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Macron streitet einsam für unsere bürgerlichen Freiheiten

Emmanuel Macron Foto: Gouvernement français Lizenz: CC BY-SA 3.0 fr

In Sachen Freiheitsbegehren waren wir hierzulande schon mal weiter. Vor 50 Jahren haben die 68er das muffige Deutschland durchgelüftet. Oswalt Kolle klärte die Republik auf, die Pille wurde erfunden, der freche Minirock passte trefflich zur Popmusik der Beatles und Stones, Alice Schwarzer stritt mit „Emma“ für die Frauenemanzipation. Von unserem Gastautor Von Wilhelm Klümper.

Es herrschte ein Klima der geistigen Freiheit, der offenen Debatte, der Provokation. Dabei wurde selbstverständlich auch die Religion nicht verschont. Der Papst wurde als „Pillen Paul“ von Schülerzeitungen verhöhnt. Die Satire-Zeitschriften „Titanic“ und „Pardon“ überschütteten in Wort und Karikatur Papst und Bischöfe mit atemberaubender Häme.

50 Jahre später wird ein Lehrer in Frankreich geköpft, nur weil er im Unterricht über Mohammed-Karikatur diskutiert. Der Karikaturenstreit und die Empörung unter den Muslimen begann vor 15 Jahren, als in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten Mohammed mit einer Bombe unterm Turban abdruckte. Eigentlich ein satirisch trefflich überzeichnetes Bild für eine Religion, in deren Namen ein Kreuzzug gegen die aufgeklärte westliche Welt geführt wird.

Über derartige Karikaturen müsste eigentlich im 21. Jahrhundert – nach der Französischen Revolution vor 230 Jahren und den bewegten 68ern – allenthalben geschmunzelt werden können. Weit gefehlt. Unser finsteres christliches Mittelalter mit Hexenverbrennung und Verfolgung freiheitlicher und aufklärerischer Ideen erlebt in Teilen des Islams eine Renaissance: Frauen werden dort im Namen der Religion unter die Burka gezwungen, Homosexuelle und Ehebrecher gesteinigt. Redakteure der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ werden von islamistischen Eiferern niedergemetzelt. Und in Manhattan, Madrid, London, Djerba, Berlin, Nizza, Dresden etc. müssen Menschen durch den Terror fanatischer Islamisten sterben.

Es ist geistig und intellektuell eine regelrechte Zumutung für jede freie Bürgergesellschaft, sich überhaupt mit irregeleiteten religiösen Eiferern auseinandersetzen zu müssen. In Europa sind mit Blut und Tränen der nach Freiheit dürstenden Bürger die finsteren klerikalen Mächte des Mittelalters vertrieben worden. Seitdem sind Religion oder auch Nichtglauben reine Privatsache, mehr nicht. Unsere demokratischen Wurzeln sind nicht das Christentum, sondern die Prinzipien der Aufklärung seit der Französischen Revolution.

Es ist wieder Frankreich, das sich heute beherzt gegen den religiösen Terror der Islamisten entgegensetzt. Ja, es ist für jeden Demokraten selbstverständlich, dass Macron den Religionskritikern ein Recht auf Blasphemie einräumt. Dafür bekommt er den ganzen Hass der islamischen Welt zu spüren. Erdogan bezeichnet ihn sogar als psychisch krank.

Wo bleibt angesichts dieses Terrors gegen Macrons Frankreich der Aufschrei in Europa? Von der Leyen, Merkel? Funkstille. Wo sind in Deutschland die Massendemos von Linken und Grünen, die doch ach so stolz auf ihre 68er Veteranen sind? Wo sind die Liberalen, die sich in Festtagsreden für die Trennung von Religion und Staat einsetzen? Und eigentlich könnten sich angesichts des religiös motivierten Terrors ja auch Vertreter religiöser Gemeinschaften – allen voran der Islam im Schulterschluss mit dem Christentum – lautstark und ohne Wenn und Aber für unsere bürgerlichen Freiheiten einsetzen.

Es ist beschämend, wie feige und verdruckst Macron vom angeblich so aufgeklärtem Europa im Stich gelassen wird. Man mag sich kaum vorstellen, was von unserer freiheitlichen Demokratie in 50 Jahren noch übrigsein wird, wenn wir uns weiterhin hasenfüßig den Befindlichkeiten religiöser Eiferer unterwerfen.

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7 Kommentare zu “Macron streitet einsam für unsere bürgerlichen Freiheiten

  • #1
    thomas weigle

    Als Abonnent der ersten Stunde weiß ich, dass die Titanic erst im Spätsommer 79 auf dem Satiremarkt erschien, u.a. mit einer Eloge auf den SGE-Stürmer Cha-Bum. Lediglich sein Engagement in Sachen DerdaOben wurde kritisch angemerkt.

