10

Jürgen Todenhöfer – Der tollkühne Held

Jürgen Todenhöfer, ehemaliger Rechtsaußen der CDU, gibt den Hemingway. Alle haben ihn angefleht daheim zu bleiben, die Frau, der Sohn, die MS-kranke Tochter. Doch ihn, den Berufenen, hält nichts am heimischen Herd – denn Abenteuer im Orient locken. So begann Todenhöfers Reise zu den Kopfabschneidern des IS, und so leitet er auch seine gestrige Show in Essen ein, wo er sein Buch über die Reise zum Islamischen Staat vermarktet.

Vom Publikum im vollbesetzten Audimax wird er dafür frenetisch gefeiert. Schon bei kleinen Gesten brandet Jubel auf, und Todenhöfer findet die richtigen Worte: „Ich war grade noch eine Currywurst essen“, und, übrigens: „alle Einnahmen des Abends spende ich nach Gaza“. Und die Fans bekommen viel für Ihr Geld: Jürgen, Jürgen, und noch mehr Jürgen. Wer hingegen für Analysen und Einschätzungen aus dem Bürgerkrieg gekommen ist wird enttäuscht. Auch die Dokumentation von Gräueltaten des IS ist des Augenzeugen Todenhöfers Sache nicht – ihm geht es ums Gefühl, um den Boulevard. Darum das er „mit allen gesprochen“ hat, mit Al Nusra, mit Al Kaida, „sogar einen Attentäter habe ich gesprochen, der hatte Tags zuvor 50 Menschen in die Luft gesprengt“. Immer wieder sagt er „sehr beeindruckend“. Mit bebender Stimme liest er vor aus seinem Reisebericht, spricht mit der Bildgewalt eines Erstsemesters des Kurses „kreatives Schreiben“ über die wilden Augen der Kämpfer, über Respekt und Stolz. Natürlich heißt er die Taten des IS nicht gut, Verurteilungen des Terrors reicht er pflichtbewusst in Nebensätzen nach. Seine Kernbotschaft aber klingt wir die PR des Islamischen Staates selbst. Etwa als er von der Einführung der Sharia berichtet, und wie ein Henker ihm anbot einer Hinrichtung beizuwohnen, was er natürlich abgelehnt habe. Doch die Botschaft der Anekdote bleibt hängen: IS wirkt, die Kriminalitätsrate ist bei null. Oder als er behauptet, der IS wolle als Staat anerkannt werden. Auch Verschwörungstheorien dürfen nicht fehlen: „Der IS ist ein Baby von George Bush – deshalb ist er auch so missraten“. Tosender Beifall.

Nein, ein Berichterstatter ist Jürgen Todenhöfer nicht. Er setzt auf die Bilder die der Mainstream will (Platz zwei der Spiegel Bestsellerliste). So war es auch vergangenes Jahr in Gaza, als er sich – auffällig gestellt – in den Trümmern ablichten ließ, zwischen Spielzeug und einem Kinderwagen. Der Islamische Staat hat nicht zufällig ausgerechnet den schmierigen Todenhöfer eingeladen. Eine ganz andere Form des Interviews mit den IS-Schlächtern wählte übrigens kürzlich der Politiker Tobias Huch (FDP) während eines Besuchs im kurdischen Shingal: Er schrieb seine Frage auf eine Rakete der Peshmerga. Schöne Grüße!

RuhrBarone-Logo

10 Kommentare zu “Jürgen Todenhöfer – Der tollkühne Held

  • #1
    keineEigenverantwortung

    Das Mittelalter übt auch hier bei vielen Wochenendveranstaltungen eine gewisse Faszination aus. Ebenso gibt es die Faszination des Bösen. Ich finde diese Art des Reiseberichts wenig hilfreich. Ich frage mich auch, welchen Wert Interviews etc. besitzen, wenn an jeder Ecke der Henker wartet.

    Wenn man die Menschenrechte etc. nicht berücksichtigt, mag die Kriminalitätsrate bei 0 liegen.
    Die Aussage zur Kriminalitätsrate ist deshalb vollkommen daneben.

