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Das Kulturhauptstadtjahr ist zu Ende – wie fandet ihr es?

Heute geht das Kulturhauptstadtjahr offiziell zu Ende. Tausende von Veranstaltungen, eine Katastrophe, gehaltene und gebrochen Versprechen – es war ein wichtiges Jahr für das Ruhrgebiet. Wir haben viel darüber geschrieben. Jetzt seit ihr dran: Wie fandet ihr es?

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57 Kommentare zu “Das Kulturhauptstadtjahr ist zu Ende – wie fandet ihr es?

  • #1
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Ich fang mal an: Viele gute Veranstaltungen, aber es wird wenig bleiben. Der versprochene Wandel durch Kultur fiel aus.

  • #2
    Guido Röcken

    Für alle kreativen Akteure im Ruhrgebiet war die Kulturhauptstadt u.a. ein Jahr kostenloses, erfolgreiches und überregionales Standort- und Branchenmarketing. Herzlichen Dank dafür.
    Außerdem war die Kulturhauptstadt ein guter Anstoß für den „Wandel durch Kultur“. Nach der guten Vorarbeit sollten wir den „Rest“ jetzt hier vor Ort leisten können.

  • #3
    Christian

    In meinem Kopf bleiben nur die Bilder der Katastrophe und der schändliche Umgang mit der Nicht-Verantwortlichkeit.

  • #4
    Tom

    Ich hoffe, dass im neuen Jahr den Menschen ihr „Ruhrgebiet“ wieder gegeben wird und der unsägliche Begriff „Metropole Ruhr“ endlich verschwindet.

  • #5
    DAMerrick

    Wenn ich ehrlich bin, ich habe es nicht mal gesucht.

    Anders gesagt, ein zwei Banner, einen Standrundfahrt-Bus am Hauptbahnhof, ein zwei Interviews und die Werbung „Kultur elektrisiert“. Das war’s.

    War für Essen ein Jahr wie jedes andere.

  • #6
    ralf schwartz

    Wie ich es gefunden habe? In Anlehnung an den Witz mit dem viel zu mickrigen Steak: Ich habe unter dem Salatblatt gesucht.

    Von einer Wirkung über das Ruhrgebiet hinaus habe ich nichteinmal in D’dorf etwas bemerkt!

  • #7
    Mir

    1. Gut: Wenn schon mal das Geld fließt, dann zumindest in das Kultur-Etat. Da kann man nichts böses anrichten.
    2. Nicht gut: Kunst/Kultur kann man nicht von oben dirigieren.
    3. Ganz nett: Im großen und ganzen.

  • #8
  • #9
    Bürokratenfeind

    Nach soviel Kulturbohei wollen sicher noch mehr junge Menschen im Ruhrgebiet Künstler werden. Der Markt wird sich freuen.

  • #10
    Silke

    @Tom: Genau.
    Diese langwierige Sache mit dem Strukturwandel ist ja gut und schön. Viele Bühnen, viele Museen auch gut. Aber der gemeine Ruhrstädter schaut zunächst auf den Euro und dann in die Röhre. Kultur, Kreativwirtschaft und was da so produziert wird, muss man sich auch leisten können.
    Wie ich 2010 fand? Ursprünglich wollte ich sogar als „Freiwillige“ mitmachen. Doch das „Vorstellungsgespräch“ war mit Androhungen wie „Die Shirts sind hässlich“ oder „Da könnense auch als Kartenabreisserin am Stadion stehen“ so deprimierend, dass ich dieses Vorhaben nicht weiter verfolgt habe. Als Gast war ich nur bei der bitterkalten Eröffnung, beim Day of Song und auf der A40. Bochum Total war höllevoll und ich fragte eine Woche vor der Katastrophe von Duisburg „Wann ist voll zu voll?“ Schön anzuschauen waren die Schachtzeichen. Die noch laufende Ausstellung „Bilder einer Metropole“ ist super und zeigt, was das Ruhrgebiet wohl noch sehr lange nicht ist …

  • #11
    Dortmunder

    Die Kulturhauptstadt 2010 aus Sicht meiner 12jährigen, zugegeben extrem kulturbeflissenen Tochter, die schon im Louvre in Paris, im kulturhistorischen Museum in Wien und in den Vatikanischen Museen in Rom war:

    Folkwang-Museum Essen, September 2010 (55 Mio. Euro):
    „Papa, wieso hat eine Stadt wie Essen, der Name der Stadt ist allein schon komisch, ein so unglaublich grandioses Museum? Das glauben mir meine Freundinnen nicht.“

    Museum am Ostwall im Dortmunder U, Dezember 2010 (wahrscheinlich über 70 Mio. Euro):
    „Papa, willst du mich verarschen? Was soll ich auf einer Baustelle?“

  • #12
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  • #15
    Exilant

    A40 war beeindruckend aber in Essen bereits vor der Loveparade hart am Rande der Katastrophe. Ansonsten habe ich als Exilruhri mit Interesse die Medienberichterstattung verfolgt und mich über den Imagegewinn für die Region und ihre Menschen gefreut.

  • #16
  • #17
    HP

    Insgesamt halte ich die KHS für gescheitert. Gescheitert an dem, was das Ruhrgebiet ist. Nämlich keine Metropole, sondern etwas viel größeres, komplexeres. Dafür müssen wir aber auch dankbar sein und endlich die unsägliche Vision von der „Metropole Ruhr“ aufgeben. Der Marketing-Claim ist falsch, weil er Vorstellungen weckt, die nicht einlösbar sind.
    Die KHS hat sich mit ihren vielen, widerstrebenden Oberkonzepten (TWINS, Local Heroes usw.) verzettelt. Eine Veranstaltung wie das Henze-Projekt war in der Zerstreuung über das Jahr und die Region kaum wahrnehmbar. Local Heroes völlig disparat und oftmals nicht geeignet, die Stärken der einzelnen Gemeiden wirklich zu zeigen. TWINS ist vermutlich gar nicht wahrgenommen worden und diente oft nur als Alibi, um an Gelder zu kommen.
    Was wird bleiben? Ein paar Volksfeste sind neu dazu gekommen. Still-Leben und Day Of Song werden uns wohl erhalten bleiben. Darauf würde ich gern verzichten. Und das unsägliche Gelaber von der „Kreativwirtschaft“. Alle nenneswerte Initiativen in diesem Bereich sind freilich ohne RUHR.2010 und Dieter Gorny entstanden. Das MAO darf sich aber über neue und untaugliche Räume freuen. Nicht schön.
    Wenn wir Pech haben, setzt Oliver Scheytt durch, dass ihm weiter das Stühlchen finanziert wird. Zu Lasten der wirklichen Kulturträger im Ruhrgebiet. Das nächste Jahr wird der wahre Kehraus werden, wenn erstmal klar wird, wie wenig Geld wirklich noch da ist. Dann könnte es einigen Museen und Theatern wirklich an den Kragen gehen.
    Die Tourismuszahlen klingen gut, was wirklich dran ist, hat aber bisher kaum jemand gefragt. Und das Negativbeispiel Linz, wo die Zahlen in den Folgejahren dramatisch eingebrochen sind, wird nun wieder nur dafür benutzt, dass sich die Leiter der KHS ihre Posten zu sichern versuchen.

