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NRW: Zeitungsredaktionen im Streik

DJV Verhandlungsführer Kajo Döhring Foto: DJV/ Anja Cord

Nahezu unbemerkt von der medialen Öffentlichkeit fand gestern ein weiterer Warnstreik in den Zeitungsredaktionen NRWs großen Anklang: Rund 350 Redakteure von über 20 Titeln trafen sich in Schwerte zur zentralen Veranstaltung im „Freischütz“ und folgten damit dem Aufruf von DJV und dju in ver.di. Am morgigen Dienstag wird die Arbeitsniederlegung fortgesetzt, ehe die stockenden Tarifververhandlungen mit dem Bundesverband der Zeitungsverleger (BDZV) am Mittwoch in Berlin fortgesetzt werden. Die Streikenden wehren sich gegen die Abwertung ihres Berufsstandes und ihrer Arbeit, tarifliche Einbußen für Berufseinsteiger und die Beschneidung ihrer Altersversorgung.
Die Leser, etwa bei den fünf Titeln der WAZ-Gruppe, dürften neben dem Hinweis auf der ersten Seite merken, wie dünn sich ihr Blatt am Frühstückstisch anfühlt und im Anschluss dafür sorgen, dass die Leitungen beim Callcenter heißlaufen. Wegen der gleichzeitigen Tarifauseinandersetzung in der Druck-Industrie gab es zuletzt bereits Probleme bei der aktuellen Berichterstattung, besonders im Sport, die zu etlichen Reklamationen von Leserseite führten. Die Rheinische Post musste, wie der WDR vermeldete, die Lokalteile in Hilden, Mettmann und Ratingen zu einem Regionalteil zusammenlegen.

Aufgerufen haben DJV und ver.di  RedakteurInnen, freie JournalistInnen und Pauschalisten bei folgenden Blättern:

Westfälische Rundschau, Westfalenpost, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Neue Rhein Zeitung /Neue Ruhr Zeitung, Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung, Recklinghäuser Zeitung, Marler Zeitung, Dattelner Morgenpost, Hertener Allgemeine, Stimberg Zeitung, Waltroper Zeitung, Rheinische Post, Handelsblatt, BILD (Essen, Dortmund, Köln, Düsseldorf), Ruhr Nachrichten, Hellweger Anzeiger, Kölner Stadt-Anzeiger, Express, Kölnische Rundschau, Bonner Rundschau, Bonner General-Anzeiger.

Am heutigen Dienstag hat man das noch für folgende Titel nachgeholt: Aachener Nachrichten, Aachener Zeitung, Neue Westfälische, Mindener Tageblatt, Vlothoer Anzeiger, Haller Kreisblatt, Westfalen-Blatt, Die Glocke.

Und der wütende Leser wird offline weiter mit Mini-Informationen abgespeist.

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8 Kommentare zu “NRW: Zeitungsredaktionen im Streik

  • #1
    Robin Patzwaldt

    Betroffen von den großen Problemen bei den Tageszeitungen sind aber auch nicht nur die Redakteure, sondern seit Jahren auch bereits die gelernten Verlagskaufleute, wie ich einer bin… Bitte dabei nicht vergessen! Eine Zeitung wird nicht nur von den Redakteuren gemacht 😉

  • #2
    allemachtdendrähten

    Ich habe heute auch meine Lokalausgabe Gelsenkirchen als Notblättchen bekommen. Aber ist mir garnicht aufgefallen, weil schon seit geraumer Zeit die WAZ nur noch vor sich hin dümpelt. Besser wäre ein Generalstreik, damit es mehr Geld und vor allem mehr kompetentes Personal in den Redaktionen gibt.

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  • #4
    Jan

    Wenn während des Streiks die Personalkosten (niedergelegte Arbeit wird ja nicht bezahlt) sinken, aber die Zeitungen zum gleichen Preis verkauft werden (vor allem die abonnierten), dann haben die Verleger ja im Moment eine gar nicht mal so verkehrte Marge … oder ist das das Geheimnis der berühmten Einmalzahlungen in Tarifabschlüssen?

  • #5
    Olga

    Ob die WAZ dünn oder dick ist, Inhaltlich ist das immer der gleiche Unsinn.
    Naja das eingesparte Geld kann man dann für Werbezwecken ausgeben, das ist auch sinnvoller als noch mehr Geld in die Redaktionen zu pumpen! 🙁

  • #6
    Fritz Wepper

    Es lohnt sich vielleicht zu erwähnen, dass Zeitungen aus der Ippen-Gruppe (Lüdenscheider Nachrichten etc.), der Hellweger Anzeiger oder auch Lambert Lensing-Wolff (Ruhr Nachrichten), während die Konkurrenz streikt, fröhlich weiter arbeiten, normale Umfänge liefern oder sogar nochmal eine Schüppe drauflegen, um den Blättern, bei denen Kollegen streiken, nochmal so richtig einen reinzudrücken und noch ein paar Abos mehr rauszuschlagen. Wie es bei Bauer aussieht, weiß ich nicht, wäre aber mal interessant, zu erfahren, wenn hier jemand aus dem Einzugsgebiet kommt.

  • #7
    Robin

    @Fritz: Ich kann an den Bauer-Zeitungen optisch keine Veränderung erkennen. Sieht nicht so aus als ob zur Zeit gestreikt würde. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass die Zeitungen inzwischen permanent den Eindruck machen als ob dort gestreikt würde 😉 Die Qualität der Lokalberichterstattung auch bei Bauer ist mit ‚Sinkflug‘ noch freundlich beschrieben. Ist eher ein Erdrutsch! Katastrophe seit ein paar Jahren…

  • #8
    Callcenterbär

    … „dass die Leitungen beim Callcenter heißlaufen“
    Leider passiert das nicht so wirklich. Die Leser sind da schrecklich träge.
    Wenn endlich mal Zusammenhalt bei den Mitarbeitern der WAZ-Gruppe zustandekommen würde, sähe das bestimmt anders aus. Ich würde gerne eine kollabierende Warteschleife erleben.

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