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Radfahren: Verwirrt zwischen Bochum und Dortmund

Indisches KohleradEs war die letzten Tage einfach zu schön, als das man auf eine Radtour hätte verzichten können. Frühling, du holder Sommerbote, du warst zu überzeugend, und da du zum Wochenende gleich wieder verschwinden könntest, bin ich froh, dass ich für die Pedalerei meine Arbeit habe liegen lassen. Besser gesagt habe  ich sie verschoben, um ein paar Stunden am Stück Wind und Sonne auf dem Sattel zu genießen.

Spätes Frühstück im B3E. Draußen still sitzen war früh morgens noch zu kalt. Draußen bewegen dagegen nicht. Also danach aufs Rad und zu den Grummer Teichen. Von da hatte ich einen Radweg Richtung Dortmund in Erinnerung. Durch Bochum Grumme fließt ein Bächlein in einem kleinen Tal, das immer mal wieder aufgestaut worden ist. Da entlang geht wirklich ein regionaler Radweg. Genauer gesagt der Emscherpark-Radweg. Zumindest sah es so aus. Ein winzig  kleines Schild an irgendeinem Masten zeigte es mir nämlich an. Allerdings ohne jede Richtungs- und Zielangabe.

Da die Sonne jedoch unverhohlen warm auf meinen Buckel schien, wusste ich zumindest grob, wo lang es nach Dortmund geht. Bald jedoch verlor ich die Orientierung, weil ich keine Schild mehr entdeckte, so sehr ich auch danach Ausschau hielt. Nach einigen Haken quer durch ein Industriegebiet tauchte der Mini-Hinweis mit dem roten Förderturm aber wieder auf. Jedoch erneut ohne Richtungsangaben.  Das ist ungefähr so, als würde auf einer Autobahn nur ein einziges Schild mit der Aufschrift  „Autobahn“ stehen.

Zu meiner Überraschung kamen dann zwei weitere Radwegebezeichnungen auf ebenso kleinen Schildchen dazu: Route der Industrienatur und Route des Fußballs oder so ähnlich. Wieder ohne Richtungsangabe. Ich war also auf drei regionalen Radwegen gleichzeitig, haderte aber immer noch mit der Frage, ob diese noch in Richtung Dortmund führten. Das Ortsschild Castrop-Rauxel zeigte mir dann endlich an, dass ich nicht ganz falsch liegen oder besser radeln würde.

Dafür gab es ab da überhaupt keine Radwegeschildchen mehr. Zumindest konnte ich sie nicht sehen.  Ich schaute also nach den Richtungsschildern für Autofahrer. Die waren im Verhältnis zu den Radwegeschildchen von geradezu galaktischer Größe, dafür aber wollten sie nichts anderes, als dass ich über die Autobahn weiter in Richtung Dortmund fahre.  Die Rettung kam in Form eines älteren Herren, der mir sagte, das bald Dortmund-Merklinde käme, und das kurz hinter der riesigen Kreuzung an der wir uns  trafen auch wieder Radwegeschilder auftauchen würden.

Er hatte Recht. Dieses Mal sogar mit Ziel- und Kilometerangaben. Aber es waren wieder ganz andere Schilder. Erheblich größer als die der Regionalradwege und dazu auch noch mit gut lesbarer rote Schrift auf weißem Grund. Der Name Dortmund tauchte allerdings immer noch nicht auf. Dafür „Zeche Zollern“. Und die lag eindeutig in Dortmund.  Ich war also erst mal richtungsmäßig gerettet und hielt mich an diesen Hinweis.

Bald tauchte dann auch das Ortsschild Dortmund zum ersten Mal auf. Und dann ein riesiges braunes Schild mit weißer Schrift: Route der Industriekultur. Offensichtich an Autofahrer gerichtet. Das Schild gab dabei selbst nur eine Richtung vor. Die Zeche Zollern war also nicht mehr zu verfehlen.  Hinter der Zeche jedoch, wies  ein weiteres braun-weißes Schild an einer großen Straßenkreuzung in zwei entgegengesetzte  Richtungen, und das ohne konkrete Zielangabe. Ich suchte also nach den viel kleineren weißen Radwegeschildern mit der roten Schrift.

