23

Neuer, öder Imagefilm fürs Ruhrgebiet

Die Messlatte lag ja nicht besonders hoch – die meisten Werbefilme für das Ruhrgebiet und seine Städte sind ja so öde wie das Marler Nachtleben. Aber erstaunlich: Der Wirtschaftsförderung „Metropole“ Ruhr (Sorry, die heissen wirklich so) ist es gelungen, selbst diese Latte zu reissen. Der Imagefilm, mit dem in diesem Jahr auf der Immobilienmesse Expo Real Investoren für das Ruhrgebiet begeistert werden sollten, hat zwei Ideen: Die Bilder etwas schneller laufen zu lassen und ab und ein ein „hier…“ einzublenden. Das soll auf Lebensqualität verweisen. Originelleres fällt wohl jedem Trunkenbold morgens um drei am Tresen ein. Wer den Film gesehen hat weiß, dass es im Ruhrgebiet Häuser, einen Fluss, Autobahnen und Büros gibt – der Neuigkeitswert hält sich also in Grenzen. Von Charme müssen wir in diesem Zusammenhang sowieso nicht reden.

RuhrBarone-Logo

23 Kommentare zu “Neuer, öder Imagefilm fürs Ruhrgebiet

  • #1
    Berry

    Ich muss Dir recht geben.

    Langweilig. Verführt nicht. Ich werde nicht neugierig.

    Aber, ganz ehrlich. Es ist nicht einfach etwas spannendes aus dem Ruhrpott zu machen.

    Wir haben manchmal Jugendgruppen bei uns zu Besuch. Dann gehe ich hier z. fremdenverkehrsbüro und frage ‚was können wir an dem Tag unternehmen? Es muss für junge Menschen sein!‘ bis jetzt habe ich noch nie etwas brauchbares empfohlen bekommen.

    Was hätte Inhalt sein müssen in einem Promofilm? Damit Potentielle Firmen sich hier ansiedeln?

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Berry: ich würde bei so einem Film das einzige in den mittelpunkt stellen, mit dem das Ruhrgebiet punkten kann: Dass es eine vergleichsweise offene Region ist, in der man schnell Kontakt findet und die Menschen andere akzeptieren. Den Schmelztiegel Ruhrgebiet. Alles was wir sonst haben, haben alle anderen auch und das meistens besser. Das mag auch kein grandioses Werbeargument sein, aber man könnte es über Jahre ausbauen. Und wenn man dass dann schafft, ohne in peinliche Stereotypen zu verfallen, könnte das vielleicht ganz gut werden.

  • #3
    Novinky Schleich

    …und dieser klasse Schriftsatz! „hier, hier, hier,“ Ist das Arial?

    Na Hauptsache die Rechtschreibung ist korrekt und ein Komma ist dabei. Wenn man das „Hier“ nicht genau bestimmen kann, dann lässt man eben die Bilder etwas schneller laufen.

    Meine Highlights:
    Ein beherztes „hier,“ (0:45)
    Eine zweispurige Autobahn (1:02)
    Ein glückliches Mädchen (2:11)
    Apple (2:27)
    Schön am Fluss mit Ast (2:38)
    Hohe Kante (2:45)

    Was soll das? Eine Region als visueller Treppenwitz?

    Wer übrigens dachte, dass man zuerst mehrere „hier,s“ in der Totalen sieht, die anschließend in einem Zoom konkretisiert werden…. das haut nicht hin…

    Was noch? Entweder: Immer mit Filter (z.B. ab: 1:18 und 2:49) oder: Immer ohne Filter: z.B. ab 1:00….diese flauen Landschaften kann man sich wohl sparen…Da hätte der Praktikant nicht extra auf die Hohensyburg rauflaufen müssen….

    wie auch immer.

  • #4
    Franz Przechowski

    Liebe Metropolregion Ruhr,
    mein Papa hat mir Deinen Film von der Messe „Expo Real“ mitgebracht. Mein Papa ist ein ganz wichtiger Mann. Er hat sehr viel Geld und baut damit manchmal große Häuser für seine Firma. Deshalb ist er auch zur Messe gefahren, um nach guten Plätzen zu suchen. Mein Papa sagt, daß die Leute aus dem Ruhrgebiet sehr lieb sind. Aber er wird sein neues Haus anderswo bauen, weil…naja weil das halt so ist. Mir hat Papa dann die DVD mit dem Kinderfilm gegeben. So hat er es gesagt. Aber das ist ja gar kein Kinderfilm! Der ist ja gar nicht spannend gemacht. Auch kann ich überhaupt nichts neues lernen.Und dann immer das komische „…hier“. Was ist denn „hier“ besonderes los? Papa sagt immer: „Die im Ruhrgebiet können es nicht“. Ich werde meinem Papa sagen: „Filme machen können die auch nicht. Behalte den nächsten für Dich“.
    Dein Julian (8)

  • #5
    Robin Patzwaldt

    Wie hoch waren die Produktionskosten? 12,50 Euro? Und was wurde am Ende abgerechnet für das Machwerk? Ach nee, ich will es lieber gar nicht erst wissen…. Sonst muss ich mich nur wieder aufregen….

