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Kriegs-Köhler begeht Fahnenflucht

"Bedauerliche Missverständnisse" ? Köhler plädierte für Militärische Mittel für den Außenhandel

Zum ersten Mal in der Geschichte tritt ein deutscher Bundespräsident zurück. Zu Recht. Denn Köhler hatte erklärt, deutsche Interessen wie freie Handelswege mit „militärischen Mitteln“ durchsetzen zu wollen. Der frühere Wirtschaftsmann hatte Tränen in den Augen, als er seinen Entschluss begründete.

Köhler bedauert allerdings nichts seine Äußerungen. Sondern alleine die Kritik daran. „Die Unterstellung, ich habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehrt jeder Rechtfertigung“, sagte Köhler. Das lasse den notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen. Dabei war die Kritik völlig zurecht. Denn natürlich plädierte Köhler für nichts anderes als das Sterben für den Außenhandel. Wörtlich sagte er in einem Radiointerview: „Ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung muss wissen, dass auch militärischer Einsatz notwendig ist um unsere Interessen zu wahren. Zum Beispiel für freie Handelswege.“ Nun bedauert Köhler in seiner Erklärung, dass es in seinen Äußerungen zur Rolle der Bundeswehr „in wichtigen und schwierigen Fragen zu Missverständnissen kommen konnte“. Missverständnisse? Zum ersten Mal hat er die wirtschaftlichen Interessen eines für viele Menschen tödlichen Krieges offenbart. Und so die banal-grausame Ursache für Kampfeinsätze benannt. Mit seinem Rücktritt sollte nun die Debatte beginnen, warum deutsche Soldaten in Afghanistan kämpfen und wie lange noch.

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52 Kommentare zu “Kriegs-Köhler begeht Fahnenflucht

  • #1
    mittelvielwisser

    Überfälliger Schritt, leider fünf Jahre zu spät.
    Allein Köhlers Rede zur damaligen Auflösung des Bundestags war so peinlich, dass er bereits 2005 hätten abdanken sollen. O-Ton damals: „Unser Land steht vor gewaltigen Aufgaben. Unsere Zukunft und die unserer Kinder steht auf dem Spiel. Millionen von Menschen sind arbeitslos, viele seit Jahren. Die Haushalte des Bundes und der Länder sind in einer nie da gewesenen, kritischen Lage. Die bestehende föderale Ordnung ist überholt. Wir haben zu wenig Kinder, und wir werden immer älter. Und wir müssen uns im weltweiten, scharfen Wettbewerb behaupten.“ Der Mann war und ist einfach nur peinlich. Der schlechteste BuPrä seit Lübke. Horst Wer? Horst Lübke? Horst Tschüssikowski.

  • #2
    Er

    Mit anderen Worten:
    Während Dtl. u. Europa jede Unze politischer Kraft zur Bewältigung der ggw. Krise bräuchten, wird es in Dtl. nun wochenlang eine nervige Personaldebatte über Köhlers Nachfolge geben. Na dann Prost!
    Und mal ganz subjektiv gesagt, ist Köhler ein Weichei. Wegen so etwas tritt man nicht zurück. Was ist da denn wirklich gelaufen? Ruhbarone, recherchiert bitte mal!

  • #3
    Bert

    Der offiziellen Begründung ist kaum zu glauben. Ich sehe da eher einen Personalwechsel nach williger Unterzeichnung des milliardenschweren Schutzschirms des Euro.

  • #4
    Börje Wichert, Sprecher Grüne Ruhr

    Das ist sowas von peinlich, unglaublich. Ich frage mich ernsthaft, warum Horst Köhler jemals in die Politik eingestiegen ist, wenn er keine Kritik verträgt. Er hat sich in der Presse in wirklich mehr als desorientierter Weise entäußert. Dafür hat er nur in gebührender Art und Weise contra bekommen.

  • #5
    JK

    Ich verstehe gar nicht das Problem. Ich meine er hatte ja zum ersten mal die Wahrheit gesagt, und dann tritt man zurück?

