15

iPott

Den Stern von vorletzter Woche verpasst? Den tollen iPott-Artikel über den alle reden nicht gelesen? Jetzt ist er online.

Den Stern von vorletzter Woche verpasst? Den tollen iPott-Artikel über den alle reden nicht gelesen? Jetzt ist er online.

RuhrBarone-Logo

15 Kommentare zu “iPott

  • #1
    David Schraven

    Den Stern verpasst, den Spiegel verpasst, die Süddeutsche verpaßt, die Bildzeitung verpaßt. Das ist alles PR. Gekauft in Sonderbeilagen unter Beteiligung der Großen Gesundbeter im Revier. Ich halte da gar nichts von. ÜBERHAUPT nichts.

    Nur ein Beispiel: Im Spiegel wird Heinz-Jürgen Mühlen beschrieben, wie er über seinen Konstruktionsplänen für das größte Einzelprojekt auf der ehemaligen Zeche Ewald brütet:
    den Blauen Turm. In dem 40 Meter hohen Gebäude sollen laut Mühlen im Spiegel Bioabfälle vergast werden. „Hühnerkot, Holzreste vom Straßenrand, Essensreste – alles kann die
    Anlage verdauen“, sagt Mühlen im Spiegel.

    Gut: Wenn man ins Archiv schaut erkennt man, das der Mühlen bislang einer der ZIEL-II – Indianer war. Projekte machen und Förderkohle kassieren. Rausgekommen ist dabei bis jetzt nix. Derzeit hat er nur eine Genehmigung zur Vergasung von Altholz. Nix von wegen Hühnerkacke. Zudem hat er bislang keinen Änderungsantrag
    bei der Bezirksregierung in Münster gestellt, was er aber müsste. Seine Genehmigung wurde bereits einmal verlängert. Wenn er eine zweite Verlängerung will, geht das nur aus zwingenden Gründen. Jetzt fragt eine Umweltschützerin zu recht: „Sind Konzeptlosigkeit, Geldmangel und Chaosfahrten des Versuchsmöhrchen solche ‚zwingenden Gründe‘?“

    Egal. Hauptsache im Spiegel wird Mühlen gelobt. Das ist PR.

    Für mich stinkt die ganze Nummer nach einem Projekt-Ruhr-Ding. Das ganze verändert nicht die Wirklichkeit. Es schönt sie nur.

  • #2
    Jens Kobler

    Wer verlangt denn auch bitteschön Journalismus von Stern, Spiegel und Co.? Wenn die nicht in Wirklichkeit (bezahlten) Boulevard machen würden hätten die ja gar keine Anzeigenkunden und keine Leserschaft mehr. (Spezielle Grüße auch an Stefan Aust und seine aktuelle RAF-Verschlagerungs-Deutschlandtournee. Möge sein nächstes Buch „I fell in love with a natural born killer“ heißen – und er damit sein Glück in den Staaten machen.)

  • Pingback: Pottblog

  • #4
    Nobby

    Schmelztiegel Ruhrgebiet?

    Von einem Schmelztiegel Ruhrgebiet kann kaum gesprochen werden. In dem Artikel des Sterns wird aber diese Mythos mal wieder verbreitet. Die Untersuchungen von Klaus Tenfelde belegen eindeutig, das eine Anwerbung von Polen nur von den Zechen des Emschergebiets statt fand. Im Ruhrtal fand dagegen fand diese Anwerbung von Polen nicht statt. Beispielsweise sind die Leineweber in Kettwig aus Eschweiler und die Bergleute aus dem Raum Prün eingewandert. Klaus Tenfelde belegt auch, das die Fa. Krupp jedenfalls bis zum Ersten Weltkrieg es ablehnte, polnische Arbeiter einzustellen.
    Von einem Schmelztiegel Ruhrgebiet kann auch nicht gesprochen werden, da der Anteil der Polen kaum die 10% der Gesamtbevölkerung überschritten haben. Über Namensforschungen läst es sich eindeutig belegen, das die meisten Einwandere aus dem nahen Umland, dem Rheinland und Westfalen eingewandert sind. Nicht zu vergessen ist allerdings, das das Gebiet an Ruhr und Hellweg auch vorbei schon besiedelt war, und es sich nicht um eine Menschenlehre Region handelte.

