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Ruhrgebiet: Ausgerechnet Pleitgen

Fritz Pleitgen Foto: WDR

Fritz Pleitgen fordert ein Ende des Kirchturmdenkens und fordert einen „politischen Ruck“. Ausgerechnet Pleitgen.

Fritz Pleitgen, so habe ich der WAZ entnommen, hat eine flammende Rede vor der CDU gehalten, eine „Metropole Ruhr“ gefordert und vor einem Rückfall in die Provinzialität gewarnt. Viele haben gute Gründe und jedes Recht, solche Reden zu halten: Gelsenkirchens OB Frank Baranwoski (Chef der Ruhr-SPD), Burkhard Drescher (SPD, ex OB Oberhausen), Oliver Wittke (Chef der Ruhrgebiets-CDU) Christoph Zöpel (SPD) und natürlich Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Einer hat dieses Recht nicht: Fritz Pleitgen. Es ist billig, wenn Pleitgen heute Schaufensterreden hält und mit dem selten dummen Vorschlag kommt, das immer einer der OBs für ein Jahr das Ruhrgebiet repräsentieren soll. SPD und Grüne haben sich längst auf mehr geeinigt und in dieser Frage die Unterstützung der Union: Direktwahl des Ruhrparlaments und eines „Revier-OBs“. Pleitgens Vorschlag ist einfach ärgerlicher, unwissender Unsinn, ausgesprochen von jemanden, der nicht nur keine Ahnung von der Thematik hat, sondern auch immer wenn er in Verantwortung stand, nichts getan hat, um das Ruhrgebiet zu stärken.

Es war auch Pleitgen, der dafür sorgte, dass der WDR nicht über das Ruhrgebiet als Region berichtet, sondern die mediale Zersplitterung durch zahlreiche Lokalstudios noch förderte. Als Pleitgen Chef der Ruhr2010 war, fand ein Diskurs über das Ruhrgebiet und seine Zukunft nicht statt. Pleitgen schaute zu, wie die Gornys und Fesels die Kulturhauptstadt zu ihrer Beute machten. Spannende Projekte wie „Land for Free“ ließ er fallen. Politische Forderungen? Ideen? Fehlanzeige. Pleitgen gab den ambitionslosen Grüßaugust, der mit PR-Sprech die Provinzialität des Ruhrgebiets leugnete, anstatt sie zum Thema zu machen. Es gibt nach Ruhr2010 keine Provinzialität, in die das Ruhrgebiet zurückfallen kann – es war und ist Provinz und auch Pleitgen hat daran nichts geändert.

Er hat zum Ruhrgebiet nichts zu sagen – also sollte er das auch gefälligst unterlassen.

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28 Kommentare zu “Ruhrgebiet: Ausgerechnet Pleitgen

  • #1
    Familienbande

    Fritz who???

    Text/Quelle: Wikipedia

    […]
    Bereits mit 14 Jahren arbeitete Pleitgen als freier Mitarbeiter für Sport- und Gerichtsberichterstattung für die Lokalausgabe Bünde der Freien Presse Bielefeld. Hier trat er auch 1959 ein zweijähriges Volontariat an.
    1963 wechselte er dann zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) nach Köln.
    […]
    Nachdem Pleitgen bis 1993 als Chefredakteur beim WDR gearbeitet hatte, wechselte er zum 1. Januar 1994 nach drei Jahrzehnten Fernsehen zum Radio und wurde Hörfunkdirektor des WDR.
    Pleitgen reformierte während dieser Zeit die Programm- und Organisationsstruktur und hob den Sender Eins Live aus der Taufe.
    […]
    Fritz Pleitgen sagte zu dem Unglück bei der Loveparade 2010, die im Rahmen der RUHR.2010 stattfand: „Wir tragen an der Tragödie schwer“. Im moralischen Sinne fühle er sich mitverantwortlich für das Unglück.[5]

    http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Pleitgen

    Frederik Pleitgen ist der Sohn des ehemaligen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen.
    Er studierte Nordamerikanistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und an der Freien Universität Berlin.
    Anschließend war er ein Jahr an der School of Journalism der New York University und erhielt 2004 ein Stipendium für das Institute for Cultural Diplomacy in San Fernando Valley.[2]
    2005 erhielt Pleitgen ein Arthur F. Burns Fellowship, das er am International Center for Journalists in Atlanta verbrachte.
    Pleitgen arbeitete im ZDF-Hauptstadtbüro und im RTL-Hauptstadtstudio.

