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Pure Not oder Populismus? – Schalke denkt offenbar an eine feste Gehaltsobergrenze

Fans in Gelsenkirchen. Foto: Michael Kamps

Nach übereinstimmenden Medienberichten steht der FC Schalke 04 kurz davor für seine Profis in Zukunft eine feste Gehaltsobergrenze von 2,5 Mio. Euro pro Saison einzuführen. Ein zunächst von der ‚Süddeutschen Zeitung‘ verbreiteter Bericht, wird nun auf immer mehr Portalen entsprechend bestätigt.

Das klingt im Kern natürlich zunächst einmal sehr spannend. Zum einen ist es sympathisch, insbesondere in wirtschaftlich harten Zeiten wie diesen, so einer Forderung von Teilen der aufgebrachten Anhängerschaft zu entsprechen, den Kommerz zurückzuschrauben, die Entfremdung zwischen Klub und Fans durch solche Vorgaben wieder etwas zurückfahren zu wollen. Womit ginge das besser als mit einer neuen, finanziellen Bescheidenheit?

Zum anderen ist es ja auch ein schon länger öffentlich kursierender Gedanke in der Fußballwelt sich mit einer Art ‚Salary Cap‘ gegen die ausufernden Kosten zu stemmen und zugleich den Wettbewerb nach nordamerikanischem Vorbild etwas zu regulieren.

Das Problem ist nur: Das würde den Schalkern so nicht gelingen.

Als jemand der sich sehr viel mit US-Sport beschäftigt bin ich inzwischen ein großer Freund einer fixen Gehaltsobergrenze. In der NHL zum Beispiel hat sich das seit Jahren bewährt. Allerdings funktioniert das auch anders, als sich das viele hier vorstellen.

Das Ganze deckelt nämlich nicht etwa die Gehälter der Top-Verdiener, so wie es die Schalker offenkundig vorhaben, sondern es gibt den Teams in der Liga lediglich einen verbindlichen Finanzrahmen vor.

Alle 31 Franchises in der NHL müssen in Sachen Spielergehälter in einer vorgegebenen Spanne liegen. Es muss ein vorgegebener Mindestbetrag für die Gehälter der Aktiven investiert werden, und es gibt einen dementsprechenden Höchstbetrag. Wie die Verantwortlichen das zur Verfügung stehende Geld dann konkret aufteilen, das ist ihnen überlassen.

Einem Top-Star zahlt man dann dabei natürlich immer noch gerne mal etwas mehr als einem vermeintlichen Mitläufer usw.. Das Ergebnis ist eine relativ ausgeglichene, durchlässige Liga, in der jede Mannschaft innerhalb von ein paar Jahren Titelchancen bekommen kann.

Eine Dauermeisterschaft der Bayern, die ein Vielfaches dessen an Spieler zahlen können wie etwa der SC Paderborn, könnte so ziemlich wahrscheinlich verhindert werden.

Dass was Schalke hier aber offenkundig vorhat, das ist etwas ganz Anderes. Allen Spielern eine (für Bundesligaverhältnisse zudem inzwischen relativ niedrige) Obergrenze aufzuzwingen wird nämlich nur verhindern, dass sich wirklich gute Spieler in Zukunft noch den Gelsenkirchenern anschließen.

Warum sollte man sich dieser zudem selbstauferlegten Beschränkung also unterwerfen? Wohl nur aus reiner Geldnot.

Und selbst dann ist es kurzsichtig. Denn was passiert, wenn sich ein Spieler einmal besonders gut und schnell entwickelt? Er wird den Verein zwangsweise verlassen, weil er woanders deutlich mehr verdienen kann. Will man das auf Schalke? Dann hat man sich wohl über Jahre hinweg von der Tabellenspitze der Bundesliga verabschiedet.

So richtig macht dieses Vorhaben keinen Sinn. Sich als einziges Team der Liga unter eine solche Regelung zu begeben und das auch noch freiwillig, das mag den im Moment verstimmten Fans der Knappen vielleicht noch gefallen. Eine kluge Entscheidung ist es aber in keinem Falle.

Im günstigsten Fall wird hier versucht aus einer akuten Notlage noch irgendwie das Beste zu machen um sich mit Teilen der Anhängerschaft zu versöhnen. Aber wirklich gut durchdacht scheint die Idee nicht zu sein….

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9 Kommentare zu “Pure Not oder Populismus? – Schalke denkt offenbar an eine feste Gehaltsobergrenze

  • #1
  • #2
  • #3
    Walter Stach

    45 MIo Minus in der Bilanz…
    In der Bilanz des BVB!!!!!!

    "Wir " BVBer haben also berechtigten Anlass zur Sorge um "unseren" Verein . Und auch deshalb keinen Grund zur Häme gegenüber S04.

