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Joop und das Lob des Mangels

Wolfgang Joop Foto: Netaction Lizenz: CC BY-SA 4.0

„Die Erinnerung“, lehrte mich einst eine Freundin, „malt mit goldenen Lettern.“ An den Satz musste ich denken, als ich in der Welt von der Veranstaltung „Mode trifft Politik“ las. Wolfgang  Joop ist sich sicher, dass wir bald wieder in einer Welt des Mangels leben:

Joop glaubt, dass die Zeit des Hedonismus zu Ende ist, genauso wie die Zeit des Konsumierens und Nachbestellens. In Zukunft, sagte er im Babylon, wird Amazon nicht mehr da sein. Die Abrufbarkeit von allem wird nicht mehr da sein. Stattdessen wird in der Zukunft wieder Mangel da sein, der gleiche Mangel, den er als Kind nach dem Krieg erlebt hat.

Joop, Jahrgang 44, weiß, wovon er spricht. Seine Familie wurde in der DDR verfolgt, der Vater saß dort als angeblicher US-Spion in Haft. Erst 1952, Wolfgang Joop war da acht, zog die Familie in den Westen.

Der Modedesigner sagte weiter, er habe keine  Angst vor dem Mangel und die  Leute würden  anfangen, aus Mangel etwas zu machen. Das hätte er als Kind auch getan und bald würde es modern sein.

Joop könnte recht behalten: Immer höhere Energiepreise, eine weiter voranschreitende Deindustrialisierung, eine Politik, die durch Ökohysterie und Tatenlosigkeit der Postwachstumsökonomie zum Durchbruch verhilft, all das könnte zu Mangel führen. Nicht recht hat er mit seinem hohen Lied auf den Mangel. Klar, meine Mutter spielte nach dem zweiten Weltkrieg mit Pappkartons, weil sie kein Spielzeug hatte, und meine Oma erzählte oft darüber, wie es war, als es nach dem ersten Weltkrieg kaum Fleisch gab, aber alle trotzdem irgendwie satt wurden, weil eine namenlose „reiche Frau“ die ebenso arme wie kinderreiche und fromme Familie meiner Urgroßeltern unterstützte. Aber von einem Automatismus, der Armut und Mangel in Kreativität transformierte, erzählten sie nie. Wenn Joop sagt, er sei aus Mangel Designer geworden, ist das auch nur die halbe Wahrheit. Designer als Beruf und nicht als Hobby wurde er, weil die Gesellschaft um ihn herum bald nach dem Krieg keinen Mangel mehr kannte, sondern immer reicher wurde und sich dank des Wirtschaftswachstums die teuren, von Joop entworfenen Kleidungsstücke leisten konnte. Joops Mangel, das ist der Hunger auf Erfolg, der nur in einer Wachstumsgesellschaft befriedigt werden kann. Aus guten Gründen verlassen Menschen wie Joop ihre Herkunftsstaaten, wenn sie ihnen keine Möglichkeiten bieten, erfolgreich zu sein.

Mangel kann motivieren, Überfluss dagegen hemmen. Eine reiche Gesellschaft wie die Bundesrepublik, die aus immer mehr Technologien aussteigt, Panik als nahezu mustergültiges Verhalten im Sinne des Pausewangismus lobt und sich gleichzeitig anmaßt, der ganzen Welt zu sagen, wo es lang geht, ist ein gutes Beispiel dafür, dass Überfluss zur Dummheit führen kann.

Wenig erstaunlich ist auch, dass das Lob des Mangels in den Schichten am stärksten verbreitet ist, denen das Leben wie ein langer, ruhiger Wohlstandsfluss erscheint. Wo in dieser Gesellschaft Mangel zum Alltag gehört, kann man sich die Hysterien und Marotten der Ökobourgeoisie schlicht nicht leisten und ahnt wohl auch, dass, wenn Leute wie Joop vom Mangel schwärmen, sie eher bereit sind, den Mangel anderen zuzumuten als sich selbst. Wenn Joop sich Mangel wünscht, er könnte sein Vermögen ja spenden, und schon wären sie wieder da, die angeblich so guten, alten Zeiten.

 

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7 Kommentare zu “Joop und das Lob des Mangels

  • #1
    Peter

    Wein saufen, Wasser predigen. Ist nichts anderes bei den linksgrünen Multikultifetischisten, die in weissen Vierteln wohnen, ihre Blagen auf weisse Vorstadtschulen schicken und bei jeder Gelegenheit ihr Maul aufreissen, wie geil doch Diversität ist. Zur Hölle mit dem Gesocks

  • #2
    Nina

    Frage an die Moderatoren: Wird das jetzt hier zum Normalzustand, dass Kommentare mit Wörtern wie "Blagen" oder Sätzen wie "Zur Hölle mit dem Gesocks" freigeschaltet werden? Mir fällt das öfter in letzter Zeit auf und ich halte das für irgendwie nicht gut.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Nina: Da hast Du wohl recht.
    @Peter: Das nächste Mal bitte ohne Gesocks.

  • #4
  • #5
    Jim Hawkins

    Ich bin mir sicher, dass Wolfgang Joop damit klar kommen wird, sich weniger Schönheitsoperationen leisten zu können.

  • #6
  • #7
    Jim Hawkins

    Da ist etwas dran. Mir schenkte mal ein Freund in böser Absicht die Autobiographie Joops: "Im Wolfspelz". Es ist praktisch unlesbar und das Deutsch ist, sagen wir mal "besonders".

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