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Piraten und Bildung: Vom Menschenbild zum Bildungsziel

 

Birgit Rydlewski Foto. Privat

Unser Leben individuell zu gestalten war noch nie so leicht wie heute. Von unserer Gastautorin Birgit Rydlewski. Birgit Rydlewski kandidiert auf Listenplatz 9 bei der Piratenpartei für den Landtag.

Ob wir uns Pasta zu Abend kochen, Basmati-Reis oder Kartoffeln, hängt  nicht mehr davon ab, ob wir in Italien, Indien oder Deutschland leben. Wen wir lieben und mit wem wir zusammenleben wollen, entscheiden wir selbst und nicht mehr unsere Eltern. Und welche Bücher wir lesen, wo wir uns über die Neuigkeiten der Welt informieren, aus welchen Quellen wir unser Wissen suchen, liegt nicht mehr daran, was der Mönch aus dem Nachbarkloster gerade abschreibt.

Doch ausgerechnet unsere Bildung wird vorherbestimmt wie vor hundert

Jahren. Die Art und Weise, jungen Menschen das Wissen der Welt nahezubringen, hat sich nicht geändert. Und das, wo sich die Welt (metaphorisch, nicht tatsächlich)  immer schneller dreht, wo dieses Wissen sich in seiner Gesamtmenge alle 18 Monate verdoppelt. Wir bereiten unsere Kinder auf eine Zukunft vor, die wir noch nicht voraussehen können und verwenden dabei Methoden, die schon in der Vergangenheit nicht funktioniert haben.

Dabei haben wir die Mittel schon längst in der Hand. Die moderne Psychologie hat uns schon vor Jahren Modelle gegeben, um Menschen zu motivieren. Unsere Technik erlaubt es uns, flexibel zu planen und Ressourcen so einzusetzen, dass wir Menschen individuelle Lernziele geben könnten, ohne den Überblick zu verlieren.

Und wir wissen genau, dass negative Motivation, Überwachen und Strafen, niemanden zu besonderen Leistungen antreibt, sondern hemmt, blockiert, lähmt. Die Wirtschaft gibt Milliarden aus für Team-Building-Seminare und moderne Arbeitsformen, aber in der Schule geht es darum, der beste und erste zu sein, gegenüber den Mitschülern gut dazustehen und mit dem Finger zu schnipsen, um die mündliche Note nach oben zu treiben.

Warum halten wir also fest an all den Rezepten aus dem vorvorigen Jahrhundert? Warum benoten wir unsere Kinder, pressen sie in Formen für die sie nicht geschaffen sind, lassen sie sitzenbleiben oder ganz fallen, wenn sie nicht ins Schema passen?

Das Schulsystem muss verändert werden. Und wir reden hier nicht von Kleinigkeiten, wie Zentralabitur oder achtjährigem Gymnasium. Auch nicht von einem zwei- statt dreigliedrigen Schulsystem. Wir reden davon, dass wir es uns nicht länger erlauben können, unser Bildungssystem wie ein schlecht sitzendes Kleidungsstück zu betrachten, bei dem man nur ausreichend zerren und drücken muss, damit es auch jedem irgendwie passt.

Konkret bedeutet dies dreierlei: Unser Verständnis von Motivation muss sich ändern. Weg von Bestrafung, Drohung und Noten hin zu einer Atmosphäre, in der schwache Schüler gefördert statt unter Druck gesetzt werden. Weg von Konkurrenz hin zu Kooperation, Vernetzung, zu Teamgeist, gegenseitiger Unterstützung und eigenmotiviertem Lernen. Die Klassenverbände müssen aufgelöst werden.

Weg von willkürlich zusammengesetzte Gruppen, die in ihrer Größe praktischen, ökonomischen Erwägungen entsprechen und nicht dem maximalen Erfolg.

Stattdessen, und das ist durchaus machbar, wie Modellschulen in Deutschland sowie ganze Schulsysteme im Ausland zeigen, Kleingruppen, die füreinander da sind. Individuelle Lernziele, die gemeinsam mit den Lehrkräften Woche für Woche festgelegt werden. Interdisziplinäre Projekte, in denen sich Schüler anhand von greibaren Beispielen Fähigkeiten erwerben können, statt pure Theorie und aneinander gereihtes Wissen in sich reinzustopfen, strikt fachlich getrennt und oft ohne direkt erkennbaren Nutzen.

Menschen sind nur dann gut, wenn sie sich ausprobieren können, sich entwickeln können, wenn sie etwas mit Leidenschaft tun. Machen wir die Schulen zu Orten, in denen das endlich möglich wird.

Das Bildungsprogramm der Piraten NRW wird gerade überarbeitet und am 14./15.4. beim Landesparteitag in Dortmund abgestimmt.

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37 Kommentare zu “Piraten und Bildung: Vom Menschenbild zum Bildungsziel

  • #1
    Ulrich Fuchs

    Äh… Vielleicht gehts bei Schule aber auch einfach nur drum, was zu *lernen*, damit man später (im Beruf, im Studium) darauf aufbauen kann? Dazu gehört nunmal auch so seltsames Zeug wie Schreiben, Lesen, Integralrechnung und vielleicht auch das Auswendiglernen vom Citronensäurezyklus. Lernen und sich durchbeißen will nämlich auch gelernt sein. Und in einer Hachwassindwiralleselbstmotivierendkuschelschule lernt man genau das nicht, die Waldorfschulen beweisen’s ja dauernd neu.

    Und nein, Arbeiten im Team heißt nicht, dass man sich gegenseitig dauernd hilft und jeden Schritt gemeinsam tut. Arbeiten im Team heißt, dass man die Arbeit geschickt aufteilt und trotzdem zu einem Ergebnis kommt. Wenn Schulen hingegen beibringen sollten, dass es „Teamfähigkeit“ bedeute, wenn man nur mit mehreren zusammen Ergebnisse liefern kann, dann geht das an den Anforderungen des Lebens recht heftig vorbei.

