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Mein Ruhrgebiet: Gregor Schnittker – ‚Wir Ruhris sind auf höfliche Art direkt‘

Gregor Schnittker. Foto(s): privat

Anfang März starteten wir hier im Blog eine neue Serie. An jedem Dienstag veröffentlichen wir einen Beitrag unter dem Titel ‚Mein Ruhrgebiet‘. Dabei gilt es jeweils für eine bekannte Persönlichkeit ihre ganz spezielle Beziehung zum ‚Revier‘ in einem kurzen Interview zu offenbaren.

In dieser Woche beantwortet Gregor Schnittker unsere fünf Fragen.

Der im Jahre 1969 in Bochum geborene Fernsehmoderator und Autor hat im Laufe der Jahre bereits für unterschiedlichste Medien gearbeitet. So moderierte über Jahre hinweg zum Beispiel die WDR-Sendung ‚Lokalzeit Dortmund‘ und arbeitet u.a. beim ZDF im Bereich Sport. Schnittker veröffentlichte zudem mehrere Bücher und war eine der Macher des Films ‚Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB‘.

Wenn Du an das Ruhrgebiet denkst, was fällt dir zuerst ein, Gregor?

Ich habe ein paar Jahre in Berlin gelebt und mich schwer verliebt. Nicht in die Hauptstadt bei allem Respekt, sondern in die Heimat und ich habe einen positiven Umgang mit diesem Begriff. Heimat ist für mich das Ruhrgebiet und es sind die positiven Werte dieser Region. Das mochte ich vorher auch, aber es gibt ja einen merkwürdigen Reflex, in der Ferne das Bessere zu wähnen. Das ist aber Kokolores und das liegt auch am Fußball. Berlin ist keine Fußballstadt, aber in Dortmund oder in anderen Ruhrpott-Städten sind beispielsweise Fußball-Klamotten Alltagskleidung. Aber es geht auch um Kommunikation. Man kann Menschen und vor allem Männern so viel Schlechtes vorhalten, aber im Ruhrgebiet passiert es Dir fast nie, dass ein gleichaltriger Mann, den Du im Alltag duzt, darüber sauer ist. Wenn man hier offen und freundlich auf die Leute zugeht, kommt kein doofer Spruch. Frag aber mal in Hamburg oder München an einer Haltestelle ohne Aushang den Nächstbesten, der auch wartet „Weißt Du, wann der Bus kommt?“ Die motzen Dich an. Das Klischee passt schon: Wir Ruhris sind auf höfliche Art direkt und wenn jemand zwischenmenschlich schwierig ist, ist der eher die Ausnahme als die Regel.

Was ist dein absoluter Lieblingsort im Revier?

Da gibt es nichts Spezielles. Aber ich mag unsere Zechentürme und Halden. Ich mag Herten, Dortmund-Derne, Zeche Zollern, auch Hugo in Gelsenkirchen, die Schüngelbergsiedlung, all diese Industriedenkmäler, Kokerei Hansa, die Jahrhunderthalle in Bochum, die Radwege im Ruhrgebiet, die früher die Wege der Zechenbahnen waren. In Wanne gibt es auf der Erzbahntrasse einen hübschen Ausflugsort. So eine Art Wohnwagen mit Bänken zum Rastmachen. Da bekommst Du lecker Fiege und kannst mit dem Schalker, der den Laden betreibt, schön rumflachsen wegen Meistertiteln und so. Sowas ist Heimat und Wohlfühlen.

Wenn du Besuch bekommst, der noch nie im Ruhrgebiet war, wo bringst du ihn während seines Aufenthaltes in der Region auf jeden Fall hin?

Da gibt es so viel. Je nachdem, worauf der Besuch Lust hat: Fußball, Sternwarte, Rombergpark, … keine Ahnung. Ich bin nicht der stolze Reiseleiter. Ich bin ja auch nicht im Wortsinne stolz auf diese Region. Was kann ich dafür, hier geboren zu sein? Aber ich würde schon versuchen, den besonderen Charakter zu vermitteln und noch rechtzeitig den Staub von den Fensterbänken zu wischen.

Und welchen Ort im Pott sollte dein Besuch auf keinen Fall zu Gesicht bekommen?

Das klingt so nach Dreck unter den Teppich kehren und drüber laufen und lächeln. Ach nö. Mir ist das egal, ob es hier und da auch mal oll aussieht. Mich ärgern eher punktuell Sachen, wie Sprayer, die ihre Dosen in die Gegend werfen oder überhaupt dieses Sperrmüll in die Gegend abladen. Ich mag auch keine Quartiere ohne bunten, gesellschaftlichen Querschnitt wie solche Hochglanz-Vororte im Dortmunder Süden und andererseits Bereiche der Mallinckrodtstraße, wo mich Menschen anmaulen, wenn ich im öffentlichen Bereich Filme mache und sie aggro werden. Ich hätte es von der Bevölkerung gerne besser gemischt. Aber das ich gezielt Gebiete meiden würde mit Besuchern? Nö.

Was wünscht du dir für das Ruhrgebiet in den nächsten Jahren? Was gibt es zu verbessern?

Ich wünsche mir, mal so als Idee, komplett autofreie Quartiere in den Städten, günstigen ÖPNV, Schultoiletten, die nicht nach Urin stinken, also Verbesserungen in der Infrastruktur. Ansonsten muss sich nicht viel ändern, denn dass Menschen respektvoll miteinander umgehen, erlebe ich hier nahezu jeden Tag. Da gibt’s erst mal nichts zu meckern.

 

In den vergangenen Wochen erschienen in dieser Reihe bereits Beiträge mit:

Dirk große Schlarmann

Sebel

Pit Gottschalk

Oli Hilbring

Aladin El-Mafaalani

David Schraven

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