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“Rot-Weiß Essen drücke ich heute Abend die Daumen im DFB-Pokal”

Satdion von Rot Weiss Essen an der Hafenstrasse in Bergeborbeck | Foto: Peter Hesse

Satdion von Rot Weiss Essen an der Hafenstrasse in Bergeborbeck | Foto: Peter Hesse

Auch in dieser Woche gibt es im Fußballgeschehen wieder viel zu besprechen, Robin Patzwaldt und Peter Hesse reden unter anderem über das Schalker Chaos, den Trainerrauswurf bei Bielefeld und ob Jürgen Klopp tatsächlich Bundestrainer werden kann. Und natürlich drücken wir Rot-Weiß Essen heute abend im DFB-Pokalspiel gegen Holstein Kiel die Daumen.

Peter Hesse: Hallo Robin, zurzeit überschlagen sich die Ereignisse: Chaos auf Schalke, Bielefeld schmeißt Trainer Neuhaus raus und dann kam noch die Nachricht über den Ticker, dass Jürgen Klopp es sich offenbar vorstellen kann, die Nachfolge von Joachim Löw als deutscher Bundestrainer anzutreten. Dies berichtet zumindest der “Daily Mirror” mit Bezug auf eigene Quellen. Der Vertrag von Jogi Löw läuft noch bis nach der WM 2022 in Katar, seine Zukunft soll aber auch am Abschneiden bei der EM hängen. Das ist ziemlich viel auf einmal, oder?

Robin Patzwaldt: Hallo Peter! Gut so! es gefällt mir, wenn in der Szene richtig was los ist. Klopp als Bundestrainer fände ich super. Bielefeld hat falsch gehandelt, sage ich einfach mal so. Und Schalke? Na ja, das wundert uns doch nicht wirklich, oder? Eigentlich könnte ich jetzt zu jedem Thema viel sagen. Was ist dir denn aktuell am wichtigsten? Vielleicht fangen wir dann damit an und gehen dazu etwas in die Tiefe…. Sag mal, was dich davon am meisten beschäftigt!

Peter Hesse: Ich finde das Verhalten auf Schalke absolut desaströs, bedenklich und einfach nur noch traurig – und die vielen Schalker Fans in meinem Freundes- und Bekanntenkreis tun mir einfach nur noch leid. Seit dem Sturz von Clemens Tönnies kommt der Verein nicht mehr aus den Negativ-Schlagzeilen. Die vielen Dortmunder Ochsen, die jetzt meinen sie sind mit ihren Peter Neururer-Witzen auf der Höhe der Zeit, haben den Schuss nicht gehört: man muss niemand treten, der eh schon am Boden liegt. In der Privatwirtschaft ist Schalke in Gelsenkirchen der personenstärkste Arbeitgeber – fast 800 Leute arbeiten direkt um die Veltins Arena im Ticketing, im Veranstaltungsbereich und so weiter. Wenn die zukünftigen Vereine jetzt Aue, Heidenheim und St. Pauli heißen die bei Königsblau antreten, wird das ein anderer Schnack sein, als wenn Stuttgart, Bayern oder Bremen kommen. Ich hoffe es kehrt mit der neuen Trainer-Verpflichtung von Dimitrios Grammozis endlich ein bisschen Ruhe ein – in dieser Saison hat Schalke nun schon mehr verantwortliche Übungsleiter gehabt, als Freiburg in den letzten 30 Jahren…

Transparent auf Schalke – im Hintergrund die Veltins-Arena | Foto: Peter Hesse

Robin Patzwaldt: Ja, was da auf Schalke los ist, das ist traurig. Das geht auch mir als BVB-Fan so. Gleichzeitig macht es demütig. Man sieht, wie schnell man einen solch tollen Verein runterwirtschaften kann. Ob die sich da so rasch von erholen, daran habe ich auch Zweifel. Wenn jetzt mit Gazprom auch noch der Hauptsponsor verloren geht, dann finde dafür in diesen Zeiten erst einmal einen Nachfolger. Ich sehe das mit dem direkten Wiederaufstieg kritisch. Der HSV macht ja gerade vor, wie es nicht geht. Und wenn die Schalker Mannschaft zerfällt, kein Geld in die Kasse kommt, wie soll das mit der Spitzenmannschaft in Liga 2 dann klappen. Das kann ja nicht alles über die Knappenschmiede laufen, auch wenn die immer gelobt wird. Echt eine harte Nummer, was da gerade abläuft.