    Auch ist ein gewisser Kanon nötig, der einfach durchgepaukt werden muss. Auf irgendwas müssen die höheren Schulen bzw. Unis nämlich aufsetzen können. Sie müssen bestimmte Dinge erwarten können von ihren Neuzugängen und wissen, dass und was sie anderes beibringen müssen.

    Wie war das noch? Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Sollte man vielleicht einfach mal so hinnehmen.

  • #2
    0+1

    Hi Rya,

    danke für den Artikel und damit einen Gedankenanstoss!

    Zunächst mal stimme ich dem von dir gesagten so weit zu, möchte aber dabei ein wenig Advocatus Diaboli spielen. In dem Artikel gehst du davo aus, dass der primäre Zweck unseres Bildungssystems _Lernen_ ist. Was in den ersten Klassen vermutlich noch stimmt, verändert sich mit zunehmenden Alter hin zu _Selektion_.

    Unser komplettes Gesellschaftssystem ist auf Selektion zugeschnitten, wobei es dabei um die Verteilung teils echter, teils künstlich knapper Ressourcen geht: Wer darf aufs Gymnasium? Wer darf ein Medizin-Studium anfangen? Wer schafft es ein Stipendium zu bekommen? Wer wird beim Auslandssemster vom DAAD gesponsort? Wer schafft den Master-Schnitt? Wer darf einen Dr. machen? Wer wird eingestellt? Wer wird befördert? Wer bekommt wieviel Gehalt? Wer kommt mit dem süssen Mädel aus der Nachbarklasse zusammen? Wer bekommt einen Listenplatz der Piraten bei den NRW-Wahlen?

    Wo dieses Thema im Kindergarten und der Grundschule noch vergleichsweise gering ist (aber auch schon vorhanden wenn es z.B. um die Frage geht in welchem Kindergarten man einen Platz bekommt…), fällt es vergleichsweise einfach Selektionsmechanismen wie die Note wegzuwerfen. Doch schon beim Übergang ins Gymnasium fängt es an. Ok auch den könnte man relativ einfach abschaffen und ein liquideres System verwenden. Doch wie soll es bei Studienplätzen, Arbeitsplätzen, etc. aussehen? Manche Dinge sind einfach knapp und werden es wohl auch bleiben. Wie sehen die Verteilungsmechanismen aus? Wer wird entscheiden? Und vor allem: Wie schafft man, dass es gerecht ist? Welche Art von Gerechtigkeit wird angestrebt?

    Mir geht es mit diesem Posting darum, zu zeigen, dass sich das Bildungssystem gegen eine grundlegende Reform so stark wehrt, weil darin ein Grundmechanismus der Gesellschaft eingeflochten ist. Und so lange dieser Mechanismus nicht gelöst, aufgedröselt und verändert wird, wird es beim Bildungsystem auch nur bei den kleinen Veränderungen bleiben.

    Die Frage wie man mit den Selektions bzw. Verteilungsmechanismen umgeht, wird eine spannende werden, gerade in Zeiten in denen die physikalischen Ressourcen vermutlich abnehmen werden. Da sehe ich bei den Piraten noch eine gewisse Lücke, aber auch die Chancen für neue Konzepte.

    liebe grüssle
    oti
    P.S.: Ein Beispiel aus einer Spieltheorie Vorlesung: Der Prof. erklärte warum es im Master relativ schwere Klausuren geben muss wie folgt: „Im Prinzip kann jeder mit genügend Aufwand die Klausur bestehen. Der Aufwand für die Klausur zu lernen ist abhängig von der Begabung der Studierenden. Um die Begabtesten auszuwählen, muss die Schwierigkeit der Klausuren also so hoch gewählt werden, dass der Nutzen durch den Master für die Begabten größer als der Aufwand ist, für die anderen aber der Aufwand größer als der Nutzen. D.h. diese verlassen das Studium bereits nach dem Bachelor. Für alle im Master bräuchte man jetzt eigentlich die Klausuren gar nicht mehr, da sie es mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit bis zum Ende schaffen werden. Gäbe es die Klausuren aber nicht, hätte man eine andere Zusammensetzung der Studierenden und bräuchte sie wieder. Dadurch ist die Uni gezwungen schwere Master-Klausuren zu stellen.“

  • #3
    Rheinländer

    Hört sich gut an.
    Aber der Parteiname ist nicht überlegt.
    Die Skandinavier haben da mehr Humor.
    Vieleicht sind die Namensrechte der Liberalen bald zu haben, aus der
    Insolvenzmasse.

  • #4
    Birgit

    @Ulrich Fuchs:

    Verstehen Sie mich nicht falsch. Um es mit Gunter Dueck zu sagen: Wir werden mehr wirklich können müssen! Es wird also m.E. in der Schule der Zukunft und für die Zukunft weniger um auswendig gelerntes Wissen gehen, sondern mehr um Anwendung. Das bedeutet, dass Schule eher anspruchsvoller wird, weil die Anforderungen steigen. Es geht darum, die Grundlagen für lebenslanges Lernen zu legen. Wie viel des Stoffes aus unserer Schulzeit nutzt uns denn heute noch?
    In der Schule wird m.E. zu viel Faktenwissen abgeprüft. Was aber werden wir können müssen? Menschen begeistern. Texte beurteilen. Unterschiedliche Texte selber verfassen. Aufrichtig argumentieren. Verschiedene Quellen verwenden. Teams leiten. Einen Sinn für Ästhetik entwickeln. Uns vernetzen können. Vor allem: das finden, was unser Herz bewegt. Das, was unsere Leidenschaft ist.

    Dafür muss Schule viel individueller möglich werden. Schüler können ja oft schon ganz viel. Und in der Schule haben sie den Vorteil, sich ausprobieren zu können, Fehler machen zu können. Wenn man einen Sinn sieht, in dem, was man tut. In dem, was man entwickelt, macht Lernen mehr Spaß und ist wesentlich nachhaltiger als durch Druck.

