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Mein Ruhrgebiet: Oli Hilbring – „Strukturwandel mit 100 Sorten Bier und veganen Frikadellen.“

Oli Hilbring. Foto: privat

Anfang März starteten wir hier im Blog eine neue Serie. An jedem Dienstag veröffentlichen wir hier einen Beitrag unter dem Titel ‚Mein Ruhrgebiet‘. Dabei gilt es jeweils für eine bekannte Persönlichkeit ihre ganz spezielle Beziehung zum ‚Revier‘ in einem kurzen Interview zu offenbaren.

In dieser Woche beantwortete der in Bochum lebende Cartoonist Oli Hilbring unsere fünf Fragen. Hilbring wuchs in Herne auf, arbeitete früher für das Ruhrgebiets-Magazin ‚Marabo‘, wo im Jahre 1992 die erste Zeichnung von ihm erschien.

Seine Cartoons sind inzwischen Kult. Die liebenswerten Figuren mit den großen Nasen erfreuen regelmäßig tausende von Lesern im Reviersport, dem Oxmox Stadtmagazin Hamburg oder auch im Trailer Magazin. Über 130.000-Facebook-Follower huldigen dem bekennenden Schalke-Fan und VfL Bochum-Sympathisanten zudem im Internet. Insbesondere sein ‚Flacher Freitag‘ ist bei ihnen legendär….

Wenn du an das Ruhrgebiet denkst, was fällt dir dann zuerst ein, Oli?

Omma und Oppa. Weil ich durch die beiden noch in den Genuss des traditionellen Ruhrgebiet gekommen bin. Großfamilie, Klo auffem Gang, Hühnerställe im Hof bei Tante Lene und Schwager Horst der Klüngelskerl war, dat könnt ihr jetzt mal googeln.

Was ist dein absoluter Lieblingsort im Revier?

Ich hab mehrere Lieblingsorte, bei gutem Wetter sitze ich gerne draußen im Bermuda 3 Eck im Café und guck mir Leute an die ich dann irgendwann mal zeichne oder wunder mich das es echt Leute gibt, die aussehen wie eine meiner Cartoonfiguren. Das Straßencafé, ein guter Ort um zu sehen wie viele echte Typen im Ruhrgebiet rumlaufen. Ich und mein Hund mögen auch den Stadtpark in Bochum. Ok, mein Hund mag eigentlich die Hasen im Stadtpark, hat aber zum Glück noch nie einen gefangen.

Wenn du Besuch bekommst, der noch nie im Ruhrgebiet war, wo bringst du ihn während seines Aufenthaltes im Ruhrgebiet auf jeden Fall hin?

Auf jeden Fall auf eine der Halden, selbst als Eingeborener ist der Blick über das Ruhrgebiet immer wieder beeindruckend. Man sollte ein Fußballspiel besuchen, egal welche Liga, da lassen die Einwohner der Region emotional die Hose runter. Dann vielleicht noch in den Checkpoint Charlie des Westens, das Bergbaumuseum. Stahlkocher und Bergleute haben unsere Region dermaßen geprägt, kann nicht verkehrt sein, den Besuchern näher zu bringen warum wir so zupackend, ehrlich und humorvoll sind. Vom Bergbaumuseum würde ich dann mit die Leute rüber zum Haus Fey. Eine der letzten ehrlich echten Kneipen im Bochum. Eigentlich auch irgendwie ein Museum aber mit Trinken. Dann zur Trinkhalle, da wird nämlich die Trinkhallen-Tradition und das moderne Ruhrgebiet miteinander verquickt. Strukturwandel mit 100 Sorten Bier und veganen Frikadellen. Beim Kultur-Programm müsste ich dann schon genauer wissen wer kommt.

Welchen Ort im Pott sollte dein Besuch auf keinen Fall zu Gesicht bekommen?

Der historische Jahrmarkt um 5 Uhr morgen im Intershop Bochum sollte den Ureinwohnern vorbehalten sein. Für Rene Pascal in Essen braucht man auch Humor. Aber eigentlich ist dem Ruhrgebietler ja wenig peinlich. Gut, ich persönlich würde allen den Tipp geben, das Westfalenstadion weiträumig zu umfahren.

Was wünscht du dir für das Ruhrgebiet in den nächsten Jahren? Was gibt es zu verbessern?

Ich wünsche mir, dass nach dem Ende des Bergbaus, die Werte des Ruhrgebiets und die Art der Leute hier nicht verschwindet. Das man es schafft, mit diesem Erbe gut umzugehen, und wir aus dieser Tradition kein Malocher Disneyland machen. Das wir mit dem was uns ausmacht auch den Strukturwandel 3.0 anpacken. Oh, es gibt sicherlich einiges zu verbessern aber es gibt auch viele gute Dinge die auf dem Weg sind. Ich hab zum Beispiel gerade ist mein Büro aufgeräumt und ein paar neue Cartoon-Projekte angeschoben. Weil mit Humor läuft vieles besser. Auch im Ruhrgebiet.