Da sie an dieser Kreuzung nicht doppelseitig bedruckt waren, brauchte ich eine ganze Runde um die Kreuzung um sie zu finden. Regionale Radwegeschilder gab es dort überhaupt keine.  Dafür war die Richtung „Dortmund-Zentrum“ für Radfahrer ausgeschildert, und genau da wollte ich ja hin, um von HBF zusammen mit meinem Rad den Zug zurück nach Bochum zu nehmen.

An dieser Stelle ist ein ausdrückliches Lob für  Dortmund fällig, Leute. Auf der ganzen Strecke immer wieder gut sicht- und lesbare Radwegeschilder. Es war einfach unmöglich sich zu verfahren und es gab fast überall auch die dazugehörigen Radwege. Nicht alle perfekt, aber insgesamt gut befahrbar. Wer auch immer dafür gesorgt hat, herzlichen Dank dafür.

Am Dortmunder Hbf. dann der übliche Preisschock. Ich nach Bochum Hbf. 5,10€. Mein Fahrrad 3,00€. Zusammen 8,10€ für 12 Minuten Bahnfahrt. Ein verkehrsökologischer Witz. Europäische Hauptstadt der Ökologie, auch Green Capital genannt,  sieht auf jeden Fall  anders aus. Regionale bzw. interkommunale Radwegbeschilderung  auch. Aber meiner urbanen Radlerseele hats trotzdem gut getan. Es macht einfach Spaß quer durch den ganz speziellen Stadtdschungel des Ruhrgebietes zu düsen ohne die Luft zu verpesten.

 

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12 Kommentare zu “Radfahren: Verwirrt zwischen Bochum und Dortmund

  • #1
    Chris

    Fürs nächste Mal empfehle ich den Rheinischen Esel von BO-Langendreer nach Dortmund. Da kann man sich nicht verfahren. Dann noch zweimal rechts, kleiner Anstieg und steile Abfahrt nach Herdecke und am Harkortsee und der Ruhr entlang zurück nach Bochum, Kemnader See. Keine Autos (ok, kurz mal in Herdecke), gut ausgeschildert, kein Verfahren, maximaler Spass.

  • #2
  • #3
    Chris

    http://www.radverkehrsnetz.nrw.de/ —> links im Menü „Karte und Kataster“ —> Kreisfreie Städte, Bochum

    Ok, das ersetzt nicht die Schilder unterwegs, aber gibt eine gute Orientierung, wo welche Radwege sind bzw sein sollten.

  • #4
    Thorsten Stumm

    @Arnold Voß und Chris
    Danke, für die Inspiration. Soll ja wieder wärmer werden….

  • #5
    Robert Müser

    Hallo,
    eine gute Vorbereitung einer Radtour im Ruhrgebiet ist diese Webseite hier:

    http://www.radroutenplaner.nrw.de/

    und dort auf: „Der Routenplaner“ gehen.

    Dort kann man nach eigenen Vorlieben an seiner Tour basteln und probieren, bis sie den eigenen Vorstellung entspricht.

    Übrigens ist die Seite:

    http://www.bahntrassenradeln.de/

    immer wieder eine gute Fundgrube für interessante Radtouren im Ruhrgebiet.

    Aus eigener Erfahrung kann aus der Sicht des Radfahrers in Dortmund und Bochum die Erlebnisse in den beiden Städten bestätigen. In Bochum scheint der Radfahrer in der Verwaltung noch nicht als vollwertiger Teilnehmer des Straßenverkehrs wahrgenommen zu werden, während in Dortmund die Infrastruktur und auch die Ausschilderung deutliche Fortschritte gemacht hat.