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  • #7
    Patrizia

    Eine ausgesprochen weinerliche Abgangsnummer …

    oki, oki – ich bin zwar nur eine kleine micky maus, aber wer so in der Öffentlichkeit
    steht wie der deutsche Bundespräsident, darf doch nicht wegen Annikas Kritik 😉
    an seinen auch noch falsch interpretierten Äusserungen zurücktreten.
    De Liimisüüder Köhler haut eim de Nuggi use 🙁

  • #8
    schuri

    so weit ich weiß, ist köhler im amt komplett übergeschnappt. das protokoll stieg ihm zu kopf. als erster bundespräsident pochte er etwa darauf, veranstaltungen immer erst als letzter zu betreten, wenn alle schon platz genommen haben. dann erfolgte sein monarchischer auftritt, milde lächelnd, leicht grüßend, am besten zur nationalhymne und alle hätten aufzustehen. so wollte er es etwa auf zollverein bei der ruhr 2010 eröffnung haben (klappte allerdings nicht, die leute blieben im schneegestöber einfach sitzen) oder im schlepptau mit der bundeskanzlerin. dass er sich als alleinregierender bundesmonarch jetzt dieser „unverschämten“ kritik an seinen mehr oder weniger seltsamen militärthesen ausgesetzt sehen musste (natürlich dient etwa der einsatz vor somalia auch deutschen handelsinteressen, IN in afghanistan eher weniger), brachte das fass zum überlaufen. fazit: aufgeblasener war noch keiner!

  • #9
    Malte

    „Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganz regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.“

    Das ist nichts als die Wahrheit, nichts anderes tun wir z.B. vor der Küste Somalias!

  • #10
    Er

    @ Patrizia:
    „De Liimisüüder Köhler haut eim de Nuggi use“ — sorry, wohne in Bayern und verstehe nur Bahnhof. Ich übersetze Ihren Satz mit „Der limousinen-schwere Köhler haut einem den Nougat aus“.
    Ne, oder? 😉

  • #11
  • #12
    Helmut Junge

    Von diesem einen Satz, den er, im Flugzeug vermutlich übermüdet ausgeprochen hat, hätte er sich nie wieder erholen können.
    Es hat „Zustimmung“ („endlich sagt mal einer die Wahrheit!“) bei den Linken, und in den konservativen Kreisen Entsetzen („wie kann der so etwas sagen?“) und entsprechend, extreme Kritik aus dieser Richtung gegeben.
    http://www.welt.de/die-welt/politik/article7843482/Pannen-Serie-beim-Praesidenten.html

  • #13
    crusius

    Köhlers Rücktritt war unumgänglich nicht, weil die Öffentlichkeit den Respekt vor dem Amt vermissen ließ, sondern weil er als höchster Repräsentant dieses Staates den Respekt vor dem Grundgesetz vermissen ließ. In meinen Augen wäre es seine Pflicht gewesen, dies in seiner Rücktrittserklärung offen einzugestehen, um weiteren Schaden vom Amt abzuwenden. Daß er dazu nicht in der Lage war, ist zu bedauern, zeigt aber, daß er den Anforderungen dieser Aufgabe vermutlich nie gewachsen gewesen ist. So ähnlich bewertet übrigens auch das Blog die Angelegenheit, das die ganze Diskussion ins Rollen gebracht hat.

  • #14
    Malte

    „sondern weil er als höchster Repräsentant dieses Staates den Respekt vor dem Grundgesetz vermissen ließ“

    Ist mir was entgangen? An welcher Stelle?

  • #15
  • #16
    Malte

    Übrigens, an Annika:“ Zu Recht. Denn Köhler hatte erklärt, deutsche Interessen wie freie Handelswege mit “militärischen Mitteln” durchsetzen zu wollen.“

    An welcher Stelle hat er denn gesagt, das ER das so durchsetzen „würde“

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  • #18
    Uli

    Mich regt es ehrlich gesagt nur auf, wenn ein hoher Repräsentant des Staates sich als nicht kritikfähig erweist und den Büttel hinschmeißt.

  • #19
    crusius

    @14

    Köhler sagte: „Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“

    Art. 24 (2) GG lautet:
    Der Bund kann sich zur Wahrung des Friedens einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnen; er wird hierbei in die Beschränkungen seiner Hoheitsrechte einwilligen, die eine friedliche und dauerhafte Ordnung in Europa und zwischen den Völkern der Welt herbeiführen und sichern.

