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Mit der Trennung von Thomas Tuchel geriet der BVB auf die schiefe Bahn

Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel. Foto: Robin Patzwaldt

Auch wenn die Probleme in Dortmund rund um den BVB mit denen beim ungeliebten Nachbarn aus Gelsenkirchen nicht ansatzweise zu vergleichen sind, liefern doch auch die Schwarzgelben in dieser Saison deutlich mehr Negativschlagzeilen als Anhänger und Verantwortliche vor Saisonbeginn 2020/21 auch nur ansatzweise erwartet hätten.

Nach der 1:2-Heimniederlage vom Samstag gegen Eintracht Frankfurt, der zehnten (!!!) Ligapleite der laufenden Saison, dürften auch die letzten Hoffnungen auf eine erneute Champions-League-Teilnahme im kommenden Herbst in Dortmund erloschen sein. Für den BVB eine sportliche und wirtschaftliche Katastrophe. Der Mannschaft droht im Sommer ein Auseinanderfallen, dem Klub auf längere Sicht der Verlust des Status als Nummer zwei im Lande. Wie konnte das passieren?

Ex-BVB-Coach Peter Stöger. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Wer sich im Fanlager der Borussen noch an den Frühsommer 2018 erinnern kann, der wird sich der Tatsache bewusst sein, dass Trainer Peter Stöger, obwohl der den Klub nach einer verkorksten Spielzeit am Ende noch auf Platz vier und damit in die Königsklasse führte, den Verantwortlichen damals nicht ‚gut genug‘ war. Der Fußball unter dem Österreicher war vielen nicht attraktiv genug, der vierte Platz, obwohl das an Stöger gerichtete Saisonziel, auf Dauer nicht den hohen Ansprüchen entsprechend. Jetzt, drei Jahre später, scheint der BVB in vielen Belangen schwächer statt stärker geworden zu sein. Irgendetwas läuft da mächtig schief.

Letztmalig nicht in der Champions League war der BVB im Herbst 2015, nach dem letzten Jahr von Trainer Jürgen Klopp in Dortmund. Aki Watzke und Michael Zorc entschieden sich Anfang 2015 gemeinsam mit Klopp, dass es besser für den Verein wäre, wenn man in Dortmund im Sommer den Trainer statt große Teile der Mannschaft wechselt. Im Rückblick wohl nicht die klügste Entscheidung in der langen Geschichte des BVB.

Peter Bosz bei seiner Vorstellung in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Klopps Nachfolger Thomas Tuchel, tat sich von Anfang an schwer sich die Sympathien im Verein zu sichern. Sowohl bei vielen Fans als auch bei seinen Vorgesetzten geriet Tuchel, obwohl sportlich wieder deutlich erfolgreich als Klopp zuvor in seiner Endphase, rasch in Misskredit. Nach dem DFB-Pokalsieg 2017 im Finale gegen Eintracht Frankfurt, war für den ambitionierten Tuchel in Dortmund Feierabend.

Jetzt, vier Jahre später, wünschen sich viele im Lager der Schwarzgelben die Erfolge und den Status von damals sicherlich wieder zurück.

Sowohl Peter Bosz, als auch seine Nachfolger Peter Stöger, Lucien Favre und auch Edin Terzic haben die Mannschaft nicht dauerhaft auf Rang zwei halten können. Inzwischen droht der Klub erstmals nach sechs Jahren wieder aus der Königsklasse zu fallen. Und das, obwohl die Mannschaft noch im Vorjahr dem offiziellen Ziel Meisterschaft hinterherhechelte.

Wer jedoch so viele Jahre eher im Rückwärtsgang als im Angriffsmodus auf die Meisterschaft verbringt, der muss sich ernsthaft hinterfragen.

Der BVB-Trainer Jürgen Klopp ganz entspannt… Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Nachdem die Trainer mehrfach wechselten, große Teile der Mannschaft seit 2017 ebenfalls ausgetauscht wurden, bleiben da eigentlich nur noch Aki Watzke, Michael Zorc und Sebastian Kehl als mögliche Ansprechpartner und Ziele der Kritik.

