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Rauchverbot: In Bayern leiden die Kneipen

Bayern hat ein radikales Rauchverbot. Andere Bundesländer wollen sich daran orientieren.  Das Sterben von kleinen Szenekneipen sollten die Neospießer gleich mal mit reinrechnen.

Denn dass die kleinen, oftmals Szenekneipen, leiden, belegt eine Studie aus Bayern. Sie konzentriert sich als wohl erste Studie auf die “Getränkeorientierte Gatsronomie” – als auf die Läden, wo man viel trinkt, laute Musik hört und gerne mal bis zum Morgengrauen bleibt. Feldsalat-Bars, in denen die Weinschorlen-Fraktion abhängt sind also nicht das Thema.

Ergebnis: Zwei-Drittel der Läden haben seit dem radikalen Rauchverbit weniger Gäste. Die Umsätze sind zurückgegangen und fast jeder fünfte Laden steht schon jetzt vor dem Aus. Damit stirbt eine Kneipenform, die den Menschen die Möglichkeit gibt zumindest kurzzeitig Exzessiv zu leben, ein Freiraum in einer immer stärker normierten Gesellschaft.  Wahrscheinlich sind diese Orte des Exzesses das, was die Neospießer in ihrem Vernichtungswillen am meisten stört. Heir geht es zu der Studie.

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30 Kommentare zu “Rauchverbot: In Bayern leiden die Kneipen

  • #1
    Dirk

    Neospießer? Höhö, was ist eigentlich spießiger als ein Herrrengedeck, eine Zichte in der Hand und eine Beatles Coverband in einem dunklen Schuppen mit einer Einrichtung in Eiche rustikal?

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Dirk: Mittlerweile ist das – im Verglich zu den ganzen Wein- und Salatbars – echter Underground. Herrengedeck statt Feldsalat!

  • #3
    zersenser

    Zum Thema: Können nicht mal die Kreuzritter auf beiden Seiten wieder zur Vernunft kommen?

  • #4
    Dirk

    So, jetzt habe ich mir mal diese Studie angesehen, wie viele Betriebe haben denn nun zu gemacht? Das steht da nirgendwo. Die Ergebnisse wurden per Umfrage ermittelt, wie das repräsentativ sein soll, ist mir schleierhaft.

    Es handelt sich also um eine Umfrage die im Auftrag eines Lobbyverbandes in Auftrag gegeben wurde, mit dem Nährwert eines Feldsalats.

  • #5
    Eva

    Same procedure as every month. Mit schöner Regelmäßigkeit fühlt sich Laurin berufen, den Untergang des Abendlandes auszurufen, wenn ein effektives Nichtraucherschutzgesetz “droht”. Wie oft sollen wir auf den Ruhrbaronen denn noch diese Diskussionen, führen, Stefan? Lass es doch einfach bleiben.

  • #6
    Barbara Underberg

    Ach Stefan, ja, wir wissen es mittlerweile: Dein Lebensstil ist cool und selbstbestimmt, die anderen sind Neospießer. Ein Prosit auf die Toleranz.
    Erstes Fazit der Studie ist, dass es bei der Umsetzung des Rauchverbots kein Problem gibt. So what?
    Im Übrigen: Es war eine Volksabstimmung, die in Bayern das Rauchverbot durchgesetzt hat. So ist das halt mit der Demokratie: Man muss auch verlieren können.

  • #7
    Freidenker

    Ich (Nichtraucher) werde diese Gesellschaftsklempnerei, die man gern als Nichtraucherschutz präsentiert, nie begreifen. Ja, ich weiß, das Volk der Bajuwaren hat entschieden. Man sollte sich allerdings auch das Zustandekommen dieser Entscheidung genau ansehen…

    Um die perfekte Gesellschaft per Reißbrettplanung zu schaffen, schrecken diese Oberwisser auch vor Enteignung nicht zurück. NRW will nachziehen. Und machen wir uns nichts vor, dabei wird es nicht bleiben. Alkohohl und Fleisch stehen schon längst der Öko-Gängelliste!

  • #8
    Haffi59

    Stefan macht weiter tüchtig Lobbyarbeit für die Kippenindustrie. Immer wieder diese ollen Kamellen bei den Ruhrbaronen. Und dann dazu diese Pseudostudie. Wird das nicht langsam langweilig?