    Ich teile nicht Ihre Auffassung, dass man vieles einfach auch mal „hinnehmen“ muss. Etwas ist nicht nur deshalb gut, weil wir das immer schon so gemacht haben;-)

    Zum anderen Beitrag: Selektion ist Teil unserer Gesellschaft. Auch das bedeutet nicht, dass man dieses System ungefragt übernehmen muss. Es ist eine Frage des Kulturkreises, welche Werte wir vertreten. Wir können das hinterfragen. Vielleicht können wir auch etwas ändern. Das Menschenbild dahinter ist entscheidend. Menschen wollen glücklich sein. Anerkannt werden. Etwas bewegen.

  • #5
    Red Eyes

    Vielleicht erst mal die Fakten studieren ?

    Die PISA-Studien der letzten Jahre haben klar gezeigt, dass die Schüler in CDU-regierten Bundesländern mit differenziertem(!) Schulsystem im Leistungsvergleich sehr viel besser abschneiden als ihre Altersgenossen in SPD-Bundesländern mit „integrativen“(!) Schulkonzepten wie der Gesamtschule. So beträgt der Leistungsunterschied zwischen dem Spitzenreiter Bayern (CSU) und dem Schlußlicht Bremen (Rot-Grün) bis zu 2 Schuljahre.

  • #6
    Itari

    das Klagelied … wir erwarten immer, dass ein Problem eine Lösung durch andere forciert. Besser wäre es doch, wenn wir alle Schule in die eigene Hand nehmen – natürlich kostenlos – sozusagen als Verpflichtung an der zukünftigen Generation. So wie Eltern ja aus sich heraus ‚erziehen‘ können (es gibt ja keine Qualifikation, Eltern zu sein), so können wir eigentlich auch alle unseren Teil zur Bildung beitragen. Wie? Das geht nicht? Aber sicher doch … wir können uns doch sicherlich selbst immer auf dem neusten Stand halten dank des alleswissenden Internets und so zwei bis drei Stunden am Tag mal eben ein paar Kids unterrichten (am besten erstmal die eigenen), ist doch sicherlich auch keine Überforderung. Das Schöne an diesem Konzept: man braucht weniger Lehrer (und Schule wird dadurch billiger) und man kann viel mehr Themen unterrichten und man braucht auch keine Angst haben, dass es überall gleich gemacht wird … Vielfalt wird so zum Programm und auch ganz sicherlich Spaß machen. Und ja, trennen wir Unterricht von den Prüfungen wie beim Führerschein; fassen wir Schule und Berufsausbildung zusammen … es gibt so viele Möglichkeiten, die bereits jetzt funktionieren, fangen wir einfach an ohne zu klagen – irgendwann wird es die normale Schule einfach nicht mehr geben …

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  • #8
    marius

    Sich bei der Bildungspolitik auf Gunter Dueck zu berufen gibt bei mir direkt mal Sympathiepunkte. Die Ansätze gehen aus meiner Sicht genau in die richtige Richtung.

    Was mich aber interessieren würde: Wie macht man so etwas konkret? Sind die genannten Ansätze schon so weit, dass man sie flächendeckend einführen könnte? Gibt es vielleicht einzelne Komponenten, die man anfassen könnte ohne komplett auf der grünen Wiese anzufangen?

    Das Ziel finde ich gut, aber der Weg ist mir noch nicht ganz klar.

  • #9
    0+1

    @Red Eyes
    Fakten Checken ist immer eine gute Idee. z.B. dass es sich bei PISA um keine wissenschaftliche Untersuchung mit vielen Problemen handelt: http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_den_PISA-Studien

    Gerade in dem Fall der Argumentation stellt sich die Frage: Was messe ich eigentlich genau an Fähigkeiten? Hab ich eine vorselektierte Population? Gibt es Dritt-Variablen (wie z.B. Wirtschaftsleistung) die hier kofundieren?

    Insb. die erste Frage zeigt, dass hier der Artikel offensichtlich nicht verstanden wurde (oder bewusst nicht verstanden werden wollte, um Parteipolitik zu betreiben). Sofern ich ihn richtig verstanden habe, geht es ja u.a. darum die Schüler für die (unbekannten) Herausforderungen der Zukunft fit zu machen. Das sind aber komplett andere Fähigkeiten als sie bei PISA abgefragt wurden. Zumindest wäre es mir neu, dass in PISA Kooperationsaufgaben, Koordinationsaufgaben, Innovationsaufgaben, Moralfragen oder Vernetzungsaufgaben enthalten gewesen wären. Aber das sind die Fähigkeiten die wir nach meinem dafür halten in Zukunft verstärkt brauchen werden (und auch jetzt schon brauchen).

  • #10
    HolleSonnenberg

    @Red Eyes: Rofl
    Mal wieder so eine Behauptung von dir die einfach nicht stimmt. Die Pisa Daten geben das so natürlich nicht wieder. Die Schlußfolgerung sogar doppelt nicht.
    Zum einen haben die Konservativen Wähler nur die Wahl zwischen CDU und (früher mal *g*) der FDP während nicht konservative Wähler sich aufteilen auf SPD/Grüne/Linke (und neuerdings Piraten), was bedeutet das man bei der Betrachtung der Landesregierungen überlegen müsste müsste wie man denn tatsächlich konservativ/nicht konservativ definieren möchte. Die Aufteilung zwischen CDU vs SPD macht so jedenfalls keinen Sinnn, zumal es ja auch Landesregierungen mit unterschiedlichen Koalitionen gibt auch wenn die CDU vielleicht die stärkste einzelnde Partei ist…… Aaaaber das ist eigentlich auch egal, selbst wenn man sich vorstellt das die Wirklichkeit tatsächlich so einfach konstruiert ist wie das in dem Kommentar aufgezeigte Weltbild, kann man aus der Pisa Studie ihre Schlußfolgerung nicht ableiten, für eine solche Sekundäranalyse fehlen viel zu viele wichtige Daten.
    Tatsächlich ist es so das wir in Deutschland ein Problem haben wenn es um die Förderung von Kindern aus schlecht verdienen Elternhäusern haben (dies belegt die Shell-Studie ziemlich eindeutig) daraus folgert: Viele arme Elternhäuser in einem Bundesland= schlechtere Pisa Ergebnisse. Nun ist vermutlich jedem klar das die Konservativen ihre Wähler gerade n i c h t aus diesem Milleu rekrutieren. Was ganz einfach einen (nicht belegten) Zusammenhang zwischen starke CDU= bessere Pisa Ergebnisse erklären könnte…..
    Aaaaaber selbst wenn wir diese Überlegungen weglassen, kommen wir an dem Punkt an dem selbst die Ergebnisse unseres „besten“ Bundesland nicht an die Ergebnisse von zum Beispiel Korea heranreicht und dieses Bildungssystem gliedert Leistungsbezogen bis zur Oberstufe gar nicht auf. Ab dort ist das Schulsystem dann freiwillig (99,7% im Jahr 2004 aller Schüler gingen in die „Oberstufe“).