    Einfach gesagt: Militärische Gewalt im Rahmen eines Systems kollektiver Sicherheit ist also nur dann legitim, wenn sie friedensstiftend ist. Ein Einsatz der Bundeswehr „zur Wahrung unserer Interessen“ ist also nur dann legitim, wenn er und weil er zugleich friedensstiftend ist. Wer Köhler grundgesetzkonform interpretieren will, muß also darlegen, warum in jedem Fall die „Wahrung unserer Interessen“ identisch ist mit der Sicherung der „friedliche[n] und dauerhafte[n] Ordnung … zwischen den Völkern der Welt“. Hätte Köhler sagen wollen, daß es in unserem wohlverstandenen Interesse ist, daß alle Völker der Welt friedlich miteinander koexistieren, hätte ihm niemand widersprechen mögen, denke ich. Hätte er sagen wollen, daß diese Sicherung des friedlichen Zusammenlebens den Einsatz militärischer Gewalt erforderlich machen kann, gibt es vielleicht immer noch gute Gründe, ihm zuzustimmen. Was er aber als möglich hingestellt hat, war, daß wirtschaftliche Interessen als solche geeignet sind, deutsche Kriege zu legitimieren. Und das ist, mit Verlaub, eine Ungeheuerlichkeit: Noch nicht einmal 100 Jahre nach 1918 hat hier der Wilhelminismus wieder sein häßliches Haupt erhoben.

  • #20
    Kamenz

    Mann, endlich hat mal ein hoher Politiker die Wahrheit gesagt und dann wird sein Rücktritt gefordert. Das ist echt Peinlich. Nur durch Aussagen wie Köhler sie gemacht hat, ist eine offene Diskussion möglich. Schon seit Generationen ist klar, das die meisten Kriege aus wirtschaftlichem Interesse geführt werden. Und ja, der Afghanistan-Krieg ist verfolgt auch diese Interessen.

    Die blutige Verteidigung unserer Absatzmärkte wird immer verschwiegen, dadurch wird die Diskussion über Sinn(losigkeit) dieses Krieges total verzerrt. Die Argumente sind immer die selben, Krieg gegen Terrorismus und „humanitäre“ Gründe werden aufgeführt.

    Köhler musste zurücktreten weil er es das erste mal offen zugegeben hat, was Sache ist. Das bestätigt wieder einmal die Verlogenheit unserer Tagespolitik, die keine offene Diskussion zulässt.

    Mit dem Rücktritt Köhlers wird klar das die Wahrheit nie offen Diskutiert werden kann, denn der Kopf der sie ausspricht muss später Rollen.

  • #21
    Patrizia

    @Er
    *räusper* … *räusper* … *räusper*
    Das ist natürlich allerfeinstes Hochschwiizerisch 🙂

    Der Satz, ich habe mich auch noch vertippt … ausgesprochen ärgerlich,

    „De Liimsüüder Köhler haut eim de Nuugi use.“

    würde in Deutsch etwa folgendes bedeuten … ich hoffe Monsieur Köhler liest nicht
    mit, sonst ist er noch mehr beleidigt …

    „Der Langweiler (Laschi, Lahmarsch) Köhler schlägt einem den Schnuller raus“ 🙂

    Ein Schnuller ist jenes Teil, welches Kleinkindern oder Babies zur Beruhigung in den
    Mund geschoben wird.

    Bei grossen Überraschungen äussern sich die (Deutsch-)SchwiizerInnen so oder
    in ähnlicher Form.

  • #22
    Arnold Voß

    Der Mann war in jeder Weise von seinem Job überfordert und keiner hat das überzeugender vermittelt als der Kabarettist Mathias Richling. Ich empfehle: Nochmal alle Nummern anschauen und zum Abschied noch mal richtig ablachen.

    Der Mann hätte seine erste Sparkasse nie verlassen dürfen. Außer zum Besuch von Frau und Familie.

  • #23
    Kamenz

    Durch Köhlers Aussage wurde nicht der Krieg Verfassungswidrig, er war es schon vorher.

