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Ruhrbarone-Ausflugstipp: Die Halde Hoheward als Symbol für das moderne Ruhrgebiet

Auf der Halde Hoheward im Juli 2020. Foto(s): Robin Patzwaldt

Wer von unseren Lesern selber im Ruhrgebiet lebt und demnächst vielleicht einmal wieder Besuch aus einem anderen Teil der Republik bekommt, dem bietet sich die Halde Hoheward an der Stadtgrenze zwischen Recklinghausen und Herten als geradezu ideales Reiseziel an, um den Besuchern die Region mit ihren Vor- und Nachteilen auf kleinstem Raum zu präsentieren.

Die Hoheward ist tatsächlich so etwas wie ein Paradebeispiel dafür, was das Revier ausmacht: Eine klassische Industriekulisse, mehr Grün als man gedacht hätte und zahlreiche wirklich tolle Ideen, die dann jedoch häufig an der konkreten Umsetzung scheitern.

Die Halde entstand einst aus Schüttungen der Zeche ‚Recklinghausen II‘, der Zeche ‚Ewald‘ und der Zeche ‚General Blumenthal/Haard‘. Zwischen den Städten Herten und Recklinghausen gelegen, bildet sie gemeinsam mit der Halde Hoppenbruch die größte Haldenlandschaft des Ruhrgebiets.

Die höchste Stelle der Halde ist mit einer Höhe von 152,5 m ü. NN angegeben. Bei gutem Wetter kann man von dort aus rund 50 km weit blicken. Alleine deshalb lohnt sich schon ein Besuch. Selbst an Tagen mit weniger guter Sicht, so wie ich am Freitag leider einen erwischt hatte (siehe Fotos), lohnt sich die Aussicht über das Ruhrgebiet.

Die gesamte Anlage präsentiert sich in diesen Tagen leider, wie das gesamte Ruhrgebiet, in einem etwas ‚angegammelten Zustand‘. Das lässt sich nicht anders ausdrücken. Was einst sicherlich gut gedacht war, den gelungenen Strukturwandel des Reviers symbolisieren sollte, lässt sich aktuell nur noch bedingt einem Ortsfremden vorzeigen.

Insbesondere das auf dem nördlichen Gipfelplateau im Jahre 2008 errichtete Horizontobservatorium ist seit Jahren eine der größten Peinlichkeiten des Ruhrgebiets.

Das moderne Bauwerk von offiziell 88 Metern Durchmesser sollte ursprünglich eine moderne Version prähistorischer Steinkreise und Bauwerke wie Stonehenge darstellen. Klingt toll, und wäre es wohl auch, wenn der Bau der Anlage nicht völlig danebengegangen wäre. Inzwischen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die historischen Baumeister da doch schon mehr draufhaten, als die Macher moderner Prägung.

Denn schon kurz nach der Eröffnung der Anlage am 20. Dezember 2008 wurden erhebliche Risse im Äquatorbogen festgestellt. Dies führte dazu, dass das Areal im Januar 2009 aus Sicherheitsgründen gesperrt und der Bogen provisorisch durch zwei zusätzliche Pfeiler gestützt werden musste (siehe Fotos vom 3. Juli 2020).

Seither wird hinter den Kulissen um die Details und Verantwortung für dieses Desaster gestritten. Seit meinem letzten Besuch dort im Jahre 2013 hatte sich bis vergangenen Freitag dadurch unglaublicher weise noch immer rein gar nichts erkennbar getan oder verbessert.

Im Gegenteil: Die Anlage vergammelt augenfällig vor den Augen der Besucher. Ein Trauerspiel!

Besser könnte man nicht demonstrieren, was im gesamten Ruhrgebiet derzeit leider viel zu häufig der Fall ist: Vollmundige Ankündigungen und wohlklingende Pläne werden in der Realität nicht umgesetzt wie allgemein erwartet, zerren stattdessen an den Nerven der Betroffenen und belasten am Ende den Steuerzahler höchstwahrscheinlich stärker als zunächst angedacht.

Abgesehen von solch traurigen Erkenntnissen erwarten den Besucher auf dem Gipfel aber durchaus schöne Aus- und Anblicke, die einen Besuch trotz allem lohnend machen.

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7 Kommentare zu “Ruhrbarone-Ausflugstipp: Die Halde Hoheward als Symbol für das moderne Ruhrgebiet

  • #1
    ke

    Hoheward ist klasse. Natürlich ist das Observatorium mehr als peinlich, wenn man sieht, welche tollen Konstruktionen vor über 100 Jahren vom Pott in die Welt verschifft wurden.
    Noch peinlicher ist aber, dass man immer noch keine Lösung hat.

    Es ist eigentlich ein toller Ort, um unser Leben mit den kosmischen Abläufen in Verbindung zu bringen.

    Konzerte auf der Halde im Sommer sind nur schön. Ich mag auch den Bereich um Ewald und das Besucherzentrum.

    Insgesamt: Leider versemmelt , aber immer noch ganz attraktiv.

