12

Kommentar: Die Bundesliga schottet sich ab!

Nur wenige Vereine haben einen solchen Zuschauerandrang wie der BVB. Dennoch ist eine Mindestkapazität vorgeschrieben – nur eine von vielen Hürden, an denen kleine Vereine scheitern können. Foto: Robin Patzwaldt

Was haben die englische Premier League, die italienische Serie A und die spanische Primera Division gemeinsam? Genau, es gibt drei feste Absteiger und somit auch drei feste Aufsteiger aus der zweithöchsten Spielklasse des jeweiligen Landes. In England haben es in der abgelaufenen Saison sogar alle drei Aufsteiger geschafft, die Klasse zu halten.

Besonders beeindruckend ist die Geschichte von Huddersfield, das vom deutschen Trainer David Wagner trainiert wird und mit einem vergleichsweise niedrigen Etat zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte den Aufstieg in die Premier League geschafft hat. Dieser Erfolg wurde ein Jahr später mit dem Klassenerhalt gekrönt, obwohl das vor der Saison noch kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Geschichten wie diese sind es, die den Fußball so besonders machen. In Deutschland wird es kleinen Vereinen wie Holstein Kiel oder im Vorjahr Eintracht Braunschweig leider unnötig schwer gemacht, ähnliche Erfolgsgeschichten zu schreiben. Bis vor wenigen Jahren gab es auch hierzulande 3 feste Auf- und Absteiger, doch seit der Einführung der Relegation hat sich 8 von 10 Mal der höherklassige Verein durchgesetzt, darunter jeweils zwei Mal der HSV und der VfL Wolfsburg. Sportlich hätten diese Klubs den Abstieg verdient gehabt, genauso wie Holstein Kiel und die Zweitliga-Dritten der vergangenen Jahre den Aufstieg verdient gehabt hätten.

Dass nun ausgerechnet Kiel der Leidtragende dieser Regelung ist, ist besonders bitter: Das Team von Markus Anfang war die Überraschung der Zweitliga-Saison. Es ist kein Zufall, dass der 1. FC Köln für das Projekt Wiederaufstieg den gebürtigen Kölner als Nachfolger von Stefan Ruthenbeck verpflichtet hat. Anfang hat aus einer Drittliga-Mannschaft ein Team gemacht, das nicht nur um den Aufstieg mitspielte, sondern auch in vielen Statistiken zu den Top-Teams der Liga zählte. Für die erste Liga wäre Kiel eine Bereicherung. Man kann nur hoffen, dass die Störche nicht dasselbe Schicksal erleiden wie Eintracht Braunschweig, das 2017 in der Relegation an Wolfsburg scheiterte und nur ein Jahr später den Gang in die Drittklassigkeit antreten muss.

Zurzeit fordern viele Fans die Abschaffung der Relegation. Dahinter steckt wohl auch der verzweifelte Wunsch nach etwas Abwechslung in der Bundesliga, wo doch der Meister so gut wie jedes Jahr frühzeitig feststeht. Die aktuelle Regelung erweckt den Eindruck, dass kleine Vereine in Deutschlands Eliteliga gar nicht erwünscht seien. Dieser Eindruck wurde nicht zuletzt durch die Posse um das Stadion von Holstein Kiel unterstrichen, das angeblich zu klein für Erstliga-Fußball war.

In Spanien spielt der SD Eibar vor 7.000 Zuschauern, das Stadion des Englischen Erstligisten AFC Bournemouth hat gerade mal 11.000 Plätze. Wäre Kiel aufgestiegen, hätte das Stadion ausgebaut werden müssen – ganz egal, ob das angesichts des Zuschauerandrangs für den Klub wirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre oder nicht. Insofern kann Holstein Kiel vielleicht auch etwas Positives daraus ziehen, den Aufstieg verpasst zu haben. Es wäre ein schwieriges Unterfangen gewesen, mit dem geringen Budget einen Kader zusammenzustellen, der in der Bundesliga mithalten kann.

Natürlich sind Auf- und Abstiege für die sportlich Verantwortlichen immer auch damit verbunden, wirtschaftliche Risiken eingehen zu müssen. Eine Lösung, die einerseits gewährt, dass es drei feste Aufsteiger gibt, andererseits aber auch die Interessen abstiegsbedrohter Erstligisten berücksichtigt, könnte daher sein, die Liga auf 20 Teams aufzustocken, wie es in anderen europäischen Top-Ligen üblich ist. Die Fernseheinnahmen, die durch den Wegfall der Relegation verloren gingen, könnten durch vier zusätzliche Spieltage sicher kompensiert werden.

