14

Medienforum: Mich stören ganz andere Dinge an den öffentlich-rechtlichen Sendern

Gerade habe ich bei Jens im Pottblog das Video der Eklat-Diskussion auf dem Kölner Medienforum gesehen. Was mich an den Sendern stört sind ganz andere Dinge.

Medienforum Köln: Monika Piel (WDR), Anke Schäferkordt (RTL) und Jürgen Doetz (VPRT) diskutieren mit Richard Gutjahr. Alles schon hundertmal gehört: Die Sender sind ihrem Publikum gegenüber nicht offen genug, sie nutzen die Möglichkeiten von Facebook und Twitter nicht. Gutjahr provokant, Piel und Doetz beleidigt. Eine nette Show, mehr nicht.

Meine Probleme mit den Sendern sind ganz andere. Erstklassige Reportagen sind zum Beispiel auf den öffentlichen-rechtlichen Sendern rar geworden. Habt ihr im vergangenen Jahr die KiK-Story gesehen? Eine phantastische Reportage über den Ramsch-Konzern und die Bedingungen, wie seine Klamotten in Bangladesh produziert werden. Ganz großes Kino. Eine teure Reportage, aufwendig, zeitintensiv, investigativ, mutig – genau das, wofür ich gerne Gebühren zahle. Aber wie oft sehe ich so etwas? Ob der Autor der Story, Christoph Lütgert, twittert oder nicht, ist mir doch egal – solange er solche Geschichten macht.

Aber anstatt die Gebührengelder für solche Stücke auszugeben, gibt es dümmliche Gameshows, strunzlangweilige Talkshows mit immer den gleichen Gästen, Hofberichterstattung und viel zu viele abgefilmte Pressemitteilungen. Überhaupt PR: Der WDR zum Beispiel ist viel zu oft Medienpartner bei irgendwelchen Veranstaltungen – und fällt dann nicht gerade durch kritische Berichterstattung auf. Die Loveparade ist dafür nur ein Beispiel.

Über die Qualität des Online-Auftritts mag man gar nicht reden. Wer jeden Tag zahlreiche Pressemitteilungen bekommt, findet etliche davon auf der WDR-Internetseite fast unverändert wieder. Wozu wird dafür Geld ausgegeben?

Jetzt kann man sagen, das machen private Medien auch. Stimmt – aber die werden nicht durch Gebühren zwangsfinanziert. Wenn mir die Qualität einer Zeitung nicht passt, kaufe ich sie einfach nicht mehr. Wenn mir die Qualität des WDR  nicht passt und ich ihn nicht mehr einschalte, zahle ich trotzdem.

Die hohe Trash-Quote, die oft miese Qualität, die für die Gebührenmilliarden abgeliefert wird, ist doch das Problem der Sender. Ob sie diesen Trash dann via Twitter und Facebook verbreiten, finde ich eigentlich belanglos.

RuhrBarone-Logo

14 Kommentare zu “Medienforum: Mich stören ganz andere Dinge an den öffentlich-rechtlichen Sendern

  • #1
  • Pingback: Blogposting 06/21/2011 « Nur mein Standpunkt

  • #3
    Julius

    Und dann wird Gutes (ob Unterhaltung oder Information) meist irgendwo im Nachtprogramm versendet oder zusammenhanglos ausgestrahlt (wo gab es denn einen Talk mit den üblichen Marktradikalen nach der KiK-Story?) und Schlechtes wird einem weiter vor den Latz geknallt nach dem Motto „wir wissen schon, was ihr fressen sollt“. Gutjahr hat schon Recht: Das ist Elfenbeinturm und die paar kritischen Formate scheinen den oberen fast selbst schon peinlich – Silbereisen 24/7 wär halt bequemer. Kein Wunder, daß sich die Fernsehmacher nicht anhören wollen, was die Konsumenten denken.

