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Räppeln in Waltrop: Irgendwas zwischen schöner Oster-Tradition und nächtlicher Ruhestörung

Die ‚Räppler‘ bei ihrem Abmarsch an der St. Peter-Kirche in Waltrop. Foto: Robin Patzwaldt

„Ah, endlich ist Ostern! Ein langes Wochenende. Da kann ich fantastisch ausschlafen.‘ Das werden sicherlich auch viele unserer Leser hier vor ein paar Tagen wieder gedacht haben.

Das mit dem Ausschlafen ist allerdings in einigen Gemeinden im Lande an den Ostertagen gar nicht so selbstverständlich. So auch hier bei mir in Waltrop. Gerade an Karfreitag und auch am Ostersamstag ist das bei vielen hier am Ort mal wieder nichts geworden. Zumindest nicht, wenn man wie ich, einen etwas leichteren Schlaf hat.

Für mich persönlich hieß es auch in diesem Jahr wieder, so wie für viele andere in der Stadt eben auch, zwangsweise früh aufzustehen (um ca. 6.30 Uhr), oder aber zumindest erst einmal recht unsanft arg früh geweckt zu werden. Hier am Rande des Ruhrgebiets wird nämlich noch immer eine alte katholische Tradition gepflegt, das ‚Räppeln‘.

Jedes Jahr am Karfreitag und Karsamstag ersetzen dabei katholische Jugendliche das Läuten der Kirchenglocken durch ihre ‚Holzräppeln‘.  Jeweils um 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr treffen Sie sich an der alten St.Peter-Kirche in der Stadtmitte und laufen von dort aus laut ‚räppelnd‘ quer durch die gesamte Stadt.

Und weil die Herrschaften dann logischer Weise mit ihren großen Holzrappeln irgendwann auch immer direkt an meinem Schlafzimmer vorbeigehen, ist das mit dem Schlafen dann an diesen Tagen stets unfreiwillig früh vorbei.

Viele Zeitgenossen regt das Prozedere, gerade eben auch der frühe Auftritt am Morgen, inzwischen regelrecht auf. So wurde in den letzten Jahren immer häufiger von sich dagegen wehrenden Mitbürgern berichtet, welche die Jugendlichen regelrecht beschimpfen.

Auch vor der derzeit wieder laufenden Debatte rund um das ‚Tanzverbot‘ an Ostertagen empfinden viele Mitbürger diese lärmende Tradition als recht widersprüchlich und aus ihrer Sicht sogar teilweise völlig unverständlich.

Obwohl ich selber gar nicht religiös bin, finde ich dieses alte, kirchliche Brauchtum in meinem Wohnort seit Jahren hingegen recht angenehm, irgendwie anheimelnd und über die Jahre halt auch sehr vertraut. Für mich gehört das traditionelle ‚Räppeln‘ an Ostern einfach mit dazu.

Es ist hier in Waltrop eine Tradition, wie sie nur noch in ganz wenigen, katholisch geprägten Orten und Regionen der Republik gepflegt wird. Eine Sitte, wie ich sie ganz persönlich nun aber auch schon seit 1973 kenne, seitdem meine Eltern damals mit mir aus dem benachbarten Dortmund das kurze Stück über den Kanal, an den Rand des Ruhrgebiets, nach Waltrop im Kreis Recklinghausen, gezogen sind.

Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen hier am Ort macht mir das frühe Aufstehen an den beiden Tagen nichts aus. Und als ich vor einigen Jahren einmal zu Ostern gar nicht zu Hause war, da habe ich diese Geräuschkulisse in der Fremde sogar vermisst.

Das sehen in den letzten Jahren eben jedoch längst nicht mehr alle Zeitgenossen hier am Ort so entspannt. Besonders frisch nach Waltrop Zugezogene tun sich damit häufig sehr schwer, möchten an den wenigen kostbaren Feiertagen nicht zwangsweise von den weniger werdenden Gläubigen so früh geweckt werden.

Die Zahl der dabei aktiven Jugendlichen war früher offenkundig auch schon einmal deutlich größer. In den letzten Jahren kamen lediglich noch zwei bis drei junge Leute hier bei mir laut lärmend durch die Straße gelaufen. Ich selber erinnere mich noch gut an Jahre, als diese Gruppe, und damit natürlich auch der von ihr verursachte ‚Krach‘, noch wesentlich größer war.

Nach alter Tradition sammeln die aktiven Räppler am Nachmittag des Karsamstags übrigens von den Bürgern Spenden als Dank für ihren freiwilligen Dienst im Namen der Kirche ein. Früher bestand diese Entlohnung noch traditionell aus Eiern und Obst. Inzwischen wechseln jedoch auch, etwas zeitgemäßer vielleicht, diverse Süßigkeiten und selbst Bargeld in den Besitz der jungen Katholiken über.

Nach der letzten Runde am Samstagnachmittag wandern die lärmenden Holz-‚Rappeln‘ dann wieder für ein knappes Jahr in den Schrank, die üblichen Kirchenglocken nehmen am Abend wieder ihren regulären Betrieb auf. Die genervten Waltroper können so zumindest am Ostersonntag und Montag wieder vom Krach der jugendlichen Kirchgänger unbeeinträchtigt besser ausschlafen. Alle anderen werden sich schon auf das nächste Osterfest freuen, wenn die ‚Räppler‘ wieder ihren traditionellen Dienst antreten.

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Ein Kommentar zu “Räppeln in Waltrop: Irgendwas zwischen schöner Oster-Tradition und nächtlicher Ruhestörung

  • #1
    ke

    Umdrehen und weiterschlafen oder den Tag genießen 🙂
    Rituale gehören doch in allen Völkern zum Leben.

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