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Ruhrgebiet: Chance Wohnungsnot

In Düsseldorf steigen die Mieten. Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Geringverdiener und Studenten können sich ein Leben in der Landeshauptstadt kaum noch leisten. Eine Chance für das Ruhrgebiet, die allerdings niemand sieht.

In den meisten Großstädten Deutschlands sind in den vergangenen Jahren die Mieten zum teil erheblich gestiegen. Wohnraum wird wieder ein knappes Gut. Zumindest in Städten wie München, Frankfurt, Hamburg, Köln oder Düsseldorf. Sie alle wachsen, gewinnen Einwohner hinzu. Im Ruhrgebiet sieht die Situation anders aus. Nur in wenigen Stadtteilen ist Wohnraum knapp, die Städten verlieren Einwohner, Mietpreise stagnieren oder wachsen nur langsam, die Zahl der Leerstände nimmt zu.

Ein großes Angebot an Wohnungen und günstige Mieten – damit könnten zumindest die Ruhrgebietsstädte Essen, Mülheim und Duisburg um Menschen werben, die in Düsseldorf arbeiten oder studieren und sich die hohen Preise für Wohnungen oder Häuser nicht leisten können oder wollen. Von diesen drei Städten erreicht man Düsseldorf sowohl mit dem Auto wie mit dem Nahverkehr schnell. Man könnte eine Internetseite schalten, auf der das Wohnungsangebot beworben wird, die Oberbürgermeister könnten sich vor Großplakaten in Düsseldorf fotografieren lassen wo sie um neue Einwohner werben. Das könnte, um um das zu ahnen muss man kein PR-Nobelpreisträger sein, bundesweit für Aufmerksamkeit sorgen. Es wären preiswerte und pfiffige Aktionen und vielleicht brächten sie ja tatsächlich ein paar Menschen dazu, ins Ruhrgebiet zu ziehen. Auf jeden Fall würden sie zeigen: Das Ruhrgebiet stellt sich dem Wettbewerb, jammert nicht und geht offensiv auf Menschen zu – mit faktischen Vorteilen. Leipzig hat früher mal mit seinem preiswerten Wohnraum geworben. Im Ruhrgebiet kommt keiner der Verantwortlichen bei den Wirtschaftsförderungen und Stadtmarketinggesellschaften auf so eine Idee.

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12 Kommentare zu “Ruhrgebiet: Chance Wohnungsnot

  • #1
    RhineBlaze

    Bei gleichem Gehalt fiel mir die Wahl zwischen Köln und Bochum leicht – es wundert mich nur das dieser Standortvorteil nicht mehr beworben wird. Aber da kann man ja was dran ändern!

  • #2
    Alaaf

    Bei gleichem Gehalt fiel mir die Wahl zwischen Köln und Bochum auch leicht – wer will schon in Bochum leben? Wer sich für eine Großstadt entscheidet, will auch am Puls der Zeit leben. Zumindest bei jungen Leuten ist das oft so. Da will man sich nicht stundenlang in eine Regionalbahn setzen, um den nächsten Club zu erreichen. Was dem Ruhrgebiet fehlt, ist eine intensivere Vernetzung, dass man es mal als Metropolregion wahrnimmt. Dann muss es aber auch der öffentliche Nahverkehr zulassen, dass man Dienstag nachts in kurzer Zeit auch zwischen den Städten hin und her fahren kann. Erst, wenn das ÖPNV-Netz des Ruhrgebiets so ausgebaut ist wie das etwa in Berlin (was von der Größe her am ehesten zu vergleichen wäre), erst dann wird das Revier auch einen solchen Bevölkerungszuwachs erleben. Das Ruhrgebiet als Vorort von Düsseldorf zu bewerben wäre eine große Schande.

  • #3
    Marc

    Kein Student gibt sich den Stress, jeden Tag mit dem RE von Bochum/Essen nach Köln oder Düsseldorf zu pendeln

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @marc: Bochum ist zu weit weg. Essen, MH und vor allem Duisburg gehen sehr gut.

  • #5
    teekay

    Natuerlich ist ein grosses Problem, dass preiswerter Wohnraum nicht gleichmaessig und in guten Lagen verteilt ist. Zugespitzt formuliert: in der Duisburger Innenstadt und um den Hauptbahnhof herum ist es nett und pendlerfreundlich-aber da ist ja nicht der Leerstand. Hochfeld, Bruckhausen und Meiderich lassen sich schon schwerer bewerben. Da wo der Leerstand und die guenstigen Mieten sind ist es weder familienfreundlich (als Ersatz zum ‚Reihenhaus im Gruenen‘ wenn Staedte zu teuer werden) noch attraktiv genug um gegen ‚echtes‘ Stadtflair in Koeln oder Duesseldorf anzukommen. Welcher Student zieht denn in einen Duisburger oder Bochumer Vorort-selbst wenn die Mieten guenstig sind? Egal, ob das nun rational ist oder nicht, aber Attraktivitaet kann man nicht nur preiswerten Wohnraum erkaufen. Denn die meisten Leute sehen doch, dass Ruhrgebietsstaedte ueberall sparen (Kinderbetreuung, Kultur, OEPNV) und so preiswerten Wohnraum indirekt ermoeglichen, weil Familien usw. wegziehen.