  • #4
    Barbara Underberg

    Es gibt einige gute Sendungen, die die Privaten nie machen würden: „Die Story“, „Menschen hautnah“, „37 Grad“ usw.. Davon hätte ich auch gern mehr. Christine Neubauer allerdings kann RTL geschenkt haben.

  • #5
    teekay

    Ich will gar nicht zu sehr OER-Bashing betreiben, aber ein grosses Problem ist, dass noch immer so getan wird, als waeren Fernsehsender DAS Medium fuer die ganze Bevoelkerung. Das ist doch Quatsch. Ein signifikanter Anteil von Buergern hat doch kaum noch eine Beziehung (wenn man juenger als ~50 ist). Natuerlich schaut man manchmal die Tagesschau-aber eben auch Jon Stewart im Internet, Mad Men auf DVD und hoert Deutschlandradio-oder man schaut RTL und liest Gratiszeitungen. Natuerlich wird man immer mal wieder eine interessante Sendung finden und ja, Wetten, Dass…? oder Fussball schauen doch auch ein paar mehr Leute aber im Grossen und Ganzen rechtfertig die Zuschauerstruktur keine Haushaltsabgabe. Und dann dieses dauernde Geschwurbel von der ‚Demokratie‘-als ob man durch ARD und ZDF zum muendigen, aufgeklaerten Staatsbuerger wuerde. Aber solange es Mrd an Zwangsgebuehren gibt wird sich doch da nichts aendern-warum auch, man kann ja nichts dagegen machen…

  • #6
    der, der auszog

    Fernseh und Rundfunkprogramme werden sich nur verbessern können, wenn die entsprechenden Aufsichtsgremien der Sendeanstalten ausgemistet werden, denn die bestimmen letzendlich, wer bei den Sendern was bestimmen darf.

    Der Sinn, oder besser Unsinn von solchen Gremien zeigt sich schon darin, dass sie auf der einen Seite einen Querschnitt der Bevölkerung wiederspiegeln sollen, zum anderen aber mit 50% mit Staatsvertretern besetzt sind. Die Bevölkerung der Bundesrepublik besteht allerdings nicht zur Hälfte aus Politikern. Warum werden solche Gremien mit Politikern besetzt? Warum mit Gewerkschaftern und Kirchenvertretern? Warum sitzen dort keine Künstler, Journalisten, Filmemacher, Wissenschaftler oder Medienexperten?

    Diskussionen, wie beispielsweise im Zusammenhang mit der Personalie Nikolaus Brender, über den Sinn von Fernsehverwaltungsräten, Medienräten, Rundfunkräten und wie sie sonst noch alle heißen, werden leider immer viel zu kurz und vor allem viel zu selten geführt. Beim Westdeutschen Rundfunk beispielsweise ist eine solche Diskussion, wie jüngst beim ZDF mehr als überfällig.

  • #7
    marc

    und dann wird Christoph Lütgert von Jahr zu Jahr besser, oder liegt es daran, das er seit 2010 nicht mehr beim NDR ist ….

    die AWD Geschichte ist doch hochexplosiv. Ob es die auch vor 2010 gegeben hätte. Jetzt ist er ja nur freier Mitarbeiter ;-).

  • Pingback: zoom » Umleitung: Für dieses Tohuwabohu gibt es keine Überschrift. «

  • #9
    Olga

    Ich will meinen ComputerClub wieder, die KiK-Story interessiert mich einen Scheißdreck.

  • #10
    Helmut Junge

    Stefan, hier sprichtst Du mir voll aus der Seele, nur, daß ich mich in diesem Fall noch viel mehr ärgere, als Du. Was ja selten vorkommt. Das Fernsehen verblödet, statt den vorgegebenen Bildungsauftrag zu erfüllen.
    Die Qualitätseinbuße kommt automatisch, wenn man auf Einschaltquoten schielt.
    Die öffentlichen Sendeanstalten würden vermutlich gerne so sein, wie z.B RTL,
    haben auch das Programm auf die fast gleiche Anspruchslosigkeit heruntergefahren, oder sagen wir besser, daß sie daran arbeiten, aber wirkliche Erfolge haben sie auch in dieser Richtung nicht.
    Der Markt ist im Schwachsinnssektor eben auch limitiert und die Konkurenz dort besonders groß.
    Aber um eine gute Sendung zu machen, die es ja gelegentlich bei Arte, Phönix usw. gibt, benötigt man auch intelligentes Personal. Für die scheint aber der Geldtopf, nach Abzug der unglaublichen Einkommen der Spitzenkasper in den Hauptsendern, nicht mehr zu reichen.