    Von 2000 bis 2006 war er als Reporter beim Sender n-tv tätig. Danach wechselte er zum US-amerikanischen Sender CNN. Er berichtete aus dem Irak, im Oktober 2010 aus Pakistan sowie 2011 von der Revolution in Ägypten und dem Bürgerkrieg in Libyen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Frederik_Pleitgen

  • #2
    Michael Townsend

    Einen Satz wie: „Pleitgen schaute zu, wie die Gornys und Fesels die Kulturhauptstadt zu ihrer Beute machten.“ kann man so sicher nicht stehen lassen. Auch wenn die Genannten mittlerweile zu den Meist-Attackierten des einen oder anderen, der hier schreibt, geworden sind.

    Zum wiederholten male muss ich hier widersprechen! Dieter Gorny kümmert sich mit großer Leidenschaft und riesigem Engagement unter Zuhilfenahme aller seiner beruflichen Netzwerke um die Projekte und Themen, die man mit ihm vereinbart.

    Ohne Gorny keine SAE-Ansiedlung in Bochum (SAE=Sound Audio Engineering, Hochqualifizierte Ausbildungsstätte für künstlerische Tontechnik mit perspektivisch bis zu 200 Studenten). Ohne Gorny und Fesel keine Folgeprojekte im Bereich Design nach der Kulturhauptstadt. Weitere konkrete Projekte sind in Kooperation mit Gorny in der Pipeline.

    Wir in Bochum profitieren sehr von gemeinsam angefassten Projektthemen.

    Wer diese Kooperationsbereitschaft sowie das großartige Engagement dieser Akteure nicht abfragt, beraubt sich selbst der einen oder anderen Chance. Stattdessen wieder in „Gorny-Bashing“ zu verfallen ist nicht die fairste aller Möglichkeiten!

  • #3
    bochumer

    Man kann ja zu Pleitgen und der RUHR.2010 stehen, wie man will (wobei ich die Kulturhauptstadt nicht mit Gorny und Fesel gleichsetzen würde!).

    Doch von der Grundtendenz her hat Pleitgen meiner Ansicht nach dennoch Recht: Das Ruhrgebiet steht (wieder?) still!!! Und da ist es mir egal, wer hier endlich wieder eine Debatte vom Zaun reist.

    Daran sollten sich die Ruhrbarone lieber konstruktiv, aktuell und immerfort dran beteiligen!

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Michael Townsend Ich würde den Satz so formulieren: „Dieter Gorny kümmert sich mit großer Leidenschaft und riesigem Engagement unter Zuhilfenahme aller seiner beruflichen Netzwerke um sich und seine Freunde.“

    Wir haben so manches was Gorny und Fesel treiben abgefragt. Herauskamen vor allem gescheiterte Projekte, bunte Broschüren, miese Medien und viel heisse Luft.

  • #5
    Michael Townsend

    @Stefan Laurin: Ok. Ich will niemanden gegen seinen Willen belehren; bin schließlich kein Volkserzieher :-). Wir sollten in einem Jahr Bilanz ziehen und konstatieren, welche Projekte gemeinsam mit Gorny bei uns geklappt haben. On verra!

  • #6
  • #7
    der, der auszog

    Olli Wittke, Gelsenfrank, Fritz von Pleitgen, Pech und Pannen und wie sie alle heißen, haben alle recht, wenn sie fordern, dass das Kirchturmdenken im Ruhrgebiet ein Ende haben muss. Aber diese Forderung gibt es eigentlich schon seit Menschengedenken und sie gehört mittlerweile leider zum „guten Ton“ eines jeden Politiker und Kulturschaffenden, wenn er sich zum Ruhrgebiet äussert, ähnlich wie einst der Zusatz Catos, der im übrigen der Meinung war, dass Karthago zerstört werden muss. Karthago war dann irgendwann auch kaputt und entstand wieder neu, aber nur, weil man auch bereit war, dafür zu kämpfen. Und genau das ist das, was den Kulturschaffenden, Medienvertretern und vor allem den Politikern im Ruhrgebiet fehlt. Sie machen einfach nichts, außer labern und schwätzen. Mit Phrasen alleine kann man allerdings nix verändern. Und leider sind diejenigen, die am lautesten nach einem Ende der 53 Kirchtürme schreien dieselben, die erbitterten Widerstand leisten, wenn es darum geht, einen Teil ihrer Macht und Verantwortung abzugeben.

