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Musik vom Wühltisch: Pop mit Pose

Plattencover des Best-of-Samplers: Def Leppard, The Story so far. Foto: Mario Thurnes

Plattencover des Best-of-Samplers: Def Leppard, The Story so far. Foto: Mario Thurnes

Die Schneeflocken streamen. Die Boomer stecken das Geld ihrer B3-Renten in ihre Schallplatten-Sammlung. Und die Generation X? Die findet ihre Musik und dessen Tonträger auf dem Wühltisch. Davon berichtet diese Serie. Heute: Def Leppard, Pop mit Pose.

Schweiß. Live-Videos. Bunte Gitarren. Und mächtige Drum-Stationen. Aber vor allem: Schweiß. Das ist die Ästhetik des Hardrocks. Oder auch „Heavy Metal“. Junge Männer mit langen Mähnen. In denen der Schweiß so richtig hängen bleibt.

Heavy Metal ist mehr als eine Musikrichtung. Es ist ein Lebensgefühl. Die Gewissheit, kein Popper zu sein. Kein Angepasster. Einer, der dem Lehrer nach dem Mund redet. Nein. Als Metaler gehörst du zu den harten Jungs. Den Rebellen, Desperados, den Harten und Starken.

30 Jahre und unzähligen Bürobesprechungen später der Blick zurück. Und wenig Wunder. Die Selbstdefinition als Rebell stimmt nicht nur nicht mehr. Sie war schon immer eine Selbstlüge. Und auch manche Band von damals verliert im Rückblick an Glanz. Zum Beispiel Def Leppard. Von der bleibt nicht mehr als Pop mit Pose.

Die Unterklasse gibt es als Best-of

Auf dem Wühltisch gibt es zwei Klassen von Künstlern. Von der Oberschicht gibt es noch Studienalben zu kaufen. Die Unterklasse ist nur noch in Best-of-Zusammenstellungen erhältlich. So wie Def Leppard.

Die CD eingelegt. Die ersten Töne laufen. Noch ist da die Hoffnung. Gott, gib mir knallige Gitarrenriffe, knüppelharte Basslines und ein alles nach vorne treibendes Schlagzeug. Und vor allem gib mir dieses Rebellengefühl zurück. Auch wenn es nur für eine knappe Stunde ist.

Doch wer jemals im Büro einer Tippgemeinschaft angehört hat, war nie ein Rebell. Und wer dachte, es mal gewesen zu sein, weil er Bands wie Def Leppard gehört hat, der muss die nächsten 60 Minuten mit sich ins Reine kommen. Denn hart will vielleicht die Pose sein – die Musik ist es definitiv nicht.

Nahe an Modern Talking

Was da läuft, liegt nicht nur zeitlich nahe an Modern Talking. Auch musikalisch gibt es mehr Übereinstimmungen, als du es dir seinerzeit zugestehen wolltest. Harmonien, Sprachniveau und Story Telling erinnern eher an Cherry Cherry Lady als an Slayer oder Anthrax.

Der Titel der CD, „The Story so far“, soll suggerieren, dass den Briten noch eine Zukunft bevor steht. Und auch für Wikipedia hat sich ein wohlwollender Autor gefunden: „Def Leppard touren auch heute noch als erfolgreiche Rockband um die Welt und können sich auf eine treue Fangemeinde verlassen.“

Doch in der Öffentlichkeit ist von der Band so gut wie nichts mehr zu hören. In der Serie Mom gab es eine Replik. Die Hauptfigur wird gehänselt: Für eine ehemalige Stripperin habe sie nur ein sehr schlechtes Taktgefühl. Sie kontert: „Als Stripperin ziehst du dich aus und dazu läuft Def Leppard. Das ist alles.“

So ist denn „Pour some sugar on me“ der Song, der wie kein anderer für Def Leppard steht. Das soll hart sein und böse, ist aber nur Pop mit Pose. Eine Illusion. So wie ein Lapdance von Erotik auch nur träumen lässt. Im Hintergrund post jemand: „Pour some sugar…“

Serie Musik vom Wühltisch: Def Leppard war Pop mit Pose
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Ein Kommentar zu “Musik vom Wühltisch: Pop mit Pose

  • #1
    Christian

    Das mit der Musik kann und mag man so sehen. Dass Def Leppard in der Öffentlichkeit nicht mehr passieren, ist einfach nur schlampig recherchiert: jüngst Aufnahme in die R & R Hall of Fame mit dem größten Fanvote ever, die vielbeachteten und kommentierte Ankündigung der Stadientour mit Mötley Crüe und Poison…und so lange ist das letzte Studioalbum auch nicht her. Da scheint ei er die Band auf keinen Fall mögen wollen, obwohl sie zu ihrer Hochzeit genreprägend war und Klassiker produziert hat.

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