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Kreis Recklinghausen: Aus WAZ wird wäzlein

Nachem die WAZ schon vor einigen Jahren zahlreiche Lokalausgaben im Kreis Recklinghausen eingestellt hat geht es nun an die Kreisredaktion:  Das Personal wird nach  WDR-Angaben drastisch reduziert.

Ein Modell sollte die Vest-Redaktion werden, die an die Stelle  der bereits vor Jahren geschlossenen acht Lokalredaktionen im Kreis Recklinghausen trat. Ein WAZ-Mitarbeiter erklärte uns vor wenigen Monaten das damals vorgestelle Konzept, das nicht aufging: "Die Verlagsleitung hat uns damals erklärt, wie gut die Aufgabe der einzelnen Lokalteile wäre. Das Vest Recklinghausen sei mit Essen zu vergleichen und eine gemeinsame Redaktion würde Sinn machen. Wir haben dadurch nur Leser verloren. In vielen der Städte war die WAZ allerdings immer schwach und kam nie gegen die Blätter von Bauer an."

Daraus zieht das Unternehmen nach einer  Meldung des WDR nun die Konsequenzen: Die WAZ wird ihre Vest-Redaktion von jetzt 29 auf nur noch 10 Redakteure runterfahren. Wie die für ein Einzugsgebiet mit mehreren 100.000 Menschen eine auch nur halbwegs lesenswerte Zeitung machen sollen bleibt ein Geheimnis der Verlagsleitung. Passend zu der Umstrukturierung findet morgen eine Demonstration der WAZ-Mitarbeiter vor der Konzernzentrale in Essen statt. Von der WAZ war heute keine Stellung mehr zu dem Thema zu erhalten.

 

Nachem die WAZ schon vor einigen Jahren zahlreiche Lokalausgaben im Kreis Recklinghausen eingestellt hat geht es nun an die Kreisredaktion:  Das Personal wird nach  WDR-Angaben drastisch reduziert.

Ein Modell sollte die Vest-Redaktion werden, die an die Stelle  der bereits vor Jahren geschlossenen acht Lokalredaktionen im Kreis Recklinghausen trat. Ein WAZ-Mitarbeiter erklärte uns vor wenigen Monaten das damals vorgestelle Konzept, das nicht aufging: "Die Verlagsleitung hat uns damals erklärt, wie gut die Aufgabe der einzelnen Lokalteile wäre. Das Vest Recklinghausen sei mit Essen zu vergleichen und eine gemeinsame Redaktion würde Sinn machen. Wir haben dadurch nur Leser verloren. In vielen der Städte war die WAZ allerdings immer schwach und kam nie gegen die Blätter von Bauer an."

Daraus zieht das Unternehmen nach einer  Meldung des WDR nun die Konsequenzen: Die WAZ wird ihre Vest-Redaktion von jetzt 29 auf nur noch 10 Redakteure runterfahren. Wie die für ein Einzugsgebiet mit mehreren 100.000 Menschen eine auch nur halbwegs lesenswerte Zeitung machen sollen bleibt ein Geheimnis der Verlagsleitung. Passend zu der Umstrukturierung findet morgen eine Demonstration der WAZ-Mitarbeiter vor der Konzernzentrale in Essen statt. Von der WAZ war heute keine Stellung mehr zu dem Thema zu erhalten.

 

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12 Kommentare zu “Kreis Recklinghausen: Aus WAZ wird wäzlein

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  • #2
    Mit-Leser

    @Laurin: Na ja, irgendwie nicht so verwunderlich, oder? Es gibt ja inzwischen ne Menge Seiten wie die Ruhrbarone, wo ein paar engagierte und kompetente Jungs jeden Tag ohne Gage Lokalnachrichten verbreiten. Warum soll der Leser also noch für Info-Content bezahlen?