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  • #19
  • #20
    Bürokratenfeind

    Jetzt nach Beendigung der Ruhr 2010, mit ihren vielen beliebigen Veranstaltungen, drängt sich mir der Verdacht auf, dass die mächtigen Poliker der Region gar nicht an einer starken regionalen Künstlerszene interessiert sind. Schon die Bestellung von Fritz Pleitgen, dessen größte gesellschaftliche Vision der schöne „Kindergeburtstag“ ist, halte ich für verantwortungslos. An Stelle der Haltung „seht mal was man mit Geld alles machen kann“ hätte man nach der Devise handeln müssen „Kunst und Kultur haben auch im Ruhrgebiet ein eigenes Fundament“. Diese Chance wurde leider vertan.

  • #21
    Frau Rose

    Irgendwie verstehe ich Euch Ruhri’s, die hier über Ruhr.2010 so mosern, nicht.
    Klar, kann man verschiedenes an der Konzeption, Umsetzung und/oder den schönen „Hochglanz-Bildlein“ kritisieren. Vielleicht mag auch die freie Szene zu kurz gekommen sein – auch da kann ich Kritik sehr gut nachvollziehen. Dennoch, die Ruhr.2010 hat dazu geführt, dass nicht wenige den Pott mal besucht haben und dabei teils überraschend festgestellt haben, dass es hier nicht nur das Museum Folkwang, sondern u.a. auch eine interessante Kunstszene, eine interessante Designerszene (sei es im Bereich Fotografie, Grafik, Mode o.ä.) neben Fußball und alten Zechen gibt. Es mag zwar vom Ausmaß nicht Berlin, Paris oder Wien sein – aber dennoch fein. Und man kann die gegenwärtige Öffentlichkeit nützen und darauf aufbauen! Glück auf!

  • #22
    Bürokratenfeind

    @ Frau Rose

    ……“eine interessante Kunstszene, eine interessante Designerszene (sei es im Bereich Fotografie, Grafik, Mode o.ä.) neben Fußball“……

    Nichts für ungut.
    Das gibt es in Bergisch-Gladbach oder Xanten auch, dafür muss ich nicht ins Ruhrgebiet fahren.

    Die Schwierigkeit der Kunst- und Kulturschaffenden im Ruhrgebiet besteht darin, dass ihre Tätigkeit von dem größten Teil der Bevölkerung nicht als Arbeit gesehen wird. Benutzt man eine aufwendige organisatorische Erscheinungsform (Event), sieht die Sache schon anders aus. Das wird akzeptiert, weil bei einem Event augenscheinlich viel Arbeit anfällt. Das im kleinen Rahmen produzierte hat im Revier nur einen geringen Wert. „Onkel Walter malt, musiziert und fotografiert doch auch in seiner Freizeit. Warum soll ich dafür viel Geld bezahlen? “ Diesen Umstand an Unverständnis haben sich z. B. Kölner Galerien zu nutze gemacht und ausländische Kunstwerke über das Hauptzollamt Bochum importiert, in der Gewissheit, dass die dort Tätigen die Kunstwerke geringer bewerten würden, als das Kölner Zollamt. Die Ruhr 2010 hat diese Vorstellung weiter vertieft und folgerichtig auf Events gesetzt; hat die Chance verpasst, die Leute an eine andere Sicht auf den Berufstand des Kulturschaffenden heran zu führen. Das Kunst harte Arbeit sein kann und deshalb würdevoll bezahlt werden muss, gehört z. B. in Leipzig zum Selbstverständnis.
    Aber Leipzig ist ja auch auch keine Metropole.

  • #23
    Frau Rose

    Mit Verlaub, ist die Entlohnung von Kunst- und Kulturschaffenden nicht leider ein prinzipielles und flächendeckendes Problem, also unabhängig davon, ob ich in Hamburg, München, Leipzig, Lünen oder XY bin und nicht gerade der bekannte Sänger XY bin, der seine Farben auf eine Leinwand kleckst?

    Warum fahren Sie denn in eine Stadt oder einen Ort, wenn Sie nicht gerade den notwendigen Haushaltseinkauf erledigen oder Familie besuchen? Wegen des auswechselbaren Einkaufszentrum oder weil es an jenem Ort auch MEHR gibt?
    Und dieses mehr bezieht sich m.E. eben auf Kunst, Kultur, Geschichte, … die erfahren werden kann und zudem lebendig ist. Ein Beispiel: Vor Ruhr.2010 hätte ich nicht vermutet, dass es in Dortmund einen Kunstverein gibt, der internatioale Anerkennung für seine Arbeit im Bereich der Medienkunst erhält. Diese und andere Überraschungen habe ich während des Jahres erlebt und ich bin vom Ruhrgebiet mittlerweile einfach positiv angetan.

  • #24
    mimi müller

    Zitat:

    „Die Schwierigkeit der Kunst- und Kulturschaffenden im Ruhrgebiet besteht darin, dass ihre Tätigkeit von dem größten Teil der Bevölkerung nicht als Arbeit gesehen wird.“

    Haben sich das die „Kunst- und Kulturschaffenden“ nicht selbst zuzuschreiben?
    Auch ich neige sehr stark dazu, so manche „Tätigkeit“ nicht als Arbeit anzusehen…
    Wenn „Kunst“ sich auch nicht „definieren“ lässt – bei „Arbeit“ fällt die Zuordnung leicht. Und da sehe ich doch recht wenig „Arbeiter“ – aber jede Menge Spinner, die sich auf intellektuellen Spielwiesen rumtreiben, geistige Purzelbäume schlagen und erwarten, daß man diese ihre „Arbeit“ fördert.
    Es spricht für die Ruhrpöttler, die sehr wohl wissen, was harte Arbeit ist, wenn sie sich einer solchen Sichtweise verschließen.
    Ich tue das auch.

    Im Übrigen ist das kein Problem das Ruhrgebietes. Und es ist nachgerade unverschämt, so zu tun, als fehle den Menschen hier der „Kunstsinn“.

  • #25
    Arnold Voß

    @ Frau Rose, Bürokratenfeind,Mimi Müller

    Der sogenannten Kunstsinn eines Menschen hängt, wenn man den Empirikern glauben darf, wesentlich mit dem sozialen Status und dem Bildungsgrad eines Menschen zusammen. Egal wo er wohnt/lebt/arbeitet. Dazu gehört auch (s)eine kritische Distanz und Urteilsfähigkeit nicht alles als Kunst zu akzeptieren, was sich so nennt. Diese Menschen gibt es im Ruhrgebiet zu Hauf. Auf Grund der Sozialstruktur allerdings im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung weniger, als z.B.in Hamburg oder München.

    Am Beispiel der Emscherkunst im Rahmen von Ruhr 2010 hat sich allerdings gezeigt, dass sich ein spontaner Kunstsinn auch bei denen erzeugen lässt, die als eher kunstferne Menschen gelten. Es kommte also immer auch auf die Art und Weise des künstlerischen Wirkens an, wie und von wem Kunst wahrgenommen wird bzw. werden kann.

