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Bundestagspräsi Lammert schlägt Twitter

Bundespräsi Lammert zeigt Twitter die Grenze

Es war eine der unter-anderem-spannenden Fragen dieser Bundespräsidenten-Wahl, ob der Chef der Wahlversammlung, Norbert Lammert, Bundestagspräsident aus Bochum, es schafft, Twitter zu bändigen. Dass eben nicht vorab die Zahlen der Wahl raussickern, wer Sieger wird und wer verlieren.

Nun: Er hat es geschafft. Kurz vor der Verkündung der Ergebnisse im ersten Wahlgang kursierten diese Zahlen durch Twitter:

Aus gut informierten Kreisen: 529 Gauck, 595 Wulff, 118 Jochimsen, 2 Rennicke

Am Ende des ersten Wahlganes verkündete Lammert diese Zahlen:

1242 abgegebene Stimmen, davon zwei ungültige, 13 Enthaltungen,

499 für Gauck,

126 für Jochimsen und

600 für Wulff.

Damit ist klar, Lammert hat die Twitter-Lecks gestopft. Aus dem Auszählerzimmerchen tropft nix raus.

Ach und noch was ist nach dem Ergebnis klar: Wenn die Linken clever wären, könnten sie Merkel heftigst beschädigen. Wulff hat 44 Stimmen aus der Union nicht bekommen. Wenn Gauck im nächsten Wahlgang siegen würde und das könnte er, wären Merkel und Westwelle richtig in Stress.

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34 Kommentare zu “Bundestagspräsi Lammert schlägt Twitter

  • #1
    Detlef Obens

    Hätte die Linke FÜR Gauck gestimmt, auch mit einigen Nein-Stimmen hochgerechnet, hiesse seit einer halben Stunde der neu Präsident GAUCK!

    Die LINKE wird sich dem deutschen Volk, welches einen Politikwechsel gewünscht hat, erklären müssen!! Egal, wie es nun weiter geht!

  • #2
    dissenter

    Im ersten Wahlgang dürften viele, die mit Merkel und/oder Westerwelle noch eine Rechnung offen hatten, ihr Mütchen gekühlt haben. Letztendlich werden auch sie Wulff wählen.
    Was die Linke und Gauck betrifft: Einen Kandidaten zu wählen, dem man inhaltlich denkbar fern steht, nur um dem „Hauptgegner“ zu schaden, wäre doch das, was wir alle immer beklagen: parteipolitisches Taktieren und mangelnder Respekt vor dem Präsidentenamt. Oder nicht?

  • #3
    Stefko

    Betr. Merkel beschädigen: Auch wenn ich es begrüßen würde, glaube ich nicht daran, weil
    a) die Linken nie den Gauck wählen würden
    und
    b) ich vermute, dass das Ergebnis vor allem eines ist, ein Warnschuss. Im zweiten WG werden die ihren Kandidaten schon durchwinken.
    jm2c

  • #4
    dissenter

    „Hätte die Linke FÜR Gauck gestimmt, auch mit einigen Nein-Stimmen hochgerechnet, hiesse seit einer halben Stunde der neu Präsident GAUCK!“

    Das ist wirklich Unsinn! Die Linke hätte der Geschlossenheit im schwarz-gelben Lager und damit dem Wulff keinen größeren Gefallen tun können als offen und eindeutig Gauck zu unterstützen!

  • #5
    Christian S.

    Was die Linke und Gauck betrifft: Einen Kandidaten zu wählen, dem man inhaltlich denkbar fern steht, nur um dem “Hauptgegner” zu schaden, wäre doch das, was wir alle immer beklagen: parteipolitisches Taktieren und mangelnder Respekt vor dem Präsidentenamt. Oder nicht?

    Es wäre vor allem Politik im Sinne der eigenen Wählerinnen und Wähler, die unter der schwarz-gelben Politik zu leiden haben.

  • #6
    Beate

    Die Linken können Merkel und Westerwelle schädigen in dem sie weiterhin die inhaltlichen Schwächen der neoliberalen Koalition aufzeigen.
    Erst wen der Spitzensteuersatz auf 80% angehoben wurde, ist die Finanzkrise vorbei.