Peter Hesse: Auch, dass Arminia Bielefeld tatsächlich die Trennung von Trainer Uwe Neuhaus vollzogen hat, ist für mich absolut unverständlich. Neuhaus hat die Ostwestfalen zu einer bissigen Truppe aufgebaut – das zeigt ja alleine das 3:3 gegen Bayern München – und auch im 3:0 gegen Dortmund waren sie streckenweise ein sehr fieser und zäher Gegner. Natürlich ist der Verbleib in der Bundesliga für die Arminen nicht selbstverständlich – aber muss es immer gleich den Trainer treffen? Mich macht das ratlos. Nun folgt Frank Kramer, den ich noch als Trainer aus Düsseldorf und Fürth kenne – zuletzt war er bei Red Bull Salzburg tätig. Was passiert, wenn er mit den Arminen die Liga nicht halten kann, muss er dann auch wieder gehen?

Robin Patzwaldt: Bielefeld ist letzter in der Rückrundentabelle. Da kann ich schon verstehen, dass man über den Trainerposten nachdenkt. Für Neuhaus tut es mir leid. Den kennen wir ja noch aus seiner Zeit in Dortmund als Co-Trainer. Kramer kenne ich zwar noch, wirklich viel anfangen kann ich mit ihm aber noch nicht. Bin gespannt, ob er den Klassenerhalt mit der Arminia schafft. Auf Schalke ist ja nun Grammozis als Nachfolger für Christian Gross gekommen. Auch kein Name, auf den man so auf Anhieb gekommen wäre. Ich hätte da eher mit eine Rückkehr von Domenico Tedesco gerechnet. Aber bei Schalke weiß man ja inzwischen echt nicht mehr, wo man da dran ist und wer überhaupt das Sagen hat.

Kann der neue Schalke 04-Trainer Grammozis Ruhe und Erfolg zur Mannschaft bringen? | Foto: Peter Hesse

Peter Hesse: Dimitrios Grammozis war von 2013 bis 2017 in unterschiedlichen Positionen beim VfL Bochum tätig, in der Saison 2016/17 arbeitete er sogar als Co-Trainer von Gertjan Verbeek. Ich finde das ist eine Entscheidung mit Perspektive – auch für die zweite Liga. Arnd Zeigler hat am Sonntag ausgerechnet, dass Schalke mindestens sechs der noch ausstehenden 11 Spieltage gewinnen muss um auf dem Relegationsplatz zu landen – aber an dieses Wunder glaube ich nicht, obwohl ich es mir natürlich wünschen würde. Die zweite Liga wird für Schalke eine absolute Zäsur bedeuten. Und dann klingeln mir noch die Worte von Rot-Weiß Oberhausen-Präsident Hajo Sommers in den Ohren, der mal in einem Interview sagte: “Du bist als Absteiger viel schneller noch eine Liga tiefer – der sofortige Wiederaufstieg gelingt nur ganz selten.”

Robin Patzwaldt: Beispiele dafür gibt es ja genug. Nürnberg, Kaiserslautern, 1860 München oder auch Braunschweig, Fürth oder Hannover. Kaum einer kam zuletzt schnell wieder zurück ins Oberhaus. Wenn überhaupt. Hoffen wir, dass wir schalke nicht demnächst in diese Reihe mit einfügen müssen. Das Derby würde ich auf Dauer schon sehr vermissen. Und der VfL Bochum wäre für Schalke auch kein wirklicher Ersatz in Liga 1. Dafür ist deren Bedeutung im Ruhrgebiet einfach zu gering.

Peter Hesse: Naja, in meiner Perspektive sind es immer die kleinen Clubs, die das Salz in der Suppe sind. Der VfL ist immer noch vorne dabei mit seinen Aufstiegsambitionen – und auch Rot-Weiß Essen drücke ich heute Abend die Daumen, wenn sie im DFB-Pokal auf Holstein Kiel treffen. Es ist übrigens lange her, dass die Rot-Weißen im Viertelfinale standen: Das war der 30. November 1993, als die Essener in einem hart erkämpften Match gegen Carl Zeiss Jena weiterkamen. Der Gegner wurde damals noch Trainerlegende Hans Mayer auf das Spielfeld geführt. Der heutige Tag könnte also ein wichtiger für die Essener Vereinsgeschichte werden. Viel Glück also an die Hafenstraße!

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Ein Kommentar zu ““Rot-Weiß Essen drücke ich heute Abend die Daumen im DFB-Pokal”

  • #1
    thomas weigle

    Was S04 angeht, so wurde in der OWL-Gazette NW/HK der Name Tönnies gewispert. Da kommt doch Lust auf mehr auf bei sensationsgierigen Zaungästen.

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