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Update II: DGB hat Anzeige erstattet – Offener Brief an Dieter Gorny, Fritz Pleitgen und Oliver Scheytt: Helfen Sie den Essener Besetzern!

Update II: Das besetze Künstlerhaus hat die erste Nach überstanden. Nach Angaben der Polizei hat der Besitzer, eine Vermögensgesellschaft des DGB, mittlerweile eine Anzeige gestellt. Innerhalb der nächsten Tage könnte das Haus nun geräumt werden. Es bleibt also noch Zeit für Verhandlungen. Die sollten jetzt allerdings schnell gehen. Auf den offenen Brief, der auch an Dieter Gornys E-Mail-Adresse ging, gab es bislang keine Antwort.

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An die Leitung der Ruhr2010

Sehr geehrte Herren Gorny, Scheytt und Pleitgen,

gestern haben mehrere dutzend Künstler aus dem Ruhrgebiet ein seit drei Jahren leerstehendes Haus des DGB an der Schützenbahn in Essen besetzt. Sie wollen es als Galerie und Künstlerhaus nutzen. Die Vermögensverwaltung u. Treuhandgesellschaft des DGB mit Sitz in Berlin droht den Besetzern über ihre Anwaltskanzlei Heinemann und Partner mit der Räumung.

Wir fordern Sie auf, sich sofort beim DGB dafür einzusetzen, dass die Künstler die Räume weiter nutzen können. Schalten Sie sich als Moderatoren ein und helfen Sie, eine Lösung zu finden.

Die Besetzer machen das, was  Sie  als Verantwortliche der Kulturhauptstadt seit langem propagieren: Sie führen alte Räume einer neuen Nutzung für Kultur zu. Sie vitalisieren einen Teil der Essener Innenstadt. Sie eröffnen neue Perspektiven.

Die Besetzer sind genau die Leute, von denen Sie behaupten, dass das Ruhrgebiet sie dringend braucht, dass es diese Leute nicht verlieren darf: Junge Kreative, die den Mut haben, ihre eigenen Wege zu gehen. Die nicht warten, bis andere ihnen ein subventioniertes Bett gemacht haben, sondern die bereit sind, für Ihre Arbeit ein Risiko einzugehen. Sie haben sich den Raum genommen, von dem sie sagen, er muss an andere Stelle für viel Geld geschaffen werden. Die Besetzer machen Ihren Job!

Wenn irgendetwas von dem, was Sie in den vergangenen Jahren auch in unsere Mikrofone gesagt haben, ernst gemeint war, greifen Sie jetzt zu ihren Handys und nutzen Sie  Ihre Kontakte. Tun sie es nicht, war nichts von dem, was sie gesagt haben, ernst gemeint. Können sie es nicht, haben wir Sie wohl überschätzt.

Stefan Laurin

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26 Kommentare zu “Update II: DGB hat Anzeige erstattet – Offener Brief an Dieter Gorny, Fritz Pleitgen und Oliver Scheytt: Helfen Sie den Essener Besetzern!

  • #1
    el-flojo

    Find ich bis auf eine Kleinigkeit sehr gut und unterstützenswert und werde es gleich mal weiterreichen. (Darf ich ein Vollzitat bringen?)
    Dafür mag ich euch. Gute Arbeit, Stefan.

  • #2
  • #3
  • #4
    K

    Genau richtig. Wer Kreativität fordern möchte und fordert darf jetzt nicht davor zurückschrecken.

  • #5
    Dienstwaffe

    Ich teile eher fast nie als selten Ihre Meinung, Herr Stefan Laurin.
    Aber in diesem Fall: Volltreffer! Gratulation!

  • Pingback: zoom » Umleitung: Hausbesetzung in Essen, die A40, der Rotstift, Elterngeld, Schulentwicklung und ein paar Schützenkönige.  «

  • #7
    Peter Erik Hillenbach

    Einverstanden. Bin dabei. Ich schließe mich dem Offenen Brief an.
    Es gibt noch mehr leer stehende Häuser im Ruhrgebiet. Staun: sogar jenseits der Kreativ.Quartiere.

    Ist es aber vermessen, von den Künstlern auch eine Gegen”leistung” zu erhoffen? “Leistung” in Anführungsstrichen, weil a) Kunst jenseits dieses Begriffes steht und mir b) momentan kein geeigneteres Wort einfällt.

