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Immer wieder sonntags: Entgrenzter Journalismus

Über die Rubrik Marcel Reich-Ranickis in der FAZ-Sonntagszeitung (FAS) ärgere ich mich seit geraumer Zeit. Päpstlicher als jeder sonstige Papst, soll der Literaturkritiker dort angebliche Leserfragen nach dem Muster „Wer war am besten: Puschkin, Tolstoij oder Dostojewski?“ beantworten. Und er tut’s bereitwillig.

Kulturloser geht’s schwerlich. Blick zurück: Als Sieben- bis Achtjährige haben wir vielleicht gerufen „Mein Papi ist aber stärker als deiner!“ Damit wäre ungefähr die Niveaustufe solcher Vergleiche markiert.

Jetzt wurde es mal wieder geradezu obszön. „Wie beurteilen Sie Kurt Tucholsky?“, begehren Leser von MRR zu wissen. Der entblödet sich nicht, zu einer selbstgefälligen Antwort in zwei Teilen anzusetzen. Egal, was darin steht und wie gönnerhaft er sich gibt: Die bloße Tatsache, dass dieser Mensch sich aufschwingt, jenen von schräg oben herab wie mit Schulnoten zu „beurteilen“, macht frösteln oder wahlweise zürnen. Welch eine unwürdige Medien-Kasperei.

Noch weitaus schlimmer freilich kommt jener FAS-Autor mit dem Kürzel riw. (Klarname: Richard Wagner) daher, der allwöchentlich die Rubrik „Das war’s“ sudelnd bedient. Mit der Attitüde, vor nichts, aber auch vor gar nichts Respekt zu haben und politisch aber so richtig, richtig unkorrekt zu sein, schreibt sich der Mann in einen Rausch hinein. Irgend jemand sollte ihn mal bremsen, sonst glaubt er noch, sich restlos alles erlauben zu können. Gibt es denn keinen mehr in der Redaktion, der seine entgrenzten Elaborate gegenliest?

Presseratsverdächtig sind jetzt seine mehr als zynischen, durchaus menschenverachtenden Einlassungen zum Freitod eines nicht allzu bekannten Schauspielers. Nun will ich nicht den ganzen Absatz zitieren, sonst würde ich am Ende noch das Copyright jenes Herrn verletzen. Jedenfalls wird aus dem Selbstmord im vermeintlichen Gefolge Robert Enkes eine todtraurige Lustigkeit herbeigezerrt. Wie die Angehörigen das wohl finden werden?

Ach, ich wüsste schon einige Worte, mit denen ich den zwischenzeitlichen Bertelsmann-Chargen riw., der leider zur FAS zurückgekehrt ist, öffentlich belegen würde, wenn’s nicht justiziabel wäre… Wie wär’s für den harmlosen Anfang mit „Glossen-Schmierant“?

Dämlich schon seine Marotte, sich von allen Dingen und Verhältnissen mit einem ach so lässig hingestreuten „sogenannte(n)“ zu distanzieren. Nichts ist, was es ist, alles ist aus dieser arroganten Drübersteh-Position nur „sogenannt“. Manchmal trifft’s, oft aber nicht. Noch dümmlicher freilich klingen die gewundenen, rituellen Schlussfloskeln, die mit klebrig triefendem Landser-Humor darauf hinauslaufen, zum Trost eine „kleine Tadschikin“ auf etwelchen Teppichen kosen und hätscheln zu wollen. Eroberungsgesten mit Ekelfaktor.

P. S.: Doppelt schade für die FAS, da doch so schätzenswerte Autoren wie Volker Weidermann oder Nils Minkmar etc. dort schreiben.

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2 Kommentare zu “Immer wieder sonntags: Entgrenzter Journalismus

  • Pingback: Pottblog

  • #2
    Matta

    „Wie wär’s für den harmlosen Anfang mit „Glossen-Schmierant“?“

    Steht da nicht ein l (ell) zuviel?

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