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Mein Ruhrgebiet: Dirk große Schlarmann – „Hier wohnen verdammt geile Menschen!“

Dirk große Schlarmann mit Hund am Kanal. Foto: privat

Heute starten wir hier im Blog eine neue Serie. Von jetzt an werden wir in den kommenden Wochen an jedem Dienstag einen Beitrag unter dem Titel ‚Mein Ruhrgebiet‘ veröffentlichen. Dabei gilt es jeweils für eine bekannte Persönlichkeit aus der Region ihre private Beziehung zum ‚Revier‘ in einem kurzen Interview zu offenbaren.

Es geht stets um fünf Fragen. Lieblingsorte und Gegenden in die man vielleicht lieber keinen Bekannten führt, wenn es gilt ihm oder ihr das Ruhrgebiet beim ersten Besuch vorzustellen, werden dabei abgefragt. Grundsätzliche Gedanken zur aktuellen Lage im ‚Pott‘ und die jeweiligen Zukunftswünsche dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Den Auftakt in diese neue Ruhrbarone-Reihe macht heute Dirk große Schlarmann. Der im Jahre 1979 in Gelsenkirchen Geborene ist seines Zeichens überzeugter ‚Ruhrpottler‘, hat nach eigener Aussage in einem früheren Interview mit uns in seinem bisherigen Leben die Region auch noch nie längerfristig verlassen.

Bekannt dürfte er vielen hier sicherlich in erster Linie durch seine Arbeit bei ‚Sky Sport New HD‘ sein, wo er regelmäßig über die großen Revierklubs im TV berichtet. Sein Schwerpunkt ist dabei das Geschehen rund um den FC Schalke 04.

Kann es demnach einen passenderen Interviewgast für die Premiere dieser neuen Reihe bei uns im Blog geben? Wir finden nicht!

Wenn Du an das Ruhrgebiet denkst, was fällt Dir zuerst ein, Dirk?

Also wenn ich einfach mal loslegen soll, dann würde sich das so anhören: „Zechen, Halden, Nähe, Fußball und geile Leute“. Zechen? Gähn! Ja, aber es ist halt so. Die alten Fördertürme begegnen mir täglich überall hier im Revier. Normalerweise empfinde ich Industrie-Ruinen nicht wirklich als schmückend, aber diese Fördertürme sind halt Kult. Ich durfte mehrmals einfahren, z.B. auf Prosper in Bottrop, und dort habe ich mit viel Respekt immer wieder erlebt, was für einen Knochenjob die Kumpel dort abgeliefert haben und wie sehr Kameradschaft dort groß geschrieben wurde.

Die Halden, die hier überall durch den Bergbau entstanden sind, werden toll genutzt. Die Natur hat sich diese Bereiche wiedergeholt und die vielen Rad- und Wanderwege sind perfekt für meine Hunderunden. Am Lohrheidestadion in Wattenscheid kann man z.B. auf die „Himmelsleiter“ steigen. Das ist eine Halde, von der aus man einen tollen Blick über das Revier hat. Wenn man dort steht, sieht man gleich, was ich mit Nähe meine. Im Endeffekt ist der Pott eine große Stadt. Alles geht direkt in einander über. Ich mag es, dass ich in zehn Minuten quasi vier verschiedene Städte erreichen kann. Und jede Stadt hat ihren Klub. So eine Dichte an Traditionsvereinen gibt es nirgendwo. Im Revier haben wir das größte Stadion in Dortmund, eins der modernsten in Gelsenkirchen und das wohl geilste, weil richtig schön klein und eng, in Bochum. Klubs, wie Rot-Weiß Essen, der MSV Duisburg, oder Rot-Weiß Oberhausen runden das ab. Im Endeffekt könnte man mal über eine Revierliga nachdenken. 😉

Und diese ganze Mischung ergibt den Menschenschlag hier. Man ist direkt, aber ehrlich. Eigentlich weiß man bei fast jedem gleich woran man ist, und eigentlich sind hier alle gleich. Hier wohnen verdammt geile Menschen, und ich bin tatsächlich immer wieder froh, wenn ich ein paar Tage woanders arbeite, wenn ich wieder hier bin.

Was ist Dein absoluter Lieblingsort im Revier?

Die Himmelsleiter – hatte ich ja gerade schon erwähnt – an der Stadtgrenze Gelsenkirchen und Bochum. Dort kann man richtig toll durch den Wald laufen und von der Spitze der Halde hat man diesen phantastischen Blick über die Städte. Man sieht sowohl die Arena auf Schalke, die Lohrheide und bei klarer Sicht auch das Ruhrstadion. Dazwischen stehen wie Stecknadeln die vielen Fördertürme. Von hier oben sieht man auch, dass das Revier, anders als Viele glauben, viel grüner ist. Überall sind Parks oder begrünte Halden.

Von der Himmelsleiter aus führt die ehemalige Erzbahntrasse durch das Revier. Eine alte Eisenbahnstrecke hat man zu einem Rad- und Wanderweg umgebaut. Das ist wirklich toll. Hier gehe ich meist morgens mit meinem Hund joggen, dann auf die Himmelsleiter hoch und zurück. Toll!

Wenn Du Besuch bekommst, der noch nie im Ruhrgebiet war, wo bringst Du ihn während seines Aufenthaltes im Ruhrgebiet auf jeden Fall hin?

Erst vor ein paar Wochen waren ein paar Freunde aus München bei uns. Wir hatten eigentlich vor zur Zeche Zollverein nach Essen zu fahren. Das ist dort wirklich schön umgesetzt. Für Menschen, die das Revier nicht kennen, ist Zollverein schon top. Wir sind aber in Gelsenkirchen geblieben. Hier gibt es den Nordsternpark, das Gelände der Bundesgartenschau. Ich finde es schon wichtig, dass man den Leuten von außerhalb, die tatsächlich sehr oft noch ein Bild vom dreckigen, verkohlten Ruhrgebiet haben, zu zeigen, dass es bei uns auch lebenswert ist.

Und welchen Ort im Pott sollte Dein Besuch auf keinen Fall zu Gesicht bekommen?

Ich bin ein Pottkind und ich lebe sehr sehr gerne hier. Aber es wäre einfach gelogen zu sagen, dass hier alles toll ist. Leider ist es einigen Städten, wie z.B. Gelsenkirchen, oder auch Duisburg eben nicht gelungen den Turnaround aus der Industriezeit zu schaffen. Es gibt in den Städten viele hässliche und heruntergekommene Viertel, die Arbeitslosigkeit ist hoch, in den Innenstädten reihen sich Billigläden an Leerstände. Das ist nicht schön.

Was wünscht Du dir für das Ruhrgebiet in den nächsten Jahren? Was gibt es zu verbessern?

Klar fehlt das Geld, aber ich finde, dass noch mehr Industrie-Ruinen belebt werden müssen. Bei einigen ehemaligen Zechen ist das schon wunderbar gelungen, bei vielen anderen aber eben noch nicht. Alte Hallen könnten zu Veranstaltungsorten mit Charme umgebaut werden, alte Bahngleise, wie z.B. schon bei der Erzbahntrasse umgesetzt, zu Radwegen umfunktioniert werden. Ich glaube, dass viele Gebäude und Flächen, die derzeit grau und abgewrackt wirken sehr einfach neues Leben eingehaucht bekommen könnten. Die Stiftung „Schalker Markt“ ist nur ein Beispiel, wie man mit vielen Ideen und Engagement etwas in den Städten bewirken kann. Ich würde mich freuen, wenn es mehr solcher Initiativen gäbe.

Foto: Dirk große Schlarmann

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