Doch zwei der drei Macher haben gerade erst ihre Verträge beim BVB verlängert bzw. werden in Kürze sogar befördert. Es spricht also wenig dafür, dass sich an der Herangehensweise in Dortmund demnächst viel ändert.

Der Bruch, der nach der Trennung von Tuchel beim BVB einsetzte, er dürfte den Verein in jedem Falle auf längere Zeit zurückgeworfen haben, als es damals vielen im Umfeld klar war….

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9 Kommentare zu “Mit der Trennung von Thomas Tuchel geriet der BVB auf die schiefe Bahn

  • #1
    Robert Müser

    Vielleicht es wirklich mal an der Zeit beim BVB nicht immer den Trainer als Sündenbock sondern den Vorstand auszutauschen.

    Das System Watzke scheint an seine Grenzen zu kommen.

  • #2
    Holgaaaa

    Ich fürchte, Leipzig wird dauerhaft die Nr. 2 in Deutschland . Der BVB wird weder sportlich noch wirtschaftlich auf Dauer mit dem Dosenverein aus Leipzig mithalten können. Da hilft alle Tradition nicht mehr. Die Corona-Krise hat die ganze Sache wesentlich beschleunigt.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Holgaaaa: Die Gefahr sehe ich aus BVB-Sicht auch. Es wird entscheidend sein, was in den kommenden Wochen passiert. Aufgeschreckt scheinen die BVB-Bosse aktuell ja zu sein. Stellt sich die Frage, ob die Unruhe zu guten/besseren Entscheidungen führt. Möglich ist das, aber es ist doch nicht sehr wahrscheinlich. Ich befürchte, der BVB wird mit einem schwächeren Kader in die kommende Saison gehen. Und das ist gegenüber dieser Saison garantiert kein Vorteil.

  • #4
    thomas weigle

    Heute in der TAZ: "Und was macht die Borussia?- F.Küppersbusch: Senkt Coronarisiken durch Verzicht auf europäischen Wettbewerb."
    Ich sehe die SGE noch nicht durch und den BVB noch nicht draußen. In FFM wird es Unruhe geben, denn die gesamte sportliche Führung, wohl inklusive Hütter, wird im Sommer weg sein. Das wird `ne Menge Unruhe in die Mannschaft bringen, v.a. der Weggang Hütters zu BMG. Davon muss man ausgehen, denn er vermeidet seit Wochen eine klare Aussage in Sachen Vertragserfüllung bis 23.

  • #5
    WALTER sTACH

    Thomas Weigle,
    der "montägliche Küppersbusch" in der TAZ ist immer (!!) lesewürdig.

    Zur heutige Bemerkung des BVB-Fans Küppersbusch:
    Seine Ironie , verstanden als "feiner Spott", trägt bei mir dazu bei, relativ gelassen auf die samstägliche "Schlappe" gegen Deine Eintracht reagieren zu können.

    Ansonsten:
    "Deine" Eintracht war am Samstag aus meiner Sicht der verdienter Sieger. Ich denke zudem, daß die derzeitige Tabelle, konkret bezogen auf die Plätze 1 bis 6 (und 7/8.?), sehr gut das aktuelle Leistungsvermögen der dort platzierten Mannschaften abbildet. Der BVB in seiner derzeitigen Verfassung gehört nicht auf einen der Plätze 1 – 4. Wenn es anders kommen sollte? Ich würde mich freuen, auch wenn es dann m.E. nicht leistungsgerecht wäre.

    Der BVB heute bei ManCity:
    Alles andere als eine BVB-Niederlage mit mindestens 3 TorenUnterschied wäre für mich ein "riesgengroße" Überraschung.

    Gefragt werden könnte in diesem Zusammenhang Manches, z.B.:

    Womit erklärst Du die insgesamt großartige Leistung Deiner Frankfurter , nicht nur, aber eben auch bezogen auf die jetzige Spielzeit? Bobic, Hütter und…..???

