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Reformen sind notwendig, um die Dominanz der Bayern zu brechen

Der FC Bayern dominiert die Bundesliga. Foto: Pixabay Alexas Fotos. Lizenz: lizenzfrei.

Der FC Bayern dominiert die Bundesliga. Foto: Pixabay Alexas Fotos. Lizenz: lizenzfrei.

Die Bundesliga langweilt: Zum achten Mal in Folge hat Bayern München die Deutsche Meisterschaft geholt. Ein Ende der Serie ist nicht in Sicht. Reformen sind notwendig, um die Dominanz der Bayern zu brechen.

Zehn mal in Folge holte Dynamo Ost-Berlin die Meisterschaft der DDR. Noch stellt das einen deutschen Rekord dar. Doch den könnten die Bayern 2023 reißen. Denn sie dominieren die Bundesliga nicht nur sportlich – sondern finanziell, was der strukturellere Faktor ist.

Wer eine Bundesliga der Etat-Größen anfertigt und diese querliest mit der sportlich erwirkten Tabelle, kommt zu einem klaren Ergebnis: Das Ranking ist nahezu deckungsgleich. Es gibt einige Ausreißer nach unten wie der HSV, der durch dilettantische Arbeit unglaublich viel Geld verbrannt hat. Durch gute Arbeit und Transfererlöse können Vereine wie Mainz 05 oder der SC Freiburg eine Zeit lang über ihren Möglichkeiten spielen.

Doch das ist nur begrenzt möglich, wie es der KSC unter Winfried Schäfer vorgemacht hat. Durch Verkäufe von Spielern wie Mehmet Scholl, Oliver Kahn, Oliver Kreuzer oder Michael Sternkopf  an die Bayern nahmen die Karlsruher Geld ein, mit dem sie die Mannschaft aufbauten. Aus einem Abstiegskandidaten wurde so ein Team, das 1993 im UEFA-Cup den FC Valencia 7:0 schlug.

Bayern München und der KSC

Den Niedergang prägten Namen wie David Regis, Gunther Schepens oder Alex Nyarko. Ein schwacher Transfersommer und der Club wurde bis in die dritte Liga runtergereicht. In etwa der gleichen Zeit wie der KSC blühte auch Eintracht Frankfurt auf: Mit Uwe Bein, Andy Möller, Anthony Yeboah, Manfred Binz oder Jay Jay Okocha hatte sie einige Weltklassespieler in ihren Reihen. Damals betrug der Umsatz-Unterschied zu den Bayern 70 zu 100 Prozent. Bayern hätte den Frankfurtern vielleicht einen guten Spieler wegkaufen können – aber nicht die Mannschaft sprengen.

Mittlerweile erzielen die Bayern das Drei- bis Vierfache an Umsätzen wie manche Liga-Rivalen. Der wirtschaftliche Unterschied ist so gravierend, dass von sportlichem Wettbewerb eigentlich keine Rede mehr sein kann. Die acht Meisterschaften in Folge sind kein Zufall. Wobei der Vorwurf, die Bayern kauften der Konkurrenz die Spieler weg, so nicht mehr stimmt. Einen großen Teil ihrer Zugänge holt sich der Meister mittlerweile aus anderen Ligen.

Die wirtschaftlichen Rückstände sind so groß, dass die anderen Vereine diese kaum noch aufholen können. Zumal mit der internationalen Vermarktung ein Einnahmen-Faktor an Gewicht gewinnt, von dem die Bayern überproportional profitieren. Auch arbeitet der Club mittlerweile professioneller. Einen Zirkus wie unter dem „FC Hollywood“ des Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus lassen die Verantwortlichen nicht mehr zu.

Reformen sind notwendig, um die Dominanz der Bayern zu brechen. Doch auf nationaler Ebene lässt sich nichts Sinnvolles durchführen: Eine Solidaritätsabgabe hilft keinem: Geben die Bayern den anderen Vereinen jährlich nur 5 Millionen Euro ab, würden sich deren Möglichkeiten kaum verbessern. Aber der Deutsche Meister hätte im internationalen Vergleich kaum noch eine Chance.

Strafpunkte wären als Reform grotesk

Den Bayern Strafpunkte zu erteilen, wäre grotesk. Angenommen der Meister geht mit zehn Punkten Rückstand auf Dortmund in die Saison und die Borussen holen mit einem Punkt Vorsprung den Titel. Was wäre der wert? Was sollen die Fans singen? „Wir sind die beeheeesten der Welt – wenn man einen Quotienten berücksichtigt, der die unterschiedliche Wirtschaftskraft berücksichtigt! Quo… Tient! Quo… Tient!“

Die notwendigen Reformen müssten die Wirtschaftskraft ausgleichen. Wie das geht, macht der amerikanische Sport vor: Dort gibt es Etat-Obergrenzen. Die Teams dürfen insgesamt nur so viel Geld an Gehältern zahlen, wie es der Verband erlaubt. Zudem gibt es ein Rookie-System. Die schwächsten Teams haben den ersten Zugriff auf die stärksten Talente.

Außerdem können Teams die „Franchise“-Option ziehen. Damit können sie wichtige Spieler länger an die Mannschaft binden. Diese bezahlen sie dann zu festgelegten Konditionen. Damit stellt die Liga sicher, dass Spieler länger bleiben, mit denen sich die Fans identifizieren.

Europäische Reformen sind nicht in Sicht

Doch in einer nationalen Lösung ist das nicht umsetzbar. Mit der Champions League hat sich längst eine europäische Meisterschaft etabliert. Wer als nationaler Verband die notwendigen Reformen vollzieht, könnte in diesem Wettbewerb nicht mehr mitspielen.

Das „Bosman-Urteil“ war nichts anderes als die gerichtlich erzwungene Umsetzung europäischen Wirtschaftsrechts auf den Fußball. Die Strahlkraft der europäischen Meisterschaft war so stark, dass auch Verbände das Urteil übernommen haben, die nicht zur EU gehören – Russland zum Beispiel.

Eine Einigung müsste nun also europaweit stattfinden. Und sie müsste sowohl auf der sportlichen wie auf der politischen Ebene kommen. Am Tisch säßen die EU-Europäer zusammen mit den Russen, Türken und den frisch aus der EU ausgetretenen Briten. Reformen auf dieser Ebene sind also schlicht illusorisch. Sodass sich DDR-Nostalgiker damit abfinden müssen, dass 2023 der Rekord von Dynamo Ost-Berlin obsolet ist.

Refornen sind notwendig, um die Dominanz der Bayern zu brechen
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Ein Kommentar zu “Reformen sind notwendig, um die Dominanz der Bayern zu brechen

  • #1
    Bochumer

    Gute Vorschläge und richtige Beobachtung. Aber mit diesem korrupten Menschen in der UEFA wird sich nix ändern.
    Im Fußball hat der Kapitalmus gewonnen. Wer hinschaut, ist selber schuld (so wie ich).

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