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Pro NRW: Beisicht inszeniert sich als Opfer

Markus Beisicht beim hetzen, Foto: (CC BY-NC 2.0) , Flickr via strassenstriche.net

Ein Hetzer fühlt sich gehetzt: Markus Beisicht, Foto: (CC BY-NC 2.0) , Flickr via strassenstriche.net

Markus Beisicht ist außer sich: „„Die Altparteien haben durch ihre Stigmatisierungskampagne gegen PRO NRW ein Klima der Intoleranz erzeugt. (…) Es wird alles versucht, damit unser neuer freiheitlicher politischer Ansatz nicht zum Zuge kommt.“  Der Spitzenkandidat der rechtspopulistischen Partei Pro NRW sieht sich als Opfer einer breit angelegten Kampagne gegen ihn und seine „Bürgerbewegung“. Er beklagt Vandalismus und Boykott, auch von seiten städtischer Vertreter. Die Selbstinszenierung als Opfer dunkler Machenschaften ist ein beliebtes Mittel abgehalfterter Politiker, um doch noch ein paar Prozent rausholen zu können.

Die FDP hat’s vorgemacht. Im Januar dieses Jahres erregte der liberale Hinterbänkler Joachim Günther Aufsehen mit seinem Aufruf zum „Medienboykott“. Er spricht von „Pressehetze“ gegen die Liberalen: „Die Medien mit linksgrüner Hysterie-Berichterstattung werden immer mehr zur 1. Gewalt im Staat“ klagt Günther. Er spricht von der „bewussten Irreführung“ des Lesers über seine Partei, Ziel sei eine „Verleumdungskampagne“. Im Nachhinein hat dies der FDP mehr geschadet denn genutzt. Das sterbende Pferd, stets zuckt es zum Abschied.

Rambo, politisch korrekt

Nun also sind die Islamhasser von Pro NRW dran mit jammern. „In der Klingenstadt Solingen sind nun schon zum zweiten Mal bei Nacht über 300 PRO NRW-Plakattafeln zerstört bzw. vernichtet worden.“ „Gewalttätiger Vandalismus“ sei das. Mehr noch: In der „völlig überfremdeten Volmestadt“ in Hagen sei es zu „massiven Behinderungen“ durch Verwaltungsmitarbeiter gekommen. Ein „überaus beleibter Herr“  sei mit einem schwarzen SUV auf das Fahrzeug der Pro-Plakatierer zugestürmt und habe „die hochschwangere Fahrerin“ („9. Monat“) angebrüllt. Er wolle dafür sorgen, dass die Plakate abgehängt werden.  Zuerst habe man im SUV „rasante Südländer“ vermutet. Der Mann stellte sich Beisicht zufolge aber  als Mitarbeiter der Stadtverwaltung vor. In „Rambo-Manier“ würden hier „heimatliebende Menschen“ von „wildgewordene(n) Blockwarte(n) der Political Correctness“ an der Ausübung ihrer demokratischen Grundrechte gehindert, so Beisicht.

„Amoklauf der Islamversteher“

Sowieso liefen „NRW-Minister (…) Amok“ gegen Pro NRW. Weil Integrationsminister Schneider und Innenminister Jäger sich gegen die geplante Provokationstour der antimuslimischen Agitatoren „zu 25 protzigen Großmoscheen und umstrittenen Islamistenzentren“ positioniert haben, bei der es auch einen Karikaturenwettbewerb geben soll, spricht Beisicht von einem „unglaublichen Anschlag auf die Kunst- und Meinungsfreiheit in Deutschland.“ Die Minister seien politisch-korrekte „Islamversteher“.

Auch in Düsseldorf werde man von den Stadtoberen boykottiert. Die Stadtverwaltung habe „über 300“ Wahlplakate der Rechten durch eine „private Sicherheitsfirma“ wieder abhängen lassen. Es sei „ein Skandal sondergleichen“, dass man die Pro NRW-Plakate „auf Kosten des Steuerzahlers“ abgehangen habe, sagt Beisicht, der angesichts des Vorfalles „außer sich“ ist. Die Düsseldorfer Stadtverwaltung erklärte gegenüber den Ruhrbaronen, die Plakate seien „vor der Frist“ und damit unrechtmäßig aufgehangen worden. „Die Altparteien zittern offenbar vor einem Wahlerfolg von PRO NRW“, ist sich Beisicht sicher.