  • #8
    Gerd Herholz

    Das Problem mit Pleitgen et al. ist, dass sie erst ideologische Scheinalternativen konstruieren, damit z.T. echte Scheinprobleme erst schaffen, die sie dann zu lösen vorgeben mit Kulturhauptstadt-Sonderorganisationen, ECCEs ff.
    Solche Prozesse haben Häußermann/Siebel und Läpple in „Stadtpolitik“ (Suhrkamp) präzise und analytisch sauber beschrieben.
    Man entwertet, entdemokratisiert z. B. den Kulturbereich, indem man ihn und seine Alltagsbeteiligten für unfähig erklärt, größere Probleme zu lösen („Subventionsempfänger“) und installiert dann die superteuren Strukturen, die vermeintlich dagegen helfen sollen, aber nur den vorgeblichen Teufel mit einem wirklichen Beelzebub austreiben: Großmannssucht, „Positionierung“, „Marketing“, Creative Industry …
    So kippt man stadtpolitisch von einer Schieflage in die andere. Ruhr.2010 und Ecce haben sich vor allem durch kulissenhafte Bürgerbeteiligung bei gleichzeitiger Eventisierung/Polarisierung/Umverteilung ausgezeichnet.

    Zum schlechten Schluss war die Loveparade-Katastrophe nur das signifikanteste Ergebnis eines verkorksten, aber modischen Mainstream-Denkens, das um des Erfolgs willen Zahlen fälscht, Druck ausübt, abkassiert, sich in bezahlten Gutachten selbst feiern lässt und auf die Region einen Schei… gibt. Nichts als Hurra-Kreatiprimitivismus und Auffallen um wirklich jeden Preis. Was das mit der bitter nötigen Kulturentwicklung in der Region zu tun hat, wird mir nie einer erklären können.
    Siehe dazu wieder einmal (bitte!!! klicken!!!):
    http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Loveparade-Absage-waere-laut-Gorny-eine-Blamage-id2425980.html

    Kulturentwicklung, Stadtentwicklung müssten ganz abseits der Pleitgenschen Populismen neu diskutiert werden. Aber daran sind die Pfründe-Verwalter hier nirgends interessiert. Sie müssten ja auch ihre eigene Arbeit kritisch beleuchten und endlich ihr ganzes neoliberales Marketing- und Kreativgeschwätz aufgeben.

  • #9
  • #10
  • #11
    Ulrich Horn

    Stefans Zorn kann ich gut verstehen. Mit der Kulturhauptstadt versuchte das Ruhrgebiet, Metropole zu spielen, statt seinen Charakter als Provinz zu entwickeln. Das Ruhrgebiet sollte sich endlich damit abfinden, was es ist: Provinz. Gegen Provinzialität ist doch nichts einzuwenden. Auch Provinzen können blühen und große Attraktion entfalten. Leider blüht das Ruhrgebiet nicht. Schlimmer noch: Es stagniert nicht einmal. Es zerbröselt. Und redet sich dabei ein, Metropole zu sein. Dabei sind die meisten der 53 Städte längst erstarrt, ausgedörrt und unfähig, sich in ihren eigenen engen Grenzen selbst zu helfen. Es wird höchste Zeit, dass die Region aufhört zu träumen. Viel Zeit hat sie nicht mehr, sich gegen ihren Verfall zu stemmen.

  • #12
    Melanie von Hurt

    [SPD und Grüne haben sich längst auf mehr geeinigt und in dieser Frage die Unterstützung der Union: Direktwahl des Ruhrparlaments und eines “Revier-OBs”]

    achja, und wann fangen die an?

  • Pingback: Links anne Ruhr (06.10.2011) » Pottblog

  • #14
    Theo Jörgensmann

    Gerd; da core!

    Es ist nicht nur das Kirchturmdenken, das die Entfaltung des vorhandenen schöpferischen Potenzials behindert. Der „Makel“, im Ruhrgebiet geboren zu sein, lastet auf den Menschen und bestimmt ihre Handlungen. Wie ein Computerwurm frisst sich der Minderwertigkeitskomplex des Ruhrgebietsgeborenen in die Gehirne der Kulturverantwortlichen. Etwas „Großes, Internationales“ muss es sein. Koste es was es wolle. Nur so kann man seine Herkunft abschütteln und auf Augenhöhe mit den Metropolen der Welt einhergehen. Das hat natürlich nur einen kurzen Atem und geht zu Lasten der Menschen, die sich ehrlich engagieren.

