5
    Helmut Junge

    @zersenser#4 ,
    wenn die Energiesparlampe sich in freier Konkurrenz durchgesetzt hätte,
    dann wäre auch ein Verbot der Glühlampe nicht erforderlich gewesen.
    Das ist doch Gängelung.

  • #6
    Dieter Carstensen

    Soso, Heatballs als Heizung für Nasszellen.

    Wäre was für den Darwin – Award 2012, denn in Nasszellen machen derartige “Heizungen” öfter mal “zisch, brutzel, kokel” und weg ist der eifrige Heizer …

    Zu dem Irrsinn mit den Energiesparlampen sagte jüngst ein entnervter Elektriker:

    “Ihr da Ohm macht doch Watt Ihr Volt.”

  • #7
    Ben

    @4: Ich will aber als Student (oder Hartz4-Empfänger oder Wenigverdiener oder whatsoever) vernünftiges Licht für einen guten Preis. Es kann nicht angehen, dass Leuchtmittel wieder zum Luxusartikel werden. Ist mir persönlich ein bisschen zu retro.

  • #8
    Ulrich

    Heatball – tolle Idee. Wir beziehen übrigens Ökostrom. Bei uns verursachen normale Glühbirnen keine Quecksilber-Emissionen. Dazu wurde im vorletzten UVP-Report gezeigt, dass die Recyclingquote für die giftigen Leuchtmittel so niedrig ist, dass sie im Endeffekt mehr Quecksilber in unsere Umwelt entlassen als die alten Glühbirnen. Den Fans der giftigen Leuchtmittel empfehle ich einen Blick in die letzten vernichtenden Testergebnisse sowohl der Stiftung Warentest, des Umweltbundesamtes und von Ökotest. Z.B. ist die reale Lebensdauer längst nicht so lang wie behauptet und unter Laborbedingungen möglich. Weitere praktische Schwächen werden immer ignoriert: nach wenigen Jahren lässt die Leuchtkraft drastisch nach, sie verwandeln sich in Funzeln. Wenn ich Licht brauche, muss ich sie ersetzen, obwohl sie noch nicht kaputt sind. Bei einem weiteren dieser Leuchtmittel hat jetzt der interne Trafo einen Schaden und gibt ein – vor allem für meine Kinder höchst unangenehmes – “Sirren” (wie soll ich es besser bezeichnen?) – einen widerlich hohen Ton von sich. Streng genommen nicht kaputt, aber unbrauchbar.
    Hier hat die Lobby der Leuchtmittelindustrie unter dem Vorwand des Klimaschutzes – damit kann man heute offenbar auch Schwachsinn durchsetzen – die Euro- und Bürokraten wieder einmal zu einer Höchstleistung getrieben.

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  • #10
    Berlingonaut

    Mal ein paar relativierende Tatsachen zu Energiesparlampen im Vergleich zu konventionellen Glühlampen hinsichtlich des Umwelt- und Klimaschutzes:

    Energiesparlampen
    – sind in der Herstellung energetisch aufwändiger,
    – halten auch in der qualitativ hochwertigen Ausführung bei häufigem Kurzbetrieb nicht wesentlich länger,
    – müssen als Sondermüll energetisch aufwändiger entsorgt werden,
    – erfordern mehr wertvolle Rohstoffe bei der Herstellung,
    – die meist unter fragwürdigen Umweltbedingungen abgebaut werden,
    – gefährden Menschen unmittelbar, wenn ihr Glaskörper im Haushalt zerbricht.
    – fehlt die Wärmeleistung der konventionellen Glühlampe, die dann im Winter bei Dunkelheit leider von der Heizung aufgefangen werden muss, wodurch sich der Energieeinspareffekt relativiert.

    Unter dem Strich sind Energiesparlampen ein gutes Geschäft für die Leuchtmittelindustrie, mehr nicht. Und so war es auch vorgesehen.

  • #11
    Charlie

    @ zersenser

    Ganz so einfach ist das nicht. Von 3 installierten ESL eines namhaften Herstellers, teuer, sind mir 2 lange vor der versprochenen Lebensdauer verreckt. Ich glaub den Quatsch nicht mehr, tut mir leid.
    Entweder LED wird hell und bezahlbar, oder ich kaufe weiter “Heatballs” bzw. die Halogenvariante. Der Anteil am Gesamtstromverbraucht ist ohnehin minimal.

  • #12
    Michael Kolb

    Wie auch immer, die Aktion zeigt schön, daß man sich nahezu alles schlechtreden oder schönsau… äh… rechnen kann, kommt eben nur darauf an, von welcher Seite man sich der Sache nähert. Was Mathematik also so alles kann, das war hier ja auch schon an anderer Stelle ein Thema. Als Leuchtmittel, mit einem Wirkungsgrad von um die fünf Prozent, kommt die Glühbirne natürlich schlecht weg… Als Heizmittel mit einem Wirkungsgrad von nahezu 95 Prozent ist der heatball Anwärter auf eine triple X… ne… A award. Wenn die Entwickler es nur irgendwann schaffen würden, diese fünf Prozent Lichtsmog zu eliminieren…

    Ich stell mir die Gesichter der Leute beim Zoll vor, während sie die Frachtpapiere mit dem Inhalt der Kisten vergleichen. Heizelemente für Niedrigenergieunterkünfte… da erwartet man doch was spektakuläres… ‘ne hochkomplizierte Wärmepumpe, ‘nen simplen Delitum Kern oder zumindest Kaminpellets aus Tropenholz… aber ne, Pustekuchen… da käme ich mir als Staatsgewalt auch verhohnepiepelt vor.

    Interessant finde ich Gerüchte aus der Industrie, also der asiatischen, demnächst mit Produktinnovationen auf den Markt kommen zu wollen… 99 oder 74 Watt Leuchtmittel auf den Markt zu bringen…

    Um zum Anfang zurückzukehren: In meine Kaiser oder Artemide wird niemalsnimmernich so ein Energiesparkrempel geschraubt, das wäre einfach nur falsch. Falls mein Vorrat nicht reichen sollte, dann rauche ich einfach mehr und esse mehr Schweinefleisch.

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