Einsamer Wolf?

Dergleichen mehr gab er bereits Anfang des Monats von sich. Beim Plakatieren sei eine Gruppe Jugendlicher „mit türkischem Migrationshintergrund“ auf die Pros losgegangen, es sei zum „Handgemenge“ gekommen. Beisichts Lehre daraus: „Die jahrelange Hetze der Altparteien scheint nun aufzugehen. Aufgehetzte jugendliche Migranten starten nun offenbar zur Menschenjagd auf politisch Andersdenkende.“

Sätze wie diese runden die Inszenierung als Opfer finsterer Mächte, als einsamer Wolf, der ausspricht was alle denken, ab. Nach dem Motto „Viel Feind, viel Ehr‘“ missversteht die Partei in einem letzten Verzweiflungsakt offene Ablehnung mit Angst vor einem Wahlsieg von Pro NRW. Aktuelle Umfragen sehen das anders. Der Partei werden keine Chancen auf einen Einzug in den Landtag eingeräumt. Die Protestwähler werden von Anderen eingesammelt, egal, welche bürgerkriegsähnlichen Zustände Beisicht und Co. herbeireden. Noch zuckt das Pferd. Nach dem 13. Mai aber dürfte der Verwesungsprozess einsetzen.

Der Autor (er)spart sich die Verlinkungen auf die Pro NRW-Website

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14 Kommentare zu “Pro NRW: Beisicht inszeniert sich als Opfer

  • #1
  • #2
    Reinhardt

    Danke für die grandiose Unterhaltung zu Kaffee und Croissant!
    Die kraftvoll-blumige Rethorik dieser ewig gestrigen Filzpiepen kann kein Satiremagazin toppen. 🙂

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  • #5
  • #6
    Stefan Laurin

    @Nobbi: 0,9 wären besser – dann bekommen sie keine Parteienfinanzierung mehr 🙂

  • Pingback: Links anne Ruhr – und am Rhein (Landtagswahl #nrw12) 13.04.2012 » Pottblog

  • #8
    KuKu

    Karikaturenwettbewerb ist gut…, mit Beisicht als Karikatur eines Politikers und PRO NRW als Karikatur einer Bewegung. Ich freue mich schon wieder auf diverse Demonstrationen mit so erheiternden Parolen wie „Maria statt Scharia“ etc. Dieser Haufen ist insgesamt nur lachhaft.

  • #9
    Nobbi

    Pro-NRW ist doch gefährlicher als ich vermutet hatte:

    Eskalation zwischen Salafisten und Rechten befürchtet

    Eine provokante Aktion einer islam-feindlichen Bürgerinitiative: Sie wollen Karikaturen zum Thema Islam und Muslime vor Moscheen in Nordrhein-Westfalen ausstellen. Das Innenministerium ist alarmiert.

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article106183150/Eskalation-zwischen-Salafisten-und-Rechten-befuerchtet.html

  • #10
    Puck

    Nicht nur die Stilisierung als „Opfer“ ist typisch, sondern auch das Einfordern von Toleranz, was immer ein wenig erstaunt bei einer Partei, deren herausragender Programmpunkt die Intoleranz ist.

    Vielleicht sollte denen mal jemand den Unterschied zwischen Toleranz und Prinzipienlosigkeit erklären. Am besten jemand mit Engelsgeduld und überragenden pädagogischen Fähigkeiten, damit das auch richtig rüber kommt – und hoher Frustrationsschwelle, weil das vermutlich trotzdem nicht klappt.

  • #11
    Was geht Dich das an

    Jäger hat schon Recht. Man sollte aber nicht Jörg Ackermann vergessen, der aktuell als OB in Duisburg kandidieren will, hier zu erleben, in Marxloh vor der Moschee im Nov. 2010. Am interessantesten das, was er am Schluss seiner Hetzrede sagt: „Heut ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage.“ Und die Behauptung aufstellt, es handele sich um die größte Moschee Europas, wobei es sich um die größte Deutschland handelt. Was die Typen in Köln nicht geschafft haben, versuchen die nun dort.

  • #12
  • #13
  • Pingback: Pro NRW: Wahlplakat-Debakel « Die Bergische Stimme

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