0

Mein Ruhrgebiet: Kaiser Franz – „Das Ruhrgebiet ist eine kulturelle Hochburg.“

Kaiser Franz. Foto: privat

In der vorerst letzten Folge von ‚Mein Ruhrgebiet‘ vor einer Sommerpause beantwortet der Musiker ‚Kaiser Franz‘ aus Recklinghausen unsere fünf Fragen rund um das Ruhrgebiet.

Der im Jahre 1987 Geborene liefert mit seiner am 7. Juni 2019 anstehenden Veröffentlichung seiner neuen EP „Volle Krönung“ frischen Alternative Rock mit deutschen Texten.

Einem größeren Publikum bekannt geworden ist der junge Musiker durch den ersten Platz beim „STAR-Wettbewerb 2015“ in Schwerte. Ein Jahr später gewann er den „Rio Reiser Songpreis 2016″ in Unna. Seither ist für ihn spätestens klar, dass er im Musikbusiness und im Ruhrgebiet genau richtig aufgehoben ist.

Wenn du an das Ruhrgebiet denkst, was fällt dir dann zuerst ein?

Das Ruhrgebiet hat viele Gesichter, und wenn ich an diese Region denke, dann fällt mir als erstes ein, dass meine Heimat im Gegensatz zu anderen Teilen der Republik das Herz auf der Zunge trägt. Egal ob in Hugo Boss Zwirn oder in Jogginghose der Ruhrpott-Typ sagt in den meisten Fällen was er denkt und man kommt schnell in Kontakt mit ihm.

Dieses Grundwesen der „Direktheit“ trag ich als waschechter Ruhri (geboren in Recklinghausen) von der Wiege an in mir. Künstlerisch betrachtet bin ich mir sicher das mir diese Art und Weise im Umgang mit meinen Mitmenschen die meisten Türen in meinem bisherigen Leben öffnete und das verkörpere ich als gekrönter Kaiser des Ruhrgebiets in musikalischer Form mit Leib und Seele.

Was ist dein absoluter Lieblingsort im Revier?

Mein absoluter Lieblingsort im Ruhrgebiet ist die Fahrrad-Trasse an der Emscher (Höhe Recklinghausen/Herne). Hier lässt sich meiner Meinung nach der Strukturwandel des Ruhrgebiets am besten erkennen. Bis vor wenigen Jahren konnte man sich dem Ufer der Emscher kaum näher als einen Kilometer nähern, denn im Volksmund sprach man nur vom „Köttelkanal“ es roch bestialisch nach allen möglichen Reststoffen, ob chemisch oder biologisch, die der Mensch und die umliegenden Industrieanlagen einleiteten.

Mit dem Ende der deutschen Steinkohle veränderte sich auch die Landschaft. Heute gehe ich auf gut ausgebauten Wegen an der Emscher entlang spazieren und schmunzel oft über die erstaunten Gesichter so mancher Touris, die da sagen: „Schön habt ihr es hier, wir dachten immer hier rauchen immer noch die Schornsteine!“ Ich stamme selbst aus einer stolzen Bergmannsfamilie und gehöre wohl zu der allerletzten Generation (Jahrgang 1987) die das Freud und Leid des Ruhrgebiets hautnah in der Familie mit erlebt hat. Jedoch kann ich mit 31 Jahren sagen: „so wie et getz is kann et bleiben“ Das Ruhrgebiet ist das schönste Wohnzimmer der Welt.

Wenn du Besuch bekommst, der noch nie im Ruhrgebiet war, wo bringst du ihn während seines Aufenthaltes im Ruhrgebiet auf jeden Fall hin?

Das Ruhrgebiet ist eine kulturelle Hochburg. Durch die geringen Distanzen zwischen den Städten lässt sich in kürzester Zeit viel sehen und erleben. Als nachtaktiver Künstler würde ich meinen Besuch auf eine typische Kneipen und Trinkhallentour durch das Ruhrgebiet führen, natürlich darf dabei eine originale Bochumer Currywurst im „Bermuda Dr3ieck“ nicht fehlen, die unumgänglich diesen Abend die Krone aufsetzt.

Welchen Ort im Pott sollte dein Besuch auf keinen Fall zu Gesicht bekommen?

Ich bin kein Typ von Kaufrauschexzessen, daher würde ich jeden Shopping-Tempel im Ruhrgebiet meiden. Denn diese Art von Freizeitgestaltung empfinde ich als höchst nervig, unkreativ und langweilig und kann so an jeden X-beliebigen Ort auf der Welt ausgelebt werden. Dafür gibt es schönere Ecken im Ruhrgebiet.

Was wünscht du dir für das Ruhrgebiet in den nächsten Jahren? Was gibt es zu verbessern?

In den nächsten Jahren betrachte ich das Ruhrgebiet aufgrund seiner Vorteile als „Melting pot“ (eng. Schmelztigel versch. Kulturen) als Hochburg für den Tourismus. Diese Region braucht sich mit ihrer Vielfalt an kulturellen Angeboten und zukunftsweisenden Technologiezentren vor keiner anderen Weltmetropole verstecken. Zu Verbessern gibt es sicherlich noch viel, aber dafür, dass hier die Luft einst schwarz war, hat meine Heimat den Strukturwandel mehr als gut gemeistert.

 

In den vergangenen Wochen erschienen in dieser Ruhrbarone-Reihe bereits Beiträge mit:

Dirk große Schlarmann

Sebel

Pit Gottschalk

Oli Hilbring

Aladin El-Mafaalani

David Schraven

Gregor Schnittker

Jörg Stanko

Marc Quambusch

Ines Eckermann

RuhrBarone-Logo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.