  • #6
    der, der auszog

    Leute, es geht noch schlechter. Ihr solltet euch mal die Imagefilme der Stadt Gelsenkirchen von 2009 anschauen, produziert von Christian Gerstenberger (derwesten)

    http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/Gelsenkirchens-neues-Image-id2135987.html

    In den Hauptrollen:
    Karl Heinz Petzinka – THS
    Joachim Hampe – Wirtschaftsförderung
    und natürlich Gelsenfrank als Oberbürgermeisters

  • #7
    Robin Patzwaldt

    @der, der auszog: Da hast du Recht. Da waren die Produktionskosten ganz offensichtlich 0. Soetwas macht man mit seiner Heimkamera in gleicher Qualität mit der Familie. Und nicht einmal die Versprecher wurden noch einmal gedreht. Schon gruselig…

  • #8
    Martin Schulmann

    @der, der auszog und @ Robin Patzwald

    es handelt sich hier natürlich nicht um einen Imagefilm der Stadt Gelsenkirchen, sondern um ein Produkt des Online-Portals „derwesten“. Ich empfehle aber mal den einen oder anderen Film der Stadt anzuschauen und dann bin ich an Eurer Meinung durchaus interessiert:

    (http://www.youtube.com/user/GelsenkirchenStadt#p/u/11/agixH4SvF0k)
    (http://www.youtube.com/user/GelsenkirchenStadt#p/u/8/ls2s1AqP5XM)

  • #9
    123energie

    Vielleicht hätte man besser mal in Nachwuchs investiert. Junge Filmstudenten hätten bestimmt etwas Spannenderes daraus gemacht. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht: http://blog.123energie.de/materia-%E2%80%93-ein-film-gegen-die-zerstorung-der-erde/

  • #10
    Berry

    @Stefan

    möglicherweise könntest Du (mehr als) recht haben.

    Mich fragt man oft „wie kommt ein Holländer bloss im Ruhrgebiet?“

    Oft in Zusammenhang mit dem Modern Dance Center. Jede Großstadt würde sich freuen etwas ähnliches in der Stadt zu haben.

    Und die Antwort ist immer „weil ich die Leute hier so gut leiden kann!“ Dortmunder sind genau wie Rotterdammer (da wo ich herkomme) Gleicher Schlag, ähnliche Politik, ähnliche Fußballballmannschaft (sag hier lieber nix, ne), kaputt bombardiert im Krieg. Könnten Schwester sein.

    Diese Mentalität, die hier doch überall herrscht könnte tatsächlich ihre Stärke sein. Nicht labern, anpacken.

    Angezogen hat mich vor 30 Jahre die Energie.

  • #11
    Robin Patzwaldt

    @Martin Schulmann: Qualität besser, aber auch langweilig und recht bieder, wenn du mich fragst.

    Was da die Dame bei Laufzeit 1 Min. im Film sagt, dass sie geheult hätte als sie gehört hat, dass sie nach Gelsenkirchen umziehen musste, das habe ich im Bekanntenkreis auch erlebt. Zwei Leute aus Süddeutschland mussten beruflich nach GE. Beide haben es nicht ausgehalten, haben den Job in GE geschmissen und sind zurück nach Süddeutschland nach ein paar Monaten…. Gelsenkirchen gefällt nicht jedem, der die Region hier nicht gewohnt ist.
    Obwohl das Image immer noch schlechter zu sein scheint als die Realität, denn ich kenne auch ganz viele Leute die gesagt haben, dass sie positiv überrascht waren, als sie das erste mal hier waren. Ob man sich darüber aber dann freuen soll? Denn ‚besser als erwartet‘ heisst ja noch immer nicht ’schön‘. Das Image scheint immer noch katastrophal zu sein, wenn man aus anderen Regionen Deutschlands hierher in den Pott kommt.

  • #12
    Georg Kontekakis

    es geht immer darum Geschichten zu erzählen. SPANNENDE Geschichten.

    Hier wird eine langweilige, baumöde Fastgeschichte erzählt. WO IST DER BOGEN?

    DER SPANNUNGSBOGEN.

    Wieso kriegen die da Geld für?

