5

Nachruf auf Peter Falk

„Wenn ich den Täter habe, werden Sie der erste sein, der es erfährt. Das verspreche ich Ihnen.“ Inspektor Columbo ermittelt schonseit Jahren nicht mehr. Am Donnerstag starb sein Darsteller, Peter Falk.

Peter Falk (16.09.1927 - 23.06.2011)

„Wenn ich den Täter habe, werden Sie der erste sein, der es erfährt. Das verspreche ich Ihnen.“ Hundertmal gehört und gesehen, so kommt es mir jedenfalls vor. Dabei gibt es nur 69 Folgen von Columbo, und ich bin nicht ganz sicher, ob Peter Falk diesen Spruch in jeder Episode zum Besten gegeben hatte. Ich nehme an, in den Folgen mit einem Mörder, für den oder die man zumindest etwas Verständnis aufbringen konnte, kam dieses „Versprechen“ nicht vor.
Andererseits: einige Columbo-Filme habe ich zweimal gesehen, recht viele sogar. Manche sogar dreimal. Insofern könnte „hundertmal“ tatsächlich hinkommen. „Wenn ich den Täter habe, werden Sie der erste sein, der es erfährt. Das verspreche ich Ihnen.“ Immer wieder ein Schenkelklopfer! „So Freundchen, das hast Du jetzt davon!“ freuten wir uns; denn wir wussten nicht nur, dass es der Mörder war, der sich dieses Versprechen anhören durfte.
Wir wussten auch, dass Columbo dies freilich ebenfalls längst wusste und nur noch die Reste der Beweiskette zusammenkramte („howcatchem“ heißt diese Sorte Krimis, die dem Zuschauer bereits zu Beginn den Mörder mitteilen). Und wir ahnten, nein: wir wussten, dass Columbo den Mörder überführen wird. Wir kannten – und kennen – ja unseren Columbo.

Ich sehe nicht viel Fernsehen, allenfalls Nachrichtensendungen oder Polit-Talkshows. Ich weiß: klassischer Angeberspruch, kommt aber bei mir hin. Und Krimis sehe ich mir schon gar nicht an. Ganz selten vielleicht mal einen „Tatort“. Aber Krimiserien, erst recht US-Krimiserien? Um Himmels willen! Diese Abneigung kann daran liegen, dass ich als Kind eine Überdosis von diesem Stoff zu mir genommen hatte.
Klar, auch Columbo ist eine US-Krimiserie. Ehrlich gesagt ist mir dies aber jetzt erst beim Schreiben aufgefallen. Columbo war – und wegen der vielen Wiederholungen können wir sagen: ist – doch etwas völlig anderes. Na klar, auch hier geht es während der ganzen Episode im Grunde genommen ausschließlich um eine sadistische Verfolgungsjagd. Auch bei Columbo stehen wir auf der richtigen Seite; denn der Mörder muss seiner gerechten Strafe zugeführt werden.
In Kalifornien war und ist dies die Todesstrafe, und Columbo war bekanntlich Inspektor bei der Mordkommission des Los Angeles Police Departments. Hin und wieder ist mir dies beim Betrachten eines Columbo-Films in den Sinn gekommen, habe diesen Gedanken jedoch sogleich wieder verdrängt. Denn erstens wäre dabei nichts anderes herausgekommen, außer dass ich mir selbst ein schönes Stück Fernsehunterhaltung kaputtgemacht hätte. Und zweitens war – und ist – Columbo wirklich anders.

Columbo, ich will es gestehen, war in gewisser Weise mein Idol. Das lag selbstredend an der Figur; das lag aber genauso an dem Schauspieler, der diese Figur darstellte, also an Peter Falk. Anfang der sechziger Jahre, lese ich jetzt, hat ein anderer Darsteller Columbo gespielt. Ich gehe davon aus, dass dies nicht nur mir unbekannt war. Columbo war Peter Falk, und Peter Falk war Columbo.
Möglicherweise ist diese Betrachtung ein wenig ungerecht Peter Falk gegenüber, hat er doch – wie bei Wikipedia nachzulesen – in etlichen anderen Filmen und Theaterproduktionen mitgespielt. Es hilft aber nichts: Peter Falk ist Columbo, Columbo war die Rolle seines Lebens, und Columbo war – und ist – der Held. Mein Held und der Held vieler anderer Leute.
Columbo wirkte vergammelt und trottelig – auf den ersten Blick. Also aus Sicht des Täters, seines Gegenspielers. Wir wussten ja nicht nur über Mord und Mörder Bescheid, sondern auch über das Wesen des Inspektors. Columbo war eben nicht unordentlich und begriffsstutzig, sondern hochintelligent und brandgefährlich.