  • #4
    Walter Stach

    Nachtrag:
    Laut BVB-Geschäftsführung….
    Es geht um einen zu erwartende (!) Verlust von bis zu 45 Mio € für das Geschäftsjahr 2o19/2020.
    Und den kann den Verein laut Geschäftsführung " finanziell verkraften".
    Also…
    Insofern kann ich als BVBer also unbesorgt sein.
    Dann wären wir folglich trotz der "Miesen" auch finanziell nicht dabei, uns S04 anzunähern – ‚mal ganz abgesehen von dem aktuellen sportlichen Leistungsabstand zwischen dem BVB und S04.

    Trotzdem:
    Häme gegenüber S04 kommt mir nicht in den Sinn.
    Stattdessen könnte Demut angesichts der letztendlich guten Situation des BVB vor allem im Vergleich mit S04 -sportlich/finanziell- "unserseits" demonstriert werden.

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Häme käme mir da auch nicht in den Sinn, Walter. Aus meiner Sicht ist es aber ein Fehler eine Obergrenze für die Gehälter einzelner Spieler festzulegen. sinnvoller erscheint es mir ein Gesamtvolumen festzulegen und dann entsprechend Leistung und Bedeutunmg für das Team zu ‚verteilen‘. wenn dann einer 10 Mio. Euro verdient, dann kann das sinnvoll sein ihn zu halten. Bei der kolportierten Regelung wird Schalke auf Sicht keinen nachhaltigen sportlichen Erfolg mehr haben, da sie Mittelmass anhäufen im Kader.

  • #6
    Walter Stach

    Robin,
    ich wollte mich mit meinem Hinweis auf die Finanzsituation des BVB ganz und gar nicht einbringen in die Diskussion zum Ob bzw. zum Wie sog. Gehaltsobergrenzen für Bundesliga-Fußballer.

    Das nationale und das internationale Geschäft mit dem Produkt "Profi-Fußballer" kann nicht geführt werden unter Aspekten, die nichts mit diesem Geschäft zu tun haben, sondern beispielsweise mit irgend welchen Idealen, die irgend wann einmal einen Fußball-Fan wie mich umgetrieben haben, wenn es um meinen "Lieblingssport" ging.

    Auch Erwägungen, darüber, ob die Gehälter der Spieler, der Trainer, der Manager "angemessen" erscheinen

    -im internen Vergleich der Fußballbranche -national/ international -oder im externen Vergleich mit an deren Sportarten- oder gar Vergleich mit den Löhnen des "Durchschnittsverdieners bzw. im Vergleich mit den Einkommen von Managern in der Industrie- pp.-

    gehören nicht in eine Fan-Diskussion über ihren Lieblingssport Fußball generell oder konkret in die Fan-Diskussion über ihren Lieblingsverein oder über ihren "Lieblingsgegner", sondern in eine Diskussion über das Geschäft und darauf bezogen in eine Diskussion über die "beste Geschäftspolitik" und, das dieserhalb "beste Management".

    Ich gebe zu, daß ich regelmäßig während eines Bundesligaspieles fähig und willens bin, mich ausschließlich auf das Spiel, die Spieler, die jeweilige Spielsituation zu konzentrieren. Insofern kann Ich während des Spieles das "Geschäft mit dem Fußball" nebst aller Gedanken über "ein angemessenes Gehalt" für Spieler, Trainer pp. ausblenden. Ich kann mich auch kurzzeitig über einen Sieg "meiner Mannschaft" freuen oder über eine Niederlage ärgern. Dann holen mich aber relativ schnell die Realitäten des "Geschäftes Fußball" wieder ein.

  • #7
    Robert Müser

    Hört sich von der Idee interessant an, wird m.E.n. aber nicht funktionieren, da die Fußball-Söldner dem Lockruf des Geldes in andere Ligen und / oder Vereine folgen werden …

    Es könnte funktionieren, wenn andere Vereine und / oder Ligen mitmachen würden, dies sehe ich aktuell aber nicht …

  • #8
    Emscher-Lippizianer

    Und nun geistert durch die Online-Blätter, daß die Landesregierung mit 40 Mio. für diesen Käseverein bürgt.
    Jahrzehntelange Mißwirtschaft wird mit Steuergeldern belohnt. Der Tönniesverein, der eigentlich nur noch Geld an das Land NRW zahlen müsste, kassiert jetzt. Au, weia!

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