    Selbstgerechtes Suhlen in subkulturellen Befindlichkeiten gehört m.E. nämlich nicht dazu. Ich erwarte dann auch irgendwann mal eine straighte, scharfe, identifizierbare Ruhrgebietskunst. Die muss dann nicht jeder verstehen, aber jenseits einer Frühstücksbrettchengestaltungsverliebtheit sollte sie schon sein.

  • #8
  • #9
    Dienstwaffe

    @#7 Peter Erik Hillenbach
    “[…]straighte, scharfe, identifizierbare Ruhrgebietskunst.”
    “straight” muss es meiner Meinung nicht sein. Es sollte doch reichen, Altenessener Stauderkneipen und Katernberger Staublungen mit Kaugummiautomaten am Abzweig gegenzurechnen.
    Der Dealer macht Kasse, sozusagen…

  • #10
    Dirk Träbert

    Danke für Eure Aktionen! Den Besetzern des Gebäudes viel Glück & Erfolg!
    Mein Traum wäre, daß Arbeiterinnen und Arbeiter und Künstlerinnen und Künstler gemeinsam den Gewerkschaftsbossen etwas entgegensetzen, die nur in der gleichen Logik “wie der Markt” handeln. Das Gebäude ist nicht “nur eine zu verwertende Immobilie”, sondern ein Ort wo Menschen für Ihre Ideale und neue Ideen viel geopfert haben.
    In diesem Sinne: Glück auf!

  • #11
    crusius

    Europäische Kulturhauptstadt 2010 – bedeutet Aufmerksamkeit und Wertschät-
    zung der Stadt Essen und der anderen beteiligten Kommunen. Gewiss, man darf
    nicht vergessen oder verkennen, dass Kultur, nicht zuletzt die der Gewerkschaf-
    ten, hier schon immer eine Heimat hatte. Ich erinnere an die Ruhrfestspiele und
    ihre erfolgreiche Tradition. »Kunst für Kohle« war der Gründungsslogan.
    Auch heute geht es um Kohle; weniger um die, die über Jahrhunderte hier ge-
    fördert wurde. Die Zechen sind geschlossen und der Himmel über der Ruhr ist
    wieder blau. Lassen wir uns jedoch nicht täuschen. Es wird viel Geld in die Projekte der Kulturhauptstadt gepumpt. Die Angebote sind beachtlich,auch wenn wir uns zum Teil
    weniger Event und mehr substanzielle, d. h. auf Dauer angelegte Projekte ge-
    wünscht hätten. […] Immer klarer wurde mir in den letzten Jahren, dass bei den sich signifikant verändernden Arbeits- und Lebensverhältnissen in unserer Gesellschaft, wir als Gewerkschaft herausgefordert sind, Modelle und Formen anzubieten, die in der
    Lage sind, Menschen in den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern autonomer,
    urteilssicherer und kritischer werden zu lassen – mit anderen Worten: emanzi-
    pierter. Kunst und Kultur haben in diesem Emanzipationsprozess eine herausra-
    gende Bedeutung.

    Nein, keine Soli-Adresse für die Essener Aktion, die ich rundum gutheiße, sondern Zitate aus dem Arbeitsbericht [PDF] der Kunst- und Kulturbeauftragten von “verdi”, Regine Möbius. Da wäre es vielleicht an der Zeit, auch die kreative Kollegin mal direkt anzusprechen.

  • #12
    arne nobel

    sehr gut! wie können wir aus bochum helfen? gibt es eine kontakt-adresse? eine nummer? sind gerade auf tour… aber ab nächster woche- volle unterstützung von uns! und dankle für den offenen brief!!! alles richtig!!! toi toi toi den besetzern!!! ihr seid herzlich eingeladen im rottstr5-theater vorbeizuschauen- da können wir bestimmt was zusammen aushecken- soli-concert oder ähnliches! lang lebe die freiheit! und hasta la victoria siempre!