    Ob die Mehrzahl der aktuellen Ruhrgebietsbewohner noch weiß, was harte Arbeit ist bezweifele ich dagegen. Was ein hartes Leben ist, wissen sie allerdings schon. Dass sie deswegen aus ihrer über mehr als ein Jahrhundert gewachsenen Mentalität heraus, die offensichtlich von Generation zu Generation weiter gegeben wird, über alle sozialen Schichten hinweg über eine durchaus gesunde Distanz zur oft verschwurbelten künstlerischen Überhöhung verfügen, rechne ich ihnen, was ihren Kunstsinn betrifft, eindeutig positiv an.

    Wer dagegen den Kunstsinn der als empirisch-offiziell kunstsinnig geltenden Menschen ernsthaft erproben möchte, dem empfehle ich jede Woche eine Vernissage/Finissage in einer sogenannten Metropole. Nach spätestens 6 Wochen kommt der so oft gescholtene Ruhrie im Vergleich gar nicht so schlecht weg. Insbesondere der, der sich solchen Veranstaltungen auch in seiner Heimat gänzlich verschließt.

  • #26
  • #27
    mimi müller

    Zitat: … dass sich ein spontaner Kunstsinn auch bei denen erzeugen lässt, die als eher kunstferne Menschen gelten.

    Eben. „als kulturfern gelten“. Wer nimmt denn diese Bewertung von Nähe und Ferne vor? Wer bestimmt denn hier, was „Kunstsinn“ ist?
    Vielleicht ist der „Kunstsinn“ ausgeprägter, als manch intellektueller Besserpisser sich ihn vorstellen kann.
    Und wenn ich das Wort „Ruhrie“ höre, dann krieg ich das Kotzen! Nein, wie possierlich, dieser Ruhrie, mach datt Mäh ma Ei… Kuck mal, wenn man das possierliche Tierchen erstmal „erweckt“, wenn man es erstmal „erleuchtet“ hat, dann versteht er auch etwas….

    Mann Mann Mann, wenn Sie mir über den Kopf streicheln, Herr Voss, krieg ich immer einen ganz und gar unhanseatischen Beissreflex. Belasse es aber beim Knurren. Ich hab ja Manieren, auch wenn ich wenig Gebrauch davon mache.
    Je abgehobener die Gesellschaft ist, umso weniger…
    So. Da war mir nach. Das musste ich mal loswerden…

  • #28
    Bürokratenfeind

    @ Frau Rose, Mimi Müller, Arnold Voß

    Sie haben jeder für sich Recht, aber gleichzeitig bekräftigt ihre Argumentation meinen Einwand, dass in dem von Arbeit geprägten Ruhrgebiet echte künstlerisch Schaffende einen schweren Stand haben. Sicher dominieren in der Öffentlichkeitswahrnehmung erst mal die Spinner und Scharlatane.
    Aber ist das nicht in jedem Tätigkeitsfeld so ähnlich;
    z. B. in der Politik, bei den Banken, usw. Dem „sogenannten Künstler“ nimmt man es aber übel, weil er nicht „arbeitet“, so wie sich der „Ruhri“ „richtige Arbeit“ vorstellt.

  • #29
    mimi müller

    und den auch noch:

    „Ob die Mehrzahl der aktuellen Ruhrgebietsbewohner noch weiß, was harte Arbeit ist bezweifele ich dagegen.“

    Was glauben Sie denn, was die Mehrzahl der Ruhrpöttler hier so die letzten 20, 30 Jahre (von den Vorausgestorbenen will ich gar nicht reden) gemacht hat? Nägel gekaut? Füße manikürt? Nur weil in der Welt der Strukturwandel ausgerufen wurde, sind doch die Arbeiter nicht tot umgefallen! Die leben doch noch alle – auch wenn sie aus dem öffentlichen Bild hinein in Statistiken verschwunden sind, so wissen sie doch was harte Arbeit ist. Das vergisst man nicht, nur weil andere einen nicht mehr maloochen lassen.
    Uns auch noch unsere geleistete Arbeit absprechen zu wollen ist schon ein starkes Stück!

    Und? Watt hass Du denn bis gezz an haate Abbeit geleistet, Meister, datt glaubß, Du wüssts watt datt is und könnz dir ein Urteil erlauben? Komm, sach ma….

  • #30
    mimi müller

    @bürokratiefeind

    Zitat: …Aber ist das nicht in jedem Tätigkeitsfeld so ähnlich;…

    Ja, das ist es. Aber im Gegensatz zu anderen Tätigkeitsfeldern sind die „echten künstlerisch Schaffenden“ freier, dem Eindruck, der Dominanz der Spinner und Scharlatane entgegenzutreten. Nach meiner Auffassung müssen sie das sogar tun – sie haben auf Dauer keine andere Wahl, wenn „die Kunst“ insgesamt nicht Schaden nehmen soll. Diese substanzlose Scharlatanerie dominiert, wie sie zutreffend feststellen, und wird vom „allgemeinen Kunstbetrieb“ hoch dotiert honoriert. Und von „echten künstlerisch Schaffenden“ nahezu widerspruchslos hingenommen.

  • #31
    Arnold Voß

    @ Mimi Müller

    Schön Mimi, dass sie das jetzt alles losgeworden sind. Fakt ist aber, dass hier nur noch relativ wenige in körperlicher Arbeit sind. Daran ändert auch nichts, dass von denen, die hier schwere körperliche Arbeit verrichtet haben noch eine Menge leben. Aber eben nicht mehr allzu lange, wobei ihnen jeder Tag gegönnt sei.

    Meine beiden Großväter waren Bergleute, mein Vater war Ingenieur in einen Bergbauzulieferbetrieb. Ich bin Stadtplaner und sie Mimi, wann haben sie das letzte mal beruflich schwere körperliche Arbeit verrichtet? Kennen sie das T-Shirt mit dem Spruch von Goosen: „Keer wat haben wir malocht!“ Das sagt eigentlich alles.

    Der Ruhrie ist auch keine Erfindung von mir. Viele nennen sich hier selber so. Was ist also daran von oben herab? Und wat und dat sagen hier auch nicht mehr alle.Obwohl ich es immer noch gerne höre, und wenn sie es wollen, auch (immer noch) perfekt beherrsche. Erst recht wenn ich leicht angeschickert bin.

    Ja und wer bestimmt den jetzt, was Kunstsinn ist? Sie Frau Müller? Und sind sie dann die Besserpisserin? Und wer kotzt dann über sie ab? Kann es sein, dass sie einfach nur andere Meinungen als die ihre schlecht ertragen können. Dass Kritik ihnen gegenüber schon deswegen von oben herab sein muss, weil s i e die Kritisierte sind?

    Und woher wissen sie, wie abgehoben die Gesellschaft ist, in der ich lebe? Ich komme aus Wanne-Eickel, wenn ihnen das was sagt. Dort bin ich geboren und dort bin ich zur Schule gegangen und dort habe ich gelebt während ich in Dortmund studiert habe. Ich bin mit 17 Jahren in die dortige SPD eingetreten. Ich wurde mit 27 Jahren zum SPD Stadverordneter in einem reinen Arbeiterbezirk d i r e k t gewählt. Ich habe die Partei aber später verlassen und bin schon lange parteilos.

    Ich glaube, dass ich in meinem Leben mehr Malocher kennen und schätzen gelernt habe als sie sich das in ihrer Hanseatenschelte vorstellen können. Ich lebe nämlich immer noch im Ruhrgebiet. Und seit über 10 Jahren auch in Berlin, und da im tiefen türkischen Wedding, falls ihnen das was sagt, bezüglich abgehobener Gesellschaft und so.