    Es ist sehr traurig, dass eine der Wiegen der menschlichen Kultur zurzeit nicht in der Lage ist, einen modernen Staat aufzubauen.

    Wir haben hier Erfahrungen mit totalitären Staaten aus versch. Motivation gemacht. Es ist deshalb wichtig, dass wir uns immer wieder für unsere im Grundgesetz verankerten Rechte einsetzen.

    Freiheit ist besser.

  • #2
    André

    Todenhöfer ist auch ein Fragender:
    <em>"LEITET OBAMA "DIE GRÖSSTE TERROR-ORGANISATION DER GESCHICHTE"?

    In einer Woche ist Friedens-Nobelpreisträger Barack Obama Deutschlands wichtigster Gast beim G7-Gipfel. Doch Noam Chomsky, weltberühmter jüdisch-amerikanischer Intellektueller, behauptet, Obama leite in Wirklichkeit die größte Terror-Organisation aller Zeiten. Die USA seien ein Schurkenstaat. Stimmt das?"</em>
    https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer/posts/10153014039645838

    USA-Hasser und Hamas-Versteher von ganz links und ganz rechts werden ihm für diese "Fragen" dankbar sein…

  • #3
    Klaus Lohmann

    Vielleicht schafft es Onkel Jürgen T. ja demnächst, eine FIFA-Weltauswahl mit Blatter im Tor gegen eine IS-Brigade antreten zu lassen, damit er den Saustall FIFA mal so richtig nach Onkel Jürgens Art durchfeudeln kann.

    Dieses populistische "Ziehsöhnchen" von CDU-"Stahlhelm" Alfred Dregger ist sich für nix zu schade und der teutsche Dummmichel fällt schon wieder drauf rein.

  • #4
    Rainer Möller

    Dass die Kriminalitätsrate im IS bei null ist, war oben kein wörtliches Todenhöfer-Zitat, sondern Christians‘ Interpretation dessen, was seiner Meinung nach beim Hörer hängen bleibt.
    So was wird bekanntlich schnell missverstanden und dann falsch kolportiert (man denke nur an "Kinder statt Inder", was Rüttgers nie gesagt hat).

  • #5
    InsideInsiders

    Ich studiere selbst an der besagten Uni und ich muss mal loswerden, dass Herr Todenhöfer sich genau die richtige für seine Ego-Show ausgesucht hat. Viele sind regelrecht besessen von dem Typen. Hier verdient der werte Herr sich dumm und reich. 😀

  • #6
    thomas weigle

    Jürgen "sag dem Abenteuer, dass ich komme" Totenhöfer hat schon immer einen Hang zu bizarren Herren und Szenen gehabt. Man denke nur an sein Fotoshooting mit Kalaschnikow am Khaiberpass um 1980.

  • #7
  • #8
    Pommeskind

    Der Hodentöfer ist in der islamischen und kartoffeligen Welt gleichermaßen beliebt, weil er die Stimmungen und Ressentiments bedient, die "die Medien" und "die Bundesregierung" völlig zu Recht entweder ignorieren (weil schlichtweg banal und irrelevant – "Krieg ist schlimm und dabei werden Menschen getötet und verletzt und Infrastruktur beschädigt und zerstört"- wow, wirklich?) oder brandmarken (weil die alte Leier von den bösen Juden, Amerikanern, Zionisten, Imperialisten, usw.). Der selbsternannte Friedenskämpfer und Pseudojournalist eiert da zwischen Scholl-Latour und Lejeune hin und her. Es zeigt sich ja deutlich, von welcher Seite er gefeiert wird. Jemand mit solchen Freunden kann nicht mein Freund sein.

  • #9
  • #10
    Roland

    Wie bitte? "Kriminalitätsrate von Null"?

    Ist das Enthaupten von andersgläubigen Männern und die sexuelle Versklavung von andersgläubigen Frauen – was ja vom IS nicht nur nicht bestritten wird, sondern womit vielmehr sogar geprahlt wird! – etwa KEINE kriminelle Handlung?

    Oder zählt das für Herrn Todenhöfer nicht als "kriminell"?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.