Japan: Reaktor kann wahrscheinlich nicht mit Kühlmitteln versorgt werden

Nach dem Erdbeben in Japan könnte es zu einem Atomkatastrophe kommen. Das Bundesumweltministerium bereitet den  Voralarm vor und  wird dann  zum Intensivbetrieb für die Radioaktivitätsüberwachung  übergehen.

Und für den Voralarm gibt es leider gute Gründe. Nach aktuellem Informationen die Sicherheitskreisen in Berlin via IAEO, die OECD/NEA und nach einem Telefonat  der GRS  mit der japanischen Aufsichtsbehörde vorliegen, stellt sich die Situation wie folgt dar: Eine Anlage am Standort Fukushima Daiichi hat offensichtlich einen Station Blackout. Es gibt keine externe Stromversorgung und die Diesel-Notstromsysteme funktionieren nicht mehr.Die Stromversorgung für die Kühlung des Reaktors kann noch für c. a. 2 Stunden durch die Batterien gewährleistet werden. Danach ist sehr wahrscheinlich keine Einspeisung von Kühlmittel in den Reaktor mehr möglich.Die Anlage befindet sich in einer Notstandsituation.

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22 Kommentare

  1. #1 | Dieter Carstensen sagt am 11. März 2011 um 16:32 Uhr

    Atomkraft ist geil! Sag ich ja immer wieder …

    Manchmal macht es halt BUMM, wie Loriot schon so sarkastisch in seinem Video „Weihnachten bei Hoppenstedts“ nachwies, mit seiner Anleitung „Wir bauen uns ein Atomkraftwerk“

    https://www.youtube.com/watch?v=xo55jk0HFWA

    Zitat der Spieleverkäuferin: „Und es macht puff, die Kühe fallen um und die Häuser und Bäume…“

    Wenn es nicht so schrecklich wäre, wenn es zu einem GAU im japanischen Atommeiler käme, für die Menschen dort, könnte man den Wahnsinn nur noch mit Zynismus kommentieren.

    Wer ist denn auch so bescheuert und baut Atommeiler in einer der am meisten gefährdeten Erdbebenregionen der Welt?

    Aber, falls es zum GAU in Japan kommt, wird die Menschheit mehr daraus lernen, als aus Tschernobyl?

    Ich wage das zu bezweifeln.

    „Es ist sonderbar, dass der Mensch sich nicht vor sich selbst fürchtet.“ (Friedrich Schlegel)

  2. #2 | Bert sagt am 11. März 2011 um 16:49 Uhr

    Wie weit war noch mal Tschernobyl entfernt und wie weit ist Japan weg ?

  3. #3 | DAMerrick sagt am 11. März 2011 um 16:59 Uhr

    @DIETER

    Der Mensch wird daraus so viel lernen wie schon aus Chernobyl.
    Problem: Der Mensch ist vergesslich und lässt sich gerne einreden das die Zeit so viele tolle neue Dinge bringt.

    Das sind die zwei Hauptarguemnte:
    Chernobyl ist schon ewig her.
    Die Technik hat sich rasant verbessert.

    Klingt zynisch, ist aber die Argumentation der Atomlobby.

    Positiv gesehen kann man also sagen das Japan das Gedächtnis auffrischen wird.
    Wie heisst es so schön, alles hat sein Gutes.
    Wenigstens für die nächsten 20years bis dann wieder alle Chernobyl und auch Japan vergessen haben…

  4. #4 | Jens König sagt am 11. März 2011 um 17:14 Uhr

    GAU? Kann bei uns um die Ecke auch passieren.
    Nur mal so als Beispiel:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Fessenheim

  5. #5 | Frank (frontmotor) sagt am 11. März 2011 um 18:30 Uhr

    Das ist eine sehr kritische Situation: 2 Stunden Batteriebetrieb werden auf keinen Fall genügen, um die Nachzerfallswärme bis zum unkritischen Niveau abzuführen. Bei 5.000 MW Nennleistung müssen direkt nach einer erfolgreichen Schnellabschaltung ca. 250 MW Wärmeleistung abgeführt werden. Diese Wärme klingt erst innerhalb von Tagen ab. D.h. leider tatsächlich -per Ferndiagnose- dass eine Kernschmelze bevorstehen kann.