    Ach ja, ich habe mir mein Studium zum größten Teil mit harter körperlicher Arbeit verdient. Stahlschmiede, Brotfabrik, Maschinenfabrik, Lastwagenfahrer, Tief- und Hochbau…. nur unter Tage war ich nie, sorry.

    So, das musste auch mal gesagt werden, Mimi.

  • #32
    mimi müller

    O.k. gehen wir das durch:

    Erstens stelle ich fest, daß Sie sich persönlich sehr getroffen fühlten. Klarstellend sei gesagt: ich habe Sie bisher als Besserwisser gescholten – zu den Besserpissern rechnete ich Sie noch nicht. Soweit haben Sie sich mir noch nicht erschlossen, daß ich Sie da schon einordnen wollte.

    Zweitens:
    Zitat: Kann es sein, dass sie einfach nur andere Meinungen als die ihre schlecht ertragen können. Dass Kritik ihnen gegenüber schon deswegen von oben herab sein muss, weil s i e die Kritisierte sind?

    Nein, daß kann nicht sein – bis hierher habe ich mich nichtmal kritisiert gefühlt und ich wüßte auch ncihts, was ich als Kritik hätte werten können.
    Da ich schon seit über einem Jahrzehnt eine andere Meinung vertrete, als die in „kunstbeflissenen“ Kreisen gepflegte, bin ich es auch gewohnt, daß man meine Meinung nicht teilt und pflege da keinerlei persönliche Empfindlichkeiten. Insoweit gehen Ihre Vorwürfe ins Leere.

    Was Sie schon mit dem Begriffe der Kunst tuen, das machen Sie auch bei dem Begriffe der „harten Arbeit“: Sie legen ihn – nach ihrem Gusto – fest.
    Und deshalb griff ich Sie an.
    Ich, die ich mich definitiv einer anderen Gesellschaftsschicht zugehörig fühle, als der Ihren, bin es schlichtweg leid, auf welche perfide Art und Weise Sie und Ihresgleichen, die sich für „kultiviert und gebildet“ halten, sich „herablassen“, Menschen meiner Kreise Ihre Vorstellungen von Kultur und Kunst näherzubringen, ja nachgerade aufzwingen – und bezahlen zu lassen.
    Ihre elitären Vorstellungen sind sowas von verquast und verkopft, daß ich damit leidenschaftlich nichts zu tun haben möchte, sie aber dennoch keinesfalls unwidersprochen stehen lassen werde. Das wurde schon viel zu lang getan.

    Wann ich zum letzen Mal hart körperlich gearbeitet habe?
    Vorgestern noch. Härter, als ich das in meinen diversen körperlichen wie geistigen Lehrberufen tun musste.

    Ich weiß auch gar nicht, wieso Sie harte Arbeit hier stets auf das Stahlkochen und den Bergbau reduzieren wollen. Diese Arbeit wurde den Menschen an der Ruhr weitgehend genommen – dennoch müssen sie sich ständig auf bestimmte damit zusammenhängende Klischees und Bilder reduzieren lassen.
    Klischees, die immer die gleichen Kreise pflegen. Die Menschen im Pott sind darüber längst hinausgewachsen. Man nimmt das weder zur Kenntnis noch gesteht man ihnen es zu.

    Und mir ist egal, wer den „Ruhrie“ erfunden hat – für mich ist nur wichtig, wer ihn an welcher Stelle gebraucht. Und das sind die immer Gleichen, in den immergleichen Zusammenhängen – und in den immergleichen belehrenden Tonarten.
    Diese Bildungsbürgertum geht mir gehörig auf die Nerven – und die ihm eigenen Tonarten auch.
    Wenn man ihnen allen ihre hübschen Fremdworte wegnähme, bleibt von ihrem Kunstsinn nämlich nicht viel über als ebenso hilf- wie substanzloses Gestammel – zu nichts anderem geeignet, als sich über Andere schaumschlagend zu erheben. Im Beruf, in der Kunst und im Alltag.

    Und das, Herr Voss, stinkt mir ganz gewaltig. Und dank eines hart arbeitenden Vaters und meines eigenen Fleißes bin ich, anders als viele andere aus dem Pott, denen man bis heute Bildungsmöglichkeiten vorenthält, in der Lage, Ihresgleichen Paroli zu bieten.
    Die, die sich hier für „Kunst und -Kulturschaffend“ halten, haben einen latenten Hang sich maßlos selbst zu überschätzen. Das könnte einem völlig egal sein, setzten Sie nicht auf sehr subtile Weise Andere fortwährend in einem Atemzug mit herab.
    Da werde ich dann gerne mal „herauflassend“.

  • #33
    mimi müller

    PS.

    Das ist ja schön, dass Sie das Ruhrdeutsch besonders gut beherrschen, wenn Sie einen „geschikkert“ haben.
    Für mich und andere ist es „Muttersprache“, die wir auch nüchtern beherrschen. Aber sprechen wir sie, dann hält man uns für stets für ungebildet. Kommt Alkohol dazu, dann nennt man uns „Prolls“. Und egal, wie klug die Gedanken sind, die wir äußern – wir sind die „Ruhries“. Ei,ei.

    Wie Sie gerade sehen, können wir auch ganz anders.

  • #34
    Bürokratenfeind

    @ Mimi Müller

    „Wie Sie gerade sehen, können wir auch ganz anders“.

    Mimi Müller! Nicht anders, sondern wie immer.
    Ihre materialistische Einstellung zur Kunst und ihren Protagonisten ist nicht untypisch für das „Revier“. Seit meinem Entschluss Künstler zu werden, begegnet sie mir täglich. Es gibt noch eine andere, das unkritische „Anhimmeln“ derselben, bis zur Selbstaufgabe. Beides lehne ich ab. Es mutet wie ein Wunder an, dass sich Künstler in diesem geistigen Klima überhaupt entwickeln können. Künstler haben auch ein Recht zu leben, selbst im nüchternen Ruhrgebiet.

  • #35
    Frau Rose

    Mir ist es gerade eigentlich zu emotional, um wieder in die Diskussion einzusteigen.
    Allerdings macht mir dies auch bewußt, wie emotional das Thema ist.

    Und dazu: Selbstbewußtsein der Ruhris – vielleicht sind die Jüngeren bereits stärker damit als die Dazwischen (also zwischen Bergwerk, Arbeitslosigkeit und Neuorientierung). Finde es toll, wie div. Kids auf ihrer Brust Labels wie Zechenkind tragen.

    Mich stört aber dieses von Goosens „Woanders ist doch auch Scheiße“. Woanders ist eben nicht immer „Scheiße“ – dient es nur der Legitamation alles gut zu reden, um dann der (scheinbaren) Gemütlichkeit hier zu frönen. Und welches Selbstbildnis hat man bei so einer Aussage von sich. Man mag zu dem Berliner OB stehen wie man will, aber sein „Berlin – arm, aber sexy“ ist mir dann lieber.

    Auf das Event-Thema gehe ich noch mal ein.

    Ich finde, trotz hier und da Kritik, als externe und irgendwie, Ruhr.2010 hat was bewegt. Sehr viel!