  • #15
    Gerd Herholz

    # 14 Theo: Ja, und dann hauen halt die meisten ab, weil sie wie Du als Klarinettist (mit Weltruf) oder als Literaten wie Rothmann/Poschmann/Lodemann usw. hier im Ruhrgebiet keine Entwicklungschancen sehen und kaum Luft zum Leben haben. Leute wie Eckard Koltermann, Arnold Voß, Laurin, ich und viele, viele andere ertragen das hier alles nur, weil sie viel reisen und sich auch woanders intellektuelle/künstlerische Anregungen holen oder sie an die Ruhr importieren. Und dann mit ihrer Arbeit hier im Ruhrgebiet für Qualität bürgen.
    Ich bin nun wirklich immer und überall ein Verteidiger des Ruhrgebietes, aber langsam denke auch ich nur noch ans Abhauen – ist nur die Frage. ob es woanders besser ist (bzw. wird, jetzt bei all der Umverteilung von unten nach oben). Wir sind schließlich die Griechen von morgen.

    Zu den nötigen kleinen Schritten, die nie gemacht werden, weil Pleitgens Parolen posaunen:
    Im Masterplan Kultur des RVR etwa kommt Literatur(förderung) wieder nicht vor, wie schon bei den Bewerbungsschriften für Ruhr.2010 ff.
    So blind muss man erst einmal sein. Und Jazz ist natürlich auch kein Thema. Kunst interessiert halt nicht, sondern „Kompetenzfelder“ einer Creative Industry.

    So Dinger wie der „Master“(hahaha, ich schmeiß mich weg…)-Plan werden von extrem hoch bezahlten „Experten“ erstellt (oder beraten), hier etwa der invent GmbH, Innovationsagentur, Wirtschaft – Tourismus – Kultur aus Wien. (Das Wort „Innovation“ steht seit Ende der 80-Jahre in Henscheids satirischem Dummdeutsch-Lexikon, aber die lesen ja nichts Gutes.)
    Deshalb stehen da andauernd so vollidiotische Sätze wie:
    „Die Metropolregion Ruhr ist ein relevanter kultureller Bestandteil der Metropolregion Rhein-Ruhr und besitzt damit die Chance, sich in der obersten Liga der Kulturstädte zu positionieren.“
    Der einfache gekürzte Hauptsatz lautet also: ‚Die Region ist Teil der Region und besitzt die Chance sich zu positionieren.‘ Jo mei, lecks mi doa am Oasch.

    Folgendes Stark-Imponier-Sätzchen vom Experten-Luxus-Affenfelsen ist (neben unzähligen anderen) auch noch zum Kotzen, aber da gibt‘ sicher Textbaustein-Archive und so kann man der Politik vor Ort von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen immer den gleichen Mist andrehen, die merken ja nix, die anästhesieren wir einfach mit einer Überdosis FLach-Gas

    „Die Metropolregion Rhein-Ruhr weist eine innere funktionale Differenzierung in die
    Metropolregionen Düsseldorf, Köln und Ruhrgebiet auf. Die Besonderheiten der historischen Entstehung der Metropolregion Rhein-Ruhr und die Größe und Komplexität des Entwicklungsraumes sprechen dafür, diese Differenzierung der Region auch in der Entwicklung ihrer Zukunftsstrategien zu berücksichtigen (Blotevogel, Danielzyk).“ Ach so. Ja, dann …

    Weiter langweilen bitte unter:
    http://www.metropoleruhr.de/fileadmin/user_upload/metropoleruhr.de/Bilder/Regionales_Management/Kultur_Sportfoerderung/Masterplan_Kulturmetropole_Ruhr.pdf