    Oder nehmen wir Finnland seit Jahren immer wieder ganz oben mit dabei und weitab von den Punktezahlen der Bayern. Keine Differenzierung bis zur neunten Klasse, dort kann man sich dann aussuchen ob man die Oberstufe macht oder eine Berufsbezogene Schule besucht. Beide Abschlüsse berechtigen zum Studium. Die Dauer der Schulzeit richtet sich nach den Leistungen des Schülers…..

  • #11
    FischigeErdnuss

    Hallöle!

    Nun, grunsätzlich stimme ich der Grundidee zu: Schule muss flexibler sein und das nötige, wirklich elementare Wissen lehren: Das Lernen an sich und die effiziente Anwendung des Erlernten.

    Das Problem was vielen Schülern und damit auch mir immer wieder wie ein tollwütiger, nicht zu überwindender Schimpanse ins Gesicht springt ist das Lernen. Wie lernt man richtig? Wie lernt man effizient? Viele Schüler lernen ineffizient und folglich auch länger um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Natürlich wird vorrausgesetzt, dass Schüler überhaupt mal lernen und 12 Jährige Abiturienten sind von vornherein ausgeschlossen, denn nicht jeder ist eine geborene Intelligentsbestie mit einem IQ von 256. Anstatt mechanisch alles was eventuell nützlich sein könnte in die Hirne der Schüler zu pressen, sollte das Aneignen des Wissens vermittelt werden. Und da fragt man sich wieder wie man richtig/effizient lernt.

    Für alle Leser der älteren Generation: War all das Wissen aus der Schulzeit wirklich notwendig? Und damit meine ich nicht die Notwendigkeit um die nächsten Klausuren zu bestehen, sondern jene, die man vom Schulstoff erwarten sollte, das einem eingetrichtert wird. Muss man von vornherein wissen, wie man eine Filmanalyse auf Englisch schreibt? Hier in Deutschland? Jetzt werden einige empört aufschreien und sagen, dass es für den kommenden Job wichtig sei. Ist dem wirklich so? Muss man als Krankenpfleger, Friseur, Tänzer, Sänger, Autor, Arzt und was man noch so alles werden will automatisch wissen, wie man den Wisch auf Englisch schreibe? Ich denke nicht. Man könnte es gebrauchen und da kommt das eigenständige Aneignen ins Spiel. Das selbe gilt für die dunkelsten Tiefen der Mathmatik. Braucht man wirklich alles davon? Wenn ich es brauchen sollte, eigne ich es mir an. Schluss aus. Basiswissen ist da was anderes, das muss natürlich vermittelt werden. Beispiele dafür sind natürlich das Lesen und Schreiben, einfach Mathematik (damit sind Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division gemeint), Geschichte, denn ohne das Gestern gäbe es kein Morgen und die Vergangenheit sollte uns genug lehren um zukünftige Fehlschritte und Dummheiten zu vermeiden. Die Liste lässt sich noch um vieles mehr Erweitern, wenn es kulturell und zeitlich nötig ist. Sport und Englisch wären z.B. Fächer, die ich aus kulturellen Gründen akzeptabel finden würde. Englisch ist eine Weltsprache und man sollte die Fremdenzungen schon entschlüsseln können um zur heutigen Zeit zurecht zu kommen. Französisch hingegen ist zwar schön, aber Luxus. Und Luxus sollte nicht obligatorisch sein.

    Worauf ich hinaus will ist, dass Schule viel zu sehr versuch den Schüler allwissend zu machen. Vieles braucht man nicht, wenn man nicht spezifisch in eine gewisse Branche will. Man könnte einige spezifische Sachen evtl. ankratzen, aber viel wichtiger als diese ganze Wissens-Orgie ist das Wissen selbst, und das wird leider bei all den hochgesteckten Grenzen vernachlässigt.

    Was mich als Schüler auch noch stark verwundert ist, wieso man so stark auf diese konservativen und oftmals unflexiblen Methoden behaart. Wir sind wie das Flussbett und die Zeit wie das Wasser. Wir müssen uns anpassen, ja, aber nicht dem statischen, sondern dem dynamischen. Das komplette Schulsystem umzuwerfen ist vielleicht zu aufwendig, aber man könnte schon mit kleinen Maßnahmen anfangen.

    Maßnahme #1 – Schulbücher
    – Ich habe den Sinn dahinter nie richtig verstanden. Man kauft sich einen mehrere hundert Seiten umfassenden Wälzer und benutzt in der Regel nur einen abgöttisch geringen Teil davon. Und die häufen sich auch noch jedes Jahr! Das geht auf die Börse und auf den Rücken. Ist man da nicht mit einer ein-mal Anschaffung eines Tablets/Net-/Notebooks besser bedient? Und die Schullektüre schreibt dann der Lehrer. Hört sich nach viel an? Dann lasst es mich besser ausdrücken: Wenn der Lehrer es nicht einfach, simple und kurz genug ausdrücken und erklären kann, hat er es nicht genug verstanden. Außerdem bereitet ein guter Lehrer für jede Unterrichtsstunde alles notwendige vor, und wir hoffen einfach mal, dass jeder Lehrer ein guter Lehrer ist. Das vorbereitete einfach etwas ausformulieren, und als Lektüre an die Schüler geben! Das spart außerdem die Kopierkosten! Und wenn man mal unbedingt etwas ausgedruckt braucht, bitte, dann wird es ausgedruckt.