    Und ich gebe nun hier auch mein Tops an, wobei ich zugleich sagen muss, viele Projekte nicht miterlebt haben zu können
    – Lichtkunst Biennale
    – Emscherkunst
    – Über Wasser Gehen
    – B1 | A 40

    Phantastisch: Folkwang Museum und das U (wenn auch im Enstehen und da kann man ebenfalls viele kritische Kommentare loswerden)

    Verlierer: 2-3 Strassen

    und ganz viel nicht mitbekommen.

  • #36
    mimi müller

    Ich habe – in dem von Ihnen verstandenen Sinne – gar keine materialistische Einstellung. Im Gegenteil: auch ich will von meiner künstlerischen Arbeit leben können. Ich möchte meine Leistung angemessen honoriert bekommen, denn ich bewege mich nicht in einem luftleeren Raum. Aber ich erhebe auch nicht den Anspruch darauf, daß meine Tätigkeit, allein, weil sie eine künstlerische ist, anders bewertet werden müsse, als jede andere auch. Ich erwarte keine „Sonderbehandlung“ dahingehend, dass ich jeden Scheiss, wenn ich ihn nur hinreichend genug kulturell verbräme und mit reichlich Fremdworten spieke, abgenommen und hoch dotiert bekomme. Da ist es wie Herr Voss sagte: Kunst steht nicht ausserhalb jeder Kritik.
    Und der Tatsache, dass hier ein Jahr lang einige Scharlatane über Gebühr honoriert wurden, weil niemand zu sagen wagt, daß der Kaiser nakkich spaziert, verdanken viele, die ich wahrhaft als Künstler bezeichnen möchte, ihre Brotlosigkeit. Fördern, was es schwer hat? Hier wird gefördert, was in den wirtschaftkulturpolitischen Kram passt.
    Ich höre die Damen und Herren „Künstler“ immer nur in großem Stil jammern. Sie stellen sich weder einer Diskussion über die Finanzierbarkeit ihrer Forderungen, noch streiten sie – solidarisch mit denen, die sie finanzieren sollen – dafür, daß alle kulturellen Bedürfnisse gleichermaßen befriedigt werden und grundlegende Kulturtechniken wie das Erlernen von Lesen und Schreiben in gleichem Maße gefördert werden, wie die „Hochkultur“.
    Eine solche Arbeitsauffassung, wie sie hier manch einer an den Tag legte (Ich sage nur: „“Ich mache keine Arbeiten, die ich kann“) kann man sich in keinem mir bekannten Beruf erlauben. Ich weiß nicht, mit welchem Recht manche „Künstler“ glauben, von jeglicher Bewertung ausgenommen zu sein und dennoch wohlwollend gefördert und gut honoriert werden zu müssen.

  • #37
    mimi müller

    Frau Rose:

    Finden Sie nicht, dass Kunst, so sie denn wahrhaftig sein will, eine gewisse Leidenschaftlichkeit voraussetzt? Wie könnte dann ein Diskurs über sie je zu emotional sein?

  • #38
  • #39
    Bürokratenfeind

    Nachtrag:

    Kunstverständnis a la Nordkorea in Duisburg

    „Es war das Kunstwerk, das uns überzeugt hat, unabhängig, vom dem der es geschaffen hat“, sagt Josef Krings als Vorsitzender der Jury für die Gedenkskulptur Loveparade.

    Da wird man beim nächsten Mal wieder einen Großkünstler aus dem Ausland beauftragen müssen, um auf der richtigen Seite zu sein.

  • #40
    Latoya Bridges

    Ich habe – in dem von Ihnen verstandenen Sinne – gar keine materialistische Einstellung. Im Gegenteil: auch ich will von meiner künstlerischen Arbeit leben können. Ich möchte meine Leistung angemessen honoriert bekommen, denn ich bewege mich nicht in einem luftleeren Raum. Aber ich erhebe auch nicht den Anspruch darauf, daß meine Tätigkeit, allein, weil sie eine künstlerische ist, anders bewertet werden müsse, als jede andere auch. Ich erwarte keine „Sonderbehandlung“ dahingehend, dass ich jeden Scheiss, wenn ich ihn nur hinreichend genug kulturell verbräme und mit reichlich Fremdworten spieke, abgenommen und hoch dotiert bekomme. Da ist es wie Herr Voss sagte: Kunst steht nicht ausserhalb jeder Kritik. Und der Tatsache, dass hier ein Jahr lang einige Scharlatane über Gebühr honoriert wurden, weil niemand zu sagen wagt, daß der Kaiser nakkich spaziert, verdanken viele, die ich wahrhaft als Künstler bezeichnen möchte, ihre Brotlosigkeit. Fördern, was es schwer hat? Hier wird gefördert, was in den wirtschaftkulturpolitischen Kram passt. Ich höre die Damen und Herren „Künstler“ immer nur in großem Stil jammern. Sie stellen sich weder einer Diskussion über die Finanzierbarkeit ihrer Forderungen, noch streiten sie – solidarisch mit denen, die sie finanzieren sollen – dafür, daß alle kulturellen Bedürfnisse gleichermaßen befriedigt werden und grundlegende Kulturtechniken wie das Erlernen von Lesen und Schreiben in gleichem Maße gefördert werden, wie die „Hochkultur“. Eine solche Arbeitsauffassung, wie sie hier manch einer an den Tag legte (Ich sage nur: „“Ich mache keine Arbeiten, die ich kann“) kann man sich in keinem mir bekannten Beruf erlauben. Ich weiß nicht, mit welchem Recht manche „Künstler“ glauben, von jeglicher Bewertung ausgenommen zu sein und dennoch wohlwollend gefördert und gut honoriert werden zu müssen.

  • #41
  • #42
    Bürokratenfeind

    #39

    Kunstverständnis a la Nordkorea in Duisburg

    „Es war das Kunstwerk, das uns überzeugt hat, unabhängig, vom dem der es geschaffen hat“, sagt Josef Krings als Vorsitzender der Jury für die Gedenkskulptur Loveparade.

    Sorry Herr Krings, das Zitat war nicht von ihnen, sondern von Hermann Kewitz, Vorsitzender von Pro Duisburg

  • #43
    Frau Rose

    @ Mimi Müller: Natürlich finde auch ich, dass sich sich viel Leidenschaft im Bereich der Kunst und Kultur finden lässt. Auf der Künstler- sowie auf der Rezipientenseite.

    Meine Aussage bezog sich eher auf den Ton, den Sie weiter oben bereits ansprachen und/oder u.a. in Zuschreibungen der evtl. „Besserpisserei“ ihren Ausdruck fanden. Das ist und war mir alles zu weit weg von einer sachlichen Diskussion über Ruhr.2010 – und natürlich spielen Emotionen oder auch Herzblut auch hier und da eine Rolle, aber eben nicht in diesem „andere in Schubladen“-kategorisierenden Ton wie ich ihn an einigen Stellen in den Kommentaren vorfand.