  • #24
    DAM

    „Mit seinem Rücktritt sollte nun die Debatte beginnen, warum deutsche Soldaten in Afghanistan kämpfen und wie lange noch.“
    Ein Scherz oder?!

    Warum glauben Sie wohl musste er zurücktreten? Weil er die Wahrheit gesagt hat. Ein Politiker hat … wenn auch eher nebenbei … zugegeben warum in Afghanistan gekämpft wird. Und statt zu debattieren wird getan was in der Politik immer gemacht wird: Rücktritt, also eigentlich „abgeschoben“.

    Ich finde Köhler hat endlich ausgesprochen worauf das Land seit Jahren wartet. Den Grund für den Afghanistan-Einsatz. Wer vorher und noch heute in der Illusion lebt es ginge um humanitäre Ziele sollte seine rosarote Brille mal abnehmen.

  • #25
    ernsthaft

    Nun mal ernsthaft

    und ohne auf den Inhalt eures Artikels einzugehen …

    Eure ÜBERSCHRIFTEN haben inzwischen BILD-Niveau erreicht!

    schade

  • #26
    mittelvielwisser

    @ ernsthaft
    Unsinn. Das ist für mich die beste Überschrift, die ich heute in deutschen Onlinemedien gesehen habe. Annika hat Hottes schwachen Punkt voll auf die Omme getroffen. Der Präsident hat in seiner naiven Sparkassenpräsi-Art etwas Entlarvendes gesagt. Und als dann Kritik kam, hat er sich vom Acker des Bellevue gemacht wie ein unpolitischer Feigling. Die „Bild“-Schlagzeile lautet übrigens: „Der Rücktritt, der Deutschland schockt.“ Das ist Springer-Niveau. Pseudo-Betroffenheit über den angeblich so unersetzlichen Bundeshorst. Nie im Leben würde „Bild“ das nunmehr Ex-Oberhaupt wohl als „Kriegs-Köhler“ bezeichnen.

  • #27
    Wolfram Obermanns

    @ Ernsthaft

    kann Ihnen nur beipflichten. Artet das hier in einen Propagandablog aus?

  • #28
    Hans Czinzoll

    Jetzt muss nur noch Herr Sauer die Kurve kratzen, dann hat Frau Merkel bald nur noch den Recken Pofalla an ihrer Seite.

  • #29
    Thosta

    Ich verstehe verstehe den Rücktritt nicht: Egal, wie ich den Text lese, ich kann nichts Falsches darin entdecken. Ich meine, unser Bundespräsident hat ja nicht zum ersten mal die Wahrheit gesagt, … Ich war positiv überascht über das Interview, in dieser Klarheit hat noch keiner die westliche Militär- Doktrin offen vertreten. O.k., de jure und de facto sind zwei Welten, aber daß unsere Freiheit am Hindukusch oder Gewässern verteidigt wird, ….? Und er hat schon das ein um andere Mal sehr unbequeme Wahrheiten ausgesprochen.

    Der Mann spricht aus was ist, und nicht was sein sollte!

    Nach fast 60 Jahren in dieser Republik stellt sich mir vielmehr die Frage: Wer hat Herrn Köhler zurückgetreten? Und womit?

    Nur die Frage nach dem Warum stellt sich nicht: Die Boten der schlechten Nachrichten wurden zu allen Zeiten …

  • #30
    Dulle

    Da hätte er sich die letzte Unterschrift sparen können, die Deutschland in den Abgrund zieht!

  • #31
    TomD

    @Kamenz #20 Ihre Argumentation ist ekelhaft. Es gibt da nichts „offen“ zu diskutieren, d.h. es gibt keinen Grund unser Grundgesetz entsprechend den Bedürfnissen, die Herr Köhler zu bedienen versucht (hat), zu ändern. Nötig ist jedoch, die Auslandseinsätze der Bundeswehr neu zu bewerten. Ich hoffe, dass sich da die „öffentliche Meinung“ nun mal bewegt.

  • #32
    Tante Jay

    *hust* Ihr Journalisten, ein wenig Recherche ist wohl echt zuviel verlangt oder?
    Köhler hat ne alte Doktrin wiedergegeben. Die von 1992 oder so ist.

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22686/1.html

    Das hat der Rühe verbrochen. Der Köhler hat nichts als die Wahrheit gesagt – und genau dafür isser jetzt zurückgetreten.