Daran wird es gelegen haben, dass wir diese Figur so sehr gemocht haben. Er das als Schwachmat unterschätzte Superhirn, und wir … – wie auch immer, ob das Abbild oder das glatte Gegenteil unserer selbst: wir konnten oder wollten uns zumindest mit Columbo identifizieren. Und dann der zerknautschte Trenchcoat, die verbeulte Schrottkarre – mich jedenfalls hatte Columbo in hohem Maße beeinflusst.
An seine Sympathiewerte bin ich dennoch nie im Entferntesten herangekommen. Das kann nicht nur daran liegen, dass ich nicht ganz so trottelig rüberkomme und bei weitem nicht so intelligent bin wie er. Höchstens in Sachen Zwanghaftigkeit kann ich so halbwegs mithalten. Egal: es kann nicht nur an der Figur gelegen haben. Es war der Typ.
Es war Peter Falk, der aus der Drehbuchfigur Columbo das und den gemacht hat, den wir bis heute verehren. Sein verschmitztes Lächeln wie seine unerbittliche Entschlossenheit, seine glaubhafte Betroffenheit und sein lebensbejahender Hedonismus (immer diese Zigarre!). Sein Watschelgang und seine plötzlichen Kehrtwendungen – nur Peter Falk konnte nachvollziehbar diese Figur mit Vornamen „Inspektor“ verkörpern. Der Hund hieß „Hund“ und die Ehefrau „Mrs. Columbo“. So weit …

Ach, eine Frage hätte ich da noch …
Inspektor Columbo kann sie jedoch nicht mehr beantworten. Er ist schon einige Zeit tot, weil Peter Falk in den letzten Jahren unter Demenz und Alzheimer litt. Am Donnerstag, den 23. Juni 2011, verstarb Peter Falk im Alter von 83 Jahren. Ich werde ihn gewiss zeit meines Lebens nicht vergessen.

RuhrBarone-Logo

5 Kommentare zu “Nachruf auf Peter Falk

  • #1
    Werner Jurga Beitragsautor

    Beim Todesdatum, 23. Juni 2011, habe ich mich auf die Angabe in der Tagesschau und bei Wikipedia verlassen. Jetzt habe ich im Tagesspiegel gelesen, Peter Falk sei bereits am 21. Juni verstorben.
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/columbo-darsteller-peter-falk-ist-tot/4322648.html

  • Pingback: zoom » Umleitung: Von Löhrmanns Schlappe über Peter Falk zum vibrierenden WAZ Haus. «

  • #3
    lebowski

    „Er das als Schwachmat unterschätzte Superhirn..“

    Dachte ich auch immer, bis ich mir letztens die ersten Columbos angeschaut habe.
    Columbo wurde gar nicht unterschätzt. Schon im ersten Fall bezeichnete der Mörder Columbo als kleinen fiesen Kobold, der einen ständig im Nacken sitzt.

    Ich vermisse die Krimiserien der Siebziger: Rockford, Petrocelli, Columbo, Starsky & Hutch, Quincy. Der heutige CSI-Quark geht mir auf die Nüsse.

  • #4
    Mir

    … die steinsche Endlosschleife … rose is a rose is a rose … kennst du eine Folge von Columbo weißt du wie die nächste ausgeht … und die übernächste … und die übernächste … wie langweilig … Peter Falk hatte viel mehr drauf … die Welt ist rund und Peter Falk ist tot.

  • #5
    Werner Jurga Beitragsautor

    @ mir (#4): „kennst du eine Folge von Columbo weißt du wie die nächste ausgeht …“
    Ja, am Ende ist der Mörder überführt. – Um mit Hapa Kerkeling („Hurz!“) zu sprechen: „Dann muss ich sagen: Ihnen fehlt Zugang!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.