In den vergangenen Wochen erschienen in dieser Ruhrbarone-Reihe bereits Beiträge mit:

Dirk große Schlarmann

Sebel

Pit Gottschalk

RuhrBarone-Logo

10 Kommentare zu “Mein Ruhrgebiet: Oli Hilbring – „Strukturwandel mit 100 Sorten Bier und veganen Frikadellen.“

  • #1
    Nina

    Sympathischer Kerl…dachte ich. Bis der Tipp kam, das Westfalenstadion weiträumig zu umfahren. Pfui.
    Na ja, vielleicht ist das genetisch mit Schalke, dann kann er auch nichts dafür.

  • #2
  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @teekay: Die ersten positiven Antworten auf meine Kontakaufnahmen im Rahmen dieser Serie kamen tatsächlich alle von Männern. Was sagt das jetzt über das Ruhrgebiet aus… oder vielleicht auch über mich … oder die Ruhrbarone? Fragen über Fragen…. 😉 😀

  • #4
    Nina

    Robin, die Frage von teekay finde ich sehr berechtigt und möchte mich mit weiteren Fragen anschliessen.
    Gibts auch sich vegan ernährende, im Libanon geborene, nun in Castrop-Rauxel lebende, Erwerbstätige mit Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft lebende Menschen im Ruhrgebiet?
    Gibts auch schwarze, überwiegend heterosexuell orientierte aber manchmal flexible sapiosexuelle und pansexuelle Menschen im Ruhrgebiet?
    Gibts auch ehemalige Managerinnen, die von männlichen, weissen Angestellten und von kopftuchtragenden weiblichen Angestellten gemobbt wurden und ein Buch darüber geschrieben haben? Im Ruhrgebiet?

  • #5
    thomas weigle

    Für manche ist ein Besuch der Steilhänge am Westfalenpark so was wie Urlaub im Bergwerk. Wer will das schon?

  • #6
    Björn Wilmsmann

    „Malocher Disneyland“ ist ein schöner, sehr passender Begriff für das Image, das das Ruhrgebiet bereits von sich transportiert.

    Keiner ist mehr im Bergbau tätig, aber alle kennen se das Steigerlied (also die ersten 2 Verse …) und kriegen feuchte Augen, wenn se nen Förderturm sehen.

    Gammelige Industriebauten werden als „Industriekultur“ verklärt und Rückwärtsgewandtheit hin zu vermeintlich glorreichen Zeiten verhindert das Schaffen neuer, zukunftsfähiger Werte.

  • #7
    walter-stach

    Björn Wilmsmann,
    ich meine, daß es hierzulande -also im Revier- niemanden gibt, der daran glaubt, die "alten Zeiten" des hochindustrialisiertsten Landesteiles in NRW (in Deutschland) ließen sich irgend wann/irgendwie wieder herzstellen.

    Und das versucht auch niemand , der z.B. auf Schalke vor jedem Spiel das sog. Steigerlied singt oder der sich mit Nachbarn zum Bier am sog. "Büdchen" trifft oder der mitgeholfen hat oder noch mithilft, den totalen Verfall alter Industriedenkmale zumindest nicht aktiv zu fördern, sondern diesen Verfall z.B. der "Natur" in den nächsten -100?- Jahren zu überlassen bzw. einen "Restbestand" alter Industriegebäude zu renovieren/zu restaurieren, um sie "dauerhaft" zu erhalten.

    Auch die Menschen, die sich so verhalten -einige, nicht die meisten im Ruhrgebiet-, sind zugleich wie viele andere dabei, direkt oder indirekt, mittelbar oder unmittelbar mitzuarbeiten an Ideen, an Projekten, die allesamt darauf abzielen, daß auch in 3o Jahren -in 1oo Jahren(?)- hierzulande n ein "menschenwürdiges Leben" möglich sein kann.
    Über das "WIE" wird heftig gestritten -auch vor und nach dem Singen des Steigerliedes, auch in den Räumen der Industriedenkmale, auch am Büdchen nebenan , mit Bier und (veganen) Frikadellen und immer wieder hier bei den Ruhrbaronen.

    Ich finde die Idee gut, wenn durch Robin Patzwald mit Menschen aus dem Revier über "ihr" Revier gesprochen wird, mit Menschen, die das nicht machen, um ihre parteipolitischen Vorstellungen "an den Mann/an die Frau zu bringen" oder mit Menschen, die von amts-, von berufswegen über die Zukunft des Reviers tagtäglich nachzudenken und/oder zu befinden haben , sondern mit Menschen, die hier zu Hause sind und die sich "ihrem Zuhause" verbunden sehen.

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