    Maßnahme #2 Kompetentere Lehrer
    Was einige Lehre so leisten, dass könnte man nicht einmal mit einer Küchenwaage abwiegen. Und dies ist wahrlich nicht subjektiv gesehen. Es sollte klar sein, dass unter der großen Menge der Lehrer auch mal einige faule Äpfel vorhanden sein müssen. Aber gibt es nicht genügend Wege und Mittel um die Kompetenz einer Lehrkraft zu ermitteln? Wenn man als Mitschüler einen ziemlich großen Brocken aus seiner Klasse in einem Fach Nachhilfe geben muss, kann es nicht an den Schülern liegen, dass das Wissen nicht angekommen ist.

    tl;dr: Überarbeitung des Schulsystems: Eindeutiges ja, aber ob es ein optimales Schulsystem gibt und ob man so vorgehen muss? Man weis es nicht. Was für mich als Schüler und in weit, weit entfernter Zukunft sogar vielleicht als Vater wichtig ist, dass der Staat die Notwendigkeit einer Änderung einsieht und diese auch umsetzt.

    Es labbert die fischige Erdnuss.

  • #12
    Red Eyes

    @HolleSonnenberg:

    Als Vorbild für Deutschland taugt Finnland nur bedingt, weil es eine sehr homogene Bevölkerung hat und keine großen Einwanderergruppen integrieren muss.

  • #13
    Birgit

    @fischigeErdnuss

    Zu viel Schmalspurwissen würde ich nicht fördern wollen (auch wenn sicher vieles in den aktuellen Lehrplänen verhandelbar ist). Ich bin der Auffassung, dass es nicht schadet, seinen Horizont in unterschiedlichen Bereichen zu erweitern.

    Gerade, um seine Leidenschaften zu finden, muss man in unterschiedliche Gebiete geschnuppert haben. Es sollte eben kein Lernen für die Wirtschaft, für den einen Beruf sein, sondern wir werden alle Grundkompetenzen benötigen, die uns für eine sich ständig ändernde Gesellschaft befähigen.

    Kritisch sehe ich auch den Absatz über Schulbücher. (Bei den digitalen Medien stimme ich vollumfänglich zu. Ich sehe allerdings wenig Sinn darin, etwas Vorformuliertes an Schüler zu geben. Schüler sollen mit echten Materialien lernen. Mit dem, was ihnen später in der Welt begegnet. Mit Texten, die nicht vereinfacht wurden. Lehrer können dabei helfen. Texte jedoch generell zu reduzieren, didaktisch herunterzubrechen, ist nur selten sinnvoll.)

  • #14
    Birgit

    @Marius Es gibt Schulen, die schon ganz gut zeigen, wie es sein könnte. Ich mag zum Beispiel das Video dieser Schule: http://www.sts-winterhude.de/

    Es zeigt, wie ein Tagesablauf in einer Schule aussehen kann, die abweicht von der üblichen Art des Unterrichtens.

  • #15
    paule t.

    In welchen „ganzen Schulsystemen“ gibt es Kleingruppen statt Schulklassen?

  • #16
    Wolfgang

    Die ausführungen der Piraten klingen oftmals -auch hier- wie Dale Carnegies Sorge dich nicht – lebe!

  • #17
    HolleSonnenberg

    @Red Eyes
    Gnaaah, warum machst du das? Du hast zwar recht das Finnland nur einen Ausländeranteil von 2% hat, aaaber erstens entspricht das einer vervielfachung seit Ende des kalten Krieges und zweitens gibt es auch so mehr als genug zu integieren, zahlreiche finnische Bevölkerungsgruppen haben ihre eigenen Sprachen und (sub) kulturen. Zum einen ist Finnland generell zweisprachig zum anderen gibt es da zum Beispiel noch Samen, welche alleine drei Sprachen haben, oder die Roma welche Romani sprechen, oder die Tataren. Die größte sprachliche Minderheit stellen die russischstämmigen Menschen da. In Finnland ist eine Gemeinde dann offiziell zweisprachig wenn 8% der Gemeinde eine gemeinsamme Sprache sprechen, welche eine andere ist als die Majorität spricht. In Zahlen: 19 Gemeinden sind offiziel schwedischsprachig, 292 finnischsprachig und 31 Gemeinden zweisprachig.
    Außerdem ist es so das Finnland das einzige Land der EU ist das den Gebrauch der Gebärdensprache als Recht in seiner Verfassung hat.

    Oder wolltest du auf eine spezielle Integratonsproblematik hinaus? Gibt es da vielleicht bestimmte Gruppen die du für besonders schwierig hälst…. nicht nur wegen der Sprache….?^^

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  • #19
    Red Eyes

    @HolleSonnenberg:

    Der relativ hohe Migranten-Anteil an unseren Schulen ist mitverantwortlich für das schlechte Ergebnis der Deutschen bei der Pisa-Studie, ob diese Migranten jetzt aus der Türkei oder Japan kommen, kannst du sicherlich per Google recherchieren.

    Aus diesem Grund kann man die Schulsysteme in Finnland und Deutschland eben nicht vernünftig vergleichen. Leuchtet ein, oder ?

  • #20
    FischigeErdnuss

    @Birgit
    Ich habe mich wohl beim ganzen schreiben zu ungenau ausgedrückt und Sachen ausgelassen, Fehler meinerseits. Natürlich schadet es nicht seinen Horizont zu erweitern, aber Schule setzt es ganz und gar unflexible um. Wenn man nur das Basiswissen vermitteln würde, wäre Schule auch viel zu schnell um. Ich bezweifle, dass man dafür ganze 13 Jahre braucht. Was sich der Staat mit dem aktuellen, veralteten Schulsystem gedacht hat, weis ich nicht und ich bezweifle, dass es viele gibt, die da wirklich durchblicken. Wieso zwingt man Schülern grunsätzlich tolle Sachen auf? Eine 2. Fremdsprach ist schön und gut, aber das Spektrum an 2 Sprachen mauert den Horizont zu einer 2-Weg Gabelung zu. Und wieso muss es unbedingt eine 2. Fremdsprache sein? Was wenn der Schüler andere Interessen hat und durch Französisch bzw. Latein eingegrenzt wird? Anstatt der „2. Fremdsprach“ würde ich gerne eine freie Wahl eines zusätzlichen Faches sehen. Will der Schüler vielleicht eine Naturwissenschaft mehr oder die bereitsgewählte stärker belegen? Will der Schüler sich vielleicht lieber verstärkt mit Geschichte oder irgendeinem anderen Fach beschäfigen? Im aktuellen System ist eine individuelle Förderung nicht möglich.

