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Mein Ruhrgebiet: Aladin El-Mafaalani – „Berlin kann jeder, Ruhrpott muss man wollen“

Anfang März starteten wir hier im Blog eine neue Serie. An jedem Dienstag veröffentlichen wir einen Beitrag unter dem Titel ‚Mein Ruhrgebiet‘. Dabei gilt es jeweils für eine bekannte Persönlichkeit ihre ganz spezielle Beziehung zum ‚Revier‘ in einem kurzen Interview zu offenbaren.

In dieser Woche beantwortete Aladin El-Mafaalani unsere fünf Fragen. Als Kind syrischer Eltern wurde der studierte Wirtschafts-, Politik- und Erziehungswissenschaftler 1978 in Datteln geboren. Sein Abitur machte er im benachbarten Waltrop.

Zwischen 2007 und 2013 war er Lehrer im Schuldienst, sowie Dozent ud Wissenschaftlern an mehreren Hochschulen. Seit 2013 lehrt er als Professor für Politikwissenschaft und Politische Soziologie an der FH Münster.

Seit 2018 ist El-Mafaalani, der sich zudem als Bestsellerautor einen Namen gemacht hat, Abteilungsleiter im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Düsseldorf. Dort koordiniert er die Integrationspolitik in Nordrhein-Westfalen.

Wenn Du an das Ruhrgebiet denkst, was fällt dir zuerst ein, Aladin?

Das Ruhrgebiet ist abgerockt und speziell. Fußball ist Religion. Es ist eine Region voller Kontraste: so viele Hochschulen und Kultureinrichtungen wie nirgendswo sonst. Gleichzeitig mehr Probleme als man hier aufzählen könnte. Eine Autobahn (A40/B1), die von Wissenschaftlern als Sozialäquator bezeichnet wird, weil sie den armen Norden vom reichen Süden trennt. Die Menschen haben eine unvergleichbare Frustrationstoleranz, sind humorvoll, derbe und ehrlich – die Arbeiterkultur hat die gesamte Region geprägt. Die Menschen sind das wichtigste. „Anderswo ist auch scheiße“ oder „Berlin kann jeder, Ruhrpott muss man wollen“ bringen die Region und die Haltung der Menschen auf den Punkt. Das Ruhrgebiet ist meine Heimat. Und ich meine, dass man es schön finden kann, wenn man von hier wech kommt.

Was ist dein absoluter Lieblingsort im Revier?

Das ändert sich stetig. Heute würde ich sagen: der Nordmarkt in Dortmund. Aber: Es ist nicht so, dass das Ruhrgebiet von besonderen Orten lebt. Für mich lebt es vom Alltag, von den gewöhnlichen, täglichen Absurdheiten, den Bewältigungsmustern von Menschen, die es eigentlich schon immer gewohnt sind, das zu durchleben, was anderswo erst viel später kommt – man denke sowohl an Industrialisierung und Deindustrialisierung, Strukturwandel, Migration. Der Nordmarkt ist ein Ort, an dem man all das mitbekommt. Man erlebt die Armut, das Durchhaltevermögen, die Multikulturalität und die permanente Veränderung.

Wenn du Besuch bekommst, der noch nie im Ruhrgebiet war, wo bringst du ihn während seines Aufenthaltes in der Region auf jeden Fall hin?

Es kommt ganz darauf an, wer das ist. Wenn es nach mir geht: Freitag auf den Nordmarkt, Samstag zur Borussia ins Stadion. Beides sind meiner Meinung nach die größten Attraktionen Dortmunds. Ich beschränke mich mal auf Dortmund. Aber jede andere Stadt hat auch Highlights.

Und welchen Ort im Pott sollte dein Besuch auf keinen Fall zu Gesicht bekommen?

Ich gehe nicht zum Phönixsee. Aber das hat keine ideologischen Gründe. Ich finde das Ding einfach nicht schön, nicht stimmig. Der Ruhrpott ist echt.

Was wünscht du dir für das Ruhrgebiet in den nächsten Jahren? Was gibt es zu verbessern?

Zu verbessern gibt es total viel, die Probleme lassen sich gar nicht alle aufzählen. Die Städte im Ruhrgebiet sind da auch unterschiedlich weit.

In den vergangenen Wochen erschienen in dieser Ruhrbarone-Reihe bereits Beiträge mit:

Dirk große Schlarmann

Sebel

Pit Gottschalk

Oli Hilbring

RuhrBarone-Logo

3 Kommentare zu “Mein Ruhrgebiet: Aladin El-Mafaalani – „Berlin kann jeder, Ruhrpott muss man wollen“

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