    Wobei mit der vorgelegten Begründung auch ne lahme Ente hätte zurücktreten können….

  • #33
    Patrizia

    @TomD
    Das ist dich nicht der Punkt. Monsieur Köhler muss als Politiker um seine
    Überzeugungen kämpfen. Das hat er nicht getan, und das ist sehr schade.

    Wenn ein gewisser @Kamenz schreibt …

    Zitat … Die blutige Verteidigung unserer Absatzmärkte wird immer verschwiegen …

    dann ist das die übliche, unsinnige Äusserung eines indoktrinierten Arbeiter- und
    Bauernstaatlers. Das kennt frau von diesen Leuten und das ist doch wirklich nicht
    neu. Vielleicht hat ihm das die schmallippige Gouvernante Wagenknecht ins Ohr
    geflüstert und er ist jetzt ganz glücklich, dass er das nachplappern darf 🙂

    Monsieur Köhler hat seine Meinung kundgetan, wurde dafür kritisiert, hat dann
    seine Äusserungen klargestellt und spielt jetzt die beleidigte Leberwurst. Das darf
    einfach nicht sein … finde ich. Er müsste für seine Überzeugungen kämpfen. Wenn
    er als erster Mann in der deutschen Bundesrepublik nicht tut, wer soll denn dann
    noch für seine Überzeugungen kämpfen.

  • #34
    crusius

    @32

    Der erste Absatz des von Dir verlinkten Artikels auf Telepolis aus dem Jahr 2006 (!) endet mit dem Satz:

    Unter den Bedingungen der Großen Koalition zeichnet sich eine neue deutsche Militärdoktrin ab, die – wenn sie sich durchsetzen sollte – auf eine Verfassungsänderung hinausläuft.

    Diese Verfassungsänderung hat es nie gegeben. Und sollte der erste Mann nicht auch der erste Verfassungspatriot sein? Es mag ja durchaus sein, daß an irgendwelchen Think-Tank-Schreibtischen über solchen Strategiewechseln gebrütet wird. Daraus wird aber erst dann offizielle Politik, wenn es der Souverän – und d. h. der Bundestag – mit entsprechenden Mehrheiten beschließt. Und in der derzeitigen politischen Situation würde er einen Teufel tun… Einfach ins Blaue zu bramarbisieren, wie Köhler das getan hat, wird im übrigen so oder so dem Ernst der Sache nicht gerecht. Am Ende geht es um das Leben von Menschen, die wir alle bezahlen, damit sie töten und getötet werden. Auch deswegen kann ich die Art und Weise von Köhlers Abgang nur als jämmerlich bezeichnen.

  • #35
    Dienstwaffe

    Dieser Herr ist nicht „freiwillig“ zurückgetreten. Er war Geheimnisträger und hat in aller Öffentlichkeit Bundeskanzler Ackermanns Geschäftsgeheimnis verraten….

  • #36
    pmn

    Ich glaube nicht, dass der Horst meinte, was ihm hier unterstellt wird. Das macht es aber nur ein bisschen besser, denn die Generalisierung bleibt im Raum – dass es eben nicht einfach nur um Piraten in Somalia geht, sondern um offene Handelswege. Afghanistan ist, wie Deutsch Südwest etc. ein Verlustgeschäft für den Staat, an eine böse Verschwörung des Kapitals mit einem imperialistischen Staat glaube nicht.

  • #37
    diesunddas

    Aus den verteidungspolitischen Richtlinien von 1992:

    Deutschland verfolgt als übergeordnete sicherheitspolitische Zielsetzung, Konflikte in Europa zu verhüten und Sicherheit für Europa im Rahmen einer dauerhaften und gerechten Friedensordnung zu wahren, die auf pluralistischer Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und sozialer Marktwirtschaft gründen soll. Dabei läßt sich die deutsche Politik von vitalen Sicherheitsinteressen leiten:
    (…)
    Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt im Rahmen einer gerechten Weltwirtschaftsordnung

    Quelle: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Bundeswehr/vpr1992.html

  • #38
    Arnold Voss

    @ Dienstwaffe #35

    Ich glaube nicht das Ackermann, wenn er Bundeskanzler wäre, deutsche Soldaten nach Afghanistan gesandt hätte. Das wäre ihm schlicht zu unprofitabel gewesen.

