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Kommentar: Die Rückkehr des Karnevalsvereins

Gegen Schalke holte Köln zuletzt ein 2:2. Foto: Michael Kamps

Der 1. FC Köln hat am Sonntag in einer Pressekonferenz bekanntgegeben, dass Peter Stöger nicht mehr Trainer des 1. FC Köln ist. Vorübergehend wird der U19-Coach Stefan Ruthenbeck übernehmen, Co-Trainer wird der ehemalige FC-Spieler Kevin McKenna, der bisher ebenfalls zum Trainerstab der U19 zählte. Klar, dass man noch keinen neuen Trainer als permanente Lösung vorstellen konnte. Doch auch einige weitere Fragen blieben unbeantwortet.

Die erste Frage ist: Wieviel Mitverantwortung hatte Peter Stöger bei der Kaderplanung oder ist er tatsächlich nur ein Bauernopfer, ein Sündenbock für die Fehler, die Andere wie der ehemalige Sportdirektor Jörg Schmadtke begangen haben? Immerhin war vor der Saison abzusehen, dass man den Weggang von 25 Tore-Stürmer Anthony Modeste nicht kompensieren kann. Der für die Rekord-Ablösesumme von 17 Millionen Euro verpflichtete Cordoba hatte noch nie mehr als 5 Saisontore geschossen. Mit dem 39-jährigen Claudio Pizarro wurde in der Not ein Spieler geholt, der längst seinen Zenit überschritten hat. Diese Verpflichtung erinnert an die Transferpolitik unter Michael Meier, als Spieler wie Pierre Womé oder Maniche eingekauft wurden.

Die zweite Frage ist: Welcher Trainer hätte denn in der aktuellen Situation, angesichts der vielen Verletzten und zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidungen zu Ungunsten des FC, mehr aus der Mannschaft rausholen können? Die schlechte Chancenverwertung ist natürlich auch der mangelnden Qualität geschuldet, es gehört aber auch ganz schön viel Pech dazu. Schließlich war Stögers Mannschaft in den meisten Spielen dem Gegner ebenbürtig und hat oft nur knapp verloren.

Die dritte, nicht ganz nebensächliche Frage ist: Wer war der Maulwurf? Die Kölner Boulevardzeitung Express hatte nämlich bereits einen Tag zuvor von der Entlassung Stögers berichtet und sich dabei auf eine Nachricht bezogen, die die Mannschaft und das Funktionsteam per Whatsapp erhalten haben sollen.

Man hatte lange das Gefühl, dass solche Vorgänge beim FC der Vergangenheit angehören. Doch jetzt erfüllt er wieder das Klischee eines chaotisch geführten Karnevalsvereins, wozu auch die Meldung, dass der FC am ehemaligen HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer interessiert sei, passt. Beiersdorfer, der in seiner aktiven Zeit 16 Spiele für den FC absolviert hatte, pflegt gute Verbindungen zu Spielerberater Volker Struth, der einen Großteil der Spieler aus dem FC-Kader betreut. Schon deshalb hat es einen faden Beigeschmack, dass Beiersdorfer nun der Top-Kandidat auf die Nachfolge von Schmadtke sein soll.

Bereits vor dem Ausbruch der Krise wurden Parallelen zum alten FC deutlich. Ähnlich wie sein Vorgänger Wolfgang Overath hatte auch Präsident Werner Spinner im Vorfeld der diesjährigen Jahreshauptversammlung mangelndes Demokratieverständnis offenbart, als er eine Mitgliederinitiative, die einen Antrag eingebracht hatte, wonach die Mitglieder künftig über alle Anteilsverkäufe abstimmen dürfen sollten, mit Extremisten verglich. Zwar hat Spinner später behauptet, seine Aussage sei falsch interpretiert worden, jedoch ließ er es sich auch während der JHV nicht nehmen, ordentlich Stimmung gegen den Antrag zu machen. Die Initiatoren mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, sie würden Unruhe in den Verein bringen. Die Mehrheit der anwesenden Mitglieder folgte dieser Logik, der Antrag wurde abgelehnt.

Auch die China-Geschäfte des FC sind sehr intransparent, zumal Spinner kürzlich Menschenrechtsverletzungen in China relativierte, als er denjenigen, die Geschäften mit China aufgrund derer kritisch gegenüberstehen, empfahl, sich erst einmal mit der Kultur des Landes zu befassen. Generell scheint Kritikfähigkeit nicht seine größte Stärke zu sein: Wer den Umgang des Vorstands mit Peter Stöger kritisiert, ist für Spinner ein „Pseudo-Moralapostel“. Auch die Idee, ein neues Stadion mit 75.000 Plätzen außerhalb Müngersdorfs bauen zu wollen, zeugte von Größenwahn.

Solche Kritikpunkte wurden lange als Nichtigkeiten abgetan. Als der FC noch sportlichen Erfolg hatte, traute sich kaum jemand, den Vorstand öffentlich zu kritisieren. Das ist nun, spätestens seit der Entlassung Stögers, nicht mehr der Fall. Die Führungsetage, insbesondere Werner Spinner, können sich darauf einstellen, nun womöglich auch aus der aktiven Fanszene Gegenwind zu spüren. Bereits beim 2:2 auf Schalke gab es „Vorstand raus“-Rufe.

Das Traurige ist, dass eine respektable sportliche Leistung einer Mannschaft, die am Boden liegt und trotzdem weiter kämpft, ebenso in den Hintergrund rückt wie das entscheidende Gruppenspiel gegen Roter Stern Belgrad, das diese Woche bevorsteht. Aus Sicht der FC-Fans bleibt nur zu hoffen, dass der neue Trainerstab keine lange Anlaufzeit braucht. Gegen Belgrad reicht nur ein Sieg zum Weiterkommen, doch das Ligaspiel gegen Freiburg ist noch wesentlich wichtiger: Mit einem Sieg könnte man den Abstand auf den Konkurrenten im Abstiegskampf auf 6 Punkte verkürzen, bevor es dann zum Auswärtsspiel zu den Bayern geht. Wenn man also nur den Hauch einer Chance auf den Klassenerhalt wahren möchte, muss gegen Freiburg endlich der erste Saisonsieg her.

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