  • #16
  • #17
    Walter Stach

    Wenn „man“ sich politisch, kultur,wirtschaftlich,sozial einem Mehr an Miteinander wünscht, informell, formell, durch gesellschaftlich aktive Indivualisten, durch gesellschaftliche Organisationen, durch die Kommune,durch den RVR, dann aber doch bitte nicht über das „Kernrevier“ hinaus mit Düsseldorf, Köln, auch nicht im Sinne eines „Überbaues“, in dem dann zu differenzieren wäre -sh.Zitat bei Gerd Herholz. Letzteres, die Vision einer Rhein-Ruhr-Metropole als „Überbau“, der dann wiederum in drei Teilregionen zu „differenzieren“ wäre, schließt für mich auch die allerkleinste Chance aus, daß „man“ irgendwann, irgendwie doch noch einem Mehr an Miteinander im Ruhrgebiet(!!) kommt. Wer ein „Mehr an Miteinander“ im Ruhrgebiet nicht will, der bringt in den Prozeß den „Überbau“ der Rhein-Ruhr-Metropole mit Köln und Düsseldorf ein! Ich befürchte allerdings, daß dieses „Mehr an Miteinander“ selbst im Ruhrgebiet über bloße Symbolik -Direktwahl der RVR-Verbandsversammlung u.ä.- nicht nennenswert hinauskommen wird, solange es im Reviers keine in Quantität und Qualität öffentlichkeitswirksame bürgerschaftliche Bewegung -wörtlich und bildlich gemeint-gibt. „Pro Ruhrgebiet e.V.“ ist das trotz aller anerkennenswerten Aktivitäten nicht.

  • #18
    Helmut Junge

    Der politische Zusammenschluß des Ruhrgebiets zu einer Ruhrstadt ist das eine Thema.
    Die kulturelle Entmiefung ein anderes. Ob diese dann die konsequente Fölge eines solchen Prozesses sein würde, kann ich kaum glauben.
    Da kann ich mir aber Lösungen vorstellen, die Köln und Düsseldorf mit einbeziehen.
    Was dabei dann herauskäme, könnte eine so starke Kommune, wie es die Ruhrstadt dann wäre, in aller Gelassenheit abwarten.
    Provinzieller jedenfalls würde es sicher nicht, wenn Köln und Düsseldorf kulturell dabei wären. Ich glaube eher, dass diese Städte dann allerdings lieber alleine weitermachen wollten.
    Was die Wortblasenproduzenten betrifft, meine ich in meinem Leben immer wieder beobachtet zu haben, dass viele Menschen von solchen „schillernden“ sprachlichen Hülsen leicht zu beeindrucken sind, und oft solche Politiker wählen, die besonders imposante Blasen erzeugen können. Die Politiker sind aber meist selber von solchem Unsinn beeindruckt. Wenn sich ihnen Mitarbeiter anbieten die auf diesem Gebiet Fähigkeiten haben, werden die schneller einen wichtigen Job bekommen, als schwerfälligere, aber seriöse Bewerber.
    So ist das meiner Ansicht nach. Was bei einer hohen Konzentration von Dummschwätzern herauskommt? Guckt Euch doch mal im politischen Bereich um.

  • #19
    Walter Stach

    Gibt es für uns Ruhrgebietler Möglichkeiten, Chancen ergebnisorientiert daran mitzuwirken, daß es zu einem „Mehr an Gemeinsamkeit, zu einem „Mehr an Miteinander“ im Revier kommt? Wir kritisieren regelmäßig und unverdrossen das Nichtstun Anderer, wir kritisieren die mehr oder weniger weisen Ratschläge Anderer -sh.Pleitgen-, wir tauschen unsere Idee aus -z.B. bei den Ruhrbaronen-; und ansonsten? ? Anmerkung: Das „kulturelles Entmiefen“ könnte in seiner Folge durchaus zu einem „politischen Entmiefen“ führen, z.B. zu einem „Mehr an städteübergreifenden Miteinander“ und umgekehrt könnte ein so verstandenes „politisches Entmiefen“ zu einem „kulturellen Entmiefen“ beitragen. Einleuchtend erscheint jedoch, daß ein wie auch immer organisiertes Mehr an politischem Miteinander im Ruhrgebiet unmittelbar nicht den Prozeß des „kulturellen Entmiefens“ auslöst bzw. beschleunigt und das umgekehrt der Prozeß eines „kulturellen Entmiefen“ nicht zwangsläufig und unmittelbar den Prozeß einer politisch-kommunalverfassungsrechtlichen Neuorganisation des Reviers voranbringt.Da stimme ich Helmut Junge zu. „Man“ könnte zeitgleich Beides wollen und Beides tun oder? Und was können wir -sh.meine einleitende Frage-dazu beitragen, außer „zu meckern“ -mich eingeschlossen-.

