11

Laissez-faire-Einstellung an vielen Schulen ist eine Provokation für Restaurant- und Kneipenbetreiber

An vielen Schulen ist in sachen Corona noch viel zu verbessern. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Der erste Schreck nach Bekanntwerden des zweiten ‚Lockdowns‘ hat sich in Deutschland inzwischen gelegt. Unzufriedenheit gibt es noch immer vieler Ortens. Nicht immer kann man das vollends nachvollziehen.

Aber die stark ansteigende Welle der Infektionen mit dem Corona-Virus muss halt dringend gebrochen werden. Das Bedarf natürlich gewisser Opfer. Niemand weiß aktuell wirklich, wie groß diese Einschränkungen letztendlich sein müssen. Die unmittelbar davon Betroffenen sehen sich halt in solchen Fällen häufig zu Unrecht getroffen und regen sich entsprechend auf. Das liegt in der Natur der Sache.

Lässt man die ganze Aufregung um die konkret getroffenen Maßnahmen aber erst einmal ein wenig sacken und die großen Emotionen weitestgehend aus der Betrachtung heraus, wundert man sich über einige Details dann doch noch immer.

Klar, den Schulbetrieb bestmöglich aufrecht zu erhalten erscheint grundsätzlich erst einmal durchaus vernünftig. Denn dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen ist natürlich der Jugend die Bildung nicht nur zu gönnen, sie ist auch sehr wichtig um keine dauerhafte Schieflage in der Ausbildung der jungen Leute zu bekommen. Mehrere Jahrgänge von Corona-Schulabschlüssen wären fatal.

Aber auch die damit verbundene Entlastung der Familien ist ein gerne gewähltes Argument gegen Schulschließungen. Eltern brauchen die ‚kinderfreie‘ Zeit um konzentrierter arbeiten zu können, aber auch zur Entlastung der angespannten Familiensituationen in Zeiten eines pandemiebedingten Lockdowns, der in vielen Familien schnell für ‚dicke Luft‘ sorgt. Alles soweit erst einmal gut verständlich.

Um auf gewisse Quoten in Sachen Kontaktreduktion zu kommen, ist es auch durchaus nachvollziehbar, wenn stattdessen andere Bereiche des Lebens wie Restaurants, Kneipen und Fitnessstudios geschlossen werden. Obwohl sich die Betreiber dieser Läden natürlich ungerechtfertigt im Nachteil sehen, wenn das so schlecht kommuniziert wird, wie im aktuellen Fall.

Was jedoch vor den Hintergründen des anstehenden Lockdowns massiv irritiert, ist die Tatsache, dass im Bereich der Schulen offensichtlich noch immer viel Potenzial geradezu leichtfertig verschenkt wird.

Wer sich nur einmal ein paar Minuten Zeit nimmt und das Geschehen rund um eine Schule in diesen Tagen beobachtet, der wird rasch erkennen, dass wir hier von den eigentlich relativ problemlos möglichen Zuständen leider noch meilenweit entfernt sind.

Und das ist ein zusätzlicher Schlag in die Magengrube aller gerade wieder kurz vor der Schließung stehenden Wirtschaftszweige.

Es mag in den Schulen insgesamt verhältnismäßig wenige Fälle von Neuinfektionen geben, wie gerne betont wird. Sieht man jedoch Schüler unnötig eng ‚aufeinander hockend‘, auf den Schulhöfen in großen Gruppen, teilweise sogar noch immer ohne Masken, sieht man leider immer wieder Lehrkräfte, die all dies herzlich wenig zu kümmern scheint, dann macht das schlicht wütend.

Zudem treibt dies das Pandemiegeschehen noch immer völlig unnötig mit an. Es wäre wahrlich kein besonders großer Aufwand Schüler konsequenter auf größtmögliche Abstände (auch auf dem Schulhof) aufmerksam zu machen, sie für die Probleme, die bei Fehlverhalten begünstigt werden, (noch) stärker zu sensibilisieren. Dass das häufig nicht ausreichend geschieht, ist aktuell selbst für Unbeteiligte die sich einem Schulhof in Pausenzeiten nähern, schnell zu sehen.

Trotz aller Beteuerungen der vergangenen Tage wird in vielen Schulen in diesem Lande noch immer ungeheuer viel eigentlich leicht zu realisierendes Potenzial beim Kampf gegen die zweite Corona-Welle verschleudert.

Und insbesondere vor dem Hintergrund der teilweise nicht wirklich nachvollziehbaren Schließung von Restaurants und Kneipen, die sich nicht nur größtenteils vorbildlich an Hygienekonzepte und Auflagen gehalten haben, sondern sich teilweise sogar durch die Anschaffung von neuen Investitionen in ihre Corona-Verträglichkeit massiv finanziell verschuldet haben, ist die stellenweise an den Schulen noch immer zu beobachtende Laissez-faire-Einstellung nur schwer zu ertragen.

RuhrBarone-Logo

11 Kommentare zu “Laissez-faire-Einstellung an vielen Schulen ist eine Provokation für Restaurant- und Kneipenbetreiber

  • #1
    ccarlton

    Ob gastronomische Betriebe tatsächlich geschlossen werden, darf bezweifelt werden. Gestern hat das niedersächsische Oberverwaltungsgericht die dortige Sperrstunde gekippt. Mit der Begründung, daß Gaststätten nach Angaben des RKI keine Infektionsherde sind. Im Gegensatz zu privaten Feiern, die dann wahrscheinlich zunehmen würden.