    Ob uns der Fallout in Europa erreichen kann, wird in erster Linie von den Winden abhängen.

  6. #6 | Bert sagt am 11. März 2011 um 19:03 Uhr

    Die 2 Stunden Batteriebetrieb dürften ja mittlerweile vorbei sein.

    Gibt es dazu News oder alles nur Panikmache ?

  7. #8 | Frank (frontmotor) sagt am 11. März 2011 um 19:14 Uhr

    Leute, hier handelt es sich ganz sicher nicht um Panikmache. Der Druck in der Reaktorhülle steigt solange an, bis die Kühlung wieder einsetzt. Wenn es nicht gelingt, die Stromversorgung für die Pumpen bald wieder herzustellen, dann wird es sehr kritisch.

  8. #9 | Stefan Laurin sagt am 11. März 2011 um 19:17 Uhr

    @Frank: Du bist ja Ingenieur. Kommt es im schlimmsten Fall immer zur Wasserstoffexplosion (Die das Containement crasht) oder kann bei einer Schmelze das Containement theoretisch einen GAU aushalten?

  9. #10 | Sebastian sagt am 11. März 2011 um 19:28 Uhr

    Aus dem Spon Artikel: „Nach Angaben der japanischen Atomaufsicht hat die Betreiberfirma drei oder vier Generatorenfahrzeuge vor Ort. Diese könnten aber nicht angeschlossen werden, weil ein passendes Kabel fehle.“

    Ein fehlendes Kabel???

  10. #11 | Stefan Laurin sagt am 11. März 2011 um 19:31 Uhr

    @Sebastian: Murphys Gesetz Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Murphys_Gesetz

  11. #12 | Bert sagt am 11. März 2011 um 20:27 Uhr

    Da sieht nicht gut aus:

    https://www.de.rian.ru/society/20110311/258541919.html

    Die Tokioter Energiegesellschaft – Tokyo Electric Power Company (TEPCO) – hat über einen angestiegenen Pegel der Radioaktivität innerhalb des AKW-Gebäudes in der japanischen Präfektur Fukushima gemeldet.

    Das teilt die japanische Nachrichtenagentur Kyodo mit.

    Nach Angaben von TEPCO ist die erhöhte Radioaktivität im Turbinenraum des ersten AKW-Reaktors registriert worden.

  12. #13 | Rheinländer sagt am 11. März 2011 um 20:47 Uhr

    Japan ist ein vorbildlicher Staat.
    Das Gegenteil ist in der mediterranen Claudia Colonia auf der Severinstraße
    zu sehen.
    Quelle WDR Köln

  13. #14 | Christoph sagt am 11. März 2011 um 20:48 Uhr

    Tja am besten wählen wir alle noch mehr FDP oder CDU. Die sorgen dann dafür, dass unsere „sicheren“ Meiler in das Rückständige Ausland exportiert werden können… (Und das beste, alle Aktionäre werden dabei filthy rich!)

  14. #15 | Bert sagt am 11. März 2011 um 21:03 Uhr

    “Fukushima I – 2 BWR July 18, 1974 784 MW”

    https://en.wikipedia.org/wiki/Fukushima_I_Nuclear_Power_Plant

    ist also ein siedewasserreaktor.

    mehr infos dazu:

    https://www.energieinfo.de/eglossar/siedewasserreaktor.html

  15. #16 | Stefan Laurin sagt am 11. März 2011 um 21:13 Uhr

    @Bert: Die größte Gefahr ist eine mögliche Wasserstoffexplosion wie sie in Tschernobyl vorkam. Und so etwas kann meines Wissens nach in Siedewasserreaktoren schneller passieren als in graphitmoderierten Reaktoren, weil das Graphit ziemlich lange und ziemlich viel Hitze absorbiert.

  16. #17 | Michael sagt am 11. März 2011 um 21:49 Uhr

    @Stefan: Was aber nicht heißt, dass ein graphitmoderierter Reaktor keine Radioaktivität freisetzen würde, wenn er erst mal brennt:
    Windscale-Brand

    Fakt ist, dass es nur eine sichere Maßnahme gibt, die verhindert, dass irgendein Reaktor durchgeht: Abschalten. Jetzt. Gestern.