  • #44
    Bürokratenfeind

    Frau Rose, der Unterschied zwischen ihnen, Mimi Müller und mir besteht darin. Sie sind ein Kulturkonsument; Mimi Müller und ich sind Kulturmacher.
    Sie können ins Ruhrgebiet kommen, wenn ihnen die Kulturangebote gefallen oder auch fortbleiben, wenn das Angebot ihren Vorstellungen nicht entspricht. Das hat nur geringe Auswirkungen auf ihr Leben. Mimi Müller und ich dagegen sind existenziell ans Ruhrgebiet gebunden. Um unserer Profession unbeschadet nachgehen zu können, müssen wir für unsere Ideen leidenschaftlich streiten, oder wir werden lautlos im „kulturellen Unkraut“ untergehen. Deshalb manchmal der rauhe Ton und die Überzeichnung der Dinge.

  • #45
    Nona Mills

    @ Mimi Müller: Natürlich finde auch ich, dass sich sich viel Leidenschaft im Bereich der Kunst und Kultur finden lässt. Auf der Künstler- sowie auf der Rezipientenseite. Meine Aussage bezog sich eher auf den Ton, den Sie weiter oben bereits ansprachen und/oder u.a. in Zuschreibungen der evtl. „Besserpisserei“ ihren Ausdruck fanden. Das ist und war mir alles zu weit weg von einer sachlichen Diskussion über Ruhr.2010 – und natürlich spielen Emotionen oder auch Herzblut auch hier und da eine Rolle, aber eben nicht in diesem „andere in Schubladen“-kategorisierenden Ton wie ich ihn an einigen Stellen in den Kommentaren vorfand.

  • #46
    Frau Rose

    @Bürokratenfeind: Sorry, woher wollen Sie denn wissen, ob ich nur Konsumentin und nicht auch Kulturschaffende oder sogar Künstlerin bin? Ich mache auch Kultur (würde ich zumindest behaupten, was ich auch erfolgreich belegen könnte) und ich lebe derzeit im Ruhrgebiet, kann also nicht mal gerade wie es mir gefällt kommen und gehen. Und ich bin sogar gebürtige Ruhrgebietlerin… also es gibt auch Wurzeln hier.

    Dieser Vorwurf von Konsumentenhaltung und „man kann doch gehen, wann und wie man will“ klingt ein wenig nach dem Künstler, der für „2-3 Strassen“ steht. Das greift mir einfach zu kurz.

    Ich habe nichts gegen konstruktives Streiten oder Überzeichnung von Dingen (mache ich auch des öfteren) aber vielleicht hat meine lange Abstinenz vom Ruhrgebiet auch dazu geführt, dass dieser o.g. rauhe Umgangston mir im Ohr wirklich „wehtut“.

    Dennoch ich nehme den Ruhri und die Kunstszene hier mittlerweile ernst – sogar sehr ernst mit Hochachtung. Habe sie teilweise unterschätzt und finde zudem mittlerweile weder den BVB noch S04 „prollig“. Habe verstanden, wie feinfühlig man mit „Grenzen“ in der sog. Metropole umgehen sollte…. usw. usw.

    Würde sagen: Erfolgreich verteidigt, freue mich aber auf den sportlichen Gegenangriff.

  • #47
    Arnold Voß

    @ Mimi Müller

    Mimi, egal was sie auch immer von mir halten, ich habe noch ein paar Fragen:

    1. Woher wissen sie, welcher Schicht ich angehöre? Kennen sie meine Lebensweise und mein Einkommen?

    2. Wie kommen sie darauf, dass ich zu den bildungsbürgerlich-kunstbeflissenen Kreisen gehöre? Nur wegen meiner Sprache?

    3. Woher wissen sie, dass sie eine wahrhafte Kunstschaffende sind?

    5. Warum benutzen sie Fremdworte (z.B. Diskurs, Gusto, emotional usw.), wenn sie das bei mir ablehnen?

    6. Warum definieren sie die ganze Zeit die Kunst nach ihrer eigenen Überzeugung und regen sich gleichzeitig darüber auf, wenn dass andere genauso tun?

    7. Was sprechen sie, wenn sie irgendwo zu einem Vortrag eingeladen sind? Ruhrdeutsch oder Hochdeutsch?

    8. Was ist der Unterschied zwischen einem Ruhrpöttler und einem Ruhrie?

    9. Wer ist das Wir zu dem sie sich zählen und zu dem ich nicht gehöre ?

    10. Können sie mir ein Beispiel in meinen Beiträgen nennen, wo ich substanzlos gestammelt habe?

    11. Warum beleidigen und verhöhnen sie mich persönlich obwohl ich das ihnen gegenüber nicht getan habe? Nur weil ich mich anders ausdrücke als sie?

    Sorry Mimi, sie erscheinen mir noch bornierter und hochnäsiger zu sein als alle kunstbeflissenen Bildungsbürger die ich kenne. Der einzige Unterschied ist, dass die nicht Besserpisser sondern Besserwisser sagen. Aber in ihnen,Mimi, steckt die gleiche Verachtung von allem was nicht so ist und so spricht wie sie selbst wie bei denen. Nur in umgekehrter Richtung.

    Und wenn sie mir jetzt meine Fragen beantworten dann nicht wieder in diesem grossfressig-beleidigenden Ton, den sie offensichtlich mit ihre Ruhrpott-Muttersprache verwechseln. Wenn sie davon nicht wegkönnen, wäre es mir lieber, sie antworten mir nicht.

  • #48
    mimi müller

    zunächst: Danke, Herr Bürokratiefeind.

    Frau Rose:

    Ich bin Schriftstellerin.

    Der „Ton“, der Ihnen nicht gefällt, den dürfen Sie mit einer Farbe auf der Palette eines Malers vergleichen. Er ist bewusst gewähltes Ausdrucksmittel, ebenso wie das Wort „Besserpisser“.
    Wollten Sie auch einem Maler eine Ihnen mißliebige Farbe streichen? Einem Musiker die Molltöne?
    Das ist das größte von allen Übeln: das, welches sich gegen Worte richtet.

    Auch das stinkt mir ganz gewaltig: dass von bestimmten Kreisen Sprache zunehmend vereinnahmt, bestimmt, diktiert, zensiert wird. Gutes Wort, böses Wort…
    So fängt es an: Wenn Du reden willst: dann aber „fein“, in Worten, die für mich akzeptabel sind.
    Am Ende sind Worte dann ein Verbrechen…
    Geschmeidig sein, bis zur Sinnentleerung. Hauptsache, die Worte sind seelenlos hübsch aneinandergereiht und machen was her. Und dazu nippen dann alle brav am Cocktailglas…“Zauberhafter Abend, finden Sie nicht auch?“ „Ja, und diese raumplastische Durchdringung…Ganz entzückend“
    Wenn ich von Leidenschaftlichkeit schieb, dann meinte ich sie auch.
    Von ihr hängt die Qualität einer künstlerischen Arbeit ab. Wer sich vor ihr fürchtet, welche Kunst auch immer er auszuüben sich anschickt, der wird im Mittelmaß versinken.

  • #49
  • #50
    Arnold Voss

    @ Mimi

    Und ich dachte, sie können auch anders, Mimi. Haben sie zumindest so geschrieben. Eine Schriftstellerin sollte das auch können. Stattdessen drücken sie sich.

    Da wir aber wahrscheinlich so oder so nicht auf einen Nenner kommen, lassen wir es dabei.

    Ach ja, die Wortkreation „Besserpisser“ ist nicht mal Mittelmaß. Sie ist weder witzig, noch neu, noch erhellend. Sie ist einfach nur ein elendes kleines Wortspiel für pubertierende Jugendliche.