  • Pingback: Links anne Ruhr (20.07.2010) » Pottblog

  • #14
    Dirk Haas

    Gut gewählt, ein Gewerkschaftshaus. (-:

    Ob es tatsächlich nur um Zwischennutzung geht, darüber besteht zwischen den Besetzern offensichtlich noch kein Konsens. Das sollte den DGB aber nicht davon abhalten, sich schon aus ureigenem Interesse mit einem solchen Haus für Kreativarbeiter zu profilieren; schließlich ist die sog. Kreativwirtschaft eine bislang weitgehend gewerkschaftsfreie Zone. Und dann ist da auch noch „Kulturhauptstadt Europas“ – in diesem Kontext ist der DGB bislang nicht groß aufgefallen.

    Also liebe Gewerkschafter: Wer hier nur in engen immobilienwirtschaftlichen Kategorien denkt, vergibt eine große Chance.

  • #15
    Mika

    Volle Unterstützung, sowohl für den offenen Brief, als auch für die Besetzung. Ich hoffe, die Besetzenden halten sich einige Tage und können dann eine Lösung mit den Gewerkschaften finden …

  • #16
    Christian Lehnert

    Ich finde diese Aktion richtig und toi toi toi das alles schnell geht…

  • #17
    vox

    Der DGB kann offensichtlich mit seinem Eigentum nicht vernünftig umgehen. Ich unterstütze die Besetzung.

  • #18
    Lea

    Junge, Junge, stellt ihr euch dermaßen selbst ein Bein. Ein “Ey Arschloch, hilf mir jetzt gefälligst” hat selten Erfolg.

  • Pingback: Kunstbesetzung in Essen « Land For Free :: Land For What

  • #20
    Mika

    Stimmen die Gerüchte, dass die BesetzerInnen schon freiwillig aufgegeben haben und heute bis 18:00 Uhr das DGB-Haus geräumt haben?
    Wenn ja, wäre das schon eine Enttäuschung! Denn wenn man sich zu so einem sehr mutigen (!) Schritt entschließt, sollte man auch über Konsequenzen im Vorhinein diskutiert haben und nicht beim ersten Gegenwind aufgeben. Schade, schade! Dabei hätte eine weitere Auseinandersetzung im Rahmen der Ruhr2010 vielleicht wirklich mal wegweisenden Charakter haben können (s. Gängeviertel etc.).

  • #21
    Abnick Grabotki

    Der DGB kennt sich in Sachen Immobilien bestens aus, verkauft der DGB doch ganze Siedlungen für 1 Mark an einen Berliner Bäcker, sollte auch ein Verkauf des 3 Jahre leerstehendes Bürogebäudes für 1 € an Freiraum2010 möglich sein. Einen sozialen Gruß mit wirtschaftlichem Aspekt an den DGB.

  • #22
    Fred

    Lea
    1 hr, 50 mins ago
    Junge, Junge, stellt ihr euch dermaßen selbst ein Bein. Ein “Ey Arschloch, hilf mir jetzt gefälligst” hat selten Erfolg.

    @Lea: Volltreffer!

    Coole Aktion – aber nach so einem Brief wirds zumindest vonseiten Ruhr2010 mit Sicherheit keine Unterstützung geben…

  • #23
    Louis

    Ist man eigentlich von gestern, wenn einem der Satz von Hanns-Joachim Friedrichs in den Sinn kommt: “Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.”?

  • #24
  • #25
    Christina Hahn

    @Loius: Warum wird eigentlich IMMER Hajo Friedrichs zitiert, wenn es um das Journalisten-Dasein als solches geht…?

    -> Journalisten sind auch nur Menschen. Journalisten sind deswegen auch Wähler, Raucher und eben auch Kulturinteressierte. Und wenn Journalismus immer nur objektiv berichten würde, gäbe es wohl keine Kommentare oder Glossen. Es gäbe auch keine Blogs – denn die sind aus dem Selbstverständnis heraus subjektiver als eine Zeitung (meine Meinung). Gerade in Zeiten von Kulturhauptstadt & Co. finde ich es gut, die Diskussion um das wirkliche kulturelle Potenzial des Ruhrgebiets auf diese Art anzustoßen. So einen offenen Brief würde man wohl in keiner Regionalzeitung des Ruhrgebiets finden. Der Brief bringt es doch genau auf den Punkt: Kultur kann nicht gezwungen künstlich durch Subventionen geschaffen werden, nicht durch Herrn Pleitgen und nicht durch den Slogan der Kulturhauptstadt. Kultur entsteht einfach, sie braucht kein Startzeichen.

    So ein offener Brief ist für mich auch unabhängiger Journalismus.

  • #26

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