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Nicht alle Linken haben die Gefahr des Islamismus ignoriert


Ohne Frage, die Beiträge von Kevin Kühnert und Sascha Lobo gestern im Spiegel waren gut und wichtig. Zurecht prangerte Kühnert die mangelnden Reaktionen in Deutschland auf die Ermordung des französischen Lehrers Samuel Paty an: „Insbesondere die politische Linke sollte ihr unangenehm auffälliges Schweigen beenden.“ Und stellt fest: „Wir, die wir uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit der aus Krieg und Terror gegen jede Wahrscheinlichkeit gewachsenen französisch-deutschen Freundschaft versichern, finden keine Worte für unsere Nachbarn“ Lobo geht sogar weiter, wenn er schreibt: „Auf einen rechtsextremen Mord folgt linke Empörung, auf einen islamistischen Mord folgt eine stille, linke Zerknirschtheit, wie man sie Erdbebenopfern entgegenbringt. Manchmal sogar ergänzt durch Relativierungen. Zum Mord in Paris schrieb jemand ernsthaft: “Ist nicht der Kapitalismus und sein Umgang mit armen Menschen und Ländern am islamistischen Extremismus schuld?”“

Nur gibt es die eine Linke nicht. Ja, es stimmt. Große Teile der antiimperialistischen Linken gefallen sich in der Rolle der Islamistenkuschler, ignorieren oder bestreiten die Gefahr islamistischer Banden, sehen in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus Islamisten sogar als Verbündete und teilen mit ihnen den Wunsch der Vernichtung Israels.

Sie und die angesagten postmodernen Berufsrelativierer, für welche die Aufklärung nichts weiter ist als eine verkommene Idee alter, weißer Männer können sich dabei auf Judith Butler berufen. Die Hip-Philosophin sagte über die antisemitischen und islamistischen Terroristenbanden Hamas  und Hisbollah „Ich glaube, es ist extrem wichtig, Hamas und Hisbollah als soziale, progressive Bewegungen zu verstehen, die zur Linken gehören, die Teil der globalen Linken sind.“

Aber es gab auch immer eine Linke, die sich gegen den Islamismus stellte. Ihre Magazine heißen Jungle World und Bahamas, sie werden als Antideutsche bezeichnet, verteidigen die Ideen der Aufklärung auch gegen den Islam und kamen wohl auf diesen Weg durch die Kritik am Antisemitismus und die Solidarität mit Israel. Ihre Gegner sind sowohl Rechtsradikale wie Islamisten, viele von ihnen gehören auch zu den erbittertsten Widersachern der Postmoderne. Sie waren es, die auch gegen Islamisten auf die Straße gingen und sie waren dabei oft alleine.

Im akademischen Bereich sind es unter anderem Ingo Elbe, Samuel Salzborn, Stephan Grigat
und Susanne Schröter, die seit Jahren vor der Bedrohung durch den Islamismus warnen und die von postmodernen Schneeflöckchen als TERF (Trans-Exclusionary Radical Feminism) geschmähte Alice Schwarzer will bis heute nicht einsehen, dass die Burka ein Symbol für weibliche Selbstbestimmung ist.

Auch  Heiko Heinisch, Nina Scholz, Ahmad Mansour und Hamed Abdel-Samad haben in zahlreichen Büchern vor der Gefahr des Islamismus gewarnt und seine Protagonisten benannt und beschrieben.

Es waren also nicht nur die Antideutschen, sondern auch liberale und bürgerliche Autorinnen und Autoren, die einen Fundus für eine nicht rechtsradikale Islamkritik legten.

In weiten Teilen der Politik hingegen sucht man die Nähe zu islamistischen Gruppen und redet sich ein, auch Salafisten und Muslimbrüder könnten Gesprächspartner sein, solange sie nicht militant wären. Genauso gut könnten demokratische Politiker den Dialog mit der NPD suchen, da ja nicht alle ihre Anhänger Naziterroristen sind. Warum also nicht mal eine Tasse Kaffee miteinander trinken und reden?

Wir müssen uns unserer Werte vergewissern. Wir stehen auf den Schultern von Giganten, den Menschen, die für die Aufklärung dachten, schrieben und auch kämpften. Für die Menschenrechte nicht relativierbar waren, die für die Rechte und die Idee des Individuums und seiner Selbstbestimmung stritten. Und wir müssen bereit sein, diese Werte gegen alle ihre Feinde mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, verteidigen. Und zu diesen Feinden gehören auch die Islamisten.

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5 Kommentare zu “Nicht alle Linken haben die Gefahr des Islamismus ignoriert

  • #1
    Helmut Junge

    Sascha Lobo schreibt etwas über Islamismus und ich reibe mir die Augen. Ist das der Beginn einer neuen Zeitrechnung?

  • #2
    abraxasrgb

    Helmut, ging mir ähnlich. Auch ein roter, einäugiger Hahn findet mal ein Körnchen Wahrheit & Vernunft 😉

  • #3
  • #4
    Onur

    Da muss die Stellungsnahme auf den Weg zum Pressebüro wohl verloren gegangen sein🧐.
    Was sind das für Erwartungshaltungen in dem Artikel und an wen richtet dieser sich überhaupt? Ich frage das wirklich ernsthaft, wer oder was ist mit "den Linken" gemeint, ist damit diese parlamentarische Partei gemeint oder der Havana Club saufende Kuba Förderverein, jeder mit einem Antifa Button am Tornister oder kriegt das Mensch erst bei einem Abonnement der Konkret und Jungle? Wer ist diese ominöse Linke und warum vergießt oder vermeidet diese alle paar Monate immer wieder einheitlich Stellung zu etwas super wichtigem zu nehmen? Kolumnisten von der Welt bis zur FAZ wissen dann aber immer aber dafür sehr genau Bescheid was diese "Linke" schon wieder nicht gemacht hat.
    Ach ja.
    Anti-Deu vs Anti-Imp ist noch ein Ding? Ernsthaft? 2005 hat Angerufen und will seine Debatte zurück. Jede Gruppe hat diese beiden "besonderen" Genossinnen und Genossen da bei sich sitzen. Die sind ja eigentlich auch ganz still und brav außer irgendwas streift mal "Ihr" Thema, dann wird es plötzlich super Leidenschaftlich. Als moderne Inklusions Antifa, dürfen die Einen 10 Minuten lang, ohne unterbrochen zu werden!, von den Gefahren des US-Imperialismus schwadronieren und dann hören wir uns, ohne zu unterbrechen!, 10 Minuten die verschiedenen Interpretationen der jeweiligen Adorno Zitate an. Dann sind beide nach der ganzen Aufregung auch schon super müde und die restlichen Tops können endlich in Ruhe bearbeitet werden.

  • #5
    Helmut Junge

    @abraxasrgb, heute ist ein Interview mit Dietmar Bartsch im Spiegel. Wieder zu diesem Thema. So langsam glaube ich an einen Richtungswechsel bei denen. Das wäre dann etwas anderes als eine Eintagsfliege von Herrn Lobo.

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