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Kaiser Franz: „Wir wollen doch alle in naher Zukunft wieder eine „normales“ Leben führen, oder?“

Die Corona-Pandemie betrifft bekanntermaßen in besonderem Maße auch die unzähligen Künstler im Lande, denen viele Möglichkeiten ihres Wirkens seit Monaten genommen wurden und werden.

Für die Ruhrbarone hat Autor Robin Patzwaldt in dieser woche ein Interview mit ‚Kaiser Franz‘ geführt, einem 33-jährigen Musiker aus dem Ruhrgebiet, der sich trotz aller Rückschläge und Schwierigkeiten seinen Optimismus nicht hat nehmen lassen.

Kaiser Franz veröffentlicht am 11. Dezember seine aktuelle Single „HURRA HURRA“. Ein willkommener Anlass sich einmal über die schwierigen vergangenen Monate und die Herausforderungen der Zukunft zu unterhalten:

Ruhrbarone: Corona hat Deutschland ja für alle Künstler stark verändert. Wie lief dein Jahr 2020 bisher?

Kaiser Franz: Dass sich Deutschland wegen Corona stark verändert hat kann, oder vielmehr muss ich so unterschreiben. So wie tausend andere Künstler auch zwangen uns die gegebenen Umstände dazu nicht live spielen zu dürfen. Ich persönlich hatte jedoch noch Glück, da ich im Dezember 2019 gerade im Begriff war mich in die eigenen vier Wände zurück zu ziehen um an neuen Songtexten zu arbeiten. Unabhängig von der Pandemie bezeichne ich die Schreibphase immer als kreative Isolation. Kurz um, für mich persönlich kam mir diese Phase entgegen, wodurch ich ohne größere Ablenkung bis in den Mai hinein ganz meiner Arbeit widmen konnte. Über dem Sommer hinweg kam dann die große Schreibblockade, ein Zustand mit denen sicher die meisten meiner Kollegen gelegentlich konfrontiert werden. Hier traf mich die Realität mit voller Wucht und irgendwie wurde es von Tag zu Tag schwieriger die Schreibblockade mit „Hobbys“ zu kompensieren. Ich begegnete mir Selbst und musste erschrocken feststellen, ich habe verdammt wenige Hobbys. Der Kopf fing an Kreise zu ziehen und ich war nah daran die Fassung zu verlieren. Aber auch hier spreche ich wahrscheinlich für fast alle Menschen. Wir sitzen alle im gleichen Boot. Nimmt man den Menschen die gewohnte Planbarkeit des Alltags, oder der Freizeitgestaltung dann wird es schnell frustrierend. Im Spätsommer bekam meine ‚Hofkapelle‘ und ich Gott sei Dank den Dreh aus dem Stillstand und wir gingen kurzerhand ins Studio um die Aktuelle Single „HURRA HURRA“ aufzunehmen.

Ruhrbarone:  Was hast du privat in deinem Alltag in den vergangenen Monaten besonders vermisst?

Kaiser Franz: Verzicht, Rücksicht und Umsicht auf unsere Mitmenschen war und ist jetzt das Gebot der Stunde. Es geht hier schlicht und ergreifend um unsere Gesundheit. Somit stellt sich für mich nicht die Frage was ICH vermisse, sondern es geht darum welchen Sinn die Dinge, die scheinbar einst wichtig waren hatten? Dienten sie dem Allgemeinwohl oder nur dem eigenen Verlangen nach Aufmerksamkeit, Ablenkung und Zerstreuung? Natürlich fällt es mir schwer jeglichen Kontakt zu Freunden Familie auf das Nötigste zu reduzieren. Mein Anker war und ist jedoch schon immer der engste Familienkreis gewesen. Ohne ihn wäre ich heute nicht dort, wo ich sein darf. Insofern galt es für mich diesen sozialen Anker nach ganz oben zu setzen. Aus künstlerischer Sicht versuche ich alles Machbare im Rahmen dieser Pandemie zu tun und alles nicht machbare ohne Wehmut nach ganzen hinten zu stellen oder gleich zu verwerfen. Denn eins ist klar: Es geht hier nicht um Mich als Einzelschicksal, es geht um UNS, um uns ALLE, und ich denke, WIR wollen doch alle in naher Zukunft wieder eine „normales“ Leben führen, oder?

Ruhrbarone:  Hättest du dir als Musiker mehr Unterstützung vom Staat o.ä. gewünscht?