    Vielleicht wäre der RE-Lokalteil der WAZ zu retten, wenn die Barone ihn auch jeden Tag gagenfrei mit Inhalten füllen. 😉

    (Ist nicht böse gemeint, nur eine Feststellung. Und uch nehme alles zurück, wenn die Ruhrbarone heimlich werbefinanziert sind und mit ihrer Arbeit Familien ernähren können)

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mitleser: Daran liegt es glaube ich nicht – zumindest nicht im Kreis Recklinghausen. Die WAZ konnte sich dort nie gegen die Bauer-Titel durchsetzen und zieht daraus jetzt die Konsequenz. Und dann gab es ja noch vor ein paar Jahren eine Art Aufteilung: Die (mit Bauer verbundenen) Ruhr Nachrichten zogen sich auch Gladbeck, Gelsenkirchen und Bottrop zurück, der Bauer-Titel Buersche Zeitung aus Gelsenkirchen-Buer. Die WAZ zieht sich langsamer zurück – was auch sozialverträglicher ist. Die Kollegen von den Ruhr Nachrichten wurden damals (alle?) einfach rausgeworfen.

  • #4
    Mit-Leser

    @Laurin: Stimmt. Hatte nicht an “Bauer” gedacht. Aber die werden ja wahrscheinlich auch an Auflage verlieren, oder? Ich mein: Die Gegend da oben ist immer ein bisschen langsamer, aber die Zeitungskrise muesste die doch auch erwischt haben.

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mit-Leser: Ja, auch Bauer verliert. Habe mal bei der IVW nachgeschaut: Recklinghäuser Zeitung: 1/2007 69.069, 1/2008 69.207, 1/2009 65.868. Die Gründe? Demographischer Wandel, Änderung der Bevölkerungsstruktur und natürlich ein anderes Leseverhalten in den jüngeren Generationen (Der Plural dürfte da mittlerweile angemessen sein). Das Internet halte ich dabei noch nicht einmal für entscheidend. Viele lokale Informationen aus dem Kreis Recklinghausen bekommt man nicht online – ich glaube eher, die Menschen interessieren sich weniger dafür. Viele wohnen (In Gladbeck (Keine “Bauer-Stadt”) wohl fast 50%) noch nicht so lange in den Städten, arbeiten sowieso in anderen Städten und haben keine so enge Bindung mehr an ihre Stadt und das lokale öffentliche Leben. Lokale Vereine, Parteien, Gemeinden – wichtige Themen für die traditionelle Lokalzeitung, interessieren immer weniger Menschen. Lokalzeitungen leiden unter dieser Entwicklung. (PS: Alle vergessen immer Bauer – dabei sind die Lokalteile oft wirklich gut)
    Zu uns: Wir sind Mädels und Jungs und kümmern uns ja eigentlich nicht so sehr um die lokalen Themen. Wir sind ja gestartet, weil wir in den anderen Medien eine regionale Sicht auf die Dinge vermisst haben.

  • #6
    Eva

    Die Neu-Konzeption des Regionalteils beruht für meine Begriffe auf einem Gedankenfehler der Verantwortlichen bei der WAZ. Die Annahme, der Kreis Recklinghausen könne mit Städten wie Essen gleichgesetzt werden, ist falsch. Die Leute aus Gladbeck, Marl, Haltern usw. begreifen sich nun mal als Gladbecker, Marler oder Halterner, aber nicht als “Kreis Recklinghäuser”. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl wie in einer Stadt wie Essen kann in einem so weit verzweigten Kreis mit völlig unterschiedlicher Geschichte der einzelnen Gemeinden gar nicht entstehen. Dementsprechend interessiert es die Halterner nicht, was in Gladbeck passiert, usw. Im neuen Regionalteil aber sind die Nachrichten aus den verschiedenen Städten und Gemeinden wild durcheinander gemischt. Es gibt keinerlei Anordnung nach geographischen Gesichtspunkten. Wer sich über seine Stadt bzw. Gemeinde informieren will, sucht also lange und häufig vergebens. Alle Print-Medien erleben einen Rückgang – doch mit diesem Wirr-Warr hat die WAZ diesen Prozess bei ihrer Ausgabe im Kreis Recklinghausen noch beschleunigt.

  • #7
  • #8
    Robin Patzwaldt

    Interessant! Habe das hier gerade beim Stöbern gefunden.

    Also inzwischen ist auch ein sehr starkes Abfallen der Lokalberichterstattung (in Umfang und Qualität) bei den ‘Bauer’-Blättern zu bemerken. Es wird der Lokalteil seit ca. 2 Jahren stark gekürzt, immer öfter werden zudem Artikel aus den Nachbarstädten (auch RN-Berichte aus Do übrigens) als Füllmaterial verwendet. Inzwischen frage ich mich als alter Zeitungsfan hier immer häufiger wofür ich hier noch eine gedruckte Lokalzeitung kaufen soll?! Die Lokalzeitung im Kreis RE ist ihr Geld häufig schon gar nicht mehr wert. Ein Teufelskreis!