    Zu Herrn Gauck gibt es nichts zu sagen:
    Ich verweise auf dass Interview dass Herr Gauss mit ihm 1991 führte. Und die Widersprüche im Denken des Herrn Gauss.

    „Ich konstru-
    iere teilweise einen Fall jetzt, aber er ist nur teilweise konstruiert. Eltern emigrieren aus politischen oder rassischen Gründen aus Deutschland nach 1933. Sie kehren mit ihrem halbwüchsigen Kind nach Deutschland, und zwar in ihren Teil Deutschlands, nach ihrer Überzeugung die DDR, zurück. Es ist Kalter Krieg. Die KPD in Westdeutschland, in der Bundesrepublik, ist verboten. McCarthy wütet in Amerika. Die Utopie des Sozialismus fühlt sich sehr gefährdet. Jetzt geht der Mann dieser Emigranteneltern in den Staatssicherheitsdienst. Ist er moralisch weniger gerechtfertigt als der, der sich so weit nicht aus dem Fenster lehnen wollte, dass er in die SED gegangen ist, aber so weit doch mitspielen wollte, dass er in eine Blockpartei ging?“

    http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2010/juli/yes-we-gauck

  • #7
    dissenter

    „Es wäre vor allem Politik im Sinne der eigenen Wählerinnen und Wähler, die unter der schwarz-gelben Politik zu leiden haben.“

    Indem ein Kandidat gewählt wird, der nach eigener Aussage dem schwarz-gelben Lager viel näher steht als dem rot-(rot-)grünen? Das müssen Sie mir erklären.

    Und selbst wenn Sie Recht hätten: Mein Eingangsargument entkräften Sie damit nicht.

  • #8
    SpreeBlicker

    @Detlef Obens: Es ist wie immer, wenn die Linken ein Mitspracherecht haben. Sie können es einfach nicht und wollen es auch nicht. Politik wird, vor allem bei den West-Linken wie Diethmar Dahm, als Veto-Funktion verstanden. Daher ist es gut, dass die Partei, die immer noch keine eigene Aufarbeitung ihrer Geschichte (als der Geschichte der SED) vorgenommen hat, hier in NRW keinen stein-breit Verantwortung übernimmt…..

  • Pingback: Gerüchte über Gerüchte bei Bundespräsidentenwahl : PatJe.de

  • #10
    Detlef Obens

    Linke wird immer eigenartiger. Schlagen nun den Grünen und der SPD einen NEUEN Kandidaten für einen eventuellen 3. Wahlgang vor! Alle sollen auf Gauck verzichten. Genialer linker Schazug oder einfach nur politische Legasthenie?

    Wer mag so ein möglicher Kandidat sein?

    Michalowsky? Zimmermann? Beuermann? Lafontaine?

    OK, LINKE, am Ende des Tages heisst der X. Präsi eben Wulff! Aber für alle links-kritischen Kommentatoren heisst das auch: herrliche Zeiten kommen!!

  • #11
    Bert

    Rotrotgrün hätte – Betonung liegt auf hätte – Gauck gleich im ersten Wahlgang durchbringen können. Jochimsen als Strohpuppe aufstellen, nur zur Täuschung so tun, als ob die Linke Jochimsen wählt, und gleich im ersten Wahlgang stimmen sämtliche Linken geschlossen für Gauck! Das hätte vermutlich gereicht. Die CDU/FDP hätte es von den Socken gehauen.

  • #12
    Hans Immanuel Herbers

    Die Linke zeigt schlicht, was sie wirklich im Kern ist: Im Osten der Traditionsverein der durch Umbenennung kaum vernebelten SED, im Westen das Sammelbecken verhärmter Linksradikaler garniert mit gescheiterten Gewerkschaftern der dritten Reihe und Veteranen der DKP-nahen Vereine früherer Epochen.

    Wer soll denn dieser „Linken“ verhasster sein als Gauck, der alle Versuche des Zukleisterns der SED-PDS-Linkspartei-Linke so wirkungsvoll konterkariert hat? An der Ablehnung der Linken zu scheitern setzt dem ehrenvollen Renomee Gaucks das Sahnhäubchen auf.