  • #6
    Erdgeruch

    Die meisten Besserverdienenden wohnen ja bereits jetzt im Umland von Düsseldorf und Köln. Die ziehen wohl auch nicht mehr um. Tatsächlich sind jüngere Berufstätige und Studierende mobiler, aber auch sie wird es ohne attraktiven Wohnraum bei Familienbildung oder sozialem Aufstieg nicht im Ruhrgebiet halten. Aber ich teile auch die Auffassung, dass nur das westliche Ruhrgebiet bei richtiger Strategie jenseits PR eine Chance hat. In Essen und Mülheim gibt es eine Innenstadtentwicklung, aber die Ergebnisse brauchen auch Zeit. In Duisburg fehlt noch ein Konzept. Aber es fehlt sicher dann immer noch eine schnellere ÖPNV-Anbindung, zumal bei den Autobahnen wohl keine Lösung zu erwarten ist.

  • #7
    Mit-Leser

    Im Duisburger Süden findet sich die perfekte Infrastruktur – zu brandenburgischen Konditionen: Flughafen, Rhein, Naherholungsgebiete, City(Ddorf)Nähe, gute ÖPNV-Verbindungen. Trotzdem scheint kaum einer das DU-Kennzeichen haben zu wollen. Deswegen volle Zustimmung: Das Ganze ist in erster Linie eine Marketingfrage, das Produkt (Ruhr Südwest) ist gut genug.

  • #8
    Alex

    Ich bin als „Kreativarbeiter“ seid einigen Monaten in Düsseldorf tätig. Indiskutabel war, in diese Stadt zu ziehen. Dortmund (Vorteil: Heimat) und Köln (Vorteil: Kumpels) standen als Pendelbasis zur Auswahl. Dortmund ist es geworden. Insbesondere wegen der Preis/Leistung beim Wohnraum. Nach 7 Jahren Hamburg hatte ich fast vergessen, dass man Wohnungen auch ohne Makler mieten kann.

  • #9
    teekay

    @Alex: Du nutzt natuerlich Deinen ‚Heimvorteil’…wie viele Deiner Kollegen die nicht im Westen von Deutschland aufgewachsen/studiert/gearbeitet haben machen Dir das nach?

  • #10
    Gulliver

    Pssst, bloß keine PR in Sachen billiger Wohnraum. Dann ist es nämlich bald vorbei mit selbigen. Also, liebe Nicht-Ruhris: es ist hier wirklich so schrecklich, wie ihr glaubt. Morgens stehen wir in Jogging-Hose und speckigen Feinripp-Unterhemd anne Bude und hebeln die Bierpullen mit den Zähnen auf. Wenn wir dann erstmal so richtig knülle sind, hauen wir uns gegenseitig auffen Kopp drauf. Kultur buchstabieren wir R-T-L-2 und Sport betreiben wir nur auffen Sofa: Fusi gucken. Nix für Düsseldorfer Feingeister…;-)

  • #11
    Puck

    Irgendwie scheint es sich noch nicht herum gesprochen zu haben, daß auch im Ruhrgebiet mit Messer und Gabel gegessen wird und es in den Häusern fließend warm Wasser gibt.
    Allerdings haben die Lokalgrößen hier auch stets ein Händchen für den nonchalenten Schuß ins Knie.
    Der letzte größere Unfall in der Hinsicht war die Forderung nach Solizuschlägen fürs Ruhrgebiet. Hätte eigentlich jedem klar sein müssen, was da passieren würde: Da zogen wieder alle los und suchten die usseligsten Ecken für ein Foto, als wenns einen Preis dafür gäbe. Eine möglichst schäbige Seitenstraße, unrenovierte Altbauten, idealerweise ein geschlossenes Geschäft, mit Packpapier verklebtes Schaufenster – und ganz wichtig: Mülltüten im Vordergrund!
    Ich frage mich immer, wo diese großen Mülltüten herkommen.
    Wahrscheinlich bringen die Fotografen die mit.

    Und so kommt es dann zu eklatanten Fehleinschätzungen:
    @alaaf #2
    Ich könnte ja Klagen darüber verstehen, daß die Innenstadt von Bochum nicht so charmant ist wie die Gassen in der Altstadt von Köln.
    Aber ausgerechnet über einen Mangel an Clubszene zu nölen?
    Wo genau in Bochum haben Sie sich denn umgesehen, um zu Ihrem so entschiedenen Urteil über das Bespaßungspotential zu kommen?

  • #12
    Alex

    @Teekay Kaum einer. Warum auch? Mein Heimvorteil besteht ja in einem Wissensvorsprung. Aber der ließe sich ja über die richtige Vermarktung von Rhein-Ruhr als Region (und nicht als Summe von Einzelstädten) ausgleichen. So zumindest meine naive Hoffnung.

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