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Paralympics I: Und ab geht’s, hinauf nach Whistler …

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Ab heute startet bei den Ruhrbaronen eine aller Voraussicht nach tägliche Berichterstattung zu den Paralympischen Spielen. Ich fliege am morgigen Freitag von Frankfurt nach Vancouver, sehe mir dort die Eröffnungsfeier an und fahre dann hoch ins Skigebiet nach Whistler, wo ich bis zum Ende der Spiele bleibe. Die Reise wird mitfinanziert durch ein Stipendium der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände ABDA (Pressemitteilung hierzu) und des Deutschen Behinderten Sportverbandes DBS. Das zur Info, damit alle aufschreien, falls ich nicht kritisch genug berichte.

Und: Ich freue mich über Anregungen. Ein grobes Programm ist zwar geplant, so folgen in den nächsten Tagen Artikel zum Doping im Behindertensport und zum Alltag von Behindertensportlern. Und einige Medienanfragen sind auch schon eingegangen. Aber es ist Luft für mehr und ich versuche, bei den Ruhrbaronen so transparent und kommunikativ wie möglich zu arbeiten. Je mehr mitmachen, desto besser wird hier die Berichterstattung und Information, desto weniger relevante und interessante Themen werden außen vor gelassen.

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Ab heute startet bei den Ruhrbaronen eine aller Voraussicht nach tägliche Berichterstattung zu den Paralympischen Spielen. Ich fliege am morgigen Freitag von Frankfurt nach Vancouver, sehe mir dort die Eröffnungsfeier an und fahre dann hoch ins Skigebiet nach Whistler, wo ich bis zum Ende der Spiele bleibe. Die Reise wird mitfinanziert durch ein Stipendium der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände ABDA (Pressemitteilung hierzu) und des Deutschen Behinderten Sportverbandes DBS. Das zur Info, damit alle aufschreien, falls ich nicht kritisch genug berichte.

Und: Ich freue mich über Anregungen. Ein grobes Programm ist zwar geplant, so folgen in den nächsten Tagen Artikel zum Doping im Behindertensport und zum Alltag von Behindertensportlern. Und einige Medienanfragen sind auch schon eingegangen. Aber es ist Luft für mehr und ich versuche, bei den Ruhrbaronen so transparent und kommunikativ wie möglich zu arbeiten. Je mehr mitmachen, desto besser wird hier die Berichterstattung und Information, desto weniger relevante und interessante Themen werden außen vor gelassen.

Ich verspreche, ich werde Kommentaren und Anregungen vor Ort nachgehen! Mein Vorbild in diesem Fall – und meine immerwährende Empfehlung zum Besuch der Seite – ist www.jensweinreich.de. So verrückt und ausdauernd wie Jens werde ich wohl kaum berichten können, aber ich gebe mir Mühe, fehlende Erfahrung mit jugendlichem Elan auszugleichen.

Für alle, die noch nicht die absoluten Paralympics-Experten sind (wie ich bis vor kurzem übrigens auch), eine ganz kurze Einführung: Es sind in diesem Jahr die zehnten Winter-Paralympics, es nehmen gut 500 Sportler aus gut 40 Nationen teil und sie dauern von Freitag, 12. März, bis Sonntag, 21. März. Die Sportarten: Rollstuhlcurling, Schlitteneishockey, Ski Alpin, Ski Nordisch, Biathlon. Wer mehr Allgemeines wissen will, gucke am besten erstmal auf Wikipedia.

Einige weiterführende Linkempfehlungen:

Standardlektüre:
Deutscher Behindertensportverband
Internationales Paralympisches Komittee (das seinen Sitz übrigens in Bonn hat)
Die Offizielle Vancouver2010-Seite (mittlerweile auch auf Paralympics umgestellt)

Wer grundsätzlich gut zum Behindertensport informiert werden will, ist bei Andrea Ramsteck gut aufgehoben. Die Berliner Werbetexterin und Moderatorin treibt in ihrer Freizeit das Projekt :paralympic_crew voran und schreibt in ihrem Blog über den Behindertensport. In sozialen Netzwerken wie Facebook und auch auf Twitter gibt es Gruppen unter dem Namen der :paralympic_crew. Wer umfassend informiert werden will, ist hier richtig. Zumindest habe ich bisher noch nichts besseres gefunden, wenn es um deutsche Sportler und Aktivitäten geht.

Die deutschen Teams in Alpin, Curling, Langlauf und Biathlon finden sich unter folgenden Adressen:
Ski nordisch (Langlauf und Biathlon)
Ski Alpin
Curling
Das deutsche Schlitten-Eishockey-Team hat sich diesmal nicht qualifiziert.

Und wer abschließend noch etwas mehr wissen will, über die Einteilung der Schadensklassen, der findet HIER eine Übersicht. Wobei die Klassifzierung der Athleten, die Verrechnung von schweren und leichten Behinderungen und alles, was damit zusammenhängt, nochmal ein Thema für sich ist. Vielleicht ja während der nächsten Tage.