  • #13
    Bert

    +++ 17:49 Uhr: In der Linkspartei ist kein Entgegenkommen auf den Kandidaten von SPD und Grünen zu erkennen. Zumindest die Dortmunder Delegierte Mona Bünnemann – mit 19 Jahren eine der Jüngsten in der Bundesversammlung – sagt auch vor dem dritten Wahlgang definitiv: „Ich wähle Gauck nicht.“ +++

    Extrem peinliche Vorstellung der Linken !!!

  • #14
  • #15
    Schuri

    @beate
    Interessanter hinweis.
    Nur so interessehalber: „widersprüche im denken“ von gauss oder gauck?

  • #16
    Detlef Obens

    Die LINKE hat ihren Horizont heute überschritten! Wir sind auf dem Weg zur „alten“ 4-Parteien-Gesellschaft.

    Dieser Tag wird die LINKE spalten! Vorreiter für ein solches Desaster ist mal wieder der Landesverband in NRW!

  • #17
    Schuri

    Wieso soll die Linke fuer einen freiheitlichen Prediger und antikommunisten abstimmen?! Merkwuerdiger ist, dass die fdp (und ost- cdu) gauck nicht die treue haelt. gauck haette so am anfang einer gruen sozial liberalen zusammenarbeit stehen koennen, nun ist die ampel wieder aus, schwarzgelb macht weiter und minderheitsregieren wird ein regelfall.

  • #18
    Hans-Dampf

    Petra Pau hat zu Gauck alles Notwendige gesagt:

    http://www.petrapau.de/17_bundestag/dok/100624_an_gauck.htm

    Die Kandidatur von Gauck zeigt wie sehr sich Rot/Grün nach der Schröder/Fischer Ära erneuert hat – nämlich gar nicht. Es ist gut dass DIE LINKE sich für diese Farce nicht hergibt.

  • #19
    Beate

    Ich habe vorhin im DLF die Diskussion zur Bundespräsidentenwahl 5 Minuten mit verfolgt.

    Die Linken wurden niedergeschlagen.

    Es wird von der Gespaltenheit dieser Koalition abgelenkt.

    Bitte Herr Gauss darf linke Positionen widerlegen.

    Dass tut er aber nicht, er verteufelt die Linken.

    Ich bin eben eine Atheistin.

    Ansonsten hat mich gewundert dass der Freitag und die Taz da mitmachen.

  • #20
    Stefan Laurin

    Die Linkspartei hat jetzt die Wahl die Regierung Merkel zu stützen oder einen Kandidaten zu wählen, der für alles steht was sie hasst: Individuelle Freiheit, wirtschaftliche Freiheit und Aufklärung der SED-Verbrechen. Aus dieser von Gabriel und Trittin gestellten Falle gibt es keinen Ausweg. „The Party Formerly Known As SED“ hat ein Problem. Und sie ist intellektuell nicht in der Lage, es zu lösen. 🙂

  • #21
    dissenter

    Vor einem Jahr wurde schon einmal ein Bundespräsident gewählt, und auch damals gab es eine rot-grüne Kandidatin ohne eigene Mehrheit. Damals hieß es verbreitet, eine Präsidentin von Gnaden der Linkspartei sei der Untergang des Abendlandes.

    Was genau hat sich eigentlich seitdem geändert?

  • #22
    Hans-Dampf

    @ Stefan Laurin,

    tja, aber die Frage ist ob das von ihnen so favorisierte spielen der geschichtspolitischen Karte nicht irgendwann als Bumerang zurück kommt:

    http://npd-blog.info/2010/06/21/zuroff-gauck-kritik-200/

    Aber andererseits, wer das Bombardieren von Zivilisten als Kampf für Frauenrechte begreift, findet die Entwicklung von Gauck auch gar nicht problematisch.

  • #23
    Ich glotz TV

    @ Stefan Laurin

    “The Party Formerly Known As SED”

    heisst es nicht inzwischen richtiger:

    “The Party Formerly Known As SPD”?

    Und warum sollte die Linke Gauck wählen? Gauck ist doch nur ein anderer Neo-Liberaler. Sagen dir die Kommentatoren im Öffentlich-Rechtlichen, nicht irgendwelche vermeintlich Ewig-Gestrige.