  • #9
    CyberPunk

    Ich finds gut wenn das Nichtraucherschutzgesetz durchgesetzt wird, allerdings nur wenn dann die Tabakpreise wieder sinken! Schließlich fallen dann die ganzen Passivraucher dann weg, werden ja dann geschützt und werden nicht mehr krank.

  • #10
    Lynsey Wells

    “Neospießer” hin oder her, “cooler Lebensstil” Firlefanz, Gaststätten geht mit einem strikten Rauchverbot jede Menge Flair verloren.

  • #11
    Maurice

    In Australien, wo nur unter freiem Himmel und vor Kneipen geraucht werden darf, haben die Läden trotzdem Flair. Ich finde es eine Freiheitseinschränkung, wenn ich nicht in Läden gehen kann, ohne vollgequalmt zu werden.

  • #12
    zersenser

    Kneipen mit Flair: Dann wird die Nebenmaschine mit Aromazusätzen angeschmissen. Oder wie entsteht schönes Flair? *kopfschüttel*

    Da gab es mal was, was wirklich demokratisch diskutiert und abgestimmt wurde und jetzt sind es wieder “die da” schuld.

    Den gleichen Einsatz bei wichtigen Themenfeldern würde ich mir wünschen!

  • #13
    teekay

    Naja, wenn man in einer Studie nur nach Rauchverbot fragt, dann bekommt auch entsprechende Antworten. Es gibt offenbar keine Frage, die nach anderen Faktoren fragt. Wirtschaftskrise. Veraenderungen im Ausgehverhalten. Hoehere Mietpreise. Eventuell hoehere Alkoholpreise. Rauchverbot spielt sicherlich auch eine Rolle, aber es gibt da sicher komplexere Zusammenhaenge die ja bewusst nicht gefragt wurden. Was mich gewundert hat ist der Rueckgang bei Stammgaesten. Ist das wirklich so, dass in einem ‘bayerischen Dorf’ sich der Stammtisch weniger oft/lange trifft, weil man am Tisch nicht mehr rauchen darf? Ich habe da schon Zweifel, dass ‘Alt-Konservative’ Kneipengaenger zu so einem veraenderten Verhaltensmuster faehig sind. Ich haette erwartet, dass die zaehneknirschend vor die Tuer gehen, ueber Politik staenkern und dann wieder rein gehen. Es gibt Studien aus Schottland und England die den kausalen Zusammenhang von Rauchverbot und Pub-Sterben ebenfalls in Frage stellen.

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  • #15
    obelrehrer

    Wo ist eigentlich der Nikotinsuchtbestimmte “selbstbestimmt”? Schön, dass die höhnisch Freiheit verheißende Werbung der Suchtmittelindustrie so unkritisch angenommen wird, um sich und den Lesern die eigene Schwäche schönzureden.
    Würde freiwillig geraucht werden, wäre es den Nikotinabhängigen ja leicht möglich auch mal freiwillig zum Wohle aller (!) darauf zu verzichten.

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Obelleher: Die Nikotinabhängigen werden einfach seltener rausgehen und damit wird eine ganz bestimme Art von Kneipen aufhören zu existieren. Das werden die Weinschorle-Trinker nicht merken, weil, sie da eh nie hingegangen sind, aber Hauptsache man hat die dunklen Orte zerstört, die man selbst nie mochte – und in denen man auch nie akzeptiert wurde. Über den Eingriff in die Eigentumsrechte des Pächters/Besitzers will ich hier gar nicht reden. Das ist ein weiteres, düsteres Kapitel. Der Staat in seinem Wahn alles Regeln zu wollen, akzeptiert selbst diese Grenze nicht, die eine der tragenden Säulen unserer Gesellschaft ist.

  • #17
    Freidenker

    In diesem Fall: 1904% Zustimmung, Herr Laurin! Allerdinsg ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Liberales Grundgedankengut hat in Deutschland – der Hochburg der Etatisten und Egalitaristen – keine große Tradition; Freiheit ist nicht so wichtig, Hauptsache der Müll ist ordentlich getrennt. Die bundesdeutsche Demokratie ist ein Erfolgsmodell, wenn man es als Ignorant betrachtet, der sich vorn am Kamin wärmt, während hinter ihm der letzte Baum gefällt wird. Demokratie bedeutet, dass 10 Füchse und ein Hase über die nächste Mahlzeit abstimmen. Freiheit bedeutet, wenn der Hase die Wahl mit einer Schrotflinte anfechten kann!

