Kein glücklicher Abschied: Michael Zorc hinterlässt einen schwächelnden BVB

Michael Zorc (li.) und Glücksgriff Shinji Kagawa. Archiv-Foto: BVB

Heute geht in Dortmund die Ära von Michael Zorc zu Ende. Nachdem sich Zorc über lange Jahre als Spieler rund um den BVB verdient gemacht hatte, den Klub in den Jahre 1995 und 1996 jeweils zur Deutschen Meisterschaft geführt hatte, mit der Borussia 1997 sogar die UEFA Champions League gewann, sorgte er in den vergangenen Jahren dann als deren Manager für Schlagzeilen.

Heute macht Zorc seinen Platz offiziell für Nachfolger Sebastian Kehl frei und will sich, nach eigener Aussage, in Zukunft auf die Tribüne, zu den anderen meckernden Leuten setzen. Es wird also Zeit, dass auch wir hier im Blog uns noch einmal ein paar kritische Gedanken über die letzten Jahre des Managers Michael Zorc machen.

Der BVB und seine Fans haben Michael Zorc unzweifelhaft viel zu verdanken. Als Spieler war der Ur-Dortmunder eine echte Identifikationsfigur. Nicht umsonst führte er die Mannschaft über Jahre als deren Kapitän an. Vielen war er jedoch auch damals schon zu ruhig. Zorc war eben nie der Lautsprecher, der das Rampenlicht in den Medien suchte. Diese Rolle überließ er lieber anderen.

Trotzdem passte seine bescheidene Art gut zu den Schwarzgelben. Der BVB entwickelte sich im Laufe von Zorcs aktiven Jahren auf dem Rasen von einer vergleichsweise grauen Maus zu einer internationalen Top-Adresse. Das traf in dieser Form auch in ähnlicher Weise auf die Zeit unter dem Manager Michael Zorc zu. Er begleitete den Beinahe-Crash kurz nach dem Jahrtausendwende ebenso, wie die rauschenden Klopp-Jahre rund zehn Jahre später. Nur das Ende, zu Beginn der 20er-Jahre, das wollte dem Manager nicht mehr wirklich gut gelingen.

So gefeiert Zorc für seine Transfers unter Coach Klopp auch wurde, genannt seien hier nur die Namen Kagawa, Hummels, Subotic oder Reus, so sehr ging ihm sein glückliches Händchen, oder sagen wir besser die erfolgreiche Strategie, in der Nach-Klopp-Ära verloren.

Zuletzt setzte der BVB verstärkt, ja fast ausnahmslos darauf junge Talente zu verpflichten, die er dann mit wirtschaftlichem Profit weiterverkaufen wollte. Finanziell mag das auch ganz gut funktioniert haben, doch hat die Entwicklung einer dauerhaft erfolgreichen Mannschaft darunter gelitten.

Eine Fortentwicklung des selbsternannten ‚zweiten Leuchtturms im deutschen Fußball‘ hinter dem FC Bayern München, gab es seit Jahren nicht mehr. Im Gegenteil! Der Rückstand auf die Bayern scheint sich eher vergrößert zu haben, was auch daran lag, dass die jungen Talente, die den Weg nach Dortmund fanden, meist nicht lange blieben.

Egal ob Dembele, Sancho, Pulisic oder jetzt auch Haaland, die besten Jungen verließen den Klub meist schneller, als sie im sportlich wirklich entscheidend weiterhelfen konnten. Eine echte Erfolgstruppen zu formen, wie es unter Klopp zwischen 2008 und 2013 gelang, war so unmöglich.

Keinem der Trainer nach Klopp, der den Verein 2015 verließ, bekam noch die Chance, nachhaltig etwas aufzubauen. Meist wurden die Trainer daher ebenfalls sehr schnell ausgetauscht, was auch kontrovers diskutiert wurde.

Doch einen sich zum ‚Durchlauferhitzer‘ wandelnden Klub mit einem echten Meisterteam auszustatten, dass erfordert eben nicht nur Konstanz auf der Trainerbank, sondern eben auch im Kader. Die Klopp-Jahre haben den Dortmundern ja gezeigt, wie das funktionieren kann.

Die beim BVB um sich greifender Unruhe, sowohl im Kader als auch auf der Trainerbank, fallen dann eben auch in die Ära des Managers Michael Zorc. Und es steht zu befürchten, dass es Zorcs Nachfolger Sebastian Kehl mit ganz ähnlichen Problemen zu tun bekommt, wenn der Verein nicht rasch wieder von dieser Strategie als Ausbildungsverein für andere abrückt.

Es war ein großer Fehler, dass sich die Dortmunder einst überhaupt auf diesen Irrweg begeben haben. Auch das wird in Dortmund fest mit dem Namen Michael Zorc verbunden bleiben….

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