3

Musik vom Wühltisch: Pophistorische Perle

Eine Perle vom Wühltisch: Johnny Cash und Willie Nelson, "VH1 Storytellers". Foto: Mario Thurnes

Eine Perle vom Wühltisch: Johnny Cash und Willie Nelson, „VH1 Storytellers“. Foto: Mario Thurnes

Die Schneeflocken streamen. Die Boomer stecken das Geld ihrer B3-Renten in ihre Schallplatten-Sammlung. Und die Generation X? Die findet ihre Musik und dessen Tonträger auf dem Wühltisch. Davon berichtet diese Serie. Heute: Johnny Cash und Willie Nelson, „VH1 Storytellers“.

Der Wühltisch ist wie ein Strand: Sehr viele Muscheln liegen dort rum. Und ab und zu erwischt man eine Perle darin. Dazu gehört der Mitschnitt eines Konzertes, das Johnny Cash und Willie Nelson gemeinsam für VH1 gegeben haben. In der Reihe „Storytellers“.

Schon das ist Zeitgeist pur: Der Versuch, einen Musiksender als Konkurrenz zu MTV zu etablieren. Und dann wiederum dessen Versuch, mit einer Konzertreihe gegen die „Unplugged“-Konzerte des großen Bruders anzustinken. Die hat Künstlern wie Eric Clapton oder Nirvana ihre besten CDs beschert.

Die „Storytellers“ sind nicht annähernd derart schwungvoll in die Musik-Geschichte eingefahren. Wobei die Aufnahme Cashs und Nelsons es verdient hätte. Schon allein wegen des Humors der beiden. Die greifen das Konzept des Senders auf und veralbern es: Sie sollen nicht nur ihre Songs spielen, sondern auch die Geschichte dahinter erzählen.

Sorge ums Image

Nelson berichtet von seinen Fahrten von zuhause in den Club, in dem er in jungen Jahren gespielt habe. Drei Songs habe er da an einem Abend geschrieben. Um dann die nächsten Songs damit anzukündigen, dass das einer der drei Songs sei. Cash liefert Anekdoten von seiner Frau und von Bob Dylan.

Vor allem aber sind die beiden witzig. Nelson beklagt, dass Kaffee, Wasser und Heiße Schokoladen vor ihnen stünden, weshalb er sich Sorgen um sein Image mache. Worauf Cash auf Englisch kontert: So lange er Schwarz trage, teile er diese Sorgen um sein Image nicht.

Brillant wird die Aufnahme, wenn Cash in seiner markanten Stimme singt und Nelson dazu den Gitarrenpart gibt. Von „Riders in the sky“ gibt es unzählig viele Versionen. Wer die beste liefern will, wird sich an der Aufnahme der beiden von 1998 messen müssen.

Weiße, alte Männer

Die beiden weißen, alten Männer waren schon vor 22 Jahren aus der Zeit gefallen. Girl- und Boybands bestimmten die Szenerie. Tanzbar war angesagt. Countrysänger mussten sich schon mit anderen zusammentun, um medial nicht unterzugehen. Doch gerade dass die Aufnahme auch damals bereits aus der Zeit gefallen war, macht sie heute zu einer Perle.

Cash performt seine Klassiker authentischer und besser, als es ihm je im Studio gelungen ist. Auch nicht, als er mit den American Records Musikgeschichte schrieb. „Folsom Prison Blues“, „I still miss someone“, „Drive on“ oder „Don’t take your guns to town“ sind unter anderem zu hören.

Als das Konzert zu Ende geht – mit Nelsons „On the road again“ – versichern sich beide, dass sie da gerade eben sehr viel Spaß gehabt haben. Genau das hört der Fan: Nämlich dass sich da nicht zwei abgequält haben, um noch ein paar Cent zu verdienen – sondern weil sie eben Lust auf Musik hatten. Und die überträgt sich auch auf den Hörer.

"VH1 Storytellers" von Cash und Nelson ist eine Perle auf dem Musik-Wühltisch
RuhrBarone-Logo

3 Kommentare zu “Musik vom Wühltisch: Pophistorische Perle

  • #1
  • #2
  • #3
    chartbreaker

    Ach Herrje.

    Neulich saß im Zug so ein Früchtchen, dass sich Möchtegängsterrippchen anhörte. Mein Blick war aber intensiv genug, sodass er sich wegsetzte. ;)))))))))

    Also mein Tip für die aufheiternde Entspannung zwischendurch wäre von Vianney der Titel Dumbo.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.