Außer bei den Ruhrbaronen veröffentliche ich in verschiedenen überregionalen Medien (vor allem Online) und einigen Regionalzeitungen.

Zu erreichen bin ich übrigens auch per Mail (daniel.drepper@gmail.com) oder über Twitter.

Zum Schluss noch einige völlig ungeordnete und unvollständige Fragen vorab, die mich während der paralympischen Spiele begleiten werden. Vielleicht sind sie naiv, vielleicht erübrigen sie sich schnell. Aber stellen kann man (fast) alle Fragen, wie ich finde:

– Aufmerksamkeit/Interesse: Wie groß ist das Interesse am Behindertensport wirklich? Warum ist das Interesse am Leistungssport Behinderter geringer, als am Sport Nichtbehinderter? Liegt es daran, dass man die Leistungen nicht einschätzen kann? Dass man nur nach absoluten Höchstleistungen schaut, weil das im Sport ganz grundsätzlich so angelegt ist, jeder nach absoluten Rekorden lechzt und alles was unter 100 Prozent liegt nicht Ernst nehmen kann?

– Einteilung in Schadensklassen: Ist es überhaupt sinnvoll, Leistungen unterschiedlich ausgestatteter Menschen vergleichbar machen zu wollen? Ganz zu schweigen davon, dass das in letzter Konsequenz meiner Meinung nach wohl nie gelingen kann. Hat nicht, wie der Contergan geschädigte Josef Giesen sagt, auch jeder „Normalbehinderte“ (statt: Nichtbehinderte) seine Schwächen, die nur auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind? Wie gleiche ich Größenunterschiede beim Hochsprung Normalbehinderter aus, wie Knieprobleme beim Marathon? Wo fängt Behinderung an? Ist es sinnvoll, den Leistungssport so unterschiedlich behinderter Menschen in das Korsett Paralympischer Spiele zu pressen

– Vermarktung: Was haben Firmen davon, behinderte Sportler und deren Verband zu unterstützen? Rechnet sich die mediale Aufmerksamkeit? Ist es das gute, soziale, moralisch wertvolle Image? Ist es reines Gutmenschentum und sind die Paralympics die moralischeren Spiele? Vermarkten sich die deutschen Paralympier überhaupt professionell? Und: Wer verdient eigentlich an den Paralympics?

– Gleichberechtigung: Viele Behindertensportler fordern die gleichen Bedingungen wie ihre nichtbehinderten Kollegen, die oft bei Bundeswehr, Zoll oder Polizei angestellt und für ihren Sport komplett freigestellt werden. Sie wollen ebenfalls Staatsathleten werden. Macht das Sinn? Oder sollte nicht lieber die Zahl nichtbehinderter Staatsathleten reduziert werden, so viel Geld wie Deutschland jetzt schon in den Spitzensport pumpt? Ganz davon ab: Werden Behindertensportler in Deutschland schlechter behandelt als in anderen Ländern? In Kanada zum Beispiel gibt es 1500 Dollar im Monat für jeden, in Russland gibt es gleiche Prämien. In Deutschland gibt es kaum Geld und ein Drittel der Prämien.

Fürs erste solls reichen, Ergänzungen der Liste sind sehr willkommen.

Das Foto ist von Rainer Sturm / pixelio.de

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7 Kommentare zu “Paralympics I: Und ab geht’s, hinauf nach Whistler …

  • #1
    Tom

    1. Spiegelstrich (Aufmerksamkeit/Interesse)

    Das Interesse am Sport wird wohl — so vermute ich — für den Großteil der Menschen durch die damit verbundene Unterhaltung und durch das eigene Ego als laienhafter Möchtegern-Experte verknüpft sein. Insofern spielen Sportevents der Behinderten keine Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung, da die Anzahl der nichtbehinderten Sportler und der nichtbehinderten Sporteventkonsumenten und ihrer selbsternannten Experten erheblich größer ist. Es ist einfach eine Frage der Mehrheit.

    Die Frage der Mehrheit impliziert jedoch eine Aufteilung in diese und jene. Diese, die keine Behinderung haben und jene, die eine haben. Dieses gesellschaftliches Phänomen hat natürlich seine Entsprechung in der gesellschaftlichen Aufteilung in Behinderte und Nichtbehinderte — und zwar von Kindesbeinen an.

    Behinderte werden schon im frühen Alter von den ’normalen‘ separiert. Wer allzusehr von der Norm abweicht, bekommt (auch gutgemeint, Förderung und so) seinen besonderen aber doch eher abgesonderten Platz im Leben zugewiesen: Sondereinrichtungen für Kinder, Sonderschulen, Behindertenwerkstätten, etc.. Dass in dieserart gesellschaftlichen Umgehensweise mit Behinderung der Ausblendung derselben Vorschub geleistet wird, solle eigentlich keinen verwundern.