RuhrBarone-Logo

12 Kommentare zu “Kommentar: Die Bundesliga schottet sich ab!

  • #1
    Robin Patzwaldt

    Also, ich finde ja, dass die Relegation gezeigt hat, wie groß die Kluft zwischen erster und zweiter Liga inzwischen ist, und dass Kiel in Liga 1 so nichts zu suchen gehabt hätte. Bei aller Sympathie für deren sportlichen Aufstieg in den letzten 2 Jahren….

  • #2
    Walter Stach

    Yannik Stracke,
    "uneingeschränkt einverstanden".

    Robin,
    m.E. widerspricht es dem auch im Profi-Fußball geltenden Leistungsprinzip, wenn von zwei Spielen unter extremer physicher Belastung, so viel abhängt -sportlich, finanziell, für die Vereine, für die Spieler, und eben nicht die über eine gesamte Spielzeit gezeigte Leistung , die den einen Verein auf den 3.letzten und den anderen auf den 3.höchsten Tabellenplatz in der jeweilige Liga gebracht hat.

    "Auf einem anderen Blatt" steht die Frage, ob es mit Blick auf das jeweilige Leistungsniveau eine dreier oder ehe eine zweier Lösung geben sollte. Ich plädiere für das Festhalten an der dreier Lösung, aber eben ohne die bisherigen sog. Relegationsspiele zwischen……

  • #3
    Tobias

    Ich finde eben nicht, dass es die Zweitligadritten unbedingt verdient haben. Ich sehe keine Argumente dafür. Da finde ich die Relegation sogar fairer. Da wird die Ligazugehörigkeit direkt gegeneinander ausgespielt. Der Bessere setzt sich durch. Wer die Relegation gewinnt, hat es auch sportlich verdient.

  • #4
    thomas weigle

    Wer sich im Stahlbad der 2.Liga den 3.Platz sichert, hat den Aufstieg allemal verdient. Egal wie groß sein Stadion ist. Kleine Vereine mit kleinen Stadien sind allerdings bei DFB und DFL nicht gern gesehen. Das ist nicht erst seit heute so.

  • #5
    Aquii

    Das mit dem Status Quo ist ja nicht nur in der Bundesliga so. der ÖR verteidigt seine Vormachtstellung auch mit Mitteln wie der Zwangsfinanzierung und ohne sich ernsthaft Gedanken über das dargebotene Programm zu machen, als Beispiel soll das Abendprogramm des letzten Sonntags gelten, bis auf die Nachrichtensendungen ausnahmslos Wiederholungen, auf allen Kanälen, also genau wie die Meisterschaft in der Bundesliga, extrem langweilig mit wenigen Überraschungen.

    So hat die Relegation bewirkt, das dass Elend des glorreichen Sportvereins aus Hamburg nunmehr schon fünf Jahre andauert, aktuell schickt sich der Retortenclub des Skandalkonzerns aus der niedersächsischen Provinz an nahtlos in diese Rolle zu schlüpfen.

    Wenn ich die Sicht der DFL einnehme, machen es sich die Herren auch einfach, indem sie immer auf den tollen Zuschauerboom verweisen um ihr langweilig gewordenes Produkt nicht nur vor sich selbst schönzureden. Und dann kommen Clubs wie Kiel mit einer Kapazität von nur 10.000 Zuschauern und ersetzen den Werksclub aus der Provinz, der immerhin das das dreifache an Kapazität hat. Im Nachhinein würde ich behaupten, die Relegation hat die längst überfällige Neuausrichtung bei den Hamburgern behindert, genau wie sie das jetzt in Wolfsburg macht. Das einzige was den Grünen bleibt ist zu behaupten, sie gehören weiter dazu und neues Personal wird es ab der kommenden Saison doch schon richten.

    Ein Blick in die Pfalz könnte lehrreich sein, ein Stadion auf dem neuesten Stand, politisch gewollt und genau das richtige für einen Club mit Tradition und vielen Weltmeistern in seinen Reihen. Es geht dort schon soweit, dass der Abriss diskutiert wird und das Gelände mit Wohnungen bebaut werden soll. Was will ein Club mit einem modernen Stadion das zwar 30.000 Plätze hat in einer Zeit wo die Zuschauereinnahmen immer unwichtiger werden?

