#Katar2022: Es geht um mehr als ein Bierverbot, es geht um fehlenden Respekt gegenüber den Fans

Der WM-Pokal. Foto: Robin Patzwaldt

Obwohl ja eigentlich allen Beobachtern schon seit Jahren klar war, dass die FIFA Fußball-WM 2022 in Katar viele Themen in den Vordergrund spülen wurde, die mit Sport nichts oder nur am Rande zu tun haben, überraschte die Tatsache, dass die erste richtig emotionale Debatte im Vorfeld der Veranstaltung am Freitag ausgerechnet um ein offiziell verkündetes Bier- bzw. Alkoholverbot im Umfeld der Spiele ging, dann schon.

Groß war der diesbezügliche Aufschrei in den Medien und unter den Fußball-Traditionalisten. Ich persönlich konnte die Aufregung seit der Verkündigung ehrlich gesagt nicht so richtig nachvollziehen, ist das Thema bzw. die Problematik doch weder neu, noch wirklich wichtig, gemessen an den anderen Punkten, die es um Vorfeld dieser WM zu diskutieren gibt, wie etwa der Frage der Menschenrechte oder der vor Ort tätigen Gastarbeiter etc.. Was diese Themen bisher nicht wirklich in schafften, die Leute wirklich zu emotionalisieren, gelang nun ausgerechnet dem angedachten Bierverbot.

Was ich daran noch weniger verstehe, ist die Tatsache, dass sich über die Entscheidung, in den VIP-Logen vor Ort offenbar sehr wohl Bier auszuschenken, hingegen deutlich weniger Leute aufzuregen scheinen. Dabei zeigt doch gerade diese Widersprüchlichkeit und die dadurch erkennbare Zwei-Klassengesellschaft unter den Zuschauern dieses Turniers, sehr deutlich die grundsätzliche Problematik der sportpolitischen Entscheidung der Fifa, das Turnier in den Wüstenstart zu vergeben, die unsensible und abgehoben wirkende Herangehensweise der Organisatoren.

Auch ich habe früher, wenn ich als Fan zu den Spielen meines BVB gereist bin, gerne mal das eine oder andere alkoholische Getränk zu mir genommen. Im Freundeskreis war bzw. ist es einfach hin und wieder mal nett, sich auf der Tribüne gemeinsam ein paar Bierchen zu gönnen. Wirklich ‚wichtig‘ war mir das jedoch nie. Gab es im Stadion nur alkoholfreies Bier oder aber gar keines, war mir das immer ziemlich egal.

Das wäre für mich jedenfalls garantiert auch kein Grund, nicht mehr zum Fußball zu fahren bzw. gehen. Ich will beim Stadionbesuch schließlich beim Spiel mitfiebern und nicht halb betrunken nicht mehr in der Lage sein, das Geschehen auf dem Platz richtig mitzubekommen. Andere in der ‚Kurve‘ sahen das offenkundig immer schon anders. Das ist mir völlig klar. Immer wieder konnte auch ich in Dortmund auf der Südtribüne ‚Besoffene‘ sehen, die kaum noch geradeaus schauen konnten, geschweige denn dazu in der Lage waren das Spielgeschehen wirklich zu verfolgen.

Ein grundsätzliches Alkoholverbot in den Stadien fand ich dennoch nie sinnvoll. Wer will, der trinkt sich halt auch schon vorher auf Anreise oder im Hotel gerne mal einen, geht entsprechend ‚vorgeglüht‘ zum Fußball. Den Alkohol von den Rängen oder aus dem direkten Stadionumfeld komplett zu verbannen, ist aus meiner Sicht weder erforderlich noch wirklich umsetzbar.

Deshalb wäre es für mich auch gar kein großes Thema, wenn in Katar kein Alkohol im Umfeld der Stadien zu kaufen bzw. konsumieren sein soll. Dass die Entscheidung erst gestern, also direkt vor dem Turnierauftakt offiziell wurde, und zudem der ursprünglich angedachten Praxis zu widersprechen scheint, regt mich da schon eher auf.

Was der umstrittenen Entwicklung in Katar jetzt aus meiner Sicht aber endgültig die Krone aufsetzt, das ist die Regelung, in den Logen sehr wohl Alkohol- bzw. Bier auszuschenken, auf den ‚normalen‘ Plätzen hingegen nicht. Das geht dann ja nun so nun mal gar nicht! Diese Umgehung der ‚Vorschriften‘ für gewisse elitäre Kreise zeigt, wie weit entfernt die Verantwortlichen nicht nur vom ‚normalen Fan‘ sind, sondern auch, dass ihnen jegliches Gespür fehlt.

Damit ziehen sich die Organisatoren nur den Unmut vieler Fußballfans zu. Aber vermutlich ist ihnen das völlig egal, wie das ja auch schon bei deutlich wichtigeren Themen im Vorfeld dieser WM der Fall zu sein schien und weiterhin scheint. Wer bisher noch kein ungutes Gefühl in Bezug auf diese Veranstaltung hatte, der dürfte es spätestens jetzt haben. Und das auch, wenn er selber gar kein Bier im Stadion trinkt….

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4 Kommentare

  1. #1 | Ist Youssoufa Moukoko bei der WM erfolgreich, droht dem BVB ein Desaster | Ruhrbarone sagt am 20. November 2022 um 10:22 Uhr

    […] Derzeit bereitet sich der Stürmer mit der Deutschen Nationalmannschaft in Katar auf die umstrittene FIFA Weltmeisterschaft in dem Wüstenstaat vor. Am heutigen 20. November wird er 18 Jahre jung und steht damit noch einmal groß im Blickpunkt […]

  2. #2 | Helmut Junge sagt am 20. November 2022 um 19:09 Uhr

    Ich glaube, dass diejenigen, die tatsächlich nach Katar geflogen sind, immun gegen moralische Bedenken großer Teile der Bevölkerung sein werden.
    Jedenfalls dürften die die breite Bevölkerung nicht abbilden.
    Aber ob sie auch das Bierverbot akzeptieren?
    Gehört Biertrinken nicht irgendwie zum Spiel? Während der 4 oder 5 Spiele, die ich im Stadion live gesehen habe, schien Bier eindeutig dazu zu gehören. Die Alkoholiker, die ich kenne, können alle locker 3 Tage „ohne“ aushalten. Da bin ich mal gespannt.

  3. #3 | #Katar2022: Dem DFB droht selbstverschuldet der Super-GAU | Ruhrbarone sagt am 26. November 2022 um 12:53 Uhr

    […] aufzukommen, der sportliche Wert der absolvierten Spiele ist bislang überschaubar, es gab so viele Debatten rund um Themen abseits des Sports wie wohl noch nie zuvor, und die deutsche Mannschaft steht nach einer erschreckend schwachen […]

  4. #4 | #Katar2022: Gibt es beim Fußball 'gute' und 'schlechte' Flitzer? | Ruhrbarone sagt am 29. November 2022 um 11:42 Uhr

    […] in der zweiten Wettkampfwoche beschäftigt die umstrittene FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar die Gemüter weit mehr mit Themen abseits des Platzes als mit dem sportlichen […]

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