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Kurdistan: Europa wird all seine angeblichen Werte verraten

YPG Kämpfer Foto: Kurdishstruggle Lizenz: CC BY 2.0

US-Präsident Donald Trump will seine Truppen aus Nordsyrien abziehen und verrät damit die Kurden. Erdogans Truppen stehen zum Einmarsch bereit. Und Europa?

Der Abzug der US-Truppen aus Nordsyrien bedeutet nichts anderes als die nächste Katastrophe für die Kurden. Erdogans Truppen werden sie gemeinsam mit ihren islamistischen Verbündete jagen und töten. Und Europa? Müsste handeln. Die Europäischen Staaten müssten nun Truppen in die Region schicken, um die Kurden zu schützen. Ihre Kampfflugzeuge müssten die türkische Luftwaffe in Schach halten. Die kurdischen Truppen müssten mit Waffen und Munition versorgt werden. Sollte die Türkei in Kurdistan einmarschieren, müsste die Europäische Union schmerzhafte Wirtschaftssanktionen gegen Erdogans Schwellenland verabschieden, Reisewarnungen sollten ausgesprochen und die Beitrittsgespräche abgebrochen werden. Die europäischen NATO-Mitglieder sollten darauf bestehen, die Türkei aus der NATO zu werfen, denn unter Erdogan ist sie längst mehr Feind als Verbündeter.

All das wird nicht passieren. Es wird ein paar Ermahnungen geben, die europäischen Politiker werden sich betroffen zeigen und traurig in Kameras blicken. Die mutigeren von ihnen werden eine rhetorische Entschlossenheitssimulation anwerfen und Konsequenzen fordern, die es nie geben wird.

Europa wird erneut unter Beweis stellen, dass es nicht in der Lage ist, ja nicht einmal daran denkt, die Kurden zu schützen, die in den vergangenen Jahren im Kampf gegen den islamischen Staat, der Europas Todfeind ist und dessen vollkommene militärische Vernichtung notwendig war und ist, einen hohen Blutzoll zahlten und tausende Menschen im Kampf verloren.

Europa wird die Werte verraten, von denen es behauptet, es wären seine und für die es nicht einstehen will und wird. Und es wird seine Verbündeten verrecken lassen. Es wird zeigen, dass es vollkommen abhängig ist von den Launen des amerikanischen Präsidenten und schon außerhalb seiner Grenzen politisch keine Rolle mehr spielt. Die pazifistischen Träumereien, man könnte auch ohne die Bereitschaft die eigenen Interessen und die seiner Verbündeten verteidigen, werden sich ein weiteres Mal als Illusion erweisen. Wer sich als so schwach erweist wie Europa, provoziert seine Feinde zum Angriff.

 

 

 

 

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3 Kommentare zu “Kurdistan: Europa wird all seine angeblichen Werte verraten

  • #1
    Helmut Junge

    Wir brauchen die Türkei als Partner gegen das Böse in der Welt. Und weil die Türkei unser Partner ist, und wir immer die Guten sind, egal was da kommt, ist die Türkei eben auch Teil der Guten, egal was sie anrichtet. Wo ist da das Verständnisproblem?
    Dazu kommt noch, daß die Türkei militärisch besser ausgerüstet ist als wir, und zwar mit Waffen die in Deutschland hergestellt sind und bezahlt mit Geld, das sie von uns geliehen hat. Da wollen wir doch nichts riskieren. Sind wir doch froh, daß Erdogan nicht in uns ein Sicherheitsrisiko für sein Land sieht.
    Aber glücklicherweise werden wir ja von den USA beschützt.

  • #2
    Münsterländer

    Ich habe die USA immer gegen plumpen Antiamerikanismus aus Deutschland in Schutz genommen. Das rührt wohl aus der Geschichte und den Erzählungen der Elterngeneration her, die die USA immer als Befreier im zweiten Weltkrieg und später als Schutzmacht gegen den Warschauer Pakt ansahen.
    Die Zeiten haben sich geändert und vor allem die USA haben sich geändert. Wer heute auf die USA als Garant für Frieden und Freiheit setzt, wird irgendwann verraten und verkauft, sofern er nicht stark genug ist, sich gegen die Großmachtfantasien des Nachbartn zur Wehr zu setzen.
    Arme Kurden.

  • #3
    Lawby

    Die geplante türkische Offensive wäre ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg gegen ein anderes Land, nämlich Syrien. Denn das besteht immer noch. Somit ist das eine Handlung, die mit den Zielen der vereinten Nationen nicht vereinbar und damit auch schon gegen Artikel 1 der Nato-Statuten verstößt.

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