  • #51
    Frau Rose

    @Mimi Müller: Um diese gesprächsentleerten Phrasen geht es mir doch gar nicht – die nerven mich ebenso wie sie. Aber muss ich mich, nur weil ich im Ruhrgebiet bin
    und um noch mal Goosen zu zitieren mit „Hey, Du Arschloch“ oder so ähnlich begrüssen lassen? Nein, will und muss ich nicht. Und Diskurse können tief, aber müssen nicht unbedingt unterhalb der Gürtellinie sein. Wie steht es denn mit gegenseitiger Anerkennung und Respekt?

    Und darf ich Sie vielleicht noch mal an den Künstler von „2-3 Strassen“ erinnern.
    Nur weil er Künstler ist, gab und gibt es ihm noch langen nicht das Recht so
    verachtend mit den Teilnehmern umzuspringen. Und dieses Projekt hat wg. seines schlechten Umgangs bestimmt keine besondere Qualität, es hat jene und das Potential des Projektes eher kaputt gemacht. Aber wenn ich ihre letzten Worte jedoch lese, scheinen sie gar nicht so weit von jenem Künstler entfernt zu sein.
    Schade.

  • #52
    Bürokratenfeind

    Um noch mal auf die Kulturhauptstadt 2010 zurück zu kommen. Die langen Jahre des kulturellen Underdogdaseins haben bei den Menschen im Revier den Wunsch entstehen lassen, einmal so zu sein wie die anderen; wie München, Hamburg oder Berlin. Anerkannte Orte der Hochkultur. Um so zu werden wie diese, kopiert man die Modelle der anderen und weicht nur selten von deren standarisierten Vorgaben ab. Und selbst diese sogenannte Hochkultur wird im Revier nur halbherzig vertreten (Henze). Das Ruhrgebiet scheut nichts so sehr, wie das kulturelle Experiment. Lieber setzt man auf Spektakel. Da schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Masse der Leute gefällt es und gleichzeitg setzt man sich nicht der Kritik des Feuilletons aus. Das Resultat dieser Kulturpolitik ist dann, wie die FAZ schon richtig bemerkte: „mehr Masse als Klasse“.
    Warum können sich diese Minderwertigkeitkomplexe, ein kultureller Niemand zu sein, so lange halten, obwohl aus dieser Region immer wieder ausgezeichnete Künstler hervor gehen.
    Einer der vielen Gründe ist sicher der sinnentleerte Sprachgebrauch, der bei der WAZ jahrzehntelang gepflegt wurde.
    „Die Tangokommentare“.
    Ich habe diese Bezeichnung hier im Blog zum ersten Mal von David Schraven gehört. Die „Tangokommentare“ der WAZ waren es, die mich, seit ich lesen konnte, täglich begleiteten. So eine Art Gehirnwäsche, die alles und jenes in
    glitschige Belanglosigkeiten ververwandelten.

    Viele ihrer Sätze Frau Rose sind typische Tangokommentare z. B.

    „Irgendwie verstehe ich Euch Ruhri’s, die hier über Ruhr.2010 so mosern, nicht. Klar, kann man verschiedenes an der Konzeption, Umsetzung und/oder den schönen “Hochglanz-Bildlein” kritisieren. Vielleicht mag auch die freie Szene zu kurz gekommen sein – auch da kann ich Kritik sehr gut nachvollziehen.“

    Und auch Arnold Voss Beitrag #31 ist ein einziger grandioser „Tangokommentar“

    Kein Wunder, dass Mini Müller sich darüber erregte. Dieser Sprachgebrauch zeigt die Angst ihrer Benutzer, von der Ruhrgebietskonsensgesellschaft abgelehnt zu werden. Diese Angst hat ein Künstler nicht. Gute Künstler sind immer etwas autistisch. Wollen nicht Bestandteil der „Crowd“ sein. Darin unterscheiden sie sich von den im Ruhrgebiet so beliebten Kunsthandwerkern.

  • #53
    Frau Rose

    @Bürokratenfeind: Vielleicht klären Sie mal auf, was genau sie unter einem Tango-Kommentar verstehen. Mir war dieser Begriff bislang unbekannt.

    Und noch mal: Bei einigen Kommentaren hat man beim Lesen eben das Gefühl, dass die Kritik einfach gegen Ruhr.2010 geht, weil man gegen die Macher dahinter ist. Diese scheinbare Pauschalkritik nervt mich, verbunden mit dem Ton.
    Ich finde hingegen, dass der Artikel von A. Rossmann in der FAZ Ruhr.2010 sehr gut bilanziert und wichtige Punkte der Ruhr.2010-Kritik anspricht bzw. auf den Punkt bringt. Sachlich und klar.

    Und ich habe keine Angst von der Ruhrgebietskonsensgesellschaft abgelehnt zu werden, im Gegenteil: ich sage oft relativ offen und unverblümt meine Meinung. Und ich bin kein Freund der „Eventisierung“ der Kultur und/oder Gesellschaft. Aber ich finde die hiesige Diskussion mit den ständigen Unterstellungen einfach mühsam.

    Ich würde mir wünschen, sie würden lesen/zuhören, statt ständig Schubladen zu suchen, in dene Sie mich und auch andere einsortieren.

  • #54
    Helmut Junge

    @Frau Rose,
    wenn ich da weiterhelfen kann.
    Der David Schraven hat zum Thema „Tangokommentar“ gesagt:
    „Niemandem auf der Welt ist mit einem Tango-Kommentar geholfen, also ein Schritt vor, ein Schritt zurück. Das brauchen wir nicht. Man braucht einen Text, der zugespitzt ist, der scharf ist.“
    Wenn ich das richtig verstehe, könnte jeder „sowohl als auch-Kommentar“ damit gemeint sein.
    Es gibt eben Menschen, die klare Kante bevorzugen, und in Kauf nehmen, daß sie damit anecken.
    Andererseits gibt es viel mehr Menschen, die genau das nicht mögen.
    Wenn Sie also schreiben:
    “Irgendwie verstehe ich Euch Ruhri’s, die hier über Ruhr.2010 so mosern, nicht. Klar, kann man verschiedenes an der Konzeption, Umsetzung und/oder den schönen “Hochglanz-Bildlein” kritisieren. Vielleicht mag auch die freie Szene zu kurz gekommen sein – auch da kann ich Kritik sehr gut nachvollziehen.”,

    sollten Sie doch eigentlich Verständnis für diejenigen haben, die genau wegen dieser Kriikpunkte mosern.
    Wenn Sie das Verständnis nicht aufbringen können, ist das vermutlich nach Auffassung von @Bürokratenfeind ein „Tangokommentar“, und zwar deswegen, weil sie inkonsequent sind.
    Ansonsten finde ich die Diskussion dieses Quartetts sehr amüsant.
    Eine endgültige Meinung habe ich mir allerdings noch nicht gebildet.
    Vielleicht werde ich mich noch dazu melden.