    Ingesamt finde ich, das der Artikel des Sterns sich auf keinerlei Wissenschaftliche Grundlage beruft, sondern das sie nur die alten Klitsches des Ruhrgebiets hochhalten. Typische Namen des Ruhrgebiet wie Teerstegen, Thyssen, Kamps, Hemke, Lingemann, Tenhagen, Vonscheid, Volkenborn und Westermann belegen jedoch, das die meisten Bewohner des Ruhrgebiets Rheinländer und Westfalen sind.

    NB

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Nobby: Egal wo wir herkommen – mit dem Bauern aus dem Umland haben wir heute nix mehr zu tun. Da herrschen ganz andere Mentalitäten vor als im Revier. Schau Dir doch bitte nicht immer nur den Stand vor drei Jahrhunderten an sondern die Gegenwart – auch wenn sie Dir nicht passt.

  • #6
    Arnold Voss

    @ David
    Ja klar, das ist PR. Aber es ist positive PR. Bist du jetzt gegen jede PR, weil sie nicht die Realität bzw. nur ausgesuchte Teil davon wiedergibt, d.h. bist du gegen jede Art von Imagebildung? Oder hast du (nur) Angst, dass da ein Image produziert wird, dass in der Realität nicht standhalten kann und so letztlich Enttäuschung und Abwendung (von Ruhr) produziert?

  • #7
    David

    @ Arnold

    Mir geht das auf den Geist, wenn ich sehe, wie die Wirklichkeit verhübscht wird, um damit Dumme großzuziehen. Nur mal den Artikel zum Emscherumbau. Das ist das wichtigste Projekt überhaupt im nördlichen Revier. Das wird verzögert und verdaddelt und nach hinten rausgeschoben. Aber im Spiegel, da steht es wieder ganz vorne. Steht da auch, dass die Nummer erst fast zwölf Jahre später fertig wird? Nein. Warum nicht? Weil es PR ist. Warum ist das schlecht? Weil die Leute im nördlichen Revier denken es läuft prima und nicht die Klappe aufmachen.

    Oder so ein Typ wie der Mühlen, der da gelobt wird. Warum schreiben die nicht, dass er keine Genehmigung für sein Ding hat? Weil es PR ist? Ich denke doch. Da ist nachfragen nicht gewünscht.

  • #8
    Arnold Voss

    Aber die Emscher wird letztlich umgebaut und der Typ macht etwas ökologisch interessantes, egal ob mit oder ohne Genehmigung. Es gibt bei beidem Gründe zur Kritik, aber was bringt das jetzt dem Leser, der sich für Ruhr und eine eventuelle Reise dort hin interessiert. Er kann an der Emscher jetzt schon die Zukunft sehen und und er könnte auch diesen Öko-Freak besuchen und sich jeweils durch kluge Fragen selbst ein Bild machen. Bzw. kann er im Internet schon vorher nachforschen, ob es nicht etwas zu kritisieren gibt respektive jemand schon Kritik geübt hat. Niemand muss heute mehr dumm bleiben, wenn er an der Wahrheit wirklich interessiert ist. Wo liegt also das Problem?

  • #9
    David

    Das Problem ist, das der Leser nicht aufgeklärt wird. Sondern vor allem denkt, alles ist rosig. Dem ist aber nicht so.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @David: Auch nach den Artikeln im Spiegel und Stern (vor allem der im Stern war gut) wird niemand denken, dass hier alles „super“ ist – die Leser bekommen allerdings eine Idee davon, dass wir hier auch nicht im Elend hausen. Der größte Teil der Berichterstattung über das Ruhrgebiet ist problemorientiert – die gerade laufende Artikellinie zeigt nur die anderen Aspekte des Ruhrgebiets auf. Vielleicht wären andere Beispiele, gerade im Spiegel-Text besser gewesen, aber warten wir mal ab, was noch kommen wird. Im Laufe der nächsten Jahre werden wir nicht mehr nur mehr Berichterstattung über das Ruhrgebiet erleben, sie wird auch differenzierter werden. Warten wir es ab…ich bin optimistisch.