  • #20
    Arnold Voss

    Das Problem ist, dass die Selbsternennung zur Metropole das Kooperations- und Innovationsgeschwätz vieler der Verantwortlichen im Ruhrgebiet erst in dieser selbsbetrügerischen Weise ermöglicht. Ohne rot zu werden. Ohne ein Fünkchen Selbstironie.

    In Wahrheit gilt jedoch im Ruhrgebiet, dass jede Adresse aus einer Metropole, die diesen Namen wirklich verdient, hier mehr zählt als eine aus/in Herne, Bochum, Essen, Dortmund, Duisburg usw. So geht die Ironie wenigstens durch die Hintertür doch noch ein Bündnis mit der Wirklichkeit ein.

    Ich habe daraus auch persönlich meine Schlussfolgerung gezogen: Zumindest mein Büro hat (auch) eine Berliner Adresse.Andere Menschen von weitaus größerem fachlichen und vor allem kulturellen Gewicht waren da aus nachvollziehbaren Gründen viel konsequenter. Die haben sich nach entsprechenden Erfahrungen gänzlich aus dieser Region zurück gezogen.

    Und was die Provinz betrifft habe ich mich hier, und nicht nur hier, schon ausführlich geäußert:

    http://www.ruhrbarone.de/was-das-ruhrgebiet-von-woody-allen-lernen-konnt/

  • #21
    Walter Stach

    Statt Pleitgen-Platitude: Wir holen Karl Ganser aus Bayern zurück ins Ruhrgebiet! Aber der will und der wird für das Ruhrgebiet nichts mehr tun! Karl Ganser hat mich seinerzeit nicht nur durch die Lösung vieler kleiner und mancher großer Probleme überzeugt -und ich konnte dabei berufsbedingt speziell in CAS-R mithelfen- , sondern ganz enorm emotional beeinflußt, dh., ich war tagtäglich vor allem dank Karl Ganser voller Optimismus, wenn es um die Zukunft einer lebens- und liebenswert Stadt CAS-R und anderer Städte der Region -der IBA- ging. Von diesem Optimismus merke ich nichts mehr;vielleicht bin ich als Ruheständler auch nur „zu weit vom Schuß“. Suchen wir nach einem „neuen Karl Ganser“!Alle Erfahrungen sprechen doch dafür, daß primär nicht neue Organisationen, neuen Verfahren p.p. die wirklichen Motoren von Prozessen sind, sondern Persönlichkeiten! Haben wir die nicht im Revier? Oder haben wir davon sogar Einige, die aber „nicht dürfen“?

  • #22
    Robin Patzwaldt

    @Walter Stach: Ich befürchte, dass insgesamt bei vielen der Frust um sich greift. Ich suche ja auch verzweifelt nach dem Silberstreif am Horizont, kann ihn aber derzeit wirklich nicht finden. Zuviel Filz und persönliche Bereicherung und Vorteilnahme wohin man auch sieht.

    Aber ich muss sagen, ich bin echt überrascht von dir hier jetzt auch so ‚Negatives‘ zu lesen. Letztens hast du mir noch vorgeworfen zu negativ auf die Entwicklung zu blicken. Jetzt bestätigst du das hier ja ganz direkt….

  • #23
    intellektuellenkartoffel

    @ 15-21: haben wir uns schon mal auf der strasse getroffen? beim flugblattverteilen und der organisation einer widerstandsbewegung? oder kann ich nur die artikel und kommentare und eure berliner adresse lesen? vermummt ihr euch und werft mit tomaten? oder esst ihr lieber kartoffeln in eurem computer?
    auf auf, ihr wackeren 15-21, macht euch die region wie sie euch gefällt!

  • #24
    Arnold Voß

    Hallo #23, mach ich schon seit über 40 Jahren. Und eigentlich hat mir die Region schon seit meinem 5. Lebensjahr gefallen. Auch ohne Industriekultur und IBA-Zauber. Für die Stadtpolitik die hier mehrheitlich bis heute betrieben wird, gilt das allerdings nicht. Wenn man sieht, wie unglaublich langsam sich da was verändert, kann man schon mal auf Abwanderungsgedanken kommen. Ansonsten haben sie natürlich Recht. Wer sich nicht wehrt der lebt verkehrt. Egal wo.

