1

Mein Ruhrgebiet: Ines Eckermann – „Wenn wir uns alle ein bisschen am Riemen reißen, kann es hier sehr schön werden“

Ines Eckermann. Foto: privat

Es ist Dienstag. Das heißt, höchste Zeit für eine neue Ausgabe von ‚Mein Ruhrgebiet‘, unserer kleinen Interviewreihe, in der bekannte Persönlichkeiten der Region uns stets fünf Fragen zum Thema Ruhrpott beantworten.

Es hat ja zugegebener Maßen ein paar Wochen zu lange gedauert, doch heute, in der insgesamt zehnten Auflage, beantwortet tatsächlich zum allerersten Mal eine Frau unsere Fragen: Dr. Ines Maria Eckermann ist Journalistin und Autorin. Sie hat gerade vor wenigen Wochen ihr neues Buch „Ich brauche nicht mehr: Konsumgelassenheit erlangen und nachhaltig glücklich werden“ beim Tectum Wissenschaftsverlag auf den Markt gebracht.

Gebürtig kommt sie aus Haltern, wo sie im Jahre 1985 das Licht der Welt erblickte. Später ist Ines im Sauerland zur Schule gegangen. Nach dem Abitur hat sie einige Zeit in Guatemala gelebt, dann in Bochum studiert, wo sie, nach einem Abstecher nach Berlin und Dortmund, auch jetzt wieder lebt. Völlig freiwillig, wie sie uns gegenüber ausdrücklich betont hat. 😉

Wenn du an das Ruhrgebiet denkst, was fällt dir zuerst ein, Ines?

Grün, kreativ, lebendig. Das Ruhrgebiet ist für mich ein Ort, an dem Menschen verschiedenster Herkunft zusammenleben. Für mich ist es ein wahnsinnig kreativer und inspirierender Ort. Im Gegensatz zu Berlin, so nehme ich es zumindest wahr, machen die Leute hier noch Sachen, weil sie wirklich Lust drauf haben – und nicht, um sich selbst darzustellen. Dazu gehören für mich auch Projekte wie Repair Cafés, Kostnixläden oder Cafés, die ohne Gewinnabsicht von Vereinen geführt werden. Hier gibt es mittlerweile jede Menge Ideen, wie Gemeinschaft und Nachhaltigkeit auch ohne großen finanziellen Aufwand funktionieren kann. Außerdem empfinde ich die zu Radwegen umgebauten Gütertrassen als eine riesige Bereicherung. Wer will, kann Kilometer weit durchs Grüne radeln.

Was ist dein absoluter Lieblingsort im Revier?

Die Fahrradwege entlang der Ruhr. Dort gehe ich gerne Rad fahren oder joggen. Die Routen quer durch die Natur sind für mich das allerschönste am Ruhrgebiet. Wenn ich ein Ranking machen müsste, dann wären danach das Planetarium Bochum auf Platz zwei und der Botanische Garten der RUB auf drei.

Wenn du Besuch bekommst, der noch nie im Ruhrgebiet war, wo bringst du ihn während seines Aufenthaltes im Ruhrgebiet auf jeden Fall hin?

Meist wird unsere Ruhrgebietstour ein Mix aus klassischer Industriekultur, Bewegung und koffeinhaltiger Entspannung: Meist starten wir – sozusagen als Sight-Seeing-Pflichtprogramm – im Bergbaumuseum Bochum, schauen uns eine Ausstellung im Folkwangmuseum in Essen an, und lassen uns das Universum im Planetarium Bochum erklären. Dazu gibt es ziemlich viel Kaffee und Kuchen in den kleinen Cafés, die es überall in der Region gibt. Meine Freunde aus dem Ausland wollen meist nicht abreisen, ohne vorher mindestens eine Portion Currywurst mit Pommes gegessen zu haben. Ein Besucher hat sich sogar an Flammkuchen mit Currywurst-Stückchen herangewagt, den es in einem Essener Café gab – und war begeistert. Vielleicht um die ganzen Kuchen- und Currywurstkalorien nicht mit nach Hause zu nehmen, sind fast alle meine Gäste mit mir über die Erzbahntrasse oder den Rheinischen Esel geradelt. Gerade meine Freunde aus der Schweiz waren immer überrascht von dem, was das Ruhrgebiet so zu bieten hat. Und sie kommen immer gerne wieder.

Welchen Ort im Pott sollte dein Besuch auf keinen Fall zu Gesicht bekommen?

Mein Besuch ist in der Regel recht robust und nicht so leicht zu verschrecken.

Was wünscht du dir für das Ruhrgebiet in den nächsten Jahren? Was gibt es zu verbessern?

Ich würde mir wünschen, dass die Radwege nicht länger verwirrten Autofahrern als Parkstreifen dienen und alle Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht aufeinander nehmen würden. Das heißt für mich sowohl, dass Fußgänger und Radfahrer sich an die Regeln halten, als auch dass Autofahrer anerkennen, dass auch Menschen ohne Knautschzone und nennenswerten CO2-Ausstoß Rechte haben – und nicht dank einer unbedacht geöffneten Autotür kopfüber vom Rad abgestiegen werden wollen. Wenn wir uns alle ein bisschen am Riemen reißen, kann es hier sehr schön werden – auch für die Umwelt.

 

In den vergangenen Wochen erschienen in dieser Ruhrbarone-Reihe bereits Beiträge mit:

Dirk große Schlarmann

Sebel

Pit Gottschalk

Oli Hilbring

Aladin El-Mafaalani

David Schraven

Gregor Schnittker

Jörg Stanko

Marc Quambusch

 

RuhrBarone-Logo

Ein Kommentar zu “Mein Ruhrgebiet: Ines Eckermann – „Wenn wir uns alle ein bisschen am Riemen reißen, kann es hier sehr schön werden“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.