  • #11
    Jens Kobler

    @ Arnold: Jetzt mal kurz meta-kommunikativ mal wieder: Das Problem liegt natürlich da, dass das Interesse an der Wahrheit sabotiert bzw. die Fakten so gut (und unattraktiv) versteckt sind, dass sich die Sinne lieber die halbhübsch hingelogene Tropenurlaubtapete als Realität auswählen – egal wie es draußen wirklich aussieht. Machst du ja auch gerade. 😉 Dass also Menschen (manchmal abschätzig „Touristen“ genannt) im Internet die Wahrheit suchen, ob in ihrem Urlaubsort nicht doch Massengräber, verstrahlte Böden, Aufschneider oder Hooligans auf sie warten … und dann auch noch genau den „Miesmachern“ glauben … oder „ökologisch Interessantes“ suchen…? Das klingt mir alles etwas schönrednerisch bzw. allzu „coachend“, der Verweis auf „mündige Bürger“ entschuldigt doch nicht bewusste Fehlinformation in diesem konkreten Fall! Und wenn nur der Chefredakteur die tatsächlichen Verhältnisse kennt und irgendeinen „Reisebericht“-Kuli schickt… Das kennt man doch!
    Wer soll denn also noch in der Lage und willens sein fundierte Kritik an realen Verhältnissen zu üben unter diesen deinen Maßgaben? Das Staatsfernsehen? Greenpeace? Citizen Kane? Günther Wallraff? DAS erschiene mir noch blauäugiger. Fazit ist doch: Die deutschen „Polit“-Magazine bringen es nicht, und das Internet ist z.B. hier nur dann halbwegs glaubwürdig, wenn man sich an den Fakten orientiert und auch so schreibt – du und ich eingeschlossen.

    Dass in diesem konkreten Fall ganz klar ein Backlash gegen die bislang erfolgte Aufklärung den Leuten den Kopf wieder „gerade rückt“ (und von der Realität weg), das ist ja wohl nicht zu leugnen, oder? Oder soll man jeden Hansel machen lassen, wenn es nur „der Heimat irgendwie ja doch nutzen tut“? Nee, oder?

  • #12
    Martin Tönnes

    @ all,

    den Stern hab ich gelesen, den Spiegel und die Beilage in der SZ leider verpasst. Was erwartet Ihr denn vom Stern – seichte Unterhaltung und eben nicht genau den „knallharten“ Recherchejournalismus.

    Angenehm fand ich den vorurteilsfreien Bericht, den ansonsten so manche auswärtige Presse so gerne bedient. Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Blog während der Fußball-WM, bei dem der ortskundige sehr schnell herausgefunden hat, dass der Berichterstatter gar nicht vor Ort gewesen sein konnte.

    Ich fand den Stern insofern gut, weil er breitenwirksam und bundesweit mehr Interesse am Ruhrgebiet geweckt hat. Und die Ruhri-Seele zu streicheln tut doch manchmal auch gut!

    Bei der kritischen Berichterstattung muss sich die Region an die eigene Nase packen – Details zum Ruhrgebiet gibt es eben nur noch bei ruhrbarone.de

    Ich kenne die Zugriffszahlen nicht – aber ein wichtiger Teil meiner Arbeit für die Region besteht darin, die Menschen über diesen Teil der Medienwelt aufzuklären. Und Ihr werdet gelesen!

  • #13
    Dirk E. Haas

    Und hier dann noch ein bisschen Jubelpresse von halblinks:
    www.freitag.de/2008/43/08430301.php

    ? Marxloh als Toleranzschmiede ? wenn jetzt noch Talent und Technologie dazu kommen, haben wir ein echtes Kreativquartier. Vielleicht ist in der Moschee sogar Platz für eine türkische Popakademie ? das gäbe einen Hybrid, den die Welt noch nicht gesehen hat (oder doch?).

    By the way: Wo kommt eigentlich der schöne Name ?Marxloh? her?

  • #14
    Jens Kobler

    Zu Marxloh möchte ich doch nochmal auf das Melez-Festival verweisen (s.a. „3 für 7“ – die Ausgehtipps vom Dienstag) und auch auf www.melez.de. Bislang scheint mir diese Sparte der Kulturhauptstadt jedenfalls weniger trashig und moderner, mehr geradeaus und anspruchsvoller als vieles vom Rest des Schützenfestes.

  • Pingback: ECHT!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.