  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Robin: Wenn die Leute sagen „besser als erwartet, aber nicht gut“ hat das nichts mit dem Image zu tun sondern mit der Realität im Ruhrgebiet. Hier lügen sich viel zu viele in die Tasche und reden sich die Region schön. Solange das nicht aufhört, wird sich nichts bewegen.

  • #14
    Robin Patzwaldt

    @Stefan: Aber die Region wird von Auswärtigen häufig noch ‚dreckiger‘ und ‚grauer‘ erwartet als sie ist. Prominentes Beispiel ist Jürgen Klopp, der sich damals, als er in Dortmund Coach wurde positiv überrascht zeigte, dass Dortmund viel ‚grüner‘ sei, als er gedacht hätte. Wie gesagt, dass muss aber nicht viel heissen. Wenn er in der Stadt nur insgesamt drei Bäume erwartet hätte, dann hätte er sich über vorhandene 10 Bäume ja schon als positiv überrascht geäussert. 😉

    Aber Du hast natürlich Recht. Und die heute hier diskutierten ‚Imagefilme‘ zeigen ja auch, dass das Ruhrgebiet trotz allem noch ziemlich gesichtslos ist. Denn die in den Filmen gezeigten Sehenswürdigkeiten haben überregional wohl kaum eine Bedeutung. So war u.a. auch das alte Schiffshebewerk in Waltrop zu sehen. Was mich als Waltroper zwar freut, was ausserhalb der Region hier aber kein ‚Schwein‘ kennt….

  • #15
    chrispi

    Ich oute mich: Ich find’s gut!

    Ob’s neugierig darauf macht, hier Häuser zu bauen, kann ich nicht einschätzen, aber der Film zeigt die Vielfalt, die man entdecken kann, wenn man sich drauf einlässt. Typisch Ruhrgebiet gibt es sowieso nicht und natürlich gibt es Häuser, Flüsse und Fabriken auch woanders. Genau deshalb ist es richtig, die weichen Faktoren rauszustellen und die Kulturszene zu betonen. Von Kleinkunst bis Großkonzert. Von Fußball bis Badestrand.

    Mir gefällt gerade der schnelle Vorlauf als Stilmittel, der die Region sehr pulsierend wirken lässt und für die Wortbeiträge wird dann immer eine Ruhepause eingelegt, nicht nur im Tempo sondern auch optisch mit der Locationwahl (Bett, See, Strandbar).

    Davon ab: Menschen kommen ja nun reichlich vor.

    Für einen Clip, der – wenn ich das richtig verstehe – am Messestand in Dauerschleife laufen wird, schon passend.

  • Pingback: Links anne Ruhr (27.10.2011) » Pottblog

  • #17
    Eva

    Stefan, Du hast den Grundgedanken dieses Films nicht verstanden. Hier wurde ein Produkt geschaffen, das recycelt werden kann. Dafür wurden beliebige Bilder aus einem Ballungsgebiet zusammengestellt, die nicht eindeutig einer Region oder Stadt zuzuordnen sind. Einfach nur banale Impressionen des Großstadtlebens. Dies bietet der Agentur den ungeheuren Vorteil, dass sie den Film mehrfach an verschiedene Städte und Regionen verkaufen kann, ohne etwas ändern zu müssen. Das ist doch sehr ökonomisch! Ein Produkt, das kaum Produktionskosten verursacht hat, dann aber mehrfach verkauft werden kann.
    Ein interessanter Nebennutzen ist noch, dass die Freundinnen und Frauen der Werbefilmer im Film auftreten durften, mit einem so einfachen Text („Hier!“), dass auch Laien daran nicht scheitern. Dies dient der Beziehungspflege. Ist doch nett von den Werbefilmern, dass sie auch ihre Freundinnen berücksichtigen.
    Also bitte nicht so kritisch! 😉

  • #18
  • #19
    Georg Kontekakis

    Wieso kriegt die Agentur

    CP COMPARTNER

    diese Aufträge? Und verkackt?

    Ich finde das sind Amateure.

  • #20
    Arnold Voß

    Wo bisse? …Hier!… Ehrlich?…Glaubse mir nich? ….Doch. Aber wieso gerade hier? … Weil woanders auch scheiße is!

  • #21
    Mir

    Einige Tage in Köln. Ehrlich, ich wollt´gar nicht mehr zurück ins Ruhrgebiet. Richtig cool dort – Tag wie Nacht.

    Der Imagefilm übers Ruhrgebiet tröstet nun gar nicht.

  • #22
  • #23
    Jens König

    #15 schrieb: „Davon ab: Menschen kommen ja nun reichlich vor. “

    Ja, aber doppelt.
    Siehe 3:27 und 1:46. Der Herr im weissen Hemd.

    Ansonsten ist der Film eine Nullnummer. Bis auf die Dame im weissen Hemd.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.