    Behinderung, gerade von Geburt an, spielt in unserer Gesellschaft keine Rolle in dem Sinne, dass sie Bestandteil unserer Gesellschaft, unseres Lebens ist. Behinderung wird als Makel empfunden! Warum sollte sie dann *alltäglicher* Bestandteil unserer Sportevents sein?

    2. Spiegelstrich (Einteilung in Schadensklassen)

    Die Einteilung in Schadensklassen halte ich überhaupt nicht für sinnvoll. Denn da gebe ich (sofern ich das richtig interpretiere) Josef Giesen recht. Die Hervorhebung körperlicher Nachteile als Schadensklasse ist willkürlich und nur unserem Bild eines funktional perfekten, körperlich hoch effizienten Menschen geschuldet.

    Wer dazumal das Tennismatch zwischen Ivan Lendl und Michael Chang gesehen hat, konnte erleben, wie ein (durch eine Verletzung) körperlich behinderter Chang gegen einen psychisch hoffnungslos unterlegenen Lendl gewann. Keiner käme hier auf die Idee, Lendl in die Schadensklasse ‚psychisch behindert‘ einzuordnen und für diese ‚Schadensklasse‘ eine eigene Liga gründen.

    Meiner Meinung nach sollten daher alle ohne Einschränkung in ‚einer Liga‘ spielen — Behinderte und Nichtbehinderte. Die Separierung in Paraolympics und Olympische Spiele ist eine künstliche Trennung. Genauso wie ein technisch hervorragender Sportler an seinen psychischen Unzulänglichkeiten scheitert darf auch ein psychisch hervorragender Sportler an seinen körperlichen Unzulänglichkeiten scheitern. Oder eben sich durchsetzen.

    3. Spiegelstrich (Vermarktung: Was haben Firmen davon)

    Einfach Antwort: Geld.

    4. Spiegelstrich (Gleichberechtigung)

    Über Geld, Vorteile im Beruf (Bundeswehr, Staatsathleten) als Kompensation muss nur dann geredet werden, wenn Behinderung — wie immer sie auch aussieht — zu erheblichen gesellschaftlichen Nachteilen führt. Und solange das so ist, verstehe ich jeden, der einen Ausgleich wünscht.

    Schlussendlich kann nur die Gesellschaft, die jeden unabhängig von seiner körperlichen und geistigen Verfassung als ein Kind seiner selbst begreift, eine geamtgesellschaftliche sein. Wir alle sind Mensch!

  • #2
  • Pingback: Paralympics II: Von älteren Herren und harntreibenden Mitteln « Ruhrbarone

  • #4
    Daniel Drepper Beitragsautor

    @ Tom: Antwort gibts morgen.

    Andrea Ramsteck ist im Übrigen keine Medienmoderatorin, sondern Kommunikationsmoderatorin im Kinder- und Jugendbereich. Damit da keine Verwechslungen aufkommen.

  • Pingback: Paralympics III: “Nicht die soziale Weihnachtsgans” « Ruhrbarone

  • #6
    Daniel Drepper

    @ Tom: Langsam kommt hier etwas Ruhe rein und es gibt kostenloses Internet. In manchen Medienzelten kostet das hier sonst nämlich auch schonmal 30 Dollar am Tag. Deshalb endlich die versprochene Antwort.

    Ich glaube auch, dass der Behindertensport nicht von breiterem Interesse ist, weil die Mehrheit sich bereits mit dem Sport Nichtbehinderter beschäftigt. Und dass die Aufteilung in unserer Gesellschaft ein Problem ist. Ob da dann Paralympische Spiele helfen, ist natürlich eine andere Frage.

    Ich glaube nicht, dass Josef Giesen die Einteilung in Schadensklassen kritisieren wollte, er wollte nur grundsätzlich auf die Problematik der oft schiefen Einteilung Behindert/Nicht-Behindert hinweisen. Ich kann dem Gedanken der kompletten Integration/Inklusion Behinderter in die Olympischen Spiele durchaus etwas abgewinnen. Allerdings hätten ohne entsprechende Maßnahmen dann kaum noch behinderte Sportler eine Chance, an Wettbewerben teilzunehmen. Beispiele wären zum Beispiel Brian McKeever bei den Winterspielen oder die Schwimmerin Natalie du Toit.

    Dass Firmen „Geld“ davon haben, müssten Sie erläutern. Glauben Sie, dass das Sponsoring von Allianz, Telekom oder anderen wirklich die Reizschwelle überschreitet, ab der es sich finanziell gelohnt hat? Ich wusste bis vor kurzem absolut nichts über irgendwelche Paralympics-Sponsoren.

  • Pingback: Was vom Tage übrig bleibt (54): Paralympics in Vancouver : jens weinreich

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