  • #2
    belphegor

    Die Titanic erschien exakt im November 1979 zum ersten Mal. Zum Besuch des Papstes Wojtyla befleißigte sie sich extremer antireligiöser Satire, auch später noch (Jesus am Kreuz: "Ich war eine Dose"). Das hatte Murren zur Folge, auch einmal einen Prozess, aber an Mord und Totschlag dachte keiner. – Umso größer meine Enttäuschung, als die Redaktion auf ihrer Online-Seite einen matten Scherz über schwule Kardinäle platzierte. Wenn man schon den Islam verschont – was ich verstehe, ich habe meinen Kopf auch lieber auf den Schultern -, sollte man aus Gründen der Selbstachtung auch die christlichen Kirchen in Ruhe lassen.

  • #3
    Thomas Wessel

    Macron kämpft einsam, ja. Was die französische Gesellschaft gerade macht, ist groß, ja. Aber im Moment erlebt kein „unser finsteres christliches Mittelalter …eine Renaissance“ – der Satz oben ist ein Widerspruch in sich, war die Renaissance „finster“? Was die Killer zitieren, ist die Aufklärung: Allein in Paris wurden – Franzosen wissen es – mehrere Tausend Köpfe „abgeschnitten“, die Guillotine stand im ganzen Land. Der letzte, der enthauptet wurde – das war 1977, also fast schon postmodern – war wie der Killer von Nizza ein Tunesier.

    Das ist Zufall, klar, und ist es nicht. So oder so macht es die Erinnerung daran erheblich schwieriger, diese Art von Terror einzuordnen – und macht die Reaktion der französischen Gesellschaft umso größer: Sie kämpft gegen kein „Mittelalter“. Es so zu analysieren, wäre pure Verniedlichung.

  • #4
    Heinz-Walter Lukas

    Leute, lest doch bitte den Koran, oder wenn Euch das zu wirr ist, wenigstens die Lebensgeschichte Mohammeds. Da steht doch alles ganz offen drin. Wenn sich in Deutschland eine Organisation mit solchen Zielen und Inhalten wie dem Islam NEU gründen würde, wäre sie sofort verboten. Sie widerspräche einfach unseren Grundrechten. Der Islam kennt nur zwei Gruppen von Menschen: Gläubige und Ungläubige. Letztere sind entrechtete Wesen und den Tieren näher als den Gläubigen. Schaut einfach in beliebige islamische Staaten und fragt Euch, ob ihr dort leben möchtet.

  • #5
    Thomas Schwarz

    Ach, Herr Lukas…. Ich finde es ausgesprochen schade, dass Sie sich in einem solchen Blog auf so ein niedriges Niveau herunter begeben. Ich schätze die Arbeit der Ruhrbarone, teile nicht immer die Meinungen, die hier vertreten werden und habe bisher noch nie selbst kommentiert. Aber wenn ich Ihren Post lese, frage ich mich, ob Sie a) ein Bot sind oder b) einfach ein Ignorant. Ich war x-Mal in Pakistan, in Bangladesh und anderen muslimischen Staaten. Ich bin katholisch sozialisiert, im Rheinland obendrein, und so ist der Islam für mich vermutlich nicht das Richtige.
    Über alle Religionen kann man streiten; natürlich auch über "den Islam", den es ohnehin genau so wenig gibt wie "das Christentum", auch nicht "den Buddhismus".
    Was man aber m.E. nicht darf: Vorzugeben, man kännte den Koran und daraus gleich die Schlussfolgerung für andere mitliefern – ohne auch nur eine These zu belegen.
    Ich bedauere irgendwie, dass es die Undifferenzierten und Plakativen nun offenbar auch auf Seiten wie diese "gescahfft haben".

  • #6
    Wolfram Obermanns

    Um an der Debatte über Islam und Islamismus teilnehmen zu können, ist die Lektüre des Koran sicher eine wichtige Grundlage.
    Empfehlenswert ist Ausgabe des "Study Quran" mit Anmerkungen, die das Gelesene erst verständlich machen. (Etwas Vergleichbares liegt auf Deutsch leider noch nicht vor.)
    Denkt man dann die Anmerkungen wieder weg, kann man nachvollziehen, wie Islamisten und Islomophobe sich ihre Glaubenswelten jeweils zusammen zimmern.
    Um in Abgrenzung dazu den Islam zu verstehen, muß man dann noch wissen, was das mit der Sunna zu tun hat, oder eben gerade nicht zu tun hat.

    Wie bei jedem religiösen Kontext ist das Gesamtbild für alle Beteiligten (Gläubige und Andersgläubige) komplex. Für eine Glaubensgemeinschaft einer Schriftreligion mit auffällig geringer Alphabetisierungsquote sind die Probleme dabei natürlich enorm. Außerdem kann es nicht wirklich verwundern, wenn in so einem Umfeld als Einäugige unter Blinden selbst Flachdenker mit rudimentären Leseverständnis reüssieren können.

  • #7
    Boris Mercelot

    Der Titel kann nur reine Ironie sein!

    Wer sich bemüßigt fühlt kann ja mal recherchieren (suchen nach Informationen – franz. Fremdwort) wie dieser Präsident sich für die bürgerlichen Freiheiten in seinem Land eingesetzt hat:

    – brutale Niederschlagung der gilets jaunes (Gelbwesten)
    – weitreichende Aufweichung der Arbeitnehmerrechte
    – wiederholte mehrwöchige Ausgangssperre für die Bürger seines Landes

    Bon voyage.

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