    Soweit zum Grundgedanken. Natürlich wäre, wenn man die Grundidee so umsetzen würde, Schule noch uneffizienter. Menschen sind Gewohnheitstiere, gefällt ihnen etwas, wollen sie konservativ sein. Um einem Schüler nun fremde Wiesen zu zeigen, muss man natürlich etwas Hand anlegen. Aber wieso muss sich der Schüler im aktuellen System mehrere Jahre durch die Fächer durchquälen? Neuer Fächer sollten erst einmal wirlich nur Kostproben ohne Verbindlichkeit sein, aber dem Schüler wird heute wie in der Jamba-Werbung zur „Kostprobe“ gleichzeitig ein 3 Jahres Abonnement aufgezwungen. Meiner Meinung nach ist der Schüler dort schon zu eingeschränkt und wenn man eingeschränkt ist, kann man sein volles Potential nicht erreichen. Einziges Manko, die Lehrer. Diese sind nähmlich Mangelware und um eine Vielzahl an Optionen anzubieten, benötigt man mindestens genauso viele Lehrer.Wo wir gerade schon bei Lehrern sind, und diesmal ist es keine Anprangerung jener: Um kleinere Klassen bzw. Gruppen zu ermöglichen bräuchte man natürlich auch mehr vom Lehrtier. Und wo Finnland schon angesprochen wurde, hier nun meine Begründung für kleinere Gruppen: Professionelle Sportler. Wie, nicht ausführlich genug? Dann sehen wir uns doch mal die Trainer dieser Leistungstiere an. Dem normalen Wesen sollte schon der Groschen gefallen sein, denn im Grunde genommen ist ein Trainer für den Sportler doch das selber wie der Lehrer für den Schüler, so banal es klingen mag. Und eins wissen wir von den Leistungstieren: Um das beste aus sich herauszuholen, brauchen sie einen Trainer, der sich mit ihnen intensiv beschäftigt. Da ist Massentraining uneffizient, vorallem für den einzelnen. Der Lehrer sollte sich ebenso wie ein Trainer intensiv mit einem Schüler auseinander setzen, aber des Verhältniss 1:1 ist hier fehl am Platz und nicht forderlich für den Schüler. Menschen brauchen die Gesellschaft von anderen Menschen. Ob man aber 8er Gruppen in Deutschland durchsetzen kann bzw. sollte ist da eine andere Frage, aber der Grundgedanke Klassen zu verkleinern um es Schülern und vorallem auch Lehrern einfacher zu machen ist aufjedenfall ein Schritt in die richtige Richtung.

    Ich merke, dass ich wieder einen halben Roman schreibe, aber eine Sache muss ich punkto „Lehrer-schreiben-die-Lektüre“ loswerden: Natürlich müssen Schüler auch mit echtem Materialien arbeiten können, da ist der Begriff vereinfach wohl ungeschickt gewählt. Mit vereinfachen und simple soll nicht das verwässern des Stoffs gemeint sein, sondern das simple, klare und leicht nachvollziehbare Erklären. Was viele vergessen ist, dass das Wissen alleine nicht gleich bedeutet, dass man auch gut lehren und erklären kann. Lehrer verfügen über das Wissen, ja, aber können sie es auch verständlich vermitteln? Man sollte meinen, dass es so sein muss, aber ein Großteil der Lehrerschaft scheint zu vergessen, dass Schülern eine vorgetragene Dissertation genauso verständlich finden, wie Studenten eine Ikea-Bauanleitung auf Suaheli. Und das alles, Wo doch das Medium Unterricht so viele Möglichkeiten bietet!

    Die Erdnuss lässt grüßen!
    PS: Kann Spuren von Rechtschreib-/Grammatikfehlern enthalten.

  • #21
    Jürgen

    @#4: „Was aber werden wir können müssen? Menschen begeistern. Texte beurteilen. Unterschiedliche Texte selber verfassen. Aufrichtig argumentieren. Verschiedene Quellen verwenden. Teams leiten. Einen Sinn für Ästhetik entwickeln. Uns vernetzen können.“

    Und genau dafür brauche ich das Faktenwissen.

  • #22
    Theresa

    Schon 2010 gelesen und viel hat sich nicht geändert.

    http://wiki.piratenpartei.de/Wahlprogramm_Landtagswahl_NRW_2010#Bildungspolitik

    Sehr langer Text, der erstmal ausschließlich die Richtung bzw. eben die liberale Ideologie der Piraten beschreibt und ihr Menschenbild entlarvt.

    Das Hauptziel der Piraten ist, soviele Schüler wie möglich ins Gymnasium und somit an Hochschulen zu bringen, um den Bedarf für die Wirtschaft, Wissenschaft etc. zu decken. Kein Wort über die Realität. Nichts wurde analysiert und kein Wort über andere Schüler und Schularten (Haupt- Real-, Gesamt- und Förderschulen), auch kein Wort über andere Ausbildungswege (Betriebliche / Schulische Berufsausbildung). Es geht nur um die Förderung der Besten, es geht nur um Gymnasiasten. (Übrigens sind vor Jahrzehnten bereits Konservative schon darauf gekommen, auch „Arbeiterkinder“ ins Gymnasium zu holen, denn Potenzial ist Potenzial, egal wie das Elternhaus aussieht. Ist also nichts neues, liebe Piraten.) Was ist mit anderen nicht akademischen Berufen? Welcher Akademiker wird denn als Kellner, Reinigungskraft, Koch, Verkäufer, Maler usw. arbeiten? Kommen Nicht-Gymnasiasten im piratigen Weltbild eigentlich vor?