    Die Ergebnisse im Fahrradklimatest waren entsprechend für Bochum und Dortmund:

    http://www.adfc.de/fahrradklima-test/ergebnisse/adfc-fahrradklimatest-2012—die-ergebnisse

    Auch schön ist dieser Vergleich zwischen Bochum und Dortmund:

    http://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-bochum/aktuelles/aktuelles/article/bochum-dortmund-012-ein-vergleich.html

  • #6
    Dirk Gleba

    Leider ein sehr realistischer Beitrag. Radfahrer werden auch weiterhin als „Mobile“ der 3. Klasse betrachtet. Wer mit den Rad unterwegs ist, weiß schon wo er hin muss, weil er fährt ja nur kurze und ihm bekannte Strecken.

    Wenn es für Autofahrer ein vergleichbares Sammelsurium an Wegweisern unterschiedlichster Qualität gäbe, wären dieses schon längst im Zentrum politischer Diskussionen und Handeln der Verwaltungen.

    Die Hinweise auf Links mit brauchbaren Seiten sind zwar richtig und wichtig, und es gibt ja auch Apps für das Smartphone (http://www.radroutenplaner.nrw.de/RRP_mobil_02.html), aber was wäre es für ein Aufstand, wenn auch PKW-Nutzer nur mit App und Plan durch das Ruhrgebiet fahren könnten.

    Einmal möchte ich es erleben, dass sich z.B, ein politisches Gremium mal nicht mit der „ungenügenden“ Ausschilderung eines Zieles für Autofahrer befasst, sondern das teilweise vorhandene Beschilderungschaoas für Radfahrer beklagt.

    Bis dahin hilft tatsächlich nur der von Arnold bewiesene Orientierungssinn.

  • #7
    Arnold Voß

    Du hast das Problem verkehrspolitisch auf den Punkt gebracht, Dirk. Radfahren ist für die meisten Politiker entweder Streckengewohnheit oder es hat die Aura der Freizeit und des Ungefähren. Da ist es dann eigentlich egal, ob man zeitig, geschweige den genau ankommt. Der Weg ist das Ziel und natürlich die Freude am Fahren.

    Wenn der Rafdahrer es präziser haben will, ist das seine Sache. Er hat sich dann entsprechend vorzubereiten. Spontan losfahren, und das auch noch ohne Navi oder Faltplan, ist verkehrspolitisch einfach nicht vorgesehen. Erst recht nicht in fremdes Stadtgebiet, bzw. ins Umland.

    Für mich sind solche Halb- oder Ganzstagstouren, solche Reisen in die Nähe, aber etwas, das ich nicht jedes Mal genau durchplanen möchte. Ich mache sie nämlich dann, wenn gerade die Zeit dafür da ist und das Wetter mitspielt.

    Die dichte und zugleich fast überall durchgrünte Stadtlandschaft des Ruhrgebietes ist ideal für diese Art der spontanen Radtouren, ja sie sind für mich ein Teil der besonderen sommerlichen Lebensqualität der Ruhrstadt. Navis und Faltpläne würde mich dabei nur nerven.

  • #8
    der, der auszog

    Man nehme eine Karte, zeichne dort ein paar Radwege ein und fertig ist das Radwegenetz. Zumindest kann man den Eindruck gewinnen, dass so ein Großteil der Streckenführungen im Ruhrgebiet entstanden ist. Die Infastruktur, von der Pflege der Radwege bis zu einer zielführenden Beschilderungen ist oft nur mangelhaft, aber gewöhnt sich dran.

    Als total faule Sau, die gerne Fahrrad fährt, aber beim Radfahren wirklich nur das nötigste leisten will, nämlich in die Pedalen treten, habe ich mir letztes Jahr ein Outdoornavi gegönnt. Das erspart lästige Orientierungspausen aufgrund unzureichender Beschilderung. Beim Radfahren im Ruhrgebiet ist so ein Teil absolut sinnvoll und das nötige Kartenmaterial, ob gekauft oder noch besser bei einer der Openstreetmapfahrrad- bzw. Freizeitkartenseiten umsonst herunter geladen, funktioniert einwandfrei. Für längere Strecken oder Ausflüge in bislang unbekannte Gefilde möchte ich das Teil nicht mehr missen.