  • #39
    Michael Kolb

    Den ganzen Tag, landauf wie landab… „…blablabla… Kritik… blablabla… der Würde des Amtes nicht angemessen… blablabla… trete ich mit sofortiger Wirkung zurück!“ Was mich nun wirklich betroffen macht und erschreckt, das ist die Weinerlichkeit der ganzen Nummer… tscha… und nu?
    Am interessantesten fand ich noch ein feature über Jens Böhrnsen… „Stellen Sie sich vor, sie gehen morgens ins Büro und am Mittag sind sie Staatsoberhaupt“
    Man kann ja nun zur Politik von der aktuellen Regierung stehen wie man will, aber mit einer Vorlaufzeit von knapp zwei Stunden derartig zwischen die Beine getreten zu werden… das ist fies… unprofessionell und nicht mit einer persönlichen Kränkung zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen.

  • #40
    Manfred Michael Schwirske

    „Diese Debatte [über Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik] braucht klare Analysen, welche deutschen Interessen es zu schützen und zu fördern gilt, vor welchen Herausforderungen und Bedrohungen wir dabei stehen, auf welche Ressourcen wir zählen können, wie wir vorgehen und welche Rolle dabei die Bundeswehr übernimmt.“ Horst Köhler, Bundespräsident, Kommandeurtagung der Bundeswehr in Bonn am 10. Oktober 2005
    http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/sicherheitspolitik/angebote/dokumente/weissbuch.

    Warum er ging? Der Mann verstand (in seiner schlichten Art) die Welt nicht mehr. Was war ihm vorzuwerfen? Er hatte sich doch nur (zum x-ten Male) wiederholt.

  • #41
    Frank

    @Patrizia
    Die SZ schreibt Horst Köhler eine „gebildete Naivität“ zu. Und das trifft den Kern. Mit dieser Haltung waren ja bekanntlich auch Merkel und Westerwelle in ihre Ämter gegangen.

  • #42
    Uli

    Der Blogeintrag und insb. die vorangegangene Kritik an Köhler ist genauso dumm wie dessen Rücktritt. Nicht unprofessionell, einfach nur dumm. Die wirkliche Motivation nicht verstanden und nicht verstehen wollen, und sie sich deshalb so zurecht gelegt, dass die Feindbilder bloß nicht angekratzt werden müssen.

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  • #44
    Helmut Junge

    Uli 42,
    Uli du hast den Beitrag 42, die mystische Zahl, die die Antwort auf alle Fragen ist.
    Uli klär uns auf. Bitte, bitte.

  • #45
    Arnold Voß

    @ Frank #41

    Frank, Köhler war wieviel Jahre im Amt? Da muss die (meinetwegen gebildete) Naivität irgendwann mal aufhören, oder? Würde sich heute irgendein Journalist noch trauen, eine solche Beschreibung von Frau Merkel zu geben?

    Was sollen alle diese durchaus höflich gemeinten Beschönigungen? Der Mann, egal welche inhaltliche Position er vertritt bzw. nachplappert ist/war eine der vielen Nieten in diesem Lande die ausschließlich durch Proporz und Kungelei auf ihre Posten gekommen sind.

  • #46
    Patrizia

    @Arnold Voss

    … was wiederum belegt, dass Monsieur Ackermann und seine MitarbeiterInnen
    sich ganz auf die Wünsche ihrer deutschen, europäischen KundInnen und deren
    friedliche Grundgesinnung eingestellt haben. Die fleissigen, chinesischen Wander-
    arbeiter oder die im Schmutz wühlenden Erdöldriller werfen allemal eine höhere
    Rendite ab, als nutzlos im Staub herumstehende Soldaten die nur Kosten verursachen. Wenn doch einmal etwas schiefgeht, wie vor der Küste in Lousianna
    kauft man eben mehr Bioprodukte, um das schlechte Gewissen zu beruhigen.