  • #18
    Eva

    Puh, das Niveau wird unterirdisch. Weinschorletrinker in Szene-Kneipen unerwünscht? Frage doch mal die Wirte selbst, Stefan. Ich schätze, die sehen das anders. Die Sekt trinkenden Mädchen, wegen denen die Bier trinkenden Jungs überhaupt erst dahin kommen, sind denen bestimmt willkommen.

  • #19
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Eva: Weniger Raucher – weniger Umsatz – weniger Kneipen. Ganz einfache Rechnung.

  • #20
    obelrehrer

    Die Welt wird sich weiterdrehen, auch wenn manch einer seinen Nikotinmissbrauch im stillen Kämmerlein fortsetzen wird/werden muss/sollte. Wir werden dann ohne Qualm weiterfeiern. Ob mit Schorle, Herrengedeck oder anderen bewusstseinsverändernden (aber nicht andere direkt mitschädigenden) Stimulanzien (abgesehen von der lauten Musik, vor der sich aber jeder bei Bedarf schützen kann ohne den Raum zu verlassen).
    Es ist sehr kurz gedacht, wenn Geselligkeit jeder Art mit einer einzelnen Droge assoziiert wird.
    Auch wenn sich manch einer und auch mancher Wirt (siehe z. B. die Suchtmittel- äh, GenussInitiative) zum Lakaien der Nikotindustrie macht.
    Und danke für die Gruppenzwangerkenntnis des rücksichtslosen Rauchers, der ja lieber andere in seine Sucht hineinzieht, als die eigene wirklich zuzugeben und rational zu bekämpfen, zu entziehen, weil er eben dazu zu schwach ist.
    Und noch zum “düsteren Kapitel”: Es ist wahrlich ein (staatlicher) Wahn, wenn dem leidenschaftlichen GTI-Raser in der Spielstraße Schrittgeschwindigkeit abverlangt wird. So wird dem Nikotinsüchtigen zum Schutze (Wohle) der Allgemeinheit das Rauchen in geeigneten Räumlichkeiten abverlangt. Dem Raser ist es auch unbequem extra die leere Autobahn aufzusuchen um die Gefahr spielenden Kinder zu überfahren zu verringern. So sollte auch der leiden-schaftliche (hihi) Raucher Rücksicht nehmen. Sogar primär aus moralischen und nur sekundär aus Gründen der Beachtung der neuesten Gesetzgebung.

    Es geht hier nicht um mangelnde Toleranz für Süchtige, sondern mangelnde Rücksicht der Süchtigen.

  • #21
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Obelrehrer: Jeder muss sich im Straßenverkehr bewegen – eine der wenigen Raucherkneipen muss niemand gehen. Die Regelung die jetzt in NRW besteht ist ein vernünftiger Ausgleich der Interessen.

  • #22
  • #23
    Stefan

    Tja, die fanatischen Tabaktaliban wollen gerne weismachen, das Rauch in die Lokalen die Leute anzieht. Zumal die engstirnign Raucher weniger konsumieren, und Plätze belegen. In Bayern stiegen nach dem Rauchverbot die Umsätze um 4%, in NRW, ohne Rquchverbot in Kneipen, sanken sie um 4%. Soviel dazu.

    Und 100% der Eckkneipen, die Pleite gegangen sind, waren Raucherkneipen. Die Argumente der Rauchfanatiker sind also haltlos.

  • #24
    Stefan

    @Stefan Laurin

    Kein Raucher wird gezwungen nach dem Rauchverbot in eine Kneipe zu gehen. Wirklich niemand. So einfach. Die NRW Regelung schadet ja sogar den Wirten, und die 5% militanten Raucher, um deren “Interessen” es geht, kann man getrost vernachlässigen, da 95% der Raucher gerne tolerant sind (zumal ihnen ja nichts verboten wird).

    Und lieber Stefan, warum gibts es massive Konkurse bei den Trinkhallen und Eckkneipen in NRW, in denen man allesamt rauchen darf? wo sind die Raucher? Liegt an einem daran, dass viele Raucher arbeitslos sind, und nicht viel Geld haben (von gerauchten Zigaretten des Gastes kann der Wirt seine Miete schliesslich nicht zahlen), und gleichzeitig 80% potentieller Gäste, nämlich Nichtraucher nicht in Raucherhütten gehen. das heisst also wenig Gäste, mit wenig Knete, da ist klar das in den letzten Jahren 6500 Kneipen in denen geraucht werden durfte, nicht überlebt haben.

