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Rechte Umtriebe in der Chemnitzer Fanszene

Neonazis unterwandern die Fanszene des Chemnitzer FC. Foto: YouTube Screenshot

Seit Jahren sind Neonazis fester Bestandteil der Fanszene des Chemnitzer FC. Foto: YouTube Screenshot

In den letzten Tagen gab es anlässlich eines Todesfalls in Folge einer Messerstecherei mehrere rechtsextreme Aufmärsche in Chemnitz, bei denen es zu massiven Ausschreitungen mit der Polizei und zu Jagdszenen auf Migranten kam. Laut Einschätzung des sächsischen Landesamts für Verfassungsschutz sind daran auch Teile der Hooligan- und Ultra-Szene des Chemnitzer FC beteiligt, namentlich die „New Society Boys“ sowie „Kaotic Chemnitz“.

Die New Society Boys, die sich auch abgekürzt als „NS-Boys“ bezeichnen und einen auf einem Plakat der Hitlerjugend abgebildeten Jungen als Gruppenlogo verwenden, sind schon lange für ihre Kontakte zur rechten Szene in Chemnitz bekannt. Sie gingen 2004 aus dem Nachwuchs der „Ultras Chemnitz“ hervor und pflegen gute Kontakte nach Cottbus. Als Cottbusser Fans letztes Jahr in Babelsberg antisemitische Parolen grölten und den Platz stürmten, war auch das Banner mit der Aufschrift „New Society Chemnitz“ zu sehen. Auch bei dem Nazi-Angriff auf das linksalternativ geprägte Leipziger Viertel Connewitz sollen Chemnitzer Hooligans beteiligt gewesen sein.

Sich so offen zu seiner rechten Gesinnung zu bekennen, wie es die NS-Boys tun, ist in der Chemnitzer Fanszene nicht ungewöhnlich. Bereits in den 90er Jahren gründete Thomas Haller das Hooligan-Netzwerk „HooNaRa (Hooligans – Nazis – Rassisten)“. Ein Mitglied dieses Netzwerks, bei dem auch Zwickauer Hooligans mitmischten, war im Jahr 1999 am Mord an dem erst 17-jährigen Malerlehrling Patrick Thürmer beteiligt.

Das Pikante dabei: Haller leitete bis 2006, als der Verein Stadionverbote gegen die NS-Boys und HooNaRa aussprach, den Ordnungsdienst des Chemnitzer FC. Die Gruppe hat sich zwar offiziell aufgelöst, nachdem 2007 ihr Anführer Rico Malt starb, doch das sächsische Innenministerium schrieb 2013 in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linkspartei, dass die Gruppe, die zu diesem Zeitpunkt aus etwa 20 bis 30 Personen bestand, regelmäßig bei Veranstaltungen des rechtsextremen Spektrums auftrete. Vermutlich besteht die Gruppe als loser Verbund nach wie vor. Im Stadion ist sie jedoch nicht mehr präsent.

Um dieses Vakuum zu füllen, gründeten Personen aus dem HooNaRa-Umfeld Kaotic Chemnitz. Auch dieser Gruppe wurde im Jahr 2012 ein Auftrittsverbot vom Chemnitzer FC erteilt. Dieses Verbot hat aber, ähnlich wie das Stadionverbot der NS-Boys, mitnichten zur Einstellung der Gruppenaktivitäten geführt.

Die Hooligan-Gruppe „Kaotic Chemnitz“ rief zur Teilnahme an dem rechten Aufmarsch in Chemnitz auf. Inzwischen wurde der Post gelöscht. Foto: Facebook Screenshot

Nun rief Kaotic Chemnitz via Facebook dazu auf, sich an den Demonstrationen zu beteiligen und „zu zeigen, wer in der Stadt das Sagen hat“. Angestachelt von Gerüchten und Fake News, zog daraufhin ein Mob von etwa 2.000 Menschen durch die Stadt, darunter AfD-Mitglieder, Neonazis, Reichsbürger und eben Hooligans des CFC. Wer in der Stadt nichts zu sagen haben soll, wenn es nach den Rechten geht, machten sie immer wieder deutlich: Zufällig vorbeilaufende Migranten und Gegendemonstranten wurden als „Kanacken“ und „Zecken“ bezeichnet. Der Betreiber der Facebook-Seite von Kaotic Chemnitz hat den Post inzwischen gelöscht. Eine Distanzierung von den Geschehnissen darf man jedenfalls nicht erwarten.

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3 Kommentare zu “Rechte Umtriebe in der Chemnitzer Fanszene

  • #1
    ke

    Welche strafbaren Handlungen gab es?
    Wie viele Verhaftungen gab es?
    Wie werden die Urteile aussehen.

    Wir haben einen Rechtsstaat und in dieser gut zu beobachtenden Szene sollte es leicht sein als Staat zu reagieren.

  • #2
    Jürgen

    Wenn man sich den Text durchliest und schaut, was es sonst noch im Netz an Rechercheergebnisse (zwei habe ich bisher gefunden) zu Chemnitz und der dortigen rechten Szene existiert, öffentlich zugänglich und dem Anschein nach nicht von öffentlichen Stellen/Strafverfolgungsbehörden ermittelt und publiziert, fragt man sich, weshalb die offen und zum Teil seit mehr als einem Jahrzehnt offen agieren Rechtsextremisten nicht schon lange in die Schranken gewiesen wurden?

    Und, auffällig auch immer wieder der Hinweis in diesen Publikationen auf rechte V-Männer/Polizeispitzel in der rechten Szene. Was ist da auf Seiten der Strafverfolgungsbehörden und der zuständigen politischen Spitzen los? Was für ein Spiel spielen die?

    Abgesehen davon wäre es mal an der Zeit, dass von offizieller Seite genauer dargelegt wird, was genau der willkommene Anlass für die Muskelspiele der rechtsextremen Szene war/ist. Was ist da in der Nacht in Chemnitz passiert?

  • Pingback: Chemnitzer FC: Auf dem stramm rechten Weg ins Abseits | Ruhrbarone

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