  • #25
    Walter Stach

    24-Arnold Voss: IBA-Zauber? Ich bleibe dabei: Wir können über die IBA im allgemeinen und über einzelne ihrer Projekte streiten.Was uns jezt fehlt, ist nicht primär eine neue IBA oder etwas Ähnliches, sondern Persönlichkeiten wie Karl Ganser, die Menschen motivieren können, in ihrer Stadt, in ihrem Stadtquartier, wie auch immer organisiert und verfaßt, Ideen zu entwickeln und vor allem, diese dann auch umzusetzen (!!), gegen oft gewaltige Widerstände, um die Stadt, das Quartier für alle Menschen lebens- und liebenswert zu machen. Damit kein Mißverständnis aufkommt: Ich bleibe dabei, daß auch die „Verfassung der Region“ geändert werden muß. Dazu gibt es beste Ideen. Aber, und das lehrt doch die Erfahrung: Eine sehr gute Organisation mit „Flaschen“ in verantwortlichen Positionen bringt letztlich nichts. Eine misserable Organisation mit „Persönlichkeiten“ in Führungspositionen kann sehr wohl viel Positives bewirken. Das hat u.a.eben auch Ganser bewiesen. Und zu Robin -22-:Nee,nee, ich sehe weder hier noch sonst wo „nur“ oder “ gar primär“ das Negative, denn dann würde ich nicht beinahe überall -auch mit gelegentlichen Beiträgen bei den Ruhrbaronen-versuchen, Gedanken, Ideen vorzutragen und selbst „mit anzupacken“ -sh.Kulturforum Kapelle in Waltrop- um „Negatives“ -das ist im übrigen zunächst immr eine sehr subjekte Wahrnehmung-aufzuzeigen und mich mit Wort und Tat in einen Prozeß der Veränderung zum Positiven einbringen. Ich habe aus einigen der vorangegangenen Beiträgen im Sinne einer selbskritischen Wahrnehmung für mich zumindest den Gedanken entwickelt, daß „unser Heil“ möglicherweise gar nicht, wie von mir immer wieder betont, in einem verfaßten und organisierten „Mehr an Miteinander im Ruhrgebiet“ zu suchen ist, sondern wir vielmehr die vielen,vielen Individualisten in den einzelnen Stadtquartieren noch mehr Raum geben müssen für die selbstbestimmte Gestaltung ihrer Lebenswelt. Das schließt Begleitung/Unterstützung/finanzielle Förderung dieses selbstbestimmten Tuns -oder Lassens?-durch die Kommune nicht aus, sondern ein. Aber Beides, eine „neu verfaßte, neu organisierte“ Region Ruhrgebiet“ und „neue Freiräume zur Selbstgestaltung/Selbstbestimmung in den Stadtquartieren“ schließen sich ja nicht aus und wenn es dann noch mehr Karl Gansers -in jedem Stadtquartier- geben würde, ja dann!! Visionen, Utopien? Mag sein, aber auch die helfen, dem Negativen zu begegnen.

  • #26
    Helmut Junge

    Jetzt wo Walter Stach den Namen Karl Ganser erwähnt, fällt mir auf, dass wir meines Wissens noch nie über eine Persönlichkeit, die im Ruhrgebiet tätig war, und im ganzen geographischen Raum bekannt ist, diskutiert haben. Mir ist nicht mal bekannt, ob es für den Job, den Ganser ausübte, einen Nachfolger gibt. Gut, das kann ich ja googeln, aber es ist mir im Moment wirklich nicht bekannt. Über Ganser weiß ich aber, dass er in weitesten Kreisen mit seinen Ideen Aufmerksamkeit erreichte, und ich hatte immer den Eindruck, dass einige politische Repräsentanten meiner Stadt einen ziemlichen Respekt vor ihm hatten. Und da waren Leute dabei, die selber nicht unter Minderwertigkeitsgefühlen litten.
    So eine Persönlichkeit brauchten wir vielleicht wirklich wieder.

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  • #28
    Detlef Lauster

    In keiner Zeit würde so wenig getan für deutschsprachige Musik Kultur wo Pleitgen Intendant des WDR war. Erst recht hat er Ruhrgebiet Musik ausgeschlossen obwohl er aus dem Ruhrgebiet kommt. Er ist im wahrsten Sinne ein Ruhrpott Verräter und für mich auch ein Dieb. Inseider wissen wovon ich rede. An seiner Stelle würde ich mich entschuldigen. Noch kann er es.

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