    Die Hardcoreraucher hier wollen nämlich lieber eine verwaiste Kneipe, mit 3 Stammgästen, in der man rauchen darf, als eine rauchfreie Kneipe, die damit allen Gästen offensteht, die floriert.

    In NRW leiden also die Kneipen weiterhin massiv unter der fehlenden Rauchfreiheit, während in Bayern schon 4.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Klar, weil die meisten Raucher lieber mit NR in ihrer Stammkneipe Spaß haben, trinken, die Leute treffen, die sie immer getroffen haben, anstatt wie Stefan Laurin als Spaßbremse zuHause kleinkariert rumzuheulen, dass er nicht drinnen rauchen darf (während in der rauchfreien Kneipe die Post abgeht).

    Typisch deutsche Diskussion der Raucher: Leben und leben lassen, wie in Irland,Italien, Frankreich, New York und Bayern auch.

  • #25
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Stefan: Alle Raucherkneipen in die ich gehe sind voll. Ich finde es ok wie es ist. Jeder hat die freie Wahl. Wenn die Wirte der Meinung sind, das Nichtraucherkneipen besser laufen, können sie ja freiwillig umstellen. Den Staat geht das nichts an. Und ganz nebenbei: Wir haben im Ruhrgebiet einen massiven Bevölkerungsrückgang – da machen hier nicht nur Kneipen sondern Schulen und Kindergärten zu.

  • #26
    Stefan

    Stefan:

    Sehe ich anders, in Bayern läuft alles gut, niemand wird ausgesperrt, jeder hat die freie Wahl. Komisch, wenn eine Kneipe in enem Land mit Rauchverbot schliesst, ist es angeblich das Rauchverbot, wenn in NRW die Kneipen Bach runtergehen, weil die Nichtraucher draussen bleiben müssen, ist es angeblich der Bevölerungsrückgang. na klar.

    Rauchverbot ohne Ausnamen, und gut ist. Damit können alle leben, ein paar Nörgler gibts immer. Man sollte nicht die Wirte vergessen, die für ein Rauchverbot sind, solange es nur für alle gilt. Das in einigen Kneipen gerauxht werden darf, in anderen nicht, heisst doch nichts anderes, als dass derjenige, der keine Ausnahe hat, bald zusperren. Und das nur wegen der willkürlichen Ausnahme. Wenn eine Regel, dann auch fair, und für alle gleich.

  • #27
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Stefan: Raucher haben in Bayern nicht die freie Wahl in einer Kneipe zu rauchen oder in eine Kneipe zu gehen in der nicht geraucht werden kann. In NRW sind die meisten Kneipen rauchfrei oder haben einen Nichtraucherbereich. Ich will mich entscheiden können, ob ich Abends in einer Kneipe rauche oder nicht. Wenn es keine Raucherkneipen mehr gibt, weil sich der betrieb wirtschaftlich nicht lohnt hab ich Pech gehabt. Aber danach sieht es hier nicht aus. Und meine Stammkneipen, alles Raucherkneipen, sind immer voll und machen gute Umsätze. Die Wirte und die Gäste sollen entscheiden – nicht der Staat. Immerhin reden wir hier von Privateigentum. Und zu Bayern: Alle Bayern die ich kenne hassen das Nichtrauchergesetz und diesen ÖDP-Hippie auch.

  • #28
    Helmut Junge

    @Stefan Laurin (25),
    ok. die Schulen und Kindergärten machen zwar zu, aber die Seniorenheime boomen. Da soll es aber schon eine Tendenz zu Nichtraucherheimen geben.
    Wenn Du mal da hin mußt, wirst Du wohl ein Problem haben.
    Außerdem gehen die auch noch auf die Musikwünsche der Mehrheit ein.
    Also keine Zigaretten und nur deutsche Schlager.

  • #29
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Helmut: Die Beschreibung eines NRW-Altenheims klingt irgendwie nach bayerischer Kneipe 🙂 Jodelmusik, es stinkt nach Schweiß und man darf nicht rauchen!

  • #30
    Helmut Junge

    @Stefan Laurin,
    Du meinst, in der Beziehung geht es dem 40-jährigen Bayern so, wie es der 70-jährige Ruhri erwarten kann?
    Toll, dann wären uns die Bayern ja voraus. Avantgarde nennt man so etwas.

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