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Robin: Ich war vor zwei Jahren einmal im Bauer-Archiv in Marl. Ich hab Samstagsausgaben gesehen, die so dick waren wie heute eine WamS oder eine FAS. Viele Seiten mit großen Geschichten – und Unmengen an Anzeigen. Kein Vergleich zu heute…

  • #10
    Robin Patzwaldt

    @Stefan: Das kann ich aus meiner Erinnerung heraus auch so bestätigen. Und die Lokalseiten waren früher hier auch sehr kritisch und hatten jede Menge Insiderinformationen über die Lokalpolitik usw.. Das sucht man heute völlig vergebens, zumindest hier in Waltrop. Viele Artikel berichten nur über Geburtstage von Oma und Opa oder die Sitzung der Taubenzüchter usw.. Oberflächliche, seichte Kost halt, die jeder Laie (günstig) schreiben kann. Das ist schade und beschleunigt den internetbedingten Verfall noch zusätzlich…

  • #11
    Brilano

    **Kreis Recklinghausen: Aus WAZ wird wäzlein**
    Es muss heißen: Aus für die WAZ!
    Vor einigen Jahren hatte ich die Zeitung regelmäßig gelesen und mir täglich zustellen lassen. Man konnte sich sehr gut über die örtlichen Ereignisse in den einzelnen Städten informieren. Als dann die Geschäftsführung sich neue Ziele gesetzt hatte und den Laden umstrukturierte, ging es nur noch bergab. Mitarbeiter entlassen, örtliche Redaktionsbüros geschlossen. Sicherlich glänzt man als Geschäftsführung erst mal mit der Straffung des Unternehmens und wenn die Erfolglosigkeit offensichtlich wird, ist der Geschäftsführer meistens schon in einme anderem Unternehmen und glänz dort mit dem gleichen Schwachsinn. Ich habe damals die Zeitung gekündigt, weil die WAZ nicht mehr mein Interesse fand. Mich interessierten keine Geschichten aus Gladbeck, Recklinghausen oder Marl, sondern aus meine Nachbarschaft, nämlich Waltrop, Datteln, Oer-Erkenschwick und Recklinghausen. Aber hier fand und las man nun überhaupt nichts mehr. Diese Lokalseiten gab es aber auf einmal nicht mehr. Der Geschäftsführung hatte ich dann auch in der Kündigung mitgeteilt, dass ich die Zeitung wegen der neuen Struktur nicht mehr lesen werde. Das was in der WAZ noch abgeliefert wurde, konnte ich in den anderen Tageszeitungen, die ich auch noch lese, im fast gleichen Wortlaut wiederfinden. Ich meine, die WAZ schafft sich selbst ab. Wenn Sie überleben will, sollte sie ganz schnell wieder alte Strukturen und eine örtliche Berichterstattung einführen. Ansonsten können sie gleich den ganzen Rest zu machen und einstellen. Wie man eine etablierte Zeitung so runter wirtschaften kann, ohne das es Konsequenzen für die Verantwortlichen nach sich zieht ist mir schleierhaft.

  • #12
    Robin Patzwaldt

    @Brilano: Ich hatte hier in Waltrop früher auch mal eine Zeit lang die WAZ im Abo, habe auch als freier Mitarbeiter mal ein paar Jahre lang für die Redaktion des Ostvests in Datteln geschrieben. Allerdings war auch damals schon deutlich zu sehen, warum die WAZ hier im Kreis kein Bein auf die Erde gebracht hat. Der größte Vorteil für Bauer war aus meiner Sicht der wesentlich ausführlichere Lokalteil. Dadurch das die Redaktion der WAZ in Datteln ansässig war und von dort das ganze Ostvest abdeckte, hatte die WAZ einen riesigen Nachteil. Was will ein Waltroper schon über Olfen wissen? Die Waltroper hätten damals schon gerne mehr über Waltrop in der WAZ gelesen. Das Konzept passte schon damals nicht bei der WAZ. Das fatale ist aus meiner Sicht nur, dass, nachdem die WAZ hier faktisch nicht mehr existiert, auch Bauer in den Sturzflug übergegangen ist. Und das kommt halt durch das generelle Zeitungssterben in Deutschland.

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