  • #2
    Thomas

    Ich war dieses Jahr auch schon mehrmals oben auf der Halde, wirklich tolle Aussicht und mit etwas Glück kann man bis zum Tetraeder schauen. Der Aufstieg von der Drachenbrücke aus lohnt sich auch. Die Brücke könnte aber mal einen neuen Anstrich vertragen bzw die Schmierereien könnten entfernt werden.

  • #3
    Arnold Voss

    Das eigentlich Tolle, ja geradezu baulich Absurde, ist während der Anschüttung selber passiert, bzw. konnte man es nur in dieser Zeit sehen. Bei dieser Halde ist nämlich der übliche Tunnelbau umgekehrt worden: Erst kamen die (Eisenhahn) Tunnel und dann der Berg darüber. Ein welrweit wahrscheinlich einmaliger Vorgang. Leider kann man das nur noch auf historischen Fotos sehen, über die ich leider nicht verfüge. Aber ich durfte es immerhin selbst beobachten.

  • #4
    der, der auszog

    Wenn ein Observatorium, was nie funktioniert, dafür aber bislang mehrere Millionen Euro verschlungen fat und seit über 10 Jahren so vor sich hin gammelt, ein Symbol für das moderne Ruhegebiet sein soll, dann ist sicherlich auch die Vielfältigkeit der Spurbreiten im öffentlichen Personennahverkehr, die energiesparende Taktung von Bussen und Bahnen, Dieter Gorni und Michael Norberg geb. Skowronek als modern zu bezeichnen….

  • #5
    Joachim Jürgens

    Der Landschaftspark Hoheward wurde am 8. November 2008 offiziell eingeweiht.
    Vergessen wurde dabei, welche Aktionen im Vorfeld der BI-Halde erforderlich waren
    bewegte Politik & Bürger gleichermaßen auf mehr als 1800 Seiten haben wir die Diskussion
    in den Jahren 1976 – 1984 zusammengefaßt

    Vorwort zu dieser Dokumentation

    Ein Satz Willy Brandts ist inzwischen ein geflügeltes Wort: Mehr Demokratie wagen! Notwendig dazu waren eine 68er Bewegung, eine Anti-AKW-Bewegung und die Bürgerinitiativ- und Friedensbewegung. Da war er nun – der mündige Bürger! Und die etablierte Politik fühlte sich überfordert, weil sie es nun mit Bürgern zu tun bekam, die ungeheure Anstrengungen unternahmen Sach- und Fachkompetenz zu erwerben. Nicht nur die Politik zeigte sich in der Regel den Argumenten der Bürger unterlegen, sondern auch die hinzugezogene wissenschaftliche Hilfe versagte immer häufiger.

    Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre zog die neue politische Kultur auch in Herten ein. Bürgerinitiativen bildeten sich. Zunächst Initiativen, die sich an Straßenproblemen orientierten. Schützenstraße und Heidestraße. Dann entstand im Zuge der Diskussion um die „Superhalde“ Hoheward, die erste wirklich stadtumfassende Bürgerinitiative
    „Halde“. Gerade die BI „Halde“ setzte in Herten „Standards“. Man setzte sich für alle Hertener ein, betrachtete nicht nur das Objekt der Kritik, sondern weitete den Blick. Schnell wurde die gerade entstehende Müllverbrennungsanlage in die Überlegungen zur Gesamtsituation einbezogen.

    Die Erkenntnisse der immer wieder fragenden Bürger wuchsen. Ökologie, Politik und Ökonomie stehen in bestimmten Verhältnissen zueinander. Die Ökonomie hat einen Wunsch und die Politik versucht ihn umzusetzen – auf der Strecke bleibt die Ökologie. Gut, dazu gibt es einige Varianten, z.B. bezahlt der Bürger die Folgekosten – oder die Ökonomie macht die Folgekosten zu Gewinnen. Viele dieser Varianten können in der Dokumentation festgestellt werden.

    Die wichtigste Lehre ist aber: Wenn Bürger sich zusammen tun, dann können sie auch etwas erreichen.

    Hans-Heinrich Holland Leider zu früh von uns gegangen

  • #6
    Helmut Junge

    Wir sind heute von diesem Artikel angeregt worden. Allerdings waren wir auf der Halde Haniel, weil die näher liegt, bewaldet ist, und weil wir noch nie dort waren. Wir sind zweimal gefragt worden, ob wir uns auskennen. Corona macht es möglich, daß die Leute, uns eingeschlossen, die nähere Umgebung erkunden. Spannend, denn wir müssen noch einmal hin, zu einem anderen Parkplatz. Denn wir sind gar nicht oben angekommen. Wir hatten aus ortsunkenntnis den längstmöglichen Weg gewählt. Aber wir waren mal wieder draußen. Diese Halde ist riesig, wenn man sie zu Fuß umrunden will.
    https://www.halden.ruhr/halde-haniel.html

  • Pingback: Ruhrbarone-Ausflugstipp: Die Zeche Waltrop | Ruhrbarone

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