3

Mein Ruhrgebiet: Jörg Stanko – ‚Wir schaffen alle Autos ab und machen aus der A 40 einen Palmengarten‘

Jörg Stanko. Foto: privat

Seit Anfang März veröffentlichen wir hier im Blog an jedem Dienstag einen Beitrag unter dem Titel ‚Mein Ruhrgebiet‘. Dabei gilt es jeweils für eine bekannte Persönlichkeit ihre ganz spezielle Beziehung zum ‚Revier‘ in einem kurzen Interview zu offenbaren.

In dieser Woche beantwortet der in Essen lebende Autor Jörg Stanko unsere fünf Fragen.

Der gebürtige Nordhesse kam 1991 freiwillig ins Ruhrgebiet und blieb. Er ist vermutlich einer der wenigen echten Wahlruhrgebietler.

Zunächst verdingte er sich als Physiotherapeut. 2004 begann er Kinderbücher zu schreiben. Später Romane, mit eingängigen Titeln („Männer mit kalten Füßen“).

Seit 2015 verfasst Stanko zusammen mit Arnd Rüskamp die Ruhrgebietskrimireihe ‚Krimmini Ruhr ‚. Band 11 der Serie erscheint übrigens am 16. Mai 2019.

Für die pt-Zeitschrift für Physiotherapeuten schreibt er zudem die Glosse „Und wieder locker lassen!“

Wenn Du an das Ruhrgebiet denkst, was fällt dir zuerst ein, Jörg?

Moloch, Metropole, Maloche. Ballungsraum. Das Ruhrgebiet ist vielschichtig und vielseitig, schlicht, stolz auf seine Schlichtheit, aber auch kompliziert. Zuweilen kulturbeflissen. Man muss hier seinen Begriff von Schönheit erweitern. Hier leben Millionen von Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten auf engstem Raum zusammen. Das ist spannend aber nicht immer einfach.

Was ist dein absoluter Lieblingsort im Revier?

Den einen Lieblingsort habe ich nicht. Es gibt da aber eine gewisse Schwäche für etwas angestaubte Lokale, wie das Café Werntges in Essen-Werden oder die Südtiroler Stuben am Baldeneysee. Duisburg-Ruhrort finde ich spannend. Die Lichtburg ist toll, der Lesepavillon im Grugapark – das Kubig400 – ein wundervolles Kleinod.

Wenn du Besuch bekommst, der noch nie im Ruhrgebiet war, wo bringst du ihn während seines Aufenthaltes in der Region auf jeden Fall hin?

Vorurteilsfreie Besucher bekommen zunächst die „Ihr-habt-auch-Bäume?“-Tour: Gemeinsames fröhliches Radeln über eine ehemalige Bahntrasse bis nach Essen-Steele, weiter am Ruhrufer entlang, Kaffee trinken in Hattingen.

Pädagogen verlangen meist nach der authentischen Ruhr-Kultur-Route:

MuseumFolkwang, Café Kötter, Flanieren über die RÜ, Absacker in der Ampütte. Alten Kumpels serviere ich einen Döner von Attila und anschließend gibt es Kaltgetränke in der Zweibar.

Und welchen Ort im Pott sollte dein Besuch auf keinen Fall zu Gesicht bekommen?

Mein Arbeitszimmer. Auch die vielen großen Einkaufszentren werden überschätzt.

Was wünscht du dir für das Ruhrgebiet in den nächsten Jahren? Was gibt es zu verbessern?

Ich versuche mal eine Utopie: Wir schaffen alle Autos ab und machen aus der A 40 einen Palmengarten. Es gibt freies Craft-Bier für alle. Alle Menschen bekommen ein bedingungsloses Grundeinkommen, dann kann jeder wirklich der Arbeit nachgehen, die ihn zufrieden oder gar glücklich macht. Eine Gegend, in der Menschen und Mutter Erde durch den Bergbau zutiefst geschunden wurden, sollte sich ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung bewusst sein. Die Anliegen von schwänzenden Schülern sollten wichtiger sein, als Millionentransfers im Fußball. Borussia Dortmund und Schalke fusionieren zum FC Krimmini-Town. Alle Spieler spielen ehrenamtlich. Weil sich das Ruhrgebiet fast ausschließlich vegan ernährt, haben wir bald mehr heilige Kühe als Indien.

In den vergangenen Wochen erschienen in dieser Ruhrbarone-Reihe bereits Beiträge mit:

Dirk große Schlarmann

Sebel

Pit Gottschalk

Oli Hilbring

Aladin El-Mafaalani

David Schraven

Gregor Schnittker

RuhrBarone-Logo

3 Kommentare zu “Mein Ruhrgebiet: Jörg Stanko – ‚Wir schaffen alle Autos ab und machen aus der A 40 einen Palmengarten‘

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.