    Aber es wäre für den neutralen Ligabeobachter allemal sehenswert, wie ein Underdog versucht die Klasse zu halten und einigen großen Vereinen trotzt, als ständig das motivationslose Gekicke von angeblichen Spitzenvereinen zu sehen, Darmstadt hat es im ersten Jahr der Ligazugehörigkeit vorgemacht, wie das geht mit der Emotion und der Leidenschaft.

  • #6
    Tobias

    Darmstadt hat einen der hässlichsten Spielstile auf den Rasen gebracht, die du Bundesliga je hatte. Zeitspiel ohne Ende. Umfallen, jammern und meckern wo’s ging. Das war nichts für den neutralen Zuschauer.

    Und ich sehe immer noch keine Argumente dafür, dass der 3. der zwoten Liga die erste Liga mehr verdient hat, als der 16. eben dieser. Ausser eben "war früher so".

    Ich denke nunmal, dass die 18 besten Vereine in der ersten Liga spielen sollten. Das kann man am besten durch direkten Vergleich ermitteln.

  • Pingback: Bundesliga-Relegation Fortuna verliert wegen Kiel-Pleite 1,5 Millionen Euro – BAYERN online

  • #8
    ke

    Es ist ein faires Verfahren.
    In nahezu allen Ligen gibt es feste Auf-/Absteiger und Plätze, die unter den schlechteren Mannschaften der höheren Liga und den besseren der niedrigeren Liga ausgespielt werden.

    Fairer geht es doch gar nicht.

    Druck? Was sollen andere Sportler sagen, die nur alle 4 Jahre bei Olympia die Chance haben, sich einem größeren Publikum zu zeigen.
    Gruppenphasen sind doch das K.O. des Europapokals.

    Ich finde eigentlich keine Gründe, die für noch mehr Mannschaften bzw. für mehr Auf-/Absteiger sprechen.

  • #9
    Joachim Bomann

    @Robin Patzwaldt
    Selbstverständlich hat die Relegation gezeigt, daß Holstein Kiel mit seiner aktuellen Mannschaft keine Chance in der 1. Liga gehabt hätte. Nur wären sie mit dieser Mannschaft im Falle eines Aufstieges niemals in der Bundesliga angetreten. Mit den kräftig erhöhten Fernsehgeldern & erheblich mehr Geld von Sponsoren wäre auf jeden Fall ein stärkeres Team angetreten. Ob es den Klassenerhalt geschafft hätte? Darüber läßt sich keine konkrete Aussage treffen. Unmöglich wäre es nicht, wie der im Text erwähnte Verein aus England, Huddersfield, gezeigt hat. Gegen Düsseldorf & Nürnberg wäre Wolfsburg auch favorisiert gewesen. Also gleich den überflüssigen Aufstiegskram streichen, die besseren unter sich lassen?

  • #10
    Robin Patzwaldt

    Düsseldorf und Nürnberg werden es auch schwer haben die Klasse zu halten. schon aufgrund des geringen Etats. Stuttgart und Hannover waren im Vorjahr die Ausnahme. Das waren keine normalen Aufsteiger. Es wird immer schwerer die Lücke zwischen Liga 1 und Liga 2 zu überspringen. Ob uns das nun gefällt, oder auch nicht.

  • #11
    HeinrichB.

    Bei drei festen Absteigern wäre Köln diese Saison wieviel Wochen eher abgestiegen? Der HSV wäre auch schon vor dem letzten Spieltag ko gewesen. Damit wäre ein Teil der Spannung weg, was auch für die zweite Liga gegolten hätte. Es war doch relativ lange klar, dass Nürnberg und Düsseldorf unter die ersten drei kommen, aber nicht ob sie den direkten Aufstieg schaffen.

  • #12
    Bochumer

    Das Problem ist nicht die Relegation, sondern de ungleiche Verteilung der Fernsehgelder. Dadurch ist kein sportlicher Wettbewerb mehr da. Das war in Liga Zwo dieses Jahr anders, aber das wird sich ändern – normalisieren..HSV und Köln steigen sicher wieder auf und Bayern wird acht der nächsten zehn Meistertitel holen. Der sportliche Wettbewerb ist kaputt. Durch die TV-Gelder sehen wir Kapitalismus pur. Und als erstes werden nunmal die Risiken des Investments minimiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.