  • #11
    gerdos

    Die Journalisten der ö.r. Bildmedien sind völlig kritikresistent (Plasberg, Maischberger, Will). Es tut daher gut, diesen Text hier zu lesen.

    Selbst die „Aktuelle Stunde“ kommt immer mehr auf den
    Hund und bemüht sich, RTL-II nachzueifern. Zum festen Bestandteil der Nachrichten-Sendung gehört neuerdings eine Reportage über die Freizeitaktivitäten der Moderatoren. Zuletzt sah ich eine Geisterbahnfahrt von zwei weiblichen Stamm-Moderatorinnen als versteckte Werbung für einen kommerziellen Freizeitpark verpackt. Auch ein Koch-Block ist jetzt fester Bestandteil dieses angeblichen Informationsformats. Die Spassgesellschaft ist auch hier auf dem Vormarsch.

  • Pingback: Die Presseschau vom 22. Juni 2011 | politikblog.org

  • #13
    Mir

    Investigativer Journalismus kostet nicht nur Zeit auch Geld.

    Wenn man nicht gerade ein Fachmann für ein bestimmtes Thema ist, oder Berater hat oder besondere Kontakte hat, ist eine Recherche nötig. Aber das kostet: zeit nehmen, hinfahren, recherche, spesen….evtl alles noch mal und zu Zweit….

    Unabhängigkeit ist erstrebenswert, aber bringt nicht unbedingt guten Journalismus hervor. Ich bin jedesmal erstaunt wie die ruhrbarone stolz bekunden aus Leidenschaft zu schreiben, und kein Geld zu nehmen. Aber auch sein Hobby muss man finanzieren können. Eine zweit oder drittverwertung ist das was es ist.

    Ich sehe es auch wie #5, Fernsehen wird in Zukunft immer unwichtiger. Ich teile aber auch die Kritik bei #10. Die öffentl.-rechtlichen werden (gemutmaßt) aber noch einige Jahrzehnte dringend gebraucht für seriöse Unterhaltung und Bildung! Für Qualität muss man zahlen.

  • #14
    Vera Bunse

    Richard Gutjahr hat, glaube ich, was ganz anderes gemeint: Die Nutzung von Twitter und Facebook zu Recherchezwecken oder, noch wichtiger: als Rückkanal, mit dem sich wunderbar mit den Höreren/Zuschauern/Lesern kommunizieren kann. Bestes Beispiel: @ZDF_online.

    Zum Recherchieren: Viele Dinge würde ich ohne Twitter gar nicht oder erst sehr viel später mitkriegen. Meine sorgfältig gepflegte Twitter-Timeline mit vielen Journalisten, die für internationale Sender in verschiedenen Ländern arbeiten und Kurzmeldungen von dort senden, sorgt für aktuellste Info. Viele als zuverlässig bekannte Twitterati tragen bei. Ich warte nicht mehr, bis etwas über dpa kommt oder nach Stunden in der Tagesschau. Klappt bestens.

    Man darf allerdings nicht meinen, es passiert etwas nachrichtlich Interessantes, so, ich schalte jetzt mal Twitter ein und bin prima informiert – das muss man sich aufbauen. Ehe man sich darauf verlassen kann, vergeht ein halbes bis ein Jahr. Ebenso hat man auch bei Facebook nicht auf Anhieb seine Kontakte. Wer erst ‚einschaltet‘, wenn ein Ereignis eintritt, geht leer aus. Oder urteilt so unwissend wie Frau Piel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.