  • #24
    Malte

    Meine Gott, wenn ich so durch die Foren und Twitter lese, kann man froh sein das die Wahl eben nicht durch das Volk erfolgt! Das Niveau ist unterste Schublade, deswegen von mir „Glückwunsch Herr Wulff“!

    Ach ja, DIE LINKE singt bei der Nationalhymne nicht mit 😉

  • #25
    Nobbi

    „Wieso soll die Linke fuer einen freiheitlichen Prediger und antikommunisten abstimmen?“

    Damit hätte man Merkel stürzen können, aber soweit „denken“ die Linken ja nicht.

  • #26
    Dienstwaffe

    „Bundespräsi Lammert (…)“
    Pardon, wollte ein bisschen mitspielen; in Eurem intelli Sandkasten. Bin schon wieder weg….

  • Pingback: zoom » Umleitung: Natürlich Wulff, Lammert, Dreimal Drei und Zorn auf die FDP «

  • #28
    vomsehen

    @Ichglotztv:

    absolut richtig. ich bin vergleichsweise nah dran an der linken bundestagsfraktion, uind wenn Gauck seinerseits irgendein Zeichengesetzt hätte, öffentlich aus der Bergpredigt zitiert oder auch nur das Kirchenasyl gelobt – die Stimmung hätte kippen können. Aber Gauck hat all das nicht gemacht, er hat stattdessen sehr herablassend nach links geredet und sich ohne Not ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt, was den Krieg angeht.

    Lustig finde ich Gabriel und Trittin, die heute mehrfch gesagt haben, mit einer Stimme für Gauck hätte die Linke über einen SED-Schatten springen können. So einfach hätten sich das nicht mal die Kollegen vom Friedensforum Hohenschönhausen vorgestellt… Bizarre Rhetorik.

    Gauck steht für Gabriels Hoffnung auf die Bundes-Ampel. Nicht für Rot-Rot-Grün, wie er heute immer wieder behauptet hat.

  • #29
    crusius

    Spiegel online schreibt sich schon mal warm:

    In den Wochen vor der Wahl hatte er [sc. Wulff] bereits über seine Pläne als Staatsoberhaupt gesprochen: Er will eine Denkfabrik gründen und eine Spielecke für seinen zweijährigen Sohn im Schloss Bellevue einrichten.

    Wulff, so steht zu vermuten, ist der erste Bundespräsident, der als Frührentner ins bundespolitische Austragstüberl einzieht. Interessant, wie unsere politische Klasse auf einmal das Problem der work-life-balance für sich entdeckt! Ist es einfach zu anstrengend geworden, uns zu regieren? Das würde zumindest manches erklären.

  • #30
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  • #32
    Nobbi

    Interessanter Artikel:

    http://bundeswulff.wordpress.com/

    Wahl zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland ungültig

    Unsinn oder könnte was draus werden ?

  • #33
    crusius

    @ 32

    Ich bin kein Jurist (Gott sei Dank), aber mein Bauchgefühl sagt mir: „Eher nicht.“ Art. 38 (1) der Verfassung des Landes lautet:

    Der Landtag wählt den Präsidenten, dessen Stellvertreter und die übrigen Mitglieder des Präsidiums. Er gibt sich seine Geschäftsordnung.

    Da steht nirgendwo, wann das zu geschehen hat. Damit greift der ebenfalls zitierte Art. 38 (2):

    Bis zur Wahl des neuen Präsidiums führt das bisherige Präsidium die Geschäfte weiter.

    Verfassungen müssen eine Balance finden zwischen der demokratischen Legitimation von Amtsträgern und der Funktionsfähigkeit des politischen Apparats. Wer sich davon irritiert fühlt, tut besser daran, politisch auf eine Änderung der entsprechenden Artikel der Verfassung hinzuwirken, als anonym Verschwörungstheorien ins Netz zu stellen. Niemand würde dem Gesetzgeber verbieten, Art. 38 (1) dahingehend zu ändern, daß da steht: „Der Landtag wählt in seiner konstituierenden Sitzung den Präsidenten usw.“. So lange das da nicht steht, kann der „tin foil hat“ auch wieder abgenommen werden.

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