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Laschets Moria heißt Marxloh

Map Moria auf Lesbos Foto: Faktengebunden Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) entwickelt bei seinem Fernduell um die Kanzlerschaft mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein ausgesprochenes Talent, ohne jede Not für schlechte Nachrichten und Bilder zu sorgen. Heute musste er einen Besuch im griechischen Flüchtlingscamp Moria abbrechen. Flüchtlinge empfingen ihn mit „Free Moria“-Rufen und hielten ihn für den Bundeskanzler. Ein Amt, von dem Laschet sich jeden Tag weiter entfernt. Ein von Flüchtlingen bedrängter Ministerpräsident der fliehen muss – solche Bilder schaffen wirklich nicht die außenpolitische Reputation, die wohl der Grund für Laschets Besuch in  Griechenland war, sondern  nur ein weiteres Kommunikationsdesaster. Über die Zustände in dem Camp hätte er sich gut vom Außenministerium und Hilfsorganisationen informieren lassen können. Der Besuch auf Lesbos war vollkommen überflüssig. Man fragt sich schon, ob Laschet schlecht beraten wird oder ob Laschet beratungsresistent ist.

Ein Ministerpräsident, auch der eines großen Bundeslandes wie Nordrhein-Westfalen, ist in erster, zweiter und dritter Linie ein Regionalpolitiker, der sich um sein Land zu kümmern hat. Verlässt er dessen Grenze und reist ins Ausland, sollte er Lobbyist für sein Land sein, eine Art Handelsvertreter, der schaut, dass die heimische Wirtschaft mehr Aufträge bekommt. Die Zustände in Moria sind nicht sein Problem, Laschets Moria heißt Marxloh, die Probleme, die er zu lösen hat, liegen innerhalb der Grenzen Nordrhein-Westfalens. Dafür, und nur dafür, wurde er gewählt. Für alles andere, von den genannten Ausnahmen einmal abgesehen, gibt es eine Bundesregierung.

Ministerpräsident Armin Laschet trifft den griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis Foto: Land NRW / Ralph Sondermann

Bleibt zu hoffen, dass der Besuch beim griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis (ND) mehr als ein Fototermin war. Vielleicht hat Mitsotakis Laschet ja erklärt, wie man als Politiker ein Land erfolgreich durch die Coronakrise führt: In enger Absprache mit der Wissenschaft ohne sich als Lockerungsmeister profilieren zu wollen. Niemandem in Europa ist das bislang besser gelungen als den Griechen und Mitsotakis.

 

 

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8 Kommentare zu “Laschets Moria heißt Marxloh

  • #1
    ke

    Volle Zustimmung.
    Im eigenen Land NRW wird wenig umgesetzt. Marxloh ist in vielen Städten, nicht nur in DU.
    Die Corona Regeln gelten in NRW für Teile der Bevölkerung als Option, deren Einhalten sowieso nicht überwacht wird. Die Zahlen sprechen Bände.
    Hier könnte man handeln. Endlich konsistente Regeln schaffen. Eine Strategie verkünden.
    Aber NICHTS.

    Statt in solchen Fällen endlich auch im eigenen Verantwortungsbereich zu handeln, wird ein Ausflug nach Griechenland geplant. Dass die Flüchtlingssituation ein Thema ist, dass auf weltweiter, europäischer Ebene gehört, sollte dem Provinzfürsten klar sein.

    Was für ein Desaster. Ja, die Frage nach den Beratern, Parteistrategen etc. habe ich mir auch aufgestellt. Aber aktuell ist auch im Kommunalwahlkampf der CDU eine extreme Leere zu spüren.

    Die NRW CDU wirkt komplett planlos auf allen Ebenen. Nach dem Lockdown kam wenig. Eine Strategie und konsistente Regelung für hohe Infektionszahlen fehlt immer noch. Der Juniorpartner im Team Laschet hat auch extreme Umsetzungsprobleme.

    Aber gut, dass die Parteien gemerkt haben, dass Ferien sind, dass die Menschen verreisen und dass das zu Corona Problemen führt. Das hätte auch schon Monate vorher passieren können.

  • #2
  • #3
    Robert Müser

    Volle Zustimmung,
    der Fairness halber sei hier der verdienstvolle desinteressierte Einsatz der Madame Saft-Kraftlos, ihres irrlichternen Jägermeisters für nicht vorhandene No-Go-Gebiete wie hier und der unreflektierten Menschenfreunde im grünen Gewande noch erwähnt, der diese bunten Ausstauschort für Kulturen jegliche Art mit haben gedeihen lassen.

  • #4
  • #5
    Susanne Scheidle

    So ähnliche Gedanken sind mir auch gekommen.
    Die Zustände in diesem Flüchtlingslager sind unerträglich, und durch die Pandemie in den Medien in den Hintergrund gedrängt worden, was angesichts der Gefahr, die Corona gerade in solchen desolaten Orten anrichten kann, doppelt tragisch ist.
    Aber Armin Laschet ist nicht der Außenminister, sondern Ministerpräsident eines Landes, in dem die Infektionszahlen gerade wieder besorgniserregend steigen – und zwar womöglich aufgrund von Lockerungen, die er durchaus befürwortet hat. Vielleicht wäre genau jetzt der Zeitpunkt für ein kleines bisschen Selbstkritik. Und vielleicht würde das beim Wähler sogar ganz gut ankommen – und wenn nicht hätte es den Vorteil, dass man sich morgens noch ohne Unbehagen im Spiegel ansehen kann.
    Sein Platz wäre jetzt genau hier in NRW.

  • #6
    Ke

    Nrw hat ca. 11 Fälle im 7 Tage,100.000E Ranking und führt damit mit grossem Abstand.
    Vom MP hörte man lange nichts. Dann dieser Auftritt mit einem sinnfreien Flug in Zeiten des Klimawandels.

    Gutes Regieren geht anders.

    Als chstes Mega Thema wird sicherlich die BL kommen.

  • #7
    A.M.

    Auf dem Dashboard des RKI kann man sich die realen Corona-Zahlen anschauen. Zusammenfassend: NRW mit ungefähr so vielen Einwohnern wie Ostdeutschland (ohne Berlin) hat seit Tagen etwa die 10-fache Zahl an Neu-Infizierten. Und das, obwohl im Ossi-Land angeblich lauter AfD/Pegida/IB…-Corona-Verschwörungstheoretiker wohnen. Das wäre doch mal eine Aufgabe für den Ministerpräsidenten, dafür ist er sogar zuständig.

  • #8

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