    Wie läßt sich das "BVB-Tief" erklären?
    Watzke, Zorc, die Trainer?
    Überheblichkeit/"Selbstüberschätzung von Reus, Brand u. Co?
    Ist es das derzeitige Tief des BVB nur ein momentanes oder der Anfang von……????
    Dazu gibt es ja schon interessante Meinungen in vorangegangenen Beiträgen.

  • #6
    thomas weigle

    @ Walter Stach
    Was die SGE angeht, so hat die sportliche Führung in den letzten Jahren ruhig und gut gearbeitet, Hütter als Trainer war und ist ein Glücksgriff, der es innerhalb kürzester Zeit von Hütter wer? zum "Adi" in der Fanszene gebracht hat. Das, obwohl sein Einstand desaströs war: 0:5 im Wischiwaschicup gegen die Bayern und das ernüchternde Pokalaus als TV in Ulm in der ersten Runde.
    Viel liegt auch an Kostic,die gute Phase der SGE hängt auch mit seiner Rückkehr aus der Verletzungsphase zusammen. Seitdem trifft ja auch Silva wie er will, der die Bälle das "Flankengottes" Kostic sehr schön verarbeitet.
    Der Kader ist gut zusammengestellt und man konnte auch den Weggang von Abrahams in der Winterpause kompensieren, selbst die "Gelbsucht" der Eintracht, der relativ oft Spieler zum Opfer fielen und fallen, fiel kaum ins Gewicht.
    Hinzu kommt, dass die Riederwälder eklig zu bespielen sind, sie geben keine Ruhe und kaum einen Ball verloren, ein Beweis sind bereits 6 Eigentore zugunsten der SGE, wobei nur das Eigentor der Unioner aus dem Rahmen fiel, denn Andrich, war anders als Schulz bspw nicht in Bedrängnis.
    Was den BVB angeht: ich verstehe es nicht.

  • #7
    Holgaaaa

    Unerklärlich dieses Spiel gegen City. Da kann man mal sehen was da für Söldner am Platz stehen. In der Bundesliga spielen die den letzten Rotz, aber wenn man sich in der Champions League für andere Vereine präsentieren kann, geben die Gas. Pfui! Echte Liebe? Ein Witz! Da ist jeder ne wirkliche Ich-AG und der Verein ist denen scheissegal. Das ist das Ergebnis dieser Ausbildungsverein-Politik der Herren Watzke und Zorc. Die sehen alle nur sich selbst und ihre Entwicklung (und Vermarktung) aber der Verein ist denen scheissegal.

    Sorry, aber ich hab echt kein Bock mehr auf den BVB. Es müssen wieder mehr Leute her, die alles reinhauen und länger im Verein bleiben. Nur so entwickelt sich eine Identifikation zwischen Fans und Mannschaft. Hier werden nurnoch hochtalentierte Spieler ( ohne Identifikation mit dem Verein) geholt um diese gewinnbringend weiter zu verkaufen. So scheffelt man vielleicht ein bisschen Geld, man holt aber keine Titel (und Leipzig läuft uns den Rang ab).

  • #8
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Holgaaaa: Auch in der Bundesliga waren die Leistungen in den Top-Spielen häufig besser als gegen die vermeintlichen Underdogs. In Leipzig war die Leistung des BVB z.B. auch klasse. Ich sehe das ähnlich wie du: Die derzeitige Personalpolitik ist keine erfolgversprechende. Die Spieler betrachten den BVB vielfach nur als Durchlauferhitzer. Und das ist nicht dass, was man sich als Fan wünscht.

  • #9
    WALTER sTACH

    Thomas Weigle -6-
    danke für Deine Erklärungen zur derzeitigen Verfassung Deiner Eintracht -einleuchtend und nachvollziebar.

    Zum BVB:
    Wider meine Prognose -6- hat der BVB gestern bei ManCity……
    Mich hat die Mannschaft jedenfalls mit der knappen Niederlage gestern angenehm überrascht (sehr überrascht). Das bewirkt allerdings bei mir nicht eine Änderung meiner derzeit sehr, sehr skeptischen Einstellung gegenüber der Mannschaft und zur Zukunft des BVB.

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