  • #2
    Susanne Scheidle

    Hat jemand den Bericht in der Aktuellen Stunde gegen Ende der Herbstferien gesehen, in dem ein Schulleiter erklärte, warum er den Klassenraum nicht lüften kann?
    1. "…Sitzt genau an diesem Fenster ein Schüler…" er öffnet das Fenster und tatsächlich, säße dort ein Schüler würde ihm der Fensterflügel die Nase eindellen.
    2. Er geht zum Fenster daneben und versucht den Griff herumzudrehen, "… geht nicht, der Griff ist kaputt…"

    Hier zwei Fragen, die der Interviewer leider nicht gestellt hat:
    zu 1.: Ist der Tisch an dieser Stelle einbetoniert und der Schüler am Stuhl angeschraubt, oder könnte man Tisch und Schüler nicht auch anders platzieren?
    zu 2.: Gibt’s bei Hornbach keine Fenstergriffe mehr?
    Vielleicht war der Reporter aber auch einfach nur zu verblüfft angesichts dieser massiven Probleme.

    Da ahnt man, was an Schulen gerade so los ist.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Susanne: Auch gerade habe ich wieder mehrere Gruppen von Schülern vor den Schulen sehen müssen, die nicht nur mehrheitlich keine Abstände zueinander eingehalten haben, sondern vielfach leider auch keine Masken trugen. Das Geschehen an Schulen ist also nicht nur in den Klassenräumen unnötig bedrohlich. Lehrer standen daneben und guckten teilnahmslos in die Luft. Ich verstehe das echt nicht….

  • #4
    thomas weigle

    Ich habe seit Jahren keine Schule mehr betreten. Wer aber da glaubt, dass v.a. an großen Schulen Mindestabstände und Maskenpflicht auf den Schulhöfen und vor den Schulen eingehalten wird, der glaubt auch, dass Zitronenfalter….

  • #5
    Herbert

    @ ccarlton

    stay home! hör bitte auf, bei den Ruhrbaronen deine "Corona? Ist doch nichts gewesen!"-Kommentare zu schreiben, das wirkt nur noch realitätsfern

  • #6
    Pit

    Der kommende Lockdown "light" ist vermutlich nur eine kurze Etappe einer Grand Tour (Team Streeck).
    Quasi ungefährdeten Kindern über viele Monate ihre freie Entfaltung zu verwehren und eine enge Kontaktaufnahme zu ihren Mitschülern zu unterdrücken wird sich m.M.n negativ auf die
    Persönlichkeitsbildung auswirken mit unabsehbaren Folgen für die Zukunft und ist unmenschlich.
    Auf Dauer müssen die Risikogruppen gezielt geschützt werden (FFP-Masken,..).
    Alle anderen sind verpflichtet, das Leben zu genießen. Solidarität gilt immer in beide Richtungen.

  • #7
    Susanne Scheidle

    @ Robin #3

    Das ist mir schon klar, dass auch nach bzw. zwischen den Unterrichtsstunden gewaltig was schief läuft, aber wie man so sagt: Der Fisch stinkt vom Kopf her.
    Wenn schon ein Schulleiter nicht in der Lage ist, in 14 Tagen einen verdammten Fenstergriff reparieren zu lassen, werden die womöglich eher engagierten Lehrer sich hüten, sich sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrerkollegen, die auch in Pandemiezeiten eher eine gemütliche Gangart bevorzugen, unbeliebt zu machen, indem sie auf Einhaltung der AHA-Regeln zu pochen.

  • #8
    Susanne Scheidle

    @ Pit #6

    Falls Sie da etwas missverstanden haben: Die neuen Corona-Maßnahmen betreffen ausdrücklich NICHT den Schul- und Kitabetrieb, sie sind ausdrücklich beschlossen worden, um vor allem den Schul- und Kitabetrieb aufrecht zu erhalten.

  • #9
    Thomas Baader

    "Sieht man jedoch Schüler unnötig eng ‚aufeinander hockend‘, "

    Tja, Herr Patzwald, dann gehen Sie doch mal hin und sagen diesen Schülern, dass sie das bleiben lassen sollen. Vielleicht hören die Schüler auf Sie ja mehr als auf Ihre Lehrer.

    "Es wäre wahrlich kein besonders großer Aufwand Schüler konsequenter auf größtmögliche Abstände (auch auf dem Schulhof) aufmerksam zu machen"

    Wird in vielen Schulen mehrfach täglich getan, das interessiert eben nur viele Schüler einfach nicht. Interessant wäre es eher zu erforschen, woher dieses Verhalten kommt.

  • #10
    Thomas Baader

    Nachtrag:
    "und das Geschehen rund um eine Schule in diesen Tagen beobachtet"

    Sie schreiben nicht "in einer Schule", sondern "um eine Schule". Ich würde vermuten, dass Ihre Beobachtungen sich daher auf Schüler beziehen, die sich außerhalb des Schulgeländes aufhalten (Freistunde? Auf den Bus warten?).

    Außerhalb von Schulgelände, Unterricht und eventuell Schulausflug dürften die Lehrkräfte wohl kaum irgendeine Weisungsbefugnis gegenüber den Schülern haben… natürlich können die Lehrer in so einer Situation die Schüler trotzdem ermahnen, aber das kann jeder Passant genauso gut. Konsequenzen hat es keine.

  • Pingback: Corona und Katastrophenschutz: Nulltoleranz für Flüchtigkeitsfehler und Ignoranz | Ruhrbarone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.