  • #9
    Robert Müser

    @ Dirk (#6) & @ Arnold (#7)

    Ihr habt natürlich recht – eine Vorbereitung einer Autofahrt per Internethelfer würde zu einem „Aufstand“ führen, wenn hier die gleichen Bedingungen wie im Radverkehr gelten würden!

    Ein guter Indikator für den (Alltags-)Radverkehr im Revier ist der Umgang der verschiedenen Kommunen mit den Radwegen, die der RVR in den letzten Jahren auf alten Eisenbahntrassen angelegt hat. Während Kommunen wie Herne oder Essen auf diese Trassen gezielt und mehr oder weniger ungefragt/im eigenen Auftrag ausschildern und so in die städtische Binnenwege einbinden, muss sich in Bochum die Stadtverwaltung z.B. ein Jahr nach der Eröffnung des Rheinischen Esels von der Politik fragen lassen, warum es dort immer noch keine Hinweisschilder zu dieser Strecke gibt.

    Die gerne und manchmal (zu recht) kritisierte kommunale Kleinstaaterei im Revier kann für den Alltagsradler manchmal aber auch segensreich sein. Während z.B. in Bochum die Verwaltung diesen Teilbereich des Verkehrs eher als reinen Freizeitbeschäftigung betrachtet, ist man da z.B. in Essen, Witten, Herne oder Dortmund deutlich weiter und fördert den Radverkehr als Alltagsverkehrsmittel. Fahrradhäuser wie in Dortmund habe ich z.B. in Bochum noch nie gesehen.

    Aber auch in fahrradfreundlichen Kommunen wird gerne mal Geld für irgendeine x-te Umgehungsstraße für den Autoverkehr versenkt, während z.B. die eigenen Anteile für den Radschnellweg Ruhr in Frage gestellt werden. So geschehen zuletzt in Dortmund, wo die anteiligen Kosten für die Stadt Dortmund angeblich nicht akzeptabel waren, aber die vielfache Summe für eine Umgehungsstraße mal eben so abgenickt wurde. Da scheint es noch eines Kulturswandels in den Verwaltungen zu bedürfen.

    Mir gruselt es übrigens vor einer vereinigten Ruhrstadt, wo z.B. die dortige Verkehrsbehörde rein autofixiert wäre und dementsprechend handeln würde.

  • #10
    Arnold Voß

    Robert, wenn das Ruhrgebiet zumindest als Fahrradgebiet vereinigt wäre, dann wäre das doch wohl ein gewaltiger Fortschritt. Dann hätten wir nämlich eine einheitliche, gut vernetzte und gut sichtbare Beschilderung sowohl der lokalen als auch der interkommunalen Radwege. Ruhrstadt=Fahrradstadt, da muss man sich doch nicht vor fürchten, oder?

  • #11
    Arnold Voß

    @ derderauszog #8

    Immer wieder auf diesen kleinen Bildschirm starren, das kann doch nicht wirklich Spaß machen, oder? Ich will permanent auf die Straße und in die Gegend schauen wenn ich radfahre und dabei mein eigener Navigator sein. Das schöne an Straßenschildern ist doch, dass sie in der Regel in Augenhöhe einfach nur still Zeichen geben, und dich nicht auch noch anquatschen.

    Oder bin ich mit dieser Einstellung einfach nur altmodisch? 🙂

  • #12
    Chris

    Ja, Arnold, das ist einfach nur altmodisch. Du musst auch nicht permanent auf den kleinen Bildschirm starren sondern holst das GPS raus, wenn du dich verfahren hast und kommst damit schnell wieder auf die richtige Strecke. Man kann auch mal die Vorteile der Technik einfach annehmen. Eine Gangschaltung hast du ja zum Beispiel sicher auch oder fährst du noch mit ’nem ollen Klapprad?

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