    Es gab einmal einen Heerführer der bei den Römern den Schreckensruf „Hannibal
    ad portas“ auslöste. Nach der „bataille de Cannes“ schickte er seine Boten nach
    Karthago und verlangte mehr Soldaten und Kriegsgerät, sprich GELD, für seine
    Auseinandersetzung mit den Römern. Es wurde ihm verweigert, weil andere
    Geschäfte für das „punische Kapital“ eine höhere Rendite abwarfen. Einige Jahre
    später war es dann vorbei mit lustig. Interessanterweise hat sich seit der Antike
    an dem Verhalten des Neutrums Kapital nichts verändert. Es ist absolut friedlich,
    wird aber zum Problem, wenn die Interdependenz zwischen dem Primat der Politik
    und dem Primat der Ökonomie aus der Balance gerät.

    @Frank
    Bildung macht das Leben interessant, Naivität macht es leicht. Im persönlichen
    Bereich, eingebettet in eine funktionierende Zivilgesellschaft, mag diese
    Überlebensstrategie funktionieren. In einer Führungsrolle, speziell in der Politik,
    kann ich mir das nicht so richtig vorstellen … da muss frau/mann auch einmal
    richtig zubeissen … für was gibt es denn ein Gebiss ?

  • #47
    1ng0

    vor bellevue da wächst die rose
    frühling zieht sein buntes hemd an
    innen drin schmollt die mimose
    tritt zurück von allen ämtern

    wer es wagt kritik zu üben
    an der bundesmajestät
    geht am besten gleich nach drüben
    und das lieber früh als spät!

    wer folgt nach? es laufen wetten:
    rüttgers? stoiber? koch? gar wehner?
    doch uns kann nur eine retten:
    bundespräsidentin lena!

  • #48
    emden09

    Wenn Horst Hindenburg (selbsternannter Oberbefehlshaber) erstmal weg ist kann man nur hoffen, dass jetzt nicht der Mann mit dem Bärtchen kommt oder schlimmer, Pinnocchio (Koch) oder der Mietnisterpräsident aus NRW.

  • #49
    amo

    Horst köhler hat erkannt (oder auch nicht), dass er in seinem politischen Amt einen politischen Fehler gemacht hat.
    Man kann einfach nicht auf einem Besuch in Afganistan wirtschaftliche Vorteile von Miltäroperationen sprechen, weil es eben (wenn es eben nicht so oder nur von absolut untergeordneter Rolle ist) suggeriert, dass es so sein könnte.

    Dass war ein absoluter Anfängerfehler, Köhler hat das nicht kapiert und ist verunsichert, wäre noch mehr in der Versenkung verschwunden. Da legt er lieber sein Amt nieder, danke Horst.
    Eingebrockt haben das aber die Oberstrategen Merkel/Westerwelle, die den lieben Horst gebeten haben und sich wenig Gegenwind vom BP erhofft haben.

    Wenn Merkel und Westerwelle sich wieder so im eigenen Lager durchsetzen und einen lieben alten Herrn zu diesem Amt überreden, dann sieht es wirklich düster aus.
    Leider wird es so kommen, da hat Merkel zu viel taktisches Talent und würde nie einen starken Gegenspieler dulden.

  • #50
    Jens König

    Köhler hat damals in seiner Antrittsrede folgenden Satz von sich gegeben: „Ich liebe dieses Land“, was zumindest bei aufgeweckten Kommentatoren auf reichlich Befremden gestossen ist.
    Aber hier hat er sein Problem, wenn ich das mal so bezeichnen darf, schon sehr schön auf den Punkt gebracht bzw. den Ausgang seiner Amtszeit vorhergesagt.

    Wie ein jugendlicher Liebhaber hat er jetzt traurig und enttäuscht die Flinte in’s Korn geworfen, weil er diese Liebe nicht unvoreingenommen zurückbekommen hat bzw. sich, vermutlich wieder einmal, von seiner Liebe falsch verstanden und beschimpft vorkam.

    Darin liegt das ursächliche Missverständnis von Köhler: Man kann kein Land lieben und man darf von ihm keine Gegenliebe erwarten.

    Das ist die für diesen Menschen eigentlich tragische Komponente bei der ganzen Geschichte. Welch ein Irrtum der Gefühle.
    Und deshalb liegt es mir momentan gar nicht, nachzutreten.

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