  17. #18 | zoom » Umleitung: Japan, Libyen, Grünen-Filz an der Saar, Politik in NRW am Ende und mehr. « sagt am 11. März 2011 um 23:02 Uhr

    […] Japan II: Reaktor kann wahrscheinlich nicht mit Kühlmitteln versorgt werden … ruhrbarone […]

  18. #19 | Frank (frontmotor) sagt am 11. März 2011 um 23:05 Uhr

    @Stefan: Sorry für die späte Antwort, wir waren gerade mal außer Haus.

    Der Wasserstoff entsteht aus dem verdampfenden Wasser und dem steigenden Druck. Und wo Wasserstoff entsteht, da ist die Knallgasreaktion nicht weit. Ob man das innerhalb des Containment halten kann, hängt von dessen Dicke ab. Bei der neuesten Bauart ERP hat man ein zweites Containtment vorgesehen. Eine zweite Hülle quasi.

    Ich habe noch keine genaue Informationen über die Sicherheitsarchitektur von dem Kraftwerk.

  19. #20 | Frank (frontmotor) sagt am 11. März 2011 um 23:20 Uhr

    TEPCO hat nun Druck, also kontaminierten Wasserdampf aus dem Reaktor abgelassen. Wohl, um die von Stefan angesprochene Wasserstoffexplosion zu vermeiden, die ein zu starker Druckanstieg auslösen würde und die einen unkontrollierten Bruch der Reaktorhülle bewirken würde. Eine Hochdruckkernschmelze (also das Schmelzen der Kernbrennstäbe) würde die Reaktorhülle destabilisieren. Sie würde irgendwann brechen.

  20. #21 | Rudi Gems sagt am 11. März 2011 um 23:41 Uhr

    Jede Freisetzung ,von Radioaktivität, in die Luft, braucht ca. 48 Stunden, um sich fein über den Globus zu verteilen. Na, wenn es dort so läuft, wie bei Tschernobyl, dann wird es eng. Japan, ist wesentlich dichter bevölkert, als die Gegend um Tschernobyl. Tschernobyl, war ca. 2000 Km entfernt. Damals musste übrigens der Innenminister zurücktreten, weil er nicht erkannt hatte, wie gefährlich für Deutschland, auch 2000 Km Entfernung sein können.

    Wie sagte damals noch ein Politiker? „Müssen wir uns jetzt darauf einstellen, das alle 25 bis 40 Jahre, so ein Ding in die Luft geht?“ Ja! dann sind die Zehntausend Jahre vorbei, wenn man diese auf alle Kernkraftwerke umrechnet. Übrigens, vor ca. 5 Jahren, wäre beinahe, auch in Schweden, so ein Ding in die Luft gegangen.

    Der GAU, ist der „Größt Anzunehmende Unfall“. Das war bis Harriesburg, „das gleichzeitig, zur selben Zeit, beide Anschlüsse des Kühlkreislaufes abreißen“. Eine Kernschmelze, wurde bis dahin als unmöglich ausgeschlossen. Bei Harriesburg, war ja noch nicht allzu viel passiert. Sellafild/Windscale, wurde seit 1959 geheim gehalten. Aber seit Tschernobyl, weiß man, das der GAU, nicht mehr reicht, Die Kernschmelze, bezeichnet man deshalb, als Super-GAU. Nun ja, vielleicht haben wir ja bald, den 2.? Den GAU, haben die Japaner, ja schon offensichtlich hinter sich, auch wenn die Leitungen nicht abgerissen sind.

    Grüße, Rudi Gems

  21. #22 | AKW Fukushima außer Kontrolle: Kernschmelze droht | Ruhrbarone sagt am 12. März 2011 um 01:25 Uhr

    […] japanischen Atomalarm informiert. Im Laufe des Nachmittags (MEZ) wurde klar, dass das AKW Fukushima außer Kontrolle geraten ist. Kurz vor 23 Uhr MEZ hat die japanische Regierung bekannt gegeben, dass sie die […]

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