Kaiser Franz: Ob ich mir mehr Unterstützung vom Staat gewünscht hätte? Es steht mir nicht zu dies zu beurteilen, oder gar zu kritisieren. Fakt ist, die Pandemie hat meiner gesamten Branche die Arbeitsgrundlage genommen.

Wir als Künstler haben dennoch weiterhin im stillen Kämmerlein die Möglichkeit Kunst zu schaffen und gegebenenfalls zu veröffentlichen, und sei es auch nur in digitaler Form. An Arbeit mangelt es nicht.

Große Sorgen machen mir Diejenigen, die uns einen Arbeitsplatz überhaupt erst ermöglichen wie u.a. Veranstalter, Booking- und PR-Agenturen, Roadies, Licht- und Tontechniker und viele, viele andere.

Es ist ein Rattenschwanz. Ohne diese Leute sind wir nichts. Somit stellt sich auch mir in letzter Zeit oft die Frage, wie lange kann ich noch so weitermachen und wer ist überhaupt noch da, der mir ermöglicht meine Kunst live mit meiner Hofkapelle zu präsentieren? Ich war nie ein Kind von Traurigkeit aber es wäre naiv sich nicht der Frage zu stellen: Was kommt nach Corona? Bekommen alle meine Künstlerkollegen und meine Wenigkeit überhaupt noch eine Plattform „live“ zu spielen? Ich für meinen Teil halte mich so lange wie es nur geht am Wind fest, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Ruhrbarone: Hast du schon konkrete Pläne für 2021? Was willst du im kommenden Jahr als Künstler erreichen?

Kaiser Franz: Jede Planbarkeit ist in diesen Zeiten, glaube ich, hinfällig. Deshalb hoffe ich, dass meine Hofkapelle und ich einfach im Laufe des kommenden Jahres ins Studio gehen dürfen um ein Album aufnehmen zu können. Sobald die staatlich verordneten Kontaktbeschränkungen es zu lassen, beginnt unsere gemeinsame Arbeit. Was danach kommen mag, ist ungewiss. Wichtig ist jetzt gewisse Ziele in kleinen Schritten zu festigen und sie gemeinsam zu verfolgen, und vor allem sich als Kulturschaffende nicht von Corona ins Boxhorn jagen zu lassen.

Ruhrbarone:  Magst du uns kurz etwas über deine neue Single erzählen, die am 11. Dezember herauskommen wird?

Kaiser Franz: Die kommende Single: „HURRA HURRA“ ist ein überspitztes Statement zur Lage der Nation. In diesem Song lasse ich die Figur des Kaisers großspurig-markant auftreten. Der von mir, selbstverständlich auf Deutsch verfasste Text ist scharfzüngig, zynisch, schneidend. Auch ironisch? Welche Schlüsse die Hörer daraus ziehen, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Meine Hofkapelle – bestehend aus Mauro Ballarini (Gitarre), Marco Ballarini (Bass) und Tom Birlenbach (Drums) – lässt es jedenfalls amtlich krachen und bieten dem spitzzüngigen Kaiser das nötige Brett. Aufgenommen und produziert wurde die Single übrigens von meinem Langzeitkumpel Sebastian Niehoff alias Sebel (Alligatoah, Stoppok, Max Buskohl u.v.a.) und das ausgerechnet im König-Ludwig-Studio in Recklinghausen. Das finale Mastering übernahm an dieser Stelle Robin Schmitt, der in der jüngeren Vergangenheit unter anderem auch dem aktuellen Ärzte-Album „Hell“ den letzten Schliff verpasste.

Ruhrbarone: Hast du darüber hinaus gerade Projekte laufen?

Kaiser Franz: Aktuell schreibe ich so viele Songtexte wie nur möglich. Innerhalb der letzten zwölf Monate sind gut rund 40 Songtexte entstanden, die es sobald wie möglich mit meiner Hofkapelle ins musikalische Bett zu fassen gilt. Wir sind aktuell dabei mögliche Songs für das Album auszuwählen und zu verfeinern. Wie anfangs schon gesagt, sobald wir grünes Licht bekommen, fahren wir die Musik wieder auf amtliche Betriebstemperatur. Gut „Rock’n’Roll“ Ding will eben Weile haben.

Ruhrbarone: Na dann! 🙂 Wir wünschen dabei weiterhin viel Erfolg!

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