1

Paralympics V: Gold für eine blinde Biathletin auf der Suche nach Vertrauen

bentele-friedrich-medien

Verena Bentele steht dort in ihrer dünnen Wettkampfkleidung, ohne Handschuhe, ohne Mütze. Sie hat mit drei Fernsehsendern gesprochen und mit dem Radio. Jetzt wollen auch noch Nachwuchsreporter von der Paralympics-Zeitung ein Zitat bekommen. Aber Verena Bentele friert. Die blinde Biathletin hat ihr achtes Paralympics-Gold gewonnen. Sie soll der deutsche Star dieser Spiele werden. Doch wenn sie krank wird, wird daraus nichts. Und deshalb ist jetzt erstmal Schluss mit Interviews.

Am Abend, nach der Medaillenvergabe auf der Medal Plaza in Whistler, ist der Andrang noch größer. Im deutschen Haus wird Bentele mit Jubel empfangen und obwohl aus Deutschland nur etwa ein Dutzend Medien bei den Paralympics vor Ort sind, ist der Andrang enorm: Blitzlicht, eine kurze Pressekonferenz, wieder Blitzlicht. Eine Unterschrift, ein weiteres Foto, noch eine Gesprächsrunde. Verena Bentele wird herumgereicht.

Schließlich geht es in den Nebenraum zum ZDF-Interview. Wieder hat jemand noch Fragen, die er nicht stellen darf. Diesmal ist es n-tv. In Whistler reißen sich an diesem ersten Wochenende alle um Verena Bentele. Ihre Geschichte ist einfach zu gut, als dass sie nicht erzählt gehört. Dabei dreht sich Verena Benteles Geschichte gar nicht um Verena Bentele allein. Sie dreht sich ganz entscheidend auch um Thomas Friedrich. Der ist ihr Begleitläufer und vermutlich der Hauptgrund dafür, dass Bentele bei diesen Spielen überhaupt am Start steht.

bentele-friedrich-medien

Verena Bentele steht dort in ihrer dünnen Wettkampfkleidung, ohne Handschuhe, ohne Mütze. Sie hat mit drei Fernsehsendern gesprochen und mit dem Radio. Jetzt wollen auch noch Nachwuchsreporter von der Paralympics-Zeitung ein Zitat bekommen. Aber Verena Bentele friert. Die blinde Biathletin hat am ersten Tag der Spiele, bei ihrem ersten Start für Deutschland das erste Gold gewonnen. Es ist das achte Paralympics-Gold ihrer Karriere. Sie soll der deutsche Star dieser Spiele werden. Doch wenn sie krank wird, wird daraus nichts. Deshalb ist jetzt erstmal Schluss mit Interviews.

Am Abend, nach der Medaillenvergabe auf der Medal Plaza in Whistler, ist der Andrang noch größer. Im deutschen Haus wird Bentele mit Jubel empfangen und obwohl aus Deutschland nur etwa ein Dutzend Medien bei den Paralympics vor Ort sind, ist der Andrang enorm: Blitzlicht, eine kurze Pressekonferenz, wieder Blitzlicht. Eine Unterschrift, ein weiteres Foto, noch eine Gesprächsrunde. Verena Bentele wird herumgereicht.

Schließlich geht es in den Nebenraum zum ZDF-Interview. Wieder hat jemand noch Fragen, die er nicht stellen darf. Diesmal ist es n-tv. In Whistler reißen sich an diesem ersten Wochenende alle um Verena Bentele. Ihre Geschichte ist einfach zu gut, als dass sie nicht erzählt gehört. Dabei dreht sich Verena Benteles Geschichte gar nicht um Verena Bentele allein. Sie dreht sich ganz entscheidend auch um Thomas Friedrich. Der ist ihr Begleitläufer und vermutlich der Hauptgrund dafür, dass Bentele bei diesen Spielen überhaupt am Start steht.

„Heute vor einem Jahr“, sagt Bentele am Samstagabend, „konnte ich mich kaum bewegen. An Sport war gar nicht zu denken.“ Denn Thomas Friedrichs Vorgänger als Benteles Begleitläufer verwechselte bei den deutschen Meisterschaften Anfang 2009 im Allgäu rechts mit links – und schickte die blinde Athletin so in einen Graben. Das Kreuzband riss und Bentele trug schwere innere Verletzungen davon. Später musste gar eine Niere entfernt werden.

Um überhaupt wieder Vertrauen zu können, benötigte sie einen Begleitläufer, den sie seit Jahren kennt. Thomas Friedrich ist seit einem Jahrzehnt ein Freund der Familie und führte schon Verenas Bruder Michael Bentele bei den Paralympics in Salt Lake City und Turin. Im Sommer taten sich die beiden für Vancouver zusammen – und es funktionierte auf Anhieb. Dabei brauchen Athlet und Begleitläufer laut Friedrich eigentlich bis zu zwei Jahre, um perfekt zu harmonieren.

bentele-friedrich

Bei Bentele/Friedrich ging alles viel, viel schneller. 150 Tage haben sie seit dem vergangenen Sommer zusammen verbracht. Friedrich ist dafür extra von seiner Arbeit freigestellt worden. In den ersten drei Monaten dieses Jahres war er insgesamt nur zehn Tage im Büro. Doch nach Vancouver ist Schluss damit. Friedrich hat Familie und die Begleitung Benteles von Anfang an beschränkt. Es ist unwahrscheinlich, dass die 28-jährige Bentele nach diesen Spielen, bei denen sie gute Medaillenchancen in all ihren fünf Entscheidungen hat, weitermacht. Sie will sich nicht noch einmal auf einen neuen Begleitläufer einstellen müssen. Die Suche nach Turin war zu beschwerlich. Selbst Zeitungsannoncen und Steckbriefen an ihrer Uni brachten keinen Erfolg. Nur über persönliche Kontakte kam Bentele an scheinbar geeignete Kandidaten. Doch vor Friedrich erlebte sie zwei Reinfälle, einer davon folgenschwer. Das soll nie wieder passieren.

Nach den Paralympics wird Bentele an der Uni München ihre Magisterarbeit mit dem naheliegenden Thema „Die Gestaltung von Büchern in Hörbuchfassung“ schreiben. Doch bevor es so weit ist, will sie in Whistler noch einige Erfolge sammeln. Die nächste Chance auf Gold hat sie heute Abend ab 20 Uhr MEZ über 15 Kilometer Langlauf in freier Technik. Benteles Lieblingsdisziplin. Es wäre nicht verwunderlich, müssten danach wieder einige Medienvertreter auf ihre Interviews warten.

bentele-medien

Kurz ein paar Worte zum Biathlon von blinden Sportlern: Blinde Sportler bekommen bei den Wettbewerbern einen Begleitläufer zur Seite gestellt, der vorweg fährt und Kommandos zuruft. Es gibt drei Schadensklassen für blinde Wintersportler. B1 – der Athlet sieht gar nichts mehr – und die beiden Abstufungen B2 und B3 für mehr oder minder sehbehinderte. Geschossen wird beim Blinden-Biathlon mittels eines akustischen Signal. Der Sportler bekommt einen Kopfhörer auf und schießt mit einem Infrarot-System nach Gehör. Er bekommt das Gewehr vorher bereit gelegt und wird von seinem Begleitläufer dort hingeführt.

Die Fotos sind von mir.

RuhrBarone-Logo

Ein Kommentar zu “Paralympics V: Gold für eine blinde Biathletin auf der Suche nach Vertrauen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.