  • #55
  • #56
    Frau Rose

    @Helmut Junge und @ All,

    Danke für die Erläuterungen. Es mag sein, dass meine Kommentare nicht konsequent erscheinen. Aber vielleicht hat dies mit den unterschiedlichen Ebenen zu tun, auf denen ich mich innerhalb von Ruhr.2010 bewegt habe und das Ruhr.2010 an sich schon ein sehr komplexes Ding ist/ war. Und dies meine ich nicht nur in Bezug auf die 53 beteiligten Städte, sondern auch in Bezug auf das ursprüngliche Konzept von der „Europäischen Kulturhauptstadt“ (Gründung) bis hin zur diesjährigen Konstellation Essen für das Ruhrgebiet, Pecs und Istanbul.

    Zu meiner Person: 2009 bin ich ins Ruhrgebiet „zurück“gekommen und ichmuss sagen, ohne das bevorstehende Kulturhauptstadtjahr hätte ich diesen Schritt nicht gemacht. Das Ruhrgebiet hat mich bis zu jenem Zeitpunkt trotz meiner Wurzeln hier nicht mehr interessiert. Außer ab und an mal ein Verwandtschafts-besuch garniert mit Besuchen in den bekannten Theatern oder eben im Museum Folkwang etc. Aber das Motto der Kulturhauptstadt Europas „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ sowie die Möglichkeit, daran partizipieren zu können, haben mein Interesse am Ruhrgebiet geweckt. Dann wurde ich auch noch Teilnehmerin von „2-3 Straßen“.
    D.h. ich habe das Ruhrgebiet im nun ablaufenden Jahr als „Heimkehrerin“, Kulturschaffende (Ich war an ca. 10 Kulturhauptstadtprojekten beteiligt) und als Projektteilnehmerin des o.g. Ausstellungsprojektes erlebt. So kann man vielleicht sagen: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“ – eigentlich ja 3. Aus diesen einzelnen Perspektiven habe ich eben unterschiedliche Meinungen und eben noch keine abschließende und auf einen Nenner gebracht.
    Aber ich habe das Ruhrgebiet schätzen gelernt und es wirft auch Fragen bei mir auf.

    Zu Ruhr.2010: Ich kann den Ärger der freien Szene und sonstigen Akteuren verstehen, teils nicht berücksichtigt worden zu sein – aber ich fnde ihn auch an einigen Punkten überzogen. Ich kann den Unmut einiger Kommunen verstehen, die von der finanziellen Situation ausgemergelt, lieber den Kelch von Ruhr.2010 an sich vorbei gereicht hätten. Ich kann nicht verstehen, warum die Kommunikation hier immer noch von soviel Kirchturmdenken geprägt ist. Liegt es u.a. am hiesigen roten Filz? Ich kann nicht verstehen, warum in verschiedene Projekte dieses und jenes Geld gepumpt worden ist, dann aber hier und da an Mitarbeitern gespart wurde. In einem Projekt ist so bspw. die Pressearbeit hinten runter gefallen und daher ist gar kein Besucher zu jener Veranstaltung gekommenr (dieses Projekt bewegte sich an der Grenze zum 3-stelligen Bereich). Ich finde es ärgerlich, dass teilweise von hiesigen Künstlern kostenloses Engagement abgefordert wurde und dann wiederum viel Geld in Externe gepumpt worden ist.
    Aber ich habe auch Menschen kennen gelernt, die sich als Künstler verstehen, die ich aber weniger als solche bezeichnen würde. Will sagen, nicht jeder, der ein wenig „aquarelliert“ etc. ist auch in der Tat ein Künstler. (@Mimi Müller: Ich glaube unsere Definition von Künstler sein oder Anspruch ist nicht weit voneinander entfernt) Und diesbgzl. kann ich wiederum verstehen, wenn solche „Künstler“ eben nicht weiter bei Ruhr.2010 berücksichtigt worden sind. Irgendwo muss man eben auch Punkte machen.

    So, dann noch mal zur Mentalität, die ich so einfach nicht nachvollziehen kann und ich mich frage, wo kommt jener „Minderwertigkeitskomplex“ her. Damit meine ich u.a. eben Frank Goosens „Woanders ist doch auch scheiße“. Nach diesem Ausspruch degradiert man sich nach meinem Verständnis dazu, selber auch an einem „Scheiß- Ort“ zu leben. Das ist ein Gedanke, der mir fremd ist. Ich lebe gerne an Orten, die ich gut finde und ich mich wohlfühle. Daher noch mal die Frage: Was ist denn das für ein Bild sich in „scheiße“ wohlzufühlen? Aber es gibt mittlerweile eine Generation hier, wie ich erleben konnte, die sich positiv mit der Region identifiziert und die auch frei heraus sagt: „Nee, ich bleib hier – ich muss nicht nach Berlin.“

    Und dann gibt es noch das Kapitel, dass die Kunst und Kultur sich verändert. Die Wirtschaft hat die Kreativität als Standortfaktor erkannt. Ich denke, dies ist berechtigt. Wer will schon in einer Stadt leben, wo es keine lebendige Kultur wie Kino, Kunst, Theater…. gibt? Aber Kultur- und Kreativwirtschaft ist m.E. nicht das Allheilmittel gegen diverse Probleme. Und Kunst und Kultur sollte andererseits nicht im Dienste der Wirtschaft stehen. Dennoch finde ich es positiv, wenn die Kreativen endlich mal etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen.
    Aber wo führt das hin? Keine Ahnung. Sehr ambivalent betrachte ich die Entwicklung, dass an den Kunsthochschulen im Prinzip Managementkurse angeboten werden. Die Kunstschüler sollen bereits früh lernen, sich entsprechend zu vermarkten. Ebenso muss auch im Museumsbetrieb alles noch größer und besser sein, sei es die MoMA-Ausstellung vor einigen Jahren in Berlin, die allseits gepriesene die Nacht der Museen bzw. die Extraschicht. Ich habe meine Zweifel, ob es dabei wirklich noch um die Kunst und Kontemplation (Adorno!) geht.

    Ich war vor wenigen Tagen auf einem Symposium, wo das neue Ruhrmuseum als Wahrzeichen des neuen Kulturkapitalismus beschrieben wurde. Die Kohlenwäscherei, einst zum Herzstück einer Zeche gehörend, nun zum Museum umfunktioniert, zudem die Besucher per „Fließband“-Rolltreppe transportiert werden. Die Rolltreppe wurde zudem mit einer Fahrt in den „Kultur-Höllenschlund“ verglichen. Wenn man zudem noch bedenkt, dass wohl nicht wenige Japaner (oder waren es Chinesen) Interesse haben, die hiesigen umfunktionierten und teils aufwendig illuminierten Gebäude der Montanindustrie angeblich gerne kaufen, mitnehmen und bei sich wieder 1.1 aufbauen möchten. Dann fragt man sich, was für ein Bild ist beabsichtigt und/oder kommt beim Betrachter an. Wo bleibt da Kultur und Geschichte? Und man kann auch fragen, welche Bilder hat uns diesbzgl. Ruhr.2010 geliefert?

    Ich vermag mit so vielen Gedanken im Kopf einfach noch keine klaren Antworten finden. Und den Erfolg/ Mißerfolg wird man m.E. auch erst genauer in 4-5 Jahren ablesen können.

    So, nun aber „Frohe Weihnachten“ und freue mich auf weitere Kommentare!

  • #57
    Frau Rose

    Ups, Fehler: Mit 3-stellig meinte ich an der Grenze zu 100.000, wenn diese nicht sogar überschritten wurde.

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