    Kurz: kein Wort über Kinder und Jugendliche, keine Idee, dieses veraltete, trennende Schulsystem durch ein besseres, humaneres und der Natur von Kindern und Jugendlichen entsprechendes zu ersetzen.

    Und auch in diesem Artikel oben nur Oberflächliches.

    Immer mehr werden die Piraten in meinen Augen zur neuen FDP. Ich höre nur Leistung, Bedarf decken, Funktionieren. Teilweise klingen sie sogar sehr konservativ.

    Kinder sind nicht unsere Zukunft und nicht dafür da, irgendeinen Bedarf zu decken. Sie haben ihre eigene Zukunft, wenn man ihnen soviel wie möglich anbietet, sie unterstützt und sie nur lässt.

  • #23
    HolleSonnenberg

    @Red Eyes
    Gnaaah du machst es schon wieder. Klar das stimmt schon: Bundesländer mit höherem Migrantenanteil haben schlechtere Ergebnisse (oho, auf einmal keine Rede mehr von deiner Ursprungsthese von wegen CDU Regierung und so?).
    Aber daraus lässt sich doch nicht so einfach ein Kausaler Zusammenhang konstruieren. So viel kann ich dir verraten, du kannst die Pisa Ergebnisse auch nach Kichererbsenkonsum eines Bundeslandes staffeln und erhälst genau die gleichen Ergebnisse. Oder nach Konsum von schwarzem Tee. Oooooder eben auch nach Einkommen der Eltern. Bei jedem dieser Kriterien erhälst du die selbe Staffelung. Ist auch logisch wenn man drüber nachdenkt. Wenn du soweit folgen konntest bleiben als Ursache nur zwei Möglichkeiten übrig: Sprachbarriere oder Schichtdurchlässigkeit. Wenn es die erste Möglichkeit ist passt das finnische Beispiel sehr gut. Wenn es die zweite Möglichkeit ist hast du mit der Ursprüngliche These ordentlich ins Klo gelangt.
    Es sei denn du führst eine weitere Möglichkeit ein und irgendwie habe ich den Eindruck wir nähern uns diesen Punkt….
    Aber dann sind Standpunkte wenigstens klar….

  • #24
    HolleSonnenberg

    @Theresa:
    Das würde ich so nicht sagen: Hier der Wiki Link zu den Anträgen für den NRW LPT in ca einer Woche: http://wiki.piratenpartei.de/NRW:Landesparteitag_2012.2/Antr%C3%A4ge
    Programmantrag Nr.: 12 bis 24 und 26, 29 am Rande, 30 bis 32, 57 zumindesten mit Bildung im Arbeitsleben, 108 geht um Lehrmittelfreiheit. Ist zwar einiges zu lesen aber das ist halt der aktuelle Stand. Ich finde da hat sich in knapp zwei Jahren schon viel getan 🙂

  • #25
    Nobbi

    Wie gut oder wie schlecht ein Schulsystem ist, hängt von dem Lehrplan ab, von dem, was unterrichtet wird und wie es unterrichtet wird (von der Qualität der Lehrer). Wenn noch Ideologie in den Lehrplan einfließt, geht dies immer zu Lasten des Lehrstoffs, des Wissens.

  • #26
    Nobbi

    @#17 | HolleSonnenberg:

    Der wichtigste Punkt fehlt: In Finnland sind die Schüler stolz, gute Leistungen zu erzielen. Es ist nicht wie in Deutschland ein notwendiges Übel in die Schule zu gehen, sondern die Chance etwas aus seinem Leben zu machen. Das fängt in der Schule an und geht im Berufsleben weiter: Man ist stolz darauf was zu leisten und nicht wie hier stolz darauf auf Kosten anderer (Hartz-4) zu leben.

  • #27
    Birgit

    @Theresa Mich erschreckt sehr, wie sehr Du uns missverstehst. Mal telefonieren? Ich vermute fast, dass wir all die Unklarheiten nicht schriftlich klären können. In Kürze: Ganz sicher geht es nicht nur um Gymnasiasten und eben keinesfalls nur um Leistung. Auch sehe ich nicht, wie Du das aus meinem Text herausliest. Kennst Du das Buch „The Element“?

  • #28
  • #29
    suchenwi

    @3
    „Aber der Parteiname ist nicht überlegt.
    Die Skandinavier haben da mehr Humor.“

    Die erste Piratenpartei wurde am 1.1.2006 in Schweden gegründet (und hat inzwischen 2 Abgeordnete im Europäischen Parlament).
    Im gleichen Jahr haben sich in Europa einige Piratenparteien gegründet (z.B. Frankreich, Österreich, Deutschland), und weit mehr in den Jahren danach.

    Der Piratismus ist einfach eine internationale Bewegung (naheliegend, da viel über das Internet kommuniziert wird). Die russischen Piraten können jetzt endlich zugelassen werden, nachdem sie ihren Namen in „Pirazzen“ ändern mußten 🙂
    Aktive Piratenparteien gibt es von Argentinien über Massachusetts, Kanada, Italien, Kasachstan bis Australien und Neuseeland. Der Name ist ein wichtiger Teil unserer Identität.

    Bonus Feature: in Frankreich sind am 10./17.6. Parlamentswahlen. Piraten treten mit eigenen Regionalstrukturen an in Ile de France (Paris und Umland), Alsace, Midi-Pyrenees (Toulouse), Rhone-Alpes (Lyon).. und La Réunion.

    Auf dieser Insel, 200km östlich von Madagaskar, fand heute abend gerade ein Stammtisch statt, um die Wahlbewerbung vorzubereiten. Im geplanten Programm ist u.a. BGE (500€) und freie Seefahrt. (Wegen des frz. Mehrheitswahlrechts werden sie es sehr schwer haben, reinzukommen).

    Nur so als Beispiel, was „Piraten“ bedeuten kann.. sehr viel mehr als eine deutsche Partei mit lustigem Namen. http://partipirate.re/

  • #30
    Bastiaan Zapf

    Dergleichen Gewäsch glaube ich so lange nicht, bis nicht menschenwürdige Schulen Realität geworden sind.

    Solange Schulen das Gift bleiben, das sie sind, gibt es nicht einmal eine Rechtfertigung, Kinder nicht davor zu bewahren.

    „Bildung“ ist ein hohles, blindes Wort, unter dessen Deckmantel die Sekte Staat durch Schulen am Leben gehalten wird. Nichts mehr davon, bitte.

  • #31
    Birgit

    @BastiaanZapf Den ersten Satz meinst Du vermutlich nicht so, oder?

    Zudem wirkt mir Dein Kommentar zu verbittert. Ich glaube nicht, dass man mit mehr Respektlosigkeit und Abwertung anderer Menschen etwas verbessern kann.

  • #32
    HolleSonnenberg

    @Nobbi
    Ja dem würde ich auch zustimmen. Ich denke das das ein ganz wichtiger Punkt ist. Es ging mir nur erstmal darum zu zeigen das Red Eyes (mal wieder) einfach so eine Behauptung in den Raum wirft die so wie er sie formuliert einfach nicht stimmt.
    Dann würde ich aber noch weiter gehen und sagen das es nur sehr schlecht an den Schülern selbst liegen kann. Ich glaube das wir als Eltern und als Gesellschaft sehr an der Vermittlung von Werten arbeiten müssen.
    Wobei ich noch erwähnen möchte das Leistung nicht gleich Noten ist. Wir sind hier in NRW was die Zentralabiturprüfungen angeht zum Beispiel in einer Situation das wir im Fach Mathe Taschenrechner zugelassen haben die 20 Euro kosten und Taschenrechner die 120 Euro und dafür (kleine) Vorteile bringen bei bestimmten Rechnungen zum Beispiel in der Analysis. Außerdem enthalten die 20 Euro Casio Rechner einige sehr schlecht dokumentierte Funktionen die in der Abiturprüfung sehr viel Zeit sparen können. Ein Glück für jeden der einen Mathelehrer hat der sich mit diesen Funktionen auseinander setzt.
    Ein essener Lehrer hat sich mal die Mühe gemacht und was dazu aufgeschrieben, seine Seite findet man unter www.zentralabitur.org
    Ich wollte eigentlich nur darauf hinaus das der Prozess des lernens oft nur durch die Noten legitimiert wird, diese in der Realität aber nur mehr oder weniger etwas mit dem Lehrnerfolg oder dem wirklichen „Verstehen“ des Stoffes zu tun haben.
    Es reicht einfach nicht den Wert „Bildung“ gleich zu setzen mit der Erwartungshaltung an die Schüler gute Noten zu bekommen.
    Vielleicht hätte ich den Text besser nach meiner ersten Tasse Kaffee geschrieben, aber ich hoffe es ist trotzdem verständlich was ich sagen wollte.

  • #33
    Theresa

    @HolleSonnenberg Danke für die Ergänzung. Und richtig, Thema Lehrmittelfreiheit hab ich unterschlagen, ist sehr wichtig.

    @Birgit Danke für das Angebot, sehr gerne. In deinem Wikiprofil steht eine Nummer/E-Mail, bist du darüber erreichbar? dann melde ich mich gern mal.

  • #34
  • #35
    Bastiaan Zapf

    Doch, ich meine auch den ersten Satz Ernst. Lehrer klappern seit Jahrzehnten, anstatt Handwerk zu vollbringen. Schulen sind so gewalttätig [1] wie eh und je, und der „neuen“, „kritischen“ „Generation“ von „Lehrern“ fällt nichts ein als hohle Phrasen wie „Das Schulsystem muss verändert werden.“ Haargenau dieselben Phrasen übrigens, die seit den vierziger Jahren verbreitet und jedem Elternpaar unter die Nase gerieben werden, was soviel heißt wie: entweder so wie es ist, oder eben gar nicht.

    Ich würde es mal so formulieren, Birgit: Die Behörden hatten 13 Jahre lang die Chance, mir gegenüber ihre Tauglichkeit zu beweisen. Sie haben diese nicht genutzt und stattdessen vorgeführt, wie man Menschen durch angewandte Dummheit systematisch krank machen und zu unerbittlichem, ungezielten Haß aufstacheln kann.

    Entweder die Schulen ändern sich, und dann die Lehrer, und dann überzeugt man mich davon, dass das beides Erfolgt ist, oder ich werde nach wie vor meine Wahrnehmung zum Besten geben:

    Auch die „neue“, „idealistische“, „kritische“ „Lehrer“-„Generation“ wird – im übrigen wie die „Generationen“ vor dieser – mit 35 in Frührente gehen und das Feld den Perversen überlassen.

    Entweder ihr hört auf, Menschen durch Polizeidrohungen, Sippenhaft und erzwungene unmenschliche Arbeitsbedingungen für Minderjährige systematisch zu zerstören, oder ihr lebt damit, dass es Leute gibt, denen diese Form des Umgangs eben nicht gefällt und die diese Ansicht eben auch gelegentlich äußern.

    [1] 10% Gewaltopfer pro Jahr – und keinen kümmerts

  • #36
    e.diallo

    Hallo Birgit,
    Dein Text gefällt mir sehr gut!
    Ich bin Kunstpädagogin und Kunsttherapeutin in Ausbildung und arbeite mit anderen Kunstpädagogen und Kunsttherapeuten an einem Konzept für Kreativunterricht an Ganztagsschulen. Wir sind aus München und Umgebung und würden uns gerne mit anderen Pädagogen vernetzten, die auch eine andere Schule anstreben.
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    MfG Eli Diallo

  • #37
    Bastiaan Zapf

    Liebe Eli, Liebe Birgit,

    „Anstreben“ und „vernetzen wollen“ reicht hier, wie so oft, nicht. Erst handeln, dann reden.

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