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Medienhaus Bauer übergibt an Lensing Media

Lensing Carée als Hauptsitz der Ruhr-Nachrichten Foto: Lucas Kaufmann Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das in Marl ansässige Medienhaus Bauer  (Marler Zeitung, Recklinghäuser Zeitung) soll von dem Dortmunder Medienunternehmen Lensing Media (Ruhr-Nachrichten) übernommen werden. Auf Anfrage dieses Blogs teile Lensing Media mit:

„Das Medienhaus Bauer (Marl) möchte in den nächsten Wochen sämtliche seiner Gesellschaftsanteile an Lensing Media (Dortmund) übergeben. Das Thema liegt zur Prüfung beim Bundeskartellamt. Vor einer erhofften Freigabe können wir uns nur allgemein zu dieser Absicht äußern.“

Verleger Lambert Lensing-Wolff in einer Pressemitteilung zu den künftigen Zielen:

„Wir wollen die Transformation der Medienhäuser mit vereinten Kräften erfolgreich vorantreiben. Unser Ziel ist es, jeden Menschen in der Region mindestens einmal täglich mit einem Print oder Digitalprodukt oder einer Dienstleistung zu erreichen.“ 

Lensing ist bereits seit 1975 ist an Bauer beteiligt.

RuhrBarone-Logo

19 Kommentare zu “Medienhaus Bauer übergibt an Lensing Media

  • #1
    Robin Patzwaldt

    Wow! Meine Eltern lesen noch täglich die Printausgabe der ‚Waltroper Zeitung‘. Da war zuletzt schon auffällig, wie dünn das Angebot geworden ist. Da stand kaum noch etwas Lesenswertes drin, was selbst produziert wurde. Diese Nachricht schockt mich dann jetzt aber doch etwas. Alles Gute den Kollegen dort. Klingt nach weiteren Sparmassnahmen für die Lokalzeitungen von Bauer.

  • #2
    Walter Stach

    Robin,
    bedeutet das dann auch zwangsläufig das Ende der Waltroper – Zeitung (der Recklinghäuser-Zeitung, der Dattelner-Morgenpost pp.)?

    Ich gehe davon aus. Zumindest das Ende der derzeit noch eigenständigen Lokal-redaktion in Waltrop -und….- ist zu befürchten.

    Sehr bedauerlich, weniger für mich als Leser der Printausgabe ,viel mehr für die betroffenen Redakteure und -.aus meiner Sicht- bedauerlich für die Quantität und die Qualität der Information und der Kommunikation der Bürgerschaft, nicht nur im politischen, sondern auch im kulturellen sportlichen, sozialen Leben der Menschen in der Stadt.

    Ich schließe allerdings nicht aus, daß mein persönliches Bedauern zu tun hat mit meiner lebenslangen Gewohnheit, eigenständige Lokalredaktionen als wichtige Informationsquellen in meinem politischen, kulturellen, sportliche , sozialen Leben als Bürger der Stadt wahrzunehmen, zu nutzen und von ihrer Arbeit zu profitieren. Sie waren selbstverständliche Bestandteile meines Dasein .
    Daraus folgt, daß ich mich -wohl oder übel- jetzt mehr denn je damit auseinander zu setzen, habe, daß diese meine Einstellung zur örtlichen Tageszeitung, zu eigenständigen Lokalredaktionen die eines alten Mannes sein dürfte, die nicht kompatibel ist mit dem wie und durch und für wen heutzutage Informationen bereitgestellt werden und wie in allen Lebensbereichen heutzutage mehrheitlich miteinander -ohne journalistische "Aufbereitung"- kommuniziert wird -sh. vor allem durch die und in den von mir sog. a-sozialen Netzwerke-. Das geschieht, ua. jetzt und hier aufgrund der Meldung und Deines kommentierenden Beitrages dazu.

    Robin,
    "ett iss wie ett iss" und es "kütt wie ett kütt".

    PS
    Robin,
    Du hast an anderer Stelle hier bei den Ruhrbaronen heute Kritisches zur bevorstehende Kommunalwahl in Waltrop und zu dem aus Deiner Sicht bisher kaum wahrzunehmenden Wahlkampf gesagt.

    "Zu meiner aktiven Zeit" als Lokalpolitiker (der SPD) waren die Lokalredaktionen der WAZ und der Waltroper-Zeitung wesentliche (!!) Akteure im Wahlkampf, was vor allem das Interesse an der Wahl und folglich die Wahlbeteiligung befördert hat; dann und wann waren die unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Meinungsbeiträge der "Lokalchefs" von WAZ und Waltroper sogar "wahlentscheidend". Mangelte es bereits in der jüngeren Vergangenheit an diesem "Salz in der Suppe" der kommunalen Wahlkämpfe, ja der Kommunalpolitik überhaupt -Personaleinsparungen, Reduzierung der Seitenzahl-? Und gibt es dieses Salz in Zukunft gar nicht mehr?

    Robin,
    "die junge Garde" in der Kommunalpolitk sieht das wahrscheinlich völlig anders, was ich vor allem dann wahrnehme, wenn ich gesagt bekomme: "Walter, wir brauchen weder für die Information noch für die Kommunikation hier vor Ort Printmedien , gestaltet und verantwortet von eigenständigen Lokalredaktion." Ob die von mir prognostizierte sehr geringe Wahlbeteiligung bei der bevorstehenden Kommunalwahl -BM, Rat, Landrat, Kreistag, Verbandsversammlung RVR– zu tun haben könnte mit einem Wahlkampf, der sich von mir bisher primär nur noch via Internet wahrnehmen läßt und der sich primär bisher in den sog. sozialen Netzen abzuspielen scheint? Abwarten. Ich hoffe, daß sich in Sachen Wahlkampf in Waltrop in den verbleibenden Wochen doch noch Einiges außerhalb des Internets und jenseits der sog. a-sozialen Netzwerke tun wird -auch mit Unterstützung der Waltroper-Zeitung. Das könnte m.E. zumindest bei der "Generation 65 plus" deren Interesse, deren Engagement im Wahlkampf und der Wahlbeteiligung "befördern".

    Diese Nachbetrachtung nur nebenbei. In der Hauptsache gilt meine Besorgnis bei einer angenommenen Reduzierung oder gar Schließung der örtlichen Redaktion der Waltroper Zeitung den betroffenen Redakteuren und ihrer Mitarbeiter (Innen), die im Falle eines Falles "nicht ins Bergfreie fallen" sollten.

  • #3
    heinz strangarits

    danke herr bauer wir sind zeitungsboten der recklinghäuser zeitung.danke für die information ,bei ihrer mutter währe das nich vorgekommen

  • #4
    Robin Patzwaldt

    @Walter: Ich verfüge da auch (noch) über keine näheren Infos, was die Zukunft der Waltroper Zeitung betrifft. Ich war selber erstaunt über Stefans Infos hier im Blog heute. Meine diesbezüglichen Befürchtungen sehen ähnlich aus wie deine.

    Auch deine Einschätzungen über die Rolle der Lokalzeitung im aktuellen Wahlkampf teile ich. 2014 hat ja noch Bernd Overwien für etwas Schwung durch seine Berichte im Lokalteil gesorgt. Aktuell ist da nichts mehr von übrig geblieben.

    Dass das Internet diese Rolle jetzt schon einnehmen kann, glaube ich in dem Falle nicht. Meine Beobachtung ist da eher, dass die Parteien ihre dortigen Kanäle in erster Linie für eine Versorgung der Mitglieder und Konkurrenten nutzen. Bürger erreicht man dort kaum. Dazu sind die Zahlen der Follower einfach viel zu gering.

  • #5
    Philipp

    Kann es nicht einfach sein, dass Bauer keine eigene Digitalentwicklung will/kann und angesichts des absehbaren Endes der gedruckten Tageszeitung deshalb das ganze Geschäft an Lensing (und seinen neuen Media Port) abgibt?

  • #6
    Philipp

    @Walter der Aussage "wir brauchen weder für die Information noch für die Kommunikation hier vor Ort Printmedien , gestaltet und verantwortet von eigenständigen Lokalredaktionen." kann man ruhig widersprechen.

    Wir brauchen auch Stadtplaner, Kinderärzte und Grundschullehrer und keiner zweifelt deren Notwendigkeit an.

    Dass die Leute im Internet Informationen für lau erwarten, nun ja, ich würde sagen, viele würden auch bei ALDI rein- und rausgehen ohne zu bezahlen. Man muss sie halt daran hindern.

    Und für die Leute, die hier im Blog mal Journalisten mit Bergleuten verglichen haben: Der Vergleich hinkt gewaltig. Die schwarzen Klumpen aus der Erde reißen und verbrennen war ja kein Selbstzweck, sondern diente der Stromerzeugung. Und die haben wir immer noch, nur halt aus Wind und Sonne.

    Genauso ändern sich im Journalismus Formate und Methoden, das Internet erlaubt Videos, Rückverlinkung, hebt Zeilenbegrenzungen auf und bietet Podcast für lange Autofahrten. Nur die Stromerzeugung, d.h. der Journalismus bleibt.

    Ohne schwarze Kohle braucht es immer noch Strom, und ohne schwarze Tinte auf Papier braucht es immer noch Journalismus,

    Jetzt und in 100 Jahren.

  • #7
    Werner Arndt

    Der Tag beginnt für mich stets mit einer guten Tasse Kaffee und der Marler Zeitung. So kenne ich das seit meiner Jugend. Schon meine Eltern lasen die MZ. Nicht jeder Artikel findet meine ungeteilte Zustimmung, aber seit vielen Jahren bin ich Abonnent der Lokalzeitung und möchte ungern darauf verzichten. Digitale News lese ich auch, klar. Ich brauche aber die Printversion in meiner Hand! Marl ohne Marler Zeitung wäre für mich ein wenig wie Rheinland ohne Karneval.

    Jetzt berichtet dieser in der Regel gut informierte Journalisten-Blog von einer Nachricht mit Tragweite auch für Marl. Das wirft für mich als Leser und als Bürgermeister viele Fragen auf.
    Welche Auswirkungen das auf die zahlreichen Arbeitsplätze (Druckerei, Vertrieb, Boten, Redakteure etc). Welche Auswirkungen hat dies die journalistische Meinungsvielfalt? Was wird aus den Lokalredaktionen? Wurden die Mitarbeiter*innen des Medienhauses bereits in Kenntnis gesetzt über diese unternehmerische Absicht?

    Bleibt zu hoffen, dass bei der geplanten "Transformation der Medienhäuser" nicht zu viele Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben. Interessant auch, dass in den örtlichen Lokalzeitungen des Medienhauses Bauer noch nicht offiziell berichtet wurde. Gerüchte gab es zuletzt aber einige. Danke für eure Recherche!!

  • #8
    Berbd Overwien

    Ich weiß im Moment noch gar nicht was ich sagen soll. Die Nachrichten meiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen nach der jüngsten Betriebsversammlung muss ich nach gut 45 Jahren Bauer-Verlag erst einmal verdauen. Es ist nicht so, als hätte ich nicht damit gerechnet. Eines Tages. Aber wenn es dann eintritt, ist unsereiner doch schockiert. Die Lokalredaktion ist die Perle des Journalismus. Nirgendwo bekommst du als Redakteur so viel Feedback auf deine Arbeit. Soviel Inspiration auch. Ich habe in den 70er Jahren acht Jahre in der Lokalredaktion der "Waltroper" gearbeitet , zuvor schon drei Jahre bei WAZ und Ruhr-Nachrichten in Waltrop. Und dann, wie der nie erwartete Zufall es wollte, ab Ostern 2014 noch einmal drei Jahre bei der "Waltroper". Das waren jeweils unfassbar spannende Zeiten. Ich könnte ein sehr individuelles Waltrop-Buch schreiben….

  • #9
    Walter Stach

    Werner Arndt,
    ich kann nachvollziehen, daß für Dich als Bürgermeister der Stadt Marl die Übernahme von Bauer Marl durch Lensing Dortmund brisanter ist als für mich, der nur Leser eines Printmediums aus dem Hause Bauer ist.
    Bin gespannt, wie es weitergeht.
    Ich denke, alle Blogger/Leser der Ruhrbaronen wären -wie ich -Dir dankbar, wenn Du uns als BM der Stadt Marl hier m Blog über Deine jeweils neuesten Kenntnisse/Erkenntnisse auf dem Laufenden halten würdest.

  • #10
    Werner Arndt

    Ups, war wohl die Hitze. Der Text wurde fehlerhaft von mir eingestellt:

    Der Tag beginnt für mich stets mit einer guten Tasse Kaffee und der Marler Zeitung. So kenne ich das seit meiner Jugend. Schon meine Eltern lasen die MZ. Nicht jeder Artikel findet meine ungeteilte Zustimmung, aber seit vielen Jahren bin ich Abonnent der Lokalzeitung und möchte ungern darauf verzichten. Digitale News lese ich auch, klar. Ich brauche aber die Printversion in meiner Hand! Marl ohne Marler Zeitung wäre für mich ein wenig wie Rheinland ohne Karneval.

    Jetzt berichtet dieser in der Regel gut informierte Journalisten-Blog von einer Nachricht mit Tragweite auch für Marl. Das wirft für mich als Leser und als Bürgermeister viele Fragen auf.

    Welche Auswirkungen das auf die zahlreichen Arbeitsplätze (Druckerei, Vertrieb, Boten, Redakteure etc.) des Medienhauses in Marl und dem Kreis RE? Welche Auswirkungen hat diese Entscheidung auf die journalistische Meinungsvielfalt? Was wird aus den bewährten Lokalredaktionen? Wurden die Mitarbeiter*innen des Medienhauses bereits in Kenntnis gesetzt über diese unternehmerische Absicht?

    Bleibt zu hoffen, dass bei der geplanten "Transformation der Medienhäuser" nicht zu viele Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben. Interessant auch, dass in den örtlichen Lokalausgaben oder im Mantel des Medienhauses Bauer noch nicht offiziell berichtet wurde. Gibt es dafür einen Grund? Gerüchte zum Thema gab es zuletzt aber einige. Danke für eure Recherche!!

  • #11
    Dieter Krause

    Der Kreis Recklinghausen ohne Recklinghäuser Zeitung macht nicht nur die Macher und Abonnenten/ Leser ärmer. Die Stadt der Ruhrfestspiele verliert ein "eigenes" Sprachrohr und Aushängeschild, an Identifikation und insgesamt weiter an Profil. Nicht gut. Nicht hilfreich für ohnehin schon negative strukturelle wirtschafts- und stadtpolitische Prozesse. Ich drücke die Daumen für die Bauer-Belegschaft.

  • #12
    Walter Stach

    BO
    Freut mich, ‚mal wieder von Dir zu hören, auch wenn der Anlass ein betrüblicher ist. Oder siehst Du Gründe, die dafür sprechen könnten, daß "Alles nicht so schlimm kommen wird, wie zu befürchten"?
    Schlimm vor allem für die Mitarbeiter vor Ort.
    Grüße
    Walter

  • #13
    Peter Gesser

    Ich glaube nicht daran, aber ich hoffe, dass uns die Lokalredaktionen erhalten bleiben. Selbst wenn die Zahl der Abonnenten und die Auflage immer geringer werden, waren diese Redaktionen doch ein Teil unserer Meinungsvielfalt.

    Bleibt zu hoffen, dass die neue Ausrichtung auch die Digitalisierung ernster nimmt.

  • #14
    Robin Patzwaldt

    @Walter: Negative Veränderungen waren ja schon länger zu beobachten. Wesentlich weniger selbstproduzierter lokaler Inhalt, weniger Meinung, mehr simple Pressemeldungen und sonstige Banalitäten (Leserfotos etc.). Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die zuletzt übelst über die Lokalzeitungen von Bauer geschimpft haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht besser werden wird, egal was nun folgt. Der Sparkurs wird sich fortsetzen und die Auflagenzahlen weiter sinken. Mich würde eine Redaktion Ostvest, wie es sie früher auch bei der WAZ gab, nicht wundern. In der Praxis gab es solch untereinander ausgetauschte Berichte mit Datteln usw. für uns in Waltrop ja schon länger. Auch das hat den Lokalteil nicht gerade attraktiver gemacht.

  • #15
    abraxasrgb

    Werner Arndt, interessante Koinzidenz.

    Überregional habe ich Sie in einer sehr interessanten Pressemeldung diese Woche zu einem Projekt der ökologisch-ökonomisch-sozialen Zukunft Marls bildlich gesehen.
    Während also außerhalb der Lokalmedien breit und umfangreich positiv und interessant über Marl berichtet wird, spricht die Entscheidung der Zeitungsgruppe gegen sie selbst, aber nicht gegen Marl 👍😉
    Das mag für Ihre Frühstücksrituale traurig und als BM ärgerlich sein, dem Potential Marls nimmt es nichts hinweg …

  • #16
    Berthold Grabe

    im Zeitalter von Massenmedien haben gute Zeitungen schlicht keinen Platz.
    Man denke an die Bildzeitung, sie zeigt das Niveau der Masse und Medien, die dies bedienen müssen wegen der nötigen Massenkundschaft. Das ist zwangsläufig der Tod von Qualität,
    Qualität lebt von einer breiten relativ gut gebildeten Mittelschicht, die aber zu klein oder zu satt ist ist um Massenauflagen oder Einschaltquoten mit Anspruch zu generieren
    Massenmedien sind an die Erreichung von Massen gebunden, nicht an Qualität. Womit die Medien selbst kreieren, was sie beklagen.
    Dienlich ist das Ganze letztlich nur Wenigen, weshalb nichts mehr den rigorosen Kapitalismus befördert, als Massenmedien.
    Und das erste Opfer ist die Wahrnehmung der Realitäten unddie kompetenz mitgreden zu können..

  • #17
    Mike Marquardt

    Es wäre sehr, sehr schade, wenn Dienstreise Lokalseiten und der Lokalsport in der Marler Zeitung noch mehr, als bisher schon, gekürzt würden!
    Denn das sind meine wichtigsten lokalen Informationen, digital und somit jeden Morgen